zeit:rechnung

Bei der Lehrlingsausbildung braucht es Geduld, um einem Lehrling grundlegende Kenntnisse aus der Branche beizubringen. Im Papierhandel beginnt es mit den verschiedenen Papierformaten. Vom Notizheft in A6 Format zum umgangssprachlichen Kleinformatheft in A5, dem kleinen Zeichenblock in A4 und seinem großen Bruder mit dem Format A3. Etwas verwirrender wird es bei den Größen der Briefumschläge die ein C vorgesetzt bekommen. Ein C4 Kuvert bedeutet, dass darin ein A4 Blatt, die übliche Größe eins Kopierpapiers, hineinpasst. Diese Formate werden immer wieder an praktischen Objekten wiederholt, so kommt es zu einem gewissen Automatismus. Dies trifft auch bei der Erkennung von verschiedenen Kartonstärken zu. Aus der Praxis: Ein Zeichenblatt hat 120 Gramm, ein Sternblatt 200 Gramm. Bei meiner Ausbildung wurde solange gegriffen, im wörtlichen Sinn, bis ich mit meinen Fingern begreifen konnte, um welche Kartonstärke es sich bei einem Bristolkarton handelte. Ein anderes Beispiel: Beim Anfassen konnte ich feststellen welche Blattstärke ein Schulheft hat. Ist es ein Heft mit 16 Blatt, 32 Blatt oder 40 Blatt, die 60 Blatt Hefte waren leicht zu erkennen, richtigerweise zu begreifen.

Erzählen wir etwas aus unserem Alltag so benützen wir immer öfter als Beifügung, vor der Corona Pandemie, während der Pandemie und wohl einmal, die Zeit nach der Corona Pandemie.

Daran erkennt man, wie stark sich die Pandemie in unser Zeitgedächtnis eingeprägt hat. Fast so wie die Zeit Metapher vor der Jahrtausendwende oder nach der Jahrtausendwende. Es gibt auch Orientierung an politischen Ereignissen wie, vor dem Beitritt Österreich zur EU und nach dem EU-Beitritt. Bei Fahrten nach und von Slowenien denke ich an das Prozedere beim Grenzübertritt am Wurzenpass, als es noch den Staat Jugoslawien gegeben hat. An die Frage des Grenzsoldaten: „Haben sie etwas zu verzollen“?

buch:lehre II

Nach der Absage in der Buchhandlung Pfanzelt bemühte ich mich um einen anderen Lehrplatz. In Spittal an der Drau gab es in der Bahnhofstraße einen Landmaschinenhändler, dieser verkaufte auch Elektro- und Haushaltsgeräte. Der Vater war als Bergbauer dort Kunde. Mein neuer Berufswunsch war Elektriker für Elektromotoren und -Geräte. Damals wurden Elektromotoren bei Verschleiß neu gewickelt. Am Bauernhof hatten wir einen Elektromotor für Starkstrom, der für die unterschiedlichsten landwirtschaftlichen Geräte zum Antrieb diente. Für die Kreissäge, Dresch- und Futterschneidmaschine bis zur Getreidemühle. Diese Maschinen wurden bei Bedarf mit demselben Elektromotor angetrieben. Bis der Elektromotor gut fixiert war und der Antriebsriemen die richtige Spannung aufwies dauerte es. Auf den Antriebs Riemen wurden ein paar Tropfen Pech geträufelt.

Zur Vorstellung beim Maschinenhändler sind wir mit dem Zug von Ferndorf nach Spittal an der Drau gefahren. Auf halber Wegstrecke befand sich in der Bahnhofsstraße die Papier- und Buchhandlung Petz, sowie die Buchdruckerei Petz. Das Papierfachgeschäft am Bahnhof.  Hinter der Schaufensterscheibe von der Papier- und Buchhandlung klebte ein weißes Blatt Papier: Lehrmädchen wird aufgenommen. Bis zum Vorstellungsgespräch beim Maschinenhändler waren es noch fünf Minuten. Rasch entschlossen betraten wir die Papierhandlung und der Vater fragte den Chef: „Könnte es auch ein Lehrbursche sein“? Der Chef schmunzelte und meinte: „Bis jetzt gab es nur Mädchen als Lehrlinge, aber es könnte auch einmal ein Bursche sein“. Nicht Vorhersehbar, über einen kleinen Umweg, hat sich damit doch eine Lehrstelle als Papier- und Buchhändler gefunden. Vereinbart wurde, dass ich zuerst die dreijährige kaufmännische Lehre als Papierhändler abschließe und in einem weiteren Jahr eine spezielle Ausbildung zum Buchhändler erfahre. Das Vorstellungsgespräch beim Elektro- und Maschinenhändler erübrigte sich.

Der Verkaufsraum der Papier- und Buchhandlung in Spittal hatte nicht das Atmosphärische der Buchhandlung am Unteren Kirchenplatz in Villach. Zu zwei Drittel dominierten das Angebot die Papierwaren und den Regalen der Buchabteilung sah man ihre Jahre an. Dies änderte sich nach zwei Jahren, als wir eine Betreuungsstelle für die Mitglieder der Buchgemeinschaft Alpenland wurden. Von der Buchgemeinschaft wurde die Buchabteilung neu eingerichtet, sie präsentierte sich offen und einladend. Eine Aufforderung an die Kunden bei den Büchern zu gustieren und sich selbst zu bedienen. Das Fachwissen für den Buchhandel habe ich mir im Selbststudium angeeignet. Zur Verfügung sind mir, die mit Wachsmatrizen vervielfältigten Skripten der Berufsschule für Buchhändler in St. Pölten gestanden. Die Fachprüfung für den Buchhandel habe ich in Klagenfurt, als einziger Anwärter, abgelegt. Aus dem Tagebuch… 

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buch:lehre

Ist es Eingebung oder meiner Laune geschuldet, als ich in der ersten Augustwoche 2021, wegen Corona wurde der Villacher Kirchtag abgesagt, mich unter der Stadthauptpfarrkirche auf einer der sehr einladenden Holzbänke niederlasse. Es ist eine Gruppierung von Sitzgelegenheiten mit Blumentrögen. Neu sind die Hinweistafeln, Mit Abstand sitzt man am Besten. Anfang August verbreitet sich das wohlige Gefühl, dass wir trotz vorhandener Corona Pandemie wieder am realen Leben teilhaben können. Dieses Empfinden wird dadurch getragen, dass viele Menschen zum Flanieren in der Innenstadt sind. Seit längerer Zeit höre ich wieder, dass sich Gäste in Italienisch unterhalten. Dies zeigt sich auch in den Gastgärten, wo sich größere Tischgesellschaften niedergelassen haben und Wienerschnitzel, die über den Tellerrand ragen, mit Pommes Fritte serviert bekommen. Das österreichische Nationalgericht steht bei den italienischen Gästen hoch im Kurs und dazu ein großes Villacher Bier. Das Villacher Bier hat sich bei den hunderttausenden italienischen Kirchtagsbesuchern der letzten Jahre einen Namen gemacht.

Die Sitzbank befindet sich gegenüber der Lederwerkstatt, wo bis vor einem halben Jahrzehnt die Buchhandlung Pfanzelt beheimatet war. Dieser Anblick weckt Erinnerungen, da ich vor fünfundfünfzig Jahren, eine unglaubliche Zahl, mit dem Vater in der Buchhandlung Pfanzelt bei einem Vorstellungsgespräch war. Ich bewarb mich um eine Lehrstelle als Buchhändler. Staunend blickte ich auf die vollen Bücherregale welche bis zur Decke reichten. Jeder Zentimeter war mit Büchern ausgefüllt. Dieses Ambiente erweckte in mir Respekt, dachte ich an meine künftige Aufgabe Kunden beim Kauf eines Buches zu beraten. Unentschlossene oder Suchende für das Lesevergnügen am Abend eines der Bücher vorzuschlagen. Um die obersten Regale zu erreichen gab es eine verschiebbare Leiter, die Kunden äußerten vor der Verkaufstheke ihre Wünsche. Vor den Regalen war ein schmaler Gang, reserviert für den Buchhändler, den Herrn über das Bücherwissen. Zur damaligen Zeit wurden Kunden etwas skeptisch beäugt, wenn sie die vorgelegten Bücher in die Hand nahmen und sich erdreisten darin zu schmökern. Der Vater und ich wurden in einen schmalen Lagerraum gebeten. Nach Meinung des Chefs stellte meine Sehschwäche, ich trug eine Brille, ein Hindernis für eine Buchhandelslehre dar. Nach seiner Auffassung könnte sich meine Sehleistung beim vielen Lesen stark verschlechtern. Daran scheiterte vorerst mein Wunsch Buchhändler zu werden. Die Buchhandlung hatte bereits Mitte der sechziger Jahre die dunkelblaue Einrichtung…Aus dem Tagebuch…

corona:literatur

Das Coronavirus und seine Folgen war vor zwei Jahren kein Thema bei den Vorauer Literaturtagen, trotzdem war Es ständiger Gast im Fürstenzimmer. Aus den Diskussionsbeiträgen zu den vorausgelesenen Büchern und den Gesprächen beim Mittag- und Abendtisch nicht wegzudenken. War meine Teilnahme Neugier oder war es Interesse an den Büchern, vor allem, was haben die übrigen Teilnehmer für sich in den Büchern gefunden? Was hatten sie für einen Eindruck vom Inhalt und wie war die sprachliche Kraft der Texte. Eine Spezies bei der Auslegung über den Stoff der Bücher ist, unter Anleitung einer Literatur Kritikerin, dass neuerdings danach gefragt wird, über was hat die Autorin oder der Autor nicht geschrieben. Was hat er weggelassen, hätte nicht dies und jenes zum Stoff dazugehört?  Um weiter zu ergründen, warum hat die Autorin oder der Autor darüber nicht geschrieben? Könnte es dafür einen bestimmten Grund geben, war es Absicht oder war ihm die Begebenheiten unangenehm oder hat er darauf schlichtweg vergessen? Es ist auch nicht auszuschließen, dass bestimmte Textstellen dem Lektorat zum Opfer gefallen sind. Auf jeden Fall waren die Tage eine Erweiterung meiner eigenen Sichtweisen und das Kennenlernen einer neuen Herangehensweise für künftige Lektüre.

Dabei konnte ich mir einen kleinen Seitenhieb auf die führende Literaturkritikerin nicht verkneifen. Ob es zum Modus der Literaturkritikerin gehört, dass unter den ausgewählten Büchern zumeist ein Buch ist, wo es mir an manchen Textstellen schwerfällt weiterzulesen.  Dabei handelt es sich um unmenschliche Verhaltensweisen, würde ich dies Passagen als Film sehen, müsste ich mich übergeben oder den Kinosaal verlassen. Für manche Teilnehmer ist es, nach ihren Aussagen unerheblich, welches Thema und welche Bücher für die Vorauer Literaturtage vorgesehen sind. Der Besuch der Vorauer Literaturtage gehört wie der Urlaub zum Sommer dazu, dies ändert auch kein Coronavirus. Aus dem Tagebuch...

schwarm:intelligenz

Für mich ist es eine Wohltat bei der Schiffsanlegestelle in der Wörtherseebucht von Klagenfurt, nach der Fahrt mit dem Rad von Velden bis hierher, eine Pause einzulegen. Auf einer Café Terrasse einen Cappuccino zu trinken. Das Wasser ist durchscheinend und unter der Oberfläche tummeln sich eine große Anzahl von Fischen. Von Zeit zu Zeit werfen die Café Besucher ein paar Kecks Brösel in den See und sofort stürzt sich ein Fischschwarm auf die Leckerbissen. Bildet sich ein Fischschwarm bin ich fasziniert wie sie gemeinsam einem Ziel hinterherjagen. Auf engstem Raum haben alle Platz und bewegen sich ohne den anderen zu behindern. Auffallend ist, dass sie den Enten folgen, wohl in der Hoffnung, dass bei einer Entenfütterung auch für sie etwas abfällt. Sie müssen nicht selbst aktiv werden. Schwarm Intelligenz versus Einzel Intelligenz, was im deutschen Kulturkreis bevorzugt wird ist noch nicht entschieden. Die deutsche und österreichische Kultur ist geprägt von Einzelgenie. In den Sparten Musik, Literatur und Malerei beherrschen einzelne Kulturgötter die Szene. Bekannt ist mir, dass in der Renaissance der Meister eine Malschule geleitet hat und bei Aufträgen wie das Ausmalen eines Sitzungssaales oder Kirchenwand seine Schüler eingebunden waren. Nebenfiguren und unbedeutende Landschaftsdetails wurden von den Lehrlingen gemalt.  

Auch in der Wissenschaft setzte man auf den einzelnen Forscher, daran ersichtlich, schaut man sich die Liste der Nobelpreisträger an. In seltenen Fällen werden zwei Personen gemeinsam für ein und denselben Nobelpreis nominiert.  Noch nie habe ich gehört, dass eine Gruppe von Wissenschaftlern für den Nobelpreis ausersehen wurde. Heute sind es in der Wissenschaft und Technik Teams, welche neue Entdeckungen machen. Erwähnt werden will, dass vor einem Jahrhundert die Ehefrauen, auch wenn sie an der Arbeit des Mannes beteiligt waren, bei einer Auszeichnung nicht erwähnt wurden. Aus dem Tagebuch…