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Der Passivität darf man keinen Raum geben und annehmen, man wird zu der Gruppe der über Hundertjährigen gehören. Auf dem Weg zur Bank bin ich einer über hundertjährigen Frau begegnet, mit Unterstützung ihres Gehstocks war sie unterwegs zur Corona Test Station. Am nächsten Tag hatte sie einen Friseurtermin für eine Dauerwelle. Für den Friseurtermin brauchte sie einen Antigen Test. Zum Pfingstsonntag möchte sie sich fesch herrichten und dazu gehört für sie eine tolle Frisur. Ein Bekannter in Deutschland musste 2020 seine Feier zu seinem runden Geburtstag Corona bedingt absagen. Geplant war, dieses Jahr die Geburtstagsfeier nachzuholen und wieder gibt es Corona bedingt eine Absage. Seinen Verwandten und Bekannten hat er versprochen, sie zu seiner Renteneintrittsparty einzuladen, dann sollte das Virus vorbei sein.

Wir haben die magische Zahl 66 hinter uns und möchten uns nach dem Abbau von Long COVID Beschwerden den Außenaktivitäten zuwenden. Ganz oben in meiner Wunschliste steht ein Spaziergang in der Draustadt und im renovierten Parkcafé einen Cappuccino zu trinken. Dort kann ich bei einem Cappuccino unbehelligt in einigen Tageszeitungen lesen. Guter Hoffnung, dass die Atmosphäre stimmt, wie ich sie zuletzt vor einem halben Jahr erlebt habe. Bei einem Lächeln von der Serviererin Sonja geht für alle Caffeehausbesucher die Sonne auf. Zu den besten Aussichten während der Pandemiezeit zählen die sonnigen Tage. Das Schönwetter lockt die Menschen in das Freie und dort bildet sich, dass für eine gute Gemütsverfassung notwendige Vitamin D. Zum Geburtstag der Partnerin, zum rechten Zeitpunkt, öffnen die Restaurants wieder und ein Mittagessen im Restaurant wird uns wie das Manna in der Wüste schmecken. Nach dem Lockdown unter Menschen sein, kein Bad im Goldspeicher von Donald Duck, sondern ein Bad unter zuversichtlich gestimmten Restaurantbesucher. Das Frühjahr hat auch dieses Jahr bei den kleinen Dingen ein besonderes Geschenk bereit.

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Während der Lockdowns war es unmöglich sich mit Bekannten zu treffen. Vor allem für jene welche sich streng an die Beschränkungen halten. Leicht, mittel oder schwer, im Frühjahr habe ich nicht mehr gewusst um welche Art von Lockdown es sich gerade handelt. Im kleinen Staat Österreich hat es für die Verordnungen drei verschiedene Zonen gegeben, der Westen, der Süden, sowie der Osten. Spontan fällt mir ein, dass sich nur Personen aus zwei Haushalten gleichzeitig treffen konnten. An einem Sonntagnachmittag, wo die Temperaturen die zwanzig Grad überschritten machte ich eine Fahrradtour. Von Judendorf zur Gail, die Gail und die Drau entlang zurück in die Stadt. In den Gail Auen gibt es mehrere Grillplätze, die an diesem Nachmittag voll belegt waren. Ob es sich bei den Gruppen um Personen aus nur zwei Haushalten gehandelt hat, will ich nicht kommentieren. Von sich und vielen anderen weiß man, dass wir alle das Eingesperrt sein und die Corona Regeln satthaben. Da ist es menschlich im Freien, bei schönem Wetter, mehr als nur eine Familie einzuladen. Der Parkplatz bei den Grillwiesen, welcher beim ersten Lockdown vor einem Jahr von der Polizei gesperrt wurde, war von Autos übervoll. Auf dem Radweg freute ich mich darüber, dass mir auf dem Rad Menschen ohne Mundnasenschutzmaske entgegenkommen und Großteils freundlich zunicken.

Dieselbe Erfahrung habe ich am Vortag mit der Lebensgefährtin gemacht, als wir von Warmbad aus durch den Wald zur Napoleon Wiese spaziert sind. Obwohl uns die anderen Spaziergänger unbekannt waren, hat es niemanden gegeben der unseren oder wir ihren Gruß nicht erwidert hätte. Ist der Gruß mit einem lächelnden Gesicht einhergekommen, dann steigerte er die Stimmung. So anspruchslos hat uns die Pandemie gemacht.

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Geht es um einen Sonntagsausflug mit der betagten Oma oder den Eltern, so ist die erste Priorität in einem Restaurant ein gutes Essen zu verzehren. Zum Ausklang im Winter ein großes Stück Torte oder einen üppigen Eisbecher im Sommer. Weniger sorgt man sich um ihre inneren Bedürfnisse, um mehr Unterhaltung für die Tage zu Hause oder um Neues Kennenzulernen. Erleben sie etwas Neues, so können sie sich von ihren immer gleichen Erinnerungen lösen. Hirnforscher sagen, die die Jugenderlebnisse bleiben am meisten lebendig, teilweise verklärt.

In der Pandemie fehlen den älteren Senioren, außerhalb der Seniorenheime, die Möglichkeiten etwas Neues zu erleben. Sie könnten sich frei bewegen, aber wie frei ist man, wenn man alleine in einer Wohnung lebt? Auf das ungebundene Leben, welches man nach dem Tod des Partners geführt hat, war man stolz. In vielen Ehen sterben zuerst die Männer, weil sie ein ungesundes Leben führten und zumeist älter waren. Es gibt Töchter, Söhne und Enkerln aber oft weggezogen. Jene sind gut dran, welche nur in einer zu groß gewordenen Miet- oder Eigentumswohnung wohnen und nicht allein in einem Einfamilienhaus. In Zeiten wie diesen wird es für sie immer kälter, weil der tägliche Spaziergang mit einem Plauscherl in einem Café, mit Freundinnen nicht möglich ist. Schon über Monate finden keine Sprachkurse und der Englischstammtisch statt. Es gibt keine Schnapserunden, Kreativ- und Seniorennachmittage sind ausgesetzt. All dies macht etwas mit der inneren Befindlichkeit.

Jetzt sitzen sie alleine beim Selbstgekochten, beim zwanghaften Mittagessen zu Hause. Zu normalen Zeiten gab es wenigstens monatlich einen Geburtstag oder Namenstage von Bekannten beim Stadtwirt zu feiern. Die Psyche fühlt sich unterfordert, schlecht betreut. Fehlt dazu der Partner, welchem man sein aktives Leben bis zu den Jugenderlebnissen erzählen kann, dann sind die Tage stumm. Kinder und Enkerln beschränken sich auf die Nachfrage, ob die Mutter oder Oma genug zu essen hat und keine neuen körperlichen Beschwerden aufgetreten sind? Von den alten Geschichten, wie sich die flotten Enkeln ausdrücken, wollen sie nichts hören.

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Abseits der Coronakrise gibt es andere Problemfelder, welche einem angesichts der Coronapandemie wie ein Freundschaftsspiel vorkommt. Bei einem Fußballmeisterschaftsspiel steckt man seine ganze Kraft in das Match, bei einem Freundschaftsspiel riskiert man nicht allzu viel. Vor allem keine körperlichen Verletzungen davontragen, nur soweit gehen, dass man ein gutes Bild hergibt. Wie oft handeln wir so, es geht darum gegenüber anderen einen guten Eindruck abzugeben. Wir sind oft nur zu einem Drittel ehrlich, wenn wir von uns selbst ein Bild inszenieren. Verfügt man über einen gewissen Status in der Öffentlichkeit, in der Kommune, so wird man pedantisch, um sein eigenes Bild nicht durch falsches Verhalten zu schädigen. Nichts fürchtet man mehr als vor Zeugen durch eine Unpässlichkeit seinen perfekten Ruf zu ruinieren. Die Anstrengung sich immer von der Top Seite zu zeigen hat eine belastende Seite, welche man weder sich noch anderen eingesteht. Im besten Fall kommt es zu einem Eingeständnis, wenn aus der inneren Anspannung körperliche Beschwerden erwachsen.

Dies können Probleme mit dem Schlaf oder der Verdauung sein, bei manchen schlägt sich die Anspannung auf der Haut durch. Es kann auch unser stärkstes Äußerungsmittel, die Sprache betreffen, wir stottern. Verhaspeln uns beim öffentlichen Sprechen. Es gibt ein bekanntes Beispiel, der griechische Universalgelehrte Demosthenes. Meldete er sich bei einer Diskussion zu Wort oder wollte er die Menschen unterrichten, fing er trotz seines Wissens zu stottern an. Von den Menschen wurde er verhöhnt. Indem er gegen die Meeresbrandung redete, gelang es ihm sein Stottern zu überwinden. Heute setzt man alles darauf ein gutes Bild abzugeben. Klappt es nicht wie gewünscht, dann kommt es zum Zusammenbruch, zum Burnout. Fällt jemand im Berufsalltag wegen Burnout aus, ist dies ein Statussymbol.

Ist das Burnout ein Alleinstellungsmerkmal der Berufstätigen? In der Coronapandemie verbreitet sich das Burnoutvirus auch unter den Pensionisten. Die Regierung sieht sich auf dem richtigen Weg, dass die ältere Bevölkerung zuerst geimpft wird. Dafür wird mit großem medialem Einsatz und Steuergeld mit riesigen Anzeigen in allen Medien geworben, Österreich impft.

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Diesen Sommer ist es wahrscheinlich ein Risiko an die Obere Adria zu reisen, vielleicht im Herbst nach Portoroz. Schön wäre auch ein Tag in Venedig, den Bildern nach gibt es kaum Touristen und das Wasser in der Lagune ist sauber. In den Kanälen von Venedig schimmert es bläulich und es tummeln sich dort plötzlich Fische. Pläne für die Zukunft. Zwei geheilte Primarärzte schilderten wie sie die Zeit der Corona Krankheit erlebt haben. Trotz ihrer langen ärztlichen Praxis waren sie von der Intensität der Krankheit überrascht. Von der Kraftlosigkeit welche die Krankheit verursachte und von der langen Genesungsphase danach. Als Pensionist weiß ich, dass meine Lebenszeit nicht unendlich ist, aber hoffe doch noch auf einige Jahre. Wenn es gegeben ist auf eine kreative Zeit, ohne irgendwelche chronischen Krankheiten. Aber das von einem Tag auf den anderen mein Leben durch ein Virus abrupt gestoppt wird, wünsche ich mir nicht. Ein plötzliches Ende ist für mich keine gute Perspektive. Zu seinem Sterbezeitpunkt kann niemand von uns etwas sagen oder gar bestimmen.

Wieweit Religion eine Stütze in der Coronakrise sein kann, habe ich nicht erlebt. Ich versäume zu keiner Zeit, gerade in Pandemiezeiten, bei einer Radtour eine Kirche oder Kapelle aufzusuchen. Wie unlängst die Sankt Georgs Kirche in Faak am See, um eine Kerze anzuzünden und ein Gebet zu sprechen. Für Erlebtes zu danken und für Zukünftiges zu bitten. Unterstützung durch Gott bedeutet wohl, dass wir durch einen Mitmenschen unterstützt werden. Umgekehrt liegt es an uns, für andere zum Samariter zu werden.