AUF:räumen

Der Winter hat sich in unseren Breiten aus den Tälern zurückgezogen. Im Schatten sind an den Straßenrändern noch Schneereste anzutreffen. Grauschwarz von den Autoabgasen und daneben liegen Abfälle, die sich in den letzten Monaten angesammelt haben, und die bis jetzt vom Schnee zugedeckt wurden. Hier finden sich : Bierdosen, Coladosen, alte Zeitungen, Taschentücher, Konservendosen, leere Zigarettenschachteln oder die Verpackung von Mannerschnitten. In den Ortschaften ist der Schnee am Straßenrand unansehnlich.

 

Bei meiner Fahrt zur Arbeit zeigen sich die fernen Berggipfel schneeweiß. Es ist die Zeit des Sonnenaufgangs und die Berge strahlen wie frisch polierte Zähne. Hoch oben soll der Schnee noch reinweiß sein, ich selbst bewege mich nicht in diesen Höhen. Extrembergsteiger berichten, dass auch in Höhen von dreitausend oder fünftausend Metern, der Schnee, das Eis, verschmutzt ist. In diesen Einsamen, Menschenabweisenden, Menschenabwerfenden Höhen sammelt sich der Müll, es gibt Mülldeponien. Bei uns gibt es den Frühjahrsputz, neben der Straße, im Haus und im Garten. In diesen extremen Höhen ist dies schon technisch und menschlich kaum möglich.

 

Wir sind zweigeteilt, wir schreiben über die Schönheit des Schnees, des Winters, andererseits verschmutzen wir die Umwelt, die Berge. Wir richten beim Schreiben unseren Blick öfter auf die schmutzigen Seiten des Lebens, als auf die Schönen. Egal ob in Zeitungen, Zeitschriften oder anderen Medien. Antonin Artaud hat geschrieben: „Alles, was ihr für meine großen Texte hält, sind die Ausscheidungen meines Körpers.“

 

Müllentsorgung.

     

FINANZ:krise

Die schlechten Wirtschaftsnachrichten nehmen kein Ende. Das Wort „Finanzkrise“ wird das Unwort des Jahres werden, dies glaube ich nach ein paar Wochen sagen zu können. Außer, es ereignet sich eine noch größere Katastrophe, was ich nicht hoffe. Bei Krisen müssen wir  unterscheiden zwischen privaten, lokalen, internationalen und globalen Krisen. Am meisten betroffen sind die Menschen von einer privaten Krise, weil eine internationale Krise wird erst dann zu einer Krise, wenn jemand persönlich davon betroffen ist. Anderenfalls ist dies etwas, was weit weg ist. Ich ärgere mich darüber, dass immer wieder dieselben Meldungen in den Medien zu hören sind.

 

Die Finanzkrise muss nicht so spektakulär sein, dass man sein Haus verkaufen muss, es kann sein, dass man auf höfliche Art während der Schicht in das Personalbüro gerufen wird und dort von einer Minute auf die andere erfährt, dass man gekündigt ist. Man darf nicht mehr an seinen Arbeitsplatz, die Herstellung von Mikrochips, zurück. Von einem Mitarbeiter des Personalbüros wird man in den Umkleideraum begleitet. Dort kann man seine persönlichen Sachen aus dem Garderobeschrank nehmen und wird unter Aufsicht aus dem Firmengelände gebracht. Gefilmt von der Überwachungskamera.

 

Ausschussware.  

SUCH:hund

Eine Herausforderung für die Gesellschaft ist, wie sie mit dem überlieferten Wissen umgeht und wo es für die Zukunft gespeichert wird. Es wird gesagt, dass sich heute das Wissen innerhalb von drei bis fünf Jahren verdoppelt, wer hat dabei noch den Überblick? Für Menschen, die auf dem Stand der Zeit sind, ist es keine Frage, dass sich die modernen Nachschlagwerke, die Schaltzentralen des Wissens, im Internet befinden und dort abrufbar sind. Vielleicht entwickelt die jüngere Generation ein ähnliches Gespür für den Umgang und das schnelle Auffinden von Informationen im Internet, wie es Menschen der älteren Generation schaffen, in einer Bibliothek mit Hunderten von Büchern zu einem Thema das passende Buch zu finden. Bei der Generation ab fünfzig kommt es nicht nur oft zu einem Computerabsturz, manchmal stürzt sie auch in der Informationsfülle der Suchmaschinen ab.

 

Bekam ich früher beim Kauf einer Farbe vom Farbenhändler praktische Tipps zum Umgang mit der Farbe, so wird heute im Baumarkt ein Video über die Verarbeitung der Farbe abgespielt. Mit dem Verschwinden der kleinen Fachgeschäfte und Handwerker verschwindet auch sehr viel traditionelles Wissen.

 

Tasso such.