nach:kommen I

Oftmals fragt man sich, was wird dereinst von einer Person, von meiner Person, noch länger in Erinnerung bleiben. Während der ersten fünf Jahrzehnte ist dies keine vordringliche Angelegenheit. Zu sehr ist alles auf Erwerb, auf Anerkennung, auf die Erziehung der Nachkommenschaft, auf das Flügge werden der Brut ausgerichtet. Man steht Mitten im Leben und die Tage sind zu kurz, um den Schaffensdrang voll auszuleben. Plötzlich ändern sich die Tage, am Ende des Sommers bemerkt man, dass sich die ersten Blätter verfärben. Beim Spaziergang an der Drau stellt man verwundert fest, wie viele bunte Blätter am Boden liegen. Kommt eine Brise Wind hat man den Eindruck, als regnet es Blätter in allen Farben vom Himmel. Die Ursache für die Aufmerksamkeit, welche man den Veränderungen in der Natur entgegenbringt, sieht man in der Natur selbst, nicht in sich. Dabei sind es die eigenen Empfindungen und der Umstand, dass man sich im letzten Drittel des Lebens befindet. Dies verfärbt die Blätter früher und lässt sie vom Himmel wirbeln. Nicht die Kalendertage  werden kürzer, die voraussichtlichen Lebenstage werden weniger. Hier liegt die wahre Ursache für den frühen Herbstbeginn.

Das Interesse an den alten  Familienfotos erwacht plötzlich, genauso wie das Interesse an den weit verstreuten Verwandten. Man begibt sich auf die Suche nach Überlebenden, den Nachkommen von verzogenen Blutsverwandten. Lässt es die eigene Gesundheit zu, besucht man die ausgewanderten Familienmitglieder in Asien, Australien oder Amerika. Es wird der Versuch unternommen, an die jüngere Generation anzudocken. Zumeist können diese mit der Verwandtschaft aus Europa, deren Muttersprache sie nicht sprechen, nichts anfangen. Für sie ist Canada oder Indien ihre Heimat. Europa kennen sie aus den Erzählungen von den Großeltern. Vielleicht die Musik von Mozart oder von Strauß, den Namen von Freud und Musil, die Städte Wien und Salzburg. Diese Namen strahlen über Österreich hinaus. Vom restlichen Österreich, den übrigen Bundesländern und Landeshauptstädte geht kein Licht aus, diese führen eine Existenz wie die schwarzen Löcher im All. Man vermutet das es sie gibt, hat aber keine eindeutigen Beweise.

Spurensuche

zünd:funke II

Nach den vielen Spekulationen rund um das Schreiben ist es angebracht vom eigenen Schreiben, vom Nachdenken, vom Prozess bis zur Verschriftlichung zu erzählen. Der Auslöser für meine Literaturminiaturen ist häufig ein Satz während einer Unterhaltung, von jemandem anderen oder von mir geäußert. Im weitesten Sinne auch eine Meinung oder eine Feststellung, welche in einem Gespräch getroffen wird. Ausgangspunkt für einen Text kann eine völlige Nebensächlichkeit sein, Begebenheiten die keines Blickes wert sind. Diese bilden die Grundlagen für meine Texte. Zumeist werden sie in einer kurzen, handschriftlichen Notiz in meinen Tageheften (A6 Notizheft) festgehalten. Diese Notizen werden durch Fantasie, Erinnerungen und die Möglichkeiten erweitert. In der Wohnung ist es immer derselbe Schreibplatz, das sogenannte Schreib-und Katzenzimmer. Tagsüber, zumeist am Nachmittag wird diese Kammer von mir zum Schreiben benützt, nachtsüber dient es der Wohnungskatze als Schlafraum. Das Geheimnis,wie ich zu diesem Text gekommen bin, soll gelüftet werden. Die Initialzündung liegt in einer kurzen Notiz in meinen Tageheften. Dort habe ich festgehalten, dass von Berufstätigen mir gegenüber der Wunsch geäußert wurde, im Ruhestand möchten sie auch Schreiben. Zumeist denken sie dabei an eine Autobiographie. Sie bewerten ihre Erlebnisse und Tätigkeiten für so interessant, dass es auch andere interessieren könnte. Sie  wissen nicht, dass erfundene Geschichten zumeist spannender klingen, als die Tatsächlichen. Von einigen, die über etwas Schreibtalent verfügen, ist es ein konkretes Vorhaben für den Ruhestand, zu schreiben und ein Buch zu veröffentlichen.

Noch etwas erweckt die Neugier von Bekannten, von Zuhörern und Lesern meiner Webseite und meiner Bücher, wie ich zum Namen Schlagloch für mein Blog gekommen bin. Da bin ich in der genüsslichen Lage auf den ersten Eintrag in meinem Blog zu verweisen. Heute würde ich es noch genauso definieren, vielleicht etwas phantasievoller formulieren.

Taggedanken

zünd:funke I

Wie kann man sich die Arbeit, den Arbeitstag eines Schriftstellers vorstellen, werde ich oftmals gefragt? Meistens vor oder nach einer öffentlichen Lesung, auch wenn ich von meinem Blog oder den veröffentlichten Büchern berichte. Ich erzähle wie meine Literaturminiaturen, die Texte, welche ich seit dreizehn Jahren auf  diesem Weblog veröffentliche, zustande kommen. Manche kennen die abenteuerlichsten Anekdoten von Schriftstellern, wie sie der Intuition nachgeholfen haben, wie sie in ihrem Gehirn den Schreibimpuls ausgelöst haben.So gibt es eine Anekdote von einem Autor, der in einer Schublade des Schreibtisches faule Äpfel liegen hatte und durch den Fäulnisgeruch zum Schreiben angeregt wurde. Ein Anderer braucht eine Dose gespitzter Bleistifte, damit seine einmal in Fluss gekommenen Gedanken nicht abreißen. Es gibt Literaten, welche nach einem Viertel Wein von der Muse geküsst werden oder sich genüsslich an den PC setzen und eine Pfeife anzünden. Wahrscheinlich kann jeder der Texte verfasst mit einem persönlichen Schreibimpuls aufwarten. Möglich, dass nach diesem Aufruf  einige ihren ganz persönlichen Schreibimpuls preisgeben? Die Kommentarfunktion ist für alle offen. Dazu gesellen sich die unterschiedlichen Tageszeiten, welche beim Schreiben eine Rolle spielen. Ähnlich wie für andere Tätigkeiten gibt es Morgen-, Abend- oder Nachtmenschen.

Die Ameisenschriftsteller, benützen täglich ihre Notizhefte, die Schreibmaschine oder den PC um ihre Gedanken, Phrasen, Erinnerungen und Spekulationen festzuhalten. Wieder andere warten auf den göttlichen Moment, auf eine spontane Eingebung um diese dann niederzuschreiben. Eine wichtige Rolle spielt auch der Platz zum Schreiben. Ist es immer derselbe Ort oder zieht man es in der Wohnung vor den Ort zu wechseln? Löst erst das Unterwegs sein, die Wartehalle von einem Bahnhof, die Zugfahrt oder ein fremder Ort den Schreibimpuls aus?  Ziehen am Zugfenster die Landschaften und Häuser vorbei trägt dies dazu bei, dass im Kopf die Gedanken zu fließen beginnen.

Explosion

handy:manie

Hätte Ötzi, ich meine den Mann im Eis, bereits ein Handy gehabt, hätte er vielleicht überlebt. Er wäre aber nicht so berühmt geworden. Berühmt zu werden, ist der Antrieb für die Selbstdarstellung in Verbindung mit den digitalen Medien. Dafür gibt es eine lange Tradition. Wir kennen alle die Porträts in den Museen von Fürstbischöfen, Kaiser und Adeligen. Seit den 90er Jahren gibt es im Fernsehen die Talkshow. In diesen Sendungen äußern sich Menschen von der Straße zu den Themen Partnerbeziehung, Seitensprung und Sex ganz offen. Zu den Vorreitern zählte RTL mit seiner Sendung der Heiße Stuhl, die Barbara Karlichshow im ORF lockt heute noch viele Zuschauer an.

Die neuen Plattformen der Selbstdarstellung, wie Weblogs, YouTube und Facebook  verbreiteten sich rasch im Internet. Auf diesen Webseiten ist es für jedermann möglich seine Meinung zu allem und jeden zu äußern. Lange Zeit war dies nur für Journalisten in den Tageszeitungen und im Fernsehen möglich. Blogs breiteten sich ab dem Jahre  2000 über die westliche Welt aus. Viele Blogger bleiben anonym und erzählen von ihren Problemen, sei es Scheidung, Missbrauch oder Geschlechtsumwandlung, so bunt wie das Leben. Von ihren Kochkünsten und Haustieren, aber auch Kommentare zum Tagesgeschehen. In ausführlicherer Form als es auf Twitter und Facebook möglich ist. In den Blogs findet eine permanente Kommunikation statt, das Werkzeug dafür ist die Kommentarfunktion. Der Blogger schlüpft oft in eine neue Identität, die sich von seinem Alltagsleben unterscheidet.

In aller Munde, genauer gesagt auf allen PC und Handys ist Facebook installiert. Wie dieses in das Leben der Benützer eindringt, Zeit und Aufmerksamkeit verlangt, kann man gut in der Aula der Alpen Adria Universität und in den Hörsälen beobachten. Ähnlich den Kettenrauchern werden am PC oder am Handy permanent die neuesten Post gelesen oder geschrieben. Wahrscheinlich verliert ein Jugendlicher, teilweise auch die Senioren an Image, wenn sie nicht so und so viele Facebookfreunde haben? Viele Schnappschüsse, die eine persönliche Ausnahmesituation zeigen, werden auf Facebook und YouTube hochgeladen.

Mit der Verbreitung der digitalen Medien wurde ein neues Zeitverständnis notwendig, eine neue Art der Zeitplanung. Hatte man früher Termine und Verabredungen auf Wochen oder Tage voraus geplant, so heißt es heute: „Wir telefonieren noch  miteinander“. Man trennt sich ohne einen konkreten Termin zu vereinbaren, weil man ja jederzeit telefonisch erreichbar ist. Dies macht eine Tagesplanung äußert  anstrengend und wird auch seine Folgen in der Lebensplanung haben. Bei einer Lehrveranstaltung wurde für die Arbeitsgruppe ein Facebookforum eingerichtet. Über dieses sollten die Beiträge und die Terminplanung abgewickelt werden. Um einen gemeinsamen Termin vor der Uni-Bibliothek zu organisieren hat es fünfunddreißig Post auf Facebook gebraucht. Dabei bestand die Möglichkeit am Ende der Vorlesung diesen Termin persönlich auszumachen.

Lebe leichter