SCHREIB:schrift III

Mit ihrer Musik haben die Beatles und die Rolling Stones in den sechziger Jahren die  Musiksendungen im Radio erobert. Diese Musik wollten wir als Jugendliche auch körperlich spüren und haben die Lautstärke erhöht, sodass das Radio vibrierte. Die Mutter war besorgt, dass das Küchenradio durch die Musik Schaden nehmen könnte und bei uns ein Gehörschäden eintreten könnte. Dieser „Lärm“, so wurde die Beatmusik von den Erwachsenen bezeichnet, macht das Gehör und das Gehirn kaputt. „Am Land“ öffneten die ersten Diskotheken, wie die Bussi Bar und die Seppi Stubn ihre Pforten. Bei Schönwetter konnte man am Sonntagnachmittag am Innsberg, in der Nähe der drei Kreuze, Jugendliche treffen, welche sich in der Wiese um ein Transistorradio  niedergelassen hatten. Ein transportables Transistorradio stand bei den Mädchen, und bei den Burschen ein KTM Moped, auf der Wunschliste ganz oben.

Heute trifft man am Hauptplatz, im Bus, in der  Straßenbahn und  im Park auf Jugendliche, die mit Kopfhörer unterwegs sind. Der MP3Player versorgt sie über Stunden mit Musik, die vom Ohr direkt in das Gehirn dringt und so laut, dass die Nachbarn mithören. Bei den Joggern hört der Wald als Naturkulisse mit. Dem Enkel ist es langweilig, wenn einen halben Tag lang keine Fun-Aktion geplant ist. Vor zwei Jahrzehnten wurde der Fernseher in der Früh eingeschaltet,  danach der Gameboy und jetzt der MP Player. Ist man unterwegs zum nächsten Event, dann wird derweil am Handy gespielt.

Spielsüchtig.

SCHREIB.schrift II

In den heutigen Autos findet sich die neueste Unterhaltungselektronik, um vieles mehr, als dies vor vier Jahrzehnten der Fall war. In den siebziger Jahren konnte man ein Mädchen zum Mitfahren überreden, in dem man sagte: „Im R4 ist ein Autoradio eingebaut“. Das Autoradio sorgte  für Unterhaltung und Spaß beim Fahren. Die nächste Generation der Autoradios verfügte über einen Kassettenteil  zum Abspielen von Musikkassetten. Damit habe ich mir die Tonbandkassetten von den  Ö1 Sendungen „Tonspuren“ und  „Im Gespräch“ angehört.  Die Aufzeichnungen dieser Sendungen gab es in „Zehner  Boxen“, noch heute  besitze ich diese MC. Zum  Abspielen habe ich meinen Radiorekorder ITT   behalten und nicht entsorgt.  Dieser Radiorekorder besitzt ein eingebautes Mikrofon, sodass es möglich ist Gespräche aufzuzeichnen. Damit habe ich Interviews mit interessanten Menschen aus Arnoldstein aufgezeichnet und sie im Nachrichtenblatt veröffentlicht. Diese Tonbänder befinden sich heute im Heimatmuseum, von wo mir mitgeteilt wurde, dass die MC digitalisiert und auf eine CD gebrannt werden. In staatlichen und halbstaatlichen Institutionen wird die Möglichkeit genützt, verschiedene Dokumente, auf die jeweils neuesten Techniken zu überspielen. Im Vergleich dazu haben sich die Bücher in ihrer Art  über Jahrhunderte erhalten und werden noch einige Jahrhunderte dazulegen.

Von den aktuellen Datenträger und Speichermedien weiß man nicht, ob es sie in hundert Jahren noch geben wird. Nach den MCs sind die Singles und die Langspielplatten aus den Läden verschwunden, sie alle wurden von der Compact Disc abgelöst. Wie lange wird es noch Geräte geben, mit denen man eine MC oder LP abspielen kann?  Ähnliches passiert bei der Benützung des PC, nur  wenige verfügen noch über ein Diskettenlaufwerk.  Weil er leicht zu bedienen ist gehört die nahe Zukunft dem USB- Stick. 

Literaturarchiv Marbach – schlagloch/supersberger  

SCHREIB:schrift

In einer deutschen Tageszeitung lese ich, dass in Deutschland darüber diskutiert  wird, das Erlernen der Schreibschrift als Unterrichtsfach abzuschaffen. Die Schüler sollen in Zukunft nur die Druckschrift erlernen, da die elektronischen Geräte, wie Computer, Handy und auch andere elektronische Anzeigen, sei es im Auto, beim Fahrkartenschalter und Bankomat, mit der Druckschrift arbeiten. Noch besteht beim PC die Möglichkeit für den Schriftverkehr eine Schreibschrift zu wählen.

In ausgesuchten Papierfachgeschäften erhält man in Kärnten Redis-  und Breitfedern, dazu ein Tintenfass und einen Federstil. Verwendet werden diese Federn im Schönschreibunterricht. Von meinem Zeichenprofessor wurden die gotischen Buchstaben kunstvoll auf die Tafel geschrieben und wir mussten sie „nachmalen“. Auf Grund meiner Sehschwäche, die aber unbehandelt war, konnte ich die feinen Details nicht  erkennen und meine gotischen Buchstaben waren fehlerhaft. Dies hat den Zorn des Professors geweckt und er hat aus meinem Federstil „Kleinholz“ gemacht.

In jener Zeit beherrschten manche Erwachsene die Lateinschrift, andere schrieben ihre Briefe noch in Kurrentschrift. Die Briefe, welche die Mutter mir in das Internat sandte, schrieb sie in einer  Mischung aus beiden Schriftformen. So lernte ich ein wenig Kurrent lesen. Als ich einen Bericht über die Kriegsjahre in Arnoldstein verfasste wurden mir Briefe von einem KZ Häftling zur Verfügung gestellt. Die Briefe waren in Kurrentschrift abgefasst. Um diese Briefe dem Bericht anzufügen habe ich sie  an einen Verwandten weitergereicht, der sie mir in die Lateinschrift übertragen hat.

Österreichische Schulschreibschrift.