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Wir gehen davon aus, dass die Lebenserwartung in den letzten Jahrzehnten gestiegen ist. Gerade führt uns die Corona Pandemie vor, dass im höheren Lebensalter die Gefahr steigt einer Pandemie zum Opfer zu fallen. Wer es schafft zwischen 60 und 65 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand zu kommen, geht zumeist mit einigen Plänen und Wünschen in die Rente. Bei mir waren es die Wünsche nach Fortbildung in geisteswissenschaftlichen Fächern und die Zuwendung zu meinem literarischen Endlosprojekt, dem Verfassen von Blogtexten. Geglückt ist mir die Herausgabe von einigen Sammelbänden aus den Blogjahren. Von mir in das Auge gefasst, nach dem Pandemieende, ein Corona Sample.

Wer im Alter noch etwas zu seinen Leistungen, zu seinen Spuren, zu seiner winzigen Rille im Sand etwas zulegen will, soll sich nicht darauf verlassen, dass die nächsten Jahre unendlich dauern werden. Plötzlich steht man wie bei einem Kuraufenthalt, ausgelöst durch ein inneres Gefühl vor den letzten Jahren oder Monaten. So schmerzlich diese Erkenntnis sein kann, alle Vorhaben zu verwirklichen wird nicht mehr möglich sein. Es bleibt sich auf etwas konkretes, dass die letzten Jahre bereichert hat, zu konzentrieren. Beruhigend, wenn es die Arbeit an etwas ist, was nicht mit einem Ende behaftet ist. Wo der Schlussstrich nicht verstörend wirkt, so blickt man nicht bei jedem Hinweis panisch auf das Ende. Lieber in die Ferne und freut sich über jede Erhöhung die überwunden wird und sieht vor sich etwas Neues liegen.

corona:kur II

Eines der banalen Vorhaben am Ende einer dreiwöchigen Kur ist, was soll ich Familienmitgliedern oder Bekannten als Mitbringsel kaufen? Wem möchte ich noch eine Ansichtskarte schreiben oder am letzten Drücker eine WhatsApp Nachricht senden? Dem einen oder anderen habe ich versprochen während des Kuraufenthaltes öfters anzurufen, weil so viel Freizeit gibt es nicht so bald wieder. Irgendwie habe ich den Anruf von einem Tag auf den anderen verschoben, von einem Wochenende zum Nächsten und plötzlich sind die letzten Tage angebrochen. Zudem hat sich das Wetter gebessert und es besteht die Möglichkeit noch die Wanderung nach Gumpoldskirchen, durch die Weinberge, zu machen. Für den Anruf bleibt keine Zeit mehr übrig, außer man plant ihn in die Wanderung ein. Mit dem Smartphone telefonierend durch die Weinberge, so splittert man die Zeit. Ein bisschen Wandern, ein bisschen die Natur genießen und ein bisschen mit den Gedanken bei einem Bekannten. Dies könnte man als Kurpanik bezeichnen und diese Panik trifft oft auch im Alter ein.

Dabei stehe ich vor der Herausforderung zu bestimmen, wann beginnt das Alter? Ist es heute akkurat vom Alter zu sprechen und wer lässt es zu, dass man über sein Alter spricht. Wird man auf seine Lebensjahre angesprochen zuckt man instinktiv zusammen. Besonders dann, bricht ein neues Jahrzehnt an. Um den Begriff Alter nicht im zahlenleeren Raum stehen zu lassen, würde ich für österreichische Verhältnisse sagen, das Alter beginnt mit dem Eintritt in die Pension. Jahrzehntelang hat es dabei Vorschwindler gegeben, die um die Lebensmitte, um die Fünfzig in die Pension gehen konnten. Dies zumeist in staatsnahen Betrieben der Republik Österreich. In den neunziger Jahren wurden diese Pensionsprivilegien aufgehoben. Nicht verwunderlich, wenn sich jetzt viele vehement dagegen wehren, bis zum derzeitigen Pensionsregelalter von 65 Jahren zu arbeiten.

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Mit den Wünschen, Tätigkeiten und Vorhaben im Alter dürfte es sich ähnlich verhalten wie mit den Vorhaben in den letzten Tagen eines Kuraufenthaltes. Bei Kurantritt kommen einem die 21 Tage endlos lange vor. Nähern sich die letzten Kurtage gibt es einen Schrecken, dass das Ende da ist. Es ist erstaunlich was sich manche bei einem Kuraufenthalt, der zur Wiederherstellung der Gesundheit dienen soll, vornehmen? Wie vielen Nebenbeschäftigungen man sich zuwendet. Dem Einen sind Ausflüge in das benachbarte Ausland, dem Anderen der Besuch von Museen oder Einkaufsmöglichkeiten wichtig. Erlaubt es die Verordnung zur Nachtruhe, ein Konzertbesuch. Andere vertiefen sich in schwer verständliche Bücher oder arbeiten an einem ausgefeilten Geschäftsmodell. Durch die Digitalisierung besteht die Möglichkeit und oft die Gefahr sich von überall der Arbeit zuzuwenden, sich nie von der Heimarbeit zu lösen. Diese Kurfalle besteht besonders bei den Selbständigen, vieles lässt sich über das Internet planen und verkaufen. Der Kontakt mit den Kunden reist nicht ab. In der Coronapandemie wurde notgedrungen vieles im Internet abgewickelt, die Videokonferenzen haben die leiblichen Besuche bei den Kunden ersetzt.

Mein Eindruck nach der Teilnahme an Videokonferenzen war, dass auch dies erst einmal gelernt werden muss. Ich habe mich in der Rolle eines Schauspielers wiedergefunden, der sich damit auseinandersetzen muss, wie komme ich im Fernsehen oder im Kinofilm rüber. Der Schrecken fährt mir in die Glieder, betrachte ich morgens mein Gesicht genauer im Spiegel oder nachts im Halbschlaf auf der Toilette. Oft gewinne ich den Eindruck, bin ich das noch selbst oder habe ich mir ein Nachtgesicht zugelegt, welches sich augenscheinlich vom Taggesicht unterscheidet? Dieses unterscheidet sich wesentlich von dem Gesicht, welches ich in meinem Innersten herumtrage.

corona:impfung

Am Strand von Caorle und Lignano sind Afrikaner unterwegs mit ihren großen Bags, wo sie je nach Sparte Badetücher, Schals, Strandkleider, Sonnenhüte und Sonnenkappen und Sportschuhe der besten Marke anbieten. Neu waren die fliegenden Masseurinnen, welche eine entspannende Massage, gleich am Liegestuhl, anbieten.  Körper Öl und Badetuch haben sie dabei. Fliegende bezeichne ich die Händler und Masseurinnen, weil wird die Strandpolizei sichtbar, dann verschwinden sie mit Wind Geschwindigkeit. Sobald die Carabinieri vorüber sind, sind sie wieder da. Dann wird weiter gehandelt und der Rücken massiert.

Abends trifft man in den Gassen der Altstadt von Caorle die Strandverkäufer wieder, erweitert um die diskreten Armbanduhrenverkäufer. Mit einem großen Angebot an Markenuhren, dem Design nach. Behutsam streifen sie den Ärmel zurück und gewähren einen Blick auf das Uhrensortiment.

Die Zukunft der Corona Impfungen sehe ich nach den Pannen bei der Impfstoffbeschaffung und dem versprochenen Ketchup Effekt, vor einem ähnlichen Phänomen. In den Urlaubsorten im Süden wird man abends an der Strandpromenade oder in einer Seitengasse angesprochen werden, ob man eine Corona Impfung braucht. Dabei wird man zwischen verschiedenen Impfstoffen wählen können. Besonders preisgünstig dürfte der Impfstoff, wie auch andere Güter des täglichen Bedarfes, aus China und Russland sein. Wobei man annehmen kann, dass es sich um gefälschte Ware handelt. Bei diesem Impfangebot wird der Zusatz, „Über Wirkungen und Nebenwirkungen fragen sie den Arzt oder den Apotheker“, fehlen. Bestenfalls den Strandwächter. weiterlesen bei www.schlagloch.at

corona:strand

Obwohl es zurzeit ungewiss ist ob und wie wir im Sommer an der Oberen Adria am Strand liegen werden, erinnere ich mich gerne daran zurück. Neben dem Badevergnügen herrschte dort reges Strandleben. In allen Zonen gibt es Strandbars, die weithin sichtbaren Türme der Wasserrettung, die Rettungsschwimmer und die Strandwächter. Sie sorgen dafür, dass jeder seinen Liegeplatz und seinen Sonnenschirm findet. Dieses Jahr werden an den Stränden von Caorle um einiges weniger Gäste sein und diese erwartet ein Corona Konzept, wie berichtet wird. Nie gefehlt haben die Eis- und Limonade Verkäufer mit ihren Kühlwagen und die fliegenden Händler. In Caorle konnte ich beobachten wie die fliegenden Händler, zumeist sind es Afrikaner, am späten Nachmittag über die Uferstraße an den Strand kamen. In den Vormittagsstunden sind sie noch plaudernd entlang der Promenade, im Schatten eines Baumes auf einer Bank gesessen. Haben dabei den Bikinifrauen nachgeblickt, anderseits hat die eine und die andere einen Blick auf die strammen Jungs geworfen.

Bei einem Spaziergang abseits des Ufers entdeckten wir in der dritten Reihe, wo keine Hotels mehr stehen, einen Kiefernwald, der von einem Maschendraht eingezäunt. Darin eine Ansammlung von zweigeschoßigen Baucontainern, wie sie jeder schon bei einer Großbaustelle gesehen hat. Zumeist dienen diese Metallcontainer als Büro für die Bauleitung, jeder der anwesenden Firmen hat seinen eigenen Container. Kurzfristig benützen Bauarbeiter während ihres Arbeitsauftrages diese auch als Unterkünfte. Solche Container, denen man ihr langes Leben, von einer Baustelle zur nächsten, ansah, befanden sich hier. Die Container im Kiefernwald dienten den Afrikaner als Unterkunft. Von hier strömten sie alle zur selben Zeit, wie bei einem Start zu einem Laufevent, dem Strand zu.