corona:dezember II

Mitte Dezember nehme ich etwas früher den Weg vom Kurpark in das Kur Café, um der Dämmerung zu entgehen. Schon aus einiger Entfernung sehe ich den, in gedämpftes Licht getauchten, Innenbereich. An den Fenstern zeichnen sich die Oberkörper von Besuchern ab. Der Schritt durch die Tür von der Terrasse in das Café bringt einen Schub an frohen Gedanken und wirkt der Dämmerung entgegen. Dunkelgeworden ist es nach dem luftigen Sommer bei den Coronainfektionen in Österreich. Darauf vorbereitet ist der Durchschnittsösterreicher nicht, außer er gehört zur auserlesenen Gruppe der Komplexitätsforscher und Virologen. Diese haben, wie sie jetzt verlauten, ihr Wissen und Mahnungen an die Politik weitergegeben. Aber diese waren uneinsichtig und keiner wollte der Überbringer schlechter Nachrichten sein. Sie sonnten sich in der Sonne, im Umfragehoch und in den positiven Schlagzeilen der Gratismedien.

Jetzt springen uns Bürgern die rasant steigenden Corona Infektionszahlen sprichwörtlich in das Gesicht und haben noch nie gekannte Höhen erreicht. Vor einem Jahr waren diese Infektionszahlen undenkbar. Plötzlich kommt Hektik in die Bundesregierung, welche die Pandemie schon für beendet erklärt hat. Sitzungen werden anberaumt und Verordnungen erlassen, die Bevölkerung geteilt in Geimpfte und Ungeimpfte. Nach Aussage des Bundeskanzlers werden es für Ungeimpfte keine schönen Weihnachten, was sind keine schönen Weihnachten?

corona:dezember

Am späten Dezembernachmittag im Warmbader Kurpark mache ich eine plötzliche Wahrnehmung, es beginnt zu dämmern, um 17 Uhr. An manchen Tagen wird die Dämmerung noch durch den Hochnebel verstärkt. Dabei fällt mir auf, wie kahl es im Kurpark geworden ist. Die Gräser sind zu Garben gebunden, die Bodendecker haben ihre grüne Farbe verloren und wo vor zwei Monaten die Blumen geblüht haben ist jetzt eine offene Erdwunde. Jeder Schritt führt über eine Schicht Blätter, gleichmäßig gelblich die vielen Birkenblätter. Für das frühere Einsetzen der Dämmerung sorgt auch die Zeitumstellung in Mitteleuropa, von Sommerzeit auf Normalzeit. Welche Anmaßung von uns, dass wir die Zeit umstellen können und dabei die Uhr um eine Stunde vor- oder zurückstellen. Die astronomische Zeit existiert lange vor uns Menschen. Ständig hadern wir mit der Zeit, weil wir glauben in den Ablauf der Zeit eingreifen zu können. Es gibt viele Wünsche an die Zeit: Die Zeit verlängern, die Zeit anhalten oder mit der Zeit gehen. Die Zeit nützen oder die Zeit totschlagen. Unter gestressten Managern, Freiberuflern und Selbstständigen kursiert die Frage wie hast du es mit der Zeit?

Bei so vielen Fragen nach der Zeit bin ich dafür eine Antwort schuldig. Während ich im Arbeitsprozess stand war die Zeit aus einem einfachen Grund kein großes Thema. Tatsache war, dass ich über die Zeit während der Geschäftsöffnungszeiten in gewissem Sinn nicht frei verfügen konnte. Zudem begann der Arbeitstag um sieben Uhr morgens, er hatte zumeist zehn Stunden. Für den Abend stellte ich keine großen Ansprüche an die Zeit, etwas leichten Sport oder einmal wöchentlich eine Abendveranstaltung. Den großen Teil der Wochenfreizeit konnte ich müde sein und mich ausruhen.

corona:feiertag ll

Man könnte annehmen, dass, bei einem Gottesdienstpublikum mit dem Durchschnittsalter für ein Seniorenheim das Smartphone während des Gottesdienstes ein Tabu ist. Eine Stunde Abstinenz, ohne ständig nachzusehen ob es E-Mail oder WhatsApp Nachrichten gibt. In jeder zweiten Bank konnte ich beobachten wie Gottesdienstteilnehmer im Stift Ossiach zum Smartphone greifen und auf Nachrichten und SMS reagieren. Dabei befanden sie sich in bester Gesellschaft, schräg vorne erkannte ich den ehemaligen Nationalratspräsidenten und Seniorenbundobmann als Besucher des Festgottesdienstes. Regelmäßig griff er in die Außentasche des Sakkos nach seinem Smartphone, um die neuesten Nachrichten zu checken und reagierte darauf. Dies ist Grund genug meine Meinung zu revidieren nur die Jugend, die Millennium, die Y und Z Generation kann keine Viertelstunde auf ihr Smartphone verzichten. Jetzt zähle ich dazu auch die Siebzig- und Achtzigjährigen, dass sie auf ihr Smartphone nicht verzichten können.

Im Gastgarten des Stiftes wird an allen Tischen telefoniert und der Freundin mitgeteilt, dass man gerade einen stimmungsvollen Gottesdienst erlebt hat. Jetzt sitzen wir bei schönem Wetter und angenehmen Temperaturen im Gastgarten und haben einen herrlichen Blick auf den Ossiacher See. Wir machen nach dem Genuss einer Kirchtagsuppe einen Rundgang durch den abwechslungsreichen Handwerksmarkt. Schon öfters haben wir uns gefragt, woher die Kunsthandwerker immer wieder die neuen Ideen hernehmen? Einerlei ob sie mit Ton, Metall, Filz oder mit Holzfundstücken vom Gailufer arbeiten. Die Fahrt nach Ossiach hat sich in mehrere Art und Weise gelohnt. Ein Ordensgründer hat einmal gesagt: „Heilig zu leben heißt der Seele und dem Körper etwas Gutes tun“. Aus meinenTageheften…

corona:feiertag

Vom Corona Dauerfeuer sind wir so verängstigt, dass wir uns nichts vornehmen, wo sich mehrere Menschen treffen. Hängt dies mit dem Alter zusammen, wobei wir genesen und geimpft sind? Über Monate war es bei der Sonntagsmesse üblich, dass immer eine Kirchenbank frei war und zwischen den Kirchenbesuchern ein Platz freigehalten wurde. Es galt die Aufforderung den Gesang während der Messfeier auf das Notwendigste zu reduzieren. Am Großen Frauentag, der fünfzehnte August, hat sich dies nicht bestätigt. Die katholische Kirche begeht diesen Tag der Himmelssprecherin besonders festlich. Es gibt Wahlfahrten zu den Kärntner Marienheiligtümer und am Wörthersee findet eine Schiffsprozession mit einer blumenumkränzten Marienstatue statt. Die Stiftskirche Ossiach feierte ihr Patrozinium und diesem Gottesdienst wohnten wir bei. Bei dieser Heiligen Messe im August waren die Bänke voll, es gab keinen dezidierten Abstand und auch keine Maskenpflicht. Die Partnerin bemerkte kurz vor Beginn des Gottesdienstes, sie hat den Eindruck wir befinden uns in einem Altersheim. Deshalb, sagte ich, gehören wir hierher. Haften geblieben ist mir der Satz aus der Predigt des Stiftspfarrers: „Maria wurde mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen und dies ist auch eine Option für uns“.

Habe ich den Stiftspfarrer richtig verstanden, dann gibt es für jeden im Jenseits ein Weiterleben mit Körper und Seele. Wenn Körper, dann hoffe ich mit einem Körper der nicht altert und krank wird. Für den Sündenfall von Adam und Eva sind wir aus dem Paradies vertrieben und sind seitdem mit der Erbsünde behaftet. Wir büßen dafür mit Krankheit, Leid und unserer Sterblichkeit. Allein Maria, die Mutter von Jesus, wurde ohne Makel geboren, das bedeutet ohne Erbsünde. Nicht alles steht so wortwörtlich in der Bibel, einiges wurde von den Päpsten zu Dogmen erhoben. Aus den Tageheften…

corona:klima

Während der Zugfahrt vertritt die Studentin mir gegenüber den Standpunkt, dass künstliche Intelligenz als letzte Instanz den Menschen braucht. Letzte Entscheidungen welche ihr Leben betreffen würden, würde sie aus der Hand der künstlichen Intelligenz ablehnen. Wie gering unsere Möglichkeiten sind die Anordnungen des Staates zu verweigern, erleben wir in den Phasen des Corona Lockdown in Österreich. Zum Zeitpunkt werden alle nicht systemrelevanten Einrichtungen von Staats wegen geschlossen und wir zum Großteil in die Wohnzimmer verbannt. In Wuhan in China, eine Stadt mit etwa elf Millionen Einwohnern, überwachte man das strikte Ausgangsverbot während der Corona Pandemie mit Hilfe der künstlichen Intelligenz. Die chinesische Regierung sieht in der flächendeckenden Gesichtserkennung einen Meilenstein in der Menschheitsgeschichte. Die digitale Überwachung wird mit dem Argument des wirtschaftlichen Aufstiegs und mit der Vergabe von Bonuspunkte an jene Personen, die keinen Protest gegen die staatlichen Algorithmen setzen, schmackhaft gemacht. 

Anders lauteten meine Eintragungen vor drei Jahren Anfang Dezember. In Völkendorf wurde ein neuer Supermarkt eröffnet und es war völlig happy zu konsumieren. Im öffentlichen Raum prasselte aus allen Ecken die Weihnachtswerbung auf uns hernieder. Wir erlebten gerade den Anfang der Klimadebatte, Greta Thunberg ist in aller Munde. Meine Einstellung zur Konsum- Rohstoff- und Klimadebatte ist einige Jahrzehnte alt. Wir können das globale Klima und die Rohstoffe dadurch am meisten schützen, wenn jeder in der westlichen Welt seinen Konsum um etwa dreißig Prozent einschränken würde. Der Einzelne würde dadurch keinen Mangel spüren. Zumeist wäre man erleichtert weil vieles überschaubarer wäre, wenn das Angebot bei Joghurt, Käse, Kaffee oder Marmelade um dreißig Prozent reduziert wird. In den Wohnungen gäbe es bei dreißig Prozent weniger Dekoartikel mehr Wohnraum. Zwei Daten aus der Ökostatistik: Die Herstellung eins Handys verbraucht 75 kg an Rohstoffe und für die Erzeugung eines Baumwollhemdes werden 2500 Liter Wasser verbraucht. Oft dort, wo hunderttausenden Menschen zu wenig Trinkwasser zur Verfügung steht. Wir gebrauchen unsere Vernunft um unvernünftig zu leben.