corona:chinese

Nach dem Aussteigen aus dem Regionalzug, im benachbarten kaiserlichen Kurort, stand am Bahnsteig ein Chinese. Die Reisenden wichen ihm, einem Zauberwort folgend, rechts und links aus. Sie bildeten, für den verdutzt dastehenden Chinesen, eine Rettungsgasse. Bei einem Autounfall auf der Autobahn würde dies unter den Autofahrern nicht so toll funktionieren. Der Chinese hielt sich eine Hand vor seinem Mund. Wollte er sich vor uns, die wir uns noch frei bewegen konnten, schützen? Oder wollte er uns schützen?  Für mich machte er den Eindruck, als sei er bei seinem Europatrip hier gestrandet, nachdem er Salzburg und Hallstatt gesehen hat. Er wollte wissen, wo die Villa der Frau Schratt steht, der ewigen Geliebte des Kaisers Franz Josef. Er erregte mehr Aufmerksamkeit als die vielen Denkmäler in der Kurstadt, wie das von Dr. Franz de Paula von Wirer oder von Franz Lehár. Es liegt erst ein paar Wochen zurück, wo die Bewohner von Salzburg und Hallstatt von den Gemeindepolitikern massiv verlangt haben, die Besucherflut von Touristen aus dem Osten, einzuschränken. Jetzt  fordern sie massiv, dass der Umsatzverlust durch den Besucherrückgang bei den Asiaten von der Bundesregierung ausgeglichen wird. In absehbarer Zeit könnten die Asiaten wieder Reisen, aber Europa meiden, weil hier das Coronavirus wütet. An diesem Tag war es für mich nicht einfach von den Einwohnern eine Auskunft über die Sehenswürdigkeiten zu erhalten. Die meisten haben sich abgewendet, hatten sie das Gefühl angesprochen zu werden.

Ein Drogeriemarkt entledigte sich der obligaten und mit der Zeit lästig werdenden Frage nach einem Desinfektionsmittel, mit einem Plakat an der Geschäftstüre: Desinfektionsmittel erhältlich in der Kurapotheke. Erste Straße links, geradeaus und dann wieder links. Aus dem Tagebuch…

covid-19/13

corona:kübel

Die Zeitungsseiten der Firstklassmedien sind gespickt mit Informationen zur Corona Krise. Sie kommen nur ihren journalistischen Pflichten nach, sie wollen mit den tragischen Nachrichten keine Geschäfte machen, wie sie immer behaupten. Dies sei der Unterschied zu den Krisenjournalen, den Boulevardzeitungen. Dabei kommen auch sie nicht umhin Ratschläge zu verteilen, wie sich die Leser die Zeit zu Hause sinnvoll gestalten können. Eine Herausforderung, wenn man bei Kindern die Schule und für sich die Arbeitsstätte, alles in der Wohnung, zu bewerkstelligen hat. Wer es leicht nimmt, überlässt den Jugendlichen zur unbeschränkten Benutzung das Smartphone.

Psychologen beschäftigen sich damit, welche Auswirkungen die permanente Berichterstattung über das Coronavirus für die Gemütslage älterer Menschen hat. Diese sind zumeist die fleißigsten Zeitungsleser und Fernsehzuschauer. Ihnen schwappt aus jeder Zeitung und jedem Fernsehkanal ein Kübel Coronaviren entgegen. Der Hausverstand wäre, sich beim Zeitungslesen und Fernsehen einzubremsen, aber wer kann sich der Faszination der Bilder und Schreckensmeldungen entziehen? Zumeist nicht freiwillig, es braucht einen Anstoß von außen und wie man mit den bedrückenden Meldungen umgeht. Ein bisschen Voyeurismus steckt in jedem von uns, dies wissen auch die seriösen Medienleute. Manches Mal trieft die Seriosität genauso aus der Zeitung oder von der Mattscheibe, wie bei anderen Medien das Blut.

covid-19/9

corona:front

Beim Abendessen im Goiserer Stüberl hatten die Tischnachbarn jeder seine persönliche Story. Per Smartphone wurde ihnen mitgeteilt, was sich zu Hause, an der Heimatfront, abgespielt hat. Sie berichteten von vollen Parkplätzen bei den Supermärkten und leeren Regalen bei Gemüse, Konserven und Teigwaren wie Nudeln. Sollte zu Hause, in der Draustadt, viele Artikel nach dem Wochenende nicht mehr erhältlich sein, an Teigwaren wird es bei uns nicht mangeln. In der Nähe von Villach befindet sich die Finkensteiner Nudelfabrik, welche einen Fabrikverkauf anbietet. Die Qualität der Finkensteiner Nudeln bestätigen viele Kärnten Urlauber, welche vor der Heimreise im Nudelshop für daheim großzügig einkaufen. Zumeist den restlichen Platz im Kofferraum mit Teigwaren aus der Nudelfabrik füllen. Dies Sommer für Sommer, lange vor der Coronavirus Krise. Wie ich erfahren habe, wurde wegen der aktuellen Versorgung mit Lebensmittel die Produktionszeiten ausgeweitet.

Ein wenig hat sich das Einkaufsverhalten in Krisenzeiten auch bei den Spaziergängern in der Kurstadt bestätigt. Die Frauen hatten als kleines Souvenir einen Pack Klopapier und die Männer ein Zwölfer Tragerl Ottakringer Bierdosen unter dem Arm. Auf den Parkplätzen der Diskonter konnte ich beobachten, dass Frauen Lebensmittel und Toilettartikel verstauten, Männer vor allem Bierkisten. Der kleine Unterschied zwischen Frau und Mann.

covid-19/8

corona:morgen II

So ereignislos wie derzeit stelle ich mir die Landschaft für einen Filmeinstieg in ein Bedrohungsszenario vor. Dabei sind wir mittendrin in einem Gefahrenszenario, bedroht vom Coronavirus. Für das Auge unsichtbar, geruchlos für die Nase und für die Hände nicht zu fassen. Die Stille ist nach dem kleinen Wintereinbruch massiv. Vom kahlen Baum fliegt ein Vogel auf das Dach des japanischen Teehauses und streitet dort mit einem anderen Vogel um einen Platz, der für hunderte Vögel reichen würde.

Vierzehn Tage Ausgangsbeschränkungen und immer wieder ertappe ich mich bei der Frage, wo ist die Gefahr? Das Plateau von Warmbad-Villach ist so überschaubar, kein Risiko könnte sich den Häusern unbemerkt nähern. Etwas Nebuloses würde man von Weitem erkennen und könnte sofort die Fenster dicht machen. Die Vorhänge zuziehen, wie alle Tage, ob Bedrohung oder nur vermeintliche Bedrohung. Die Blicke des Nachbarn könnten eine Krise auslösen, die Lunge zerstören, überall werden Zäune hochgezogen, um sich von den Hinzugezogenen abzuschotten. Hier ist man lange unter sich gewesen und jetzt wimmelt es von Unbekannten, ob die etwas mit dem Virus zu tun haben?

Das Coronavirus lacht mir aus der Morgenzeitung entgegen, hüpft im Vorraum vom Titelblatt und lässt sich nicht mehr einfangen. Kreuz und quer hüpft es durch die Wohnung, bis es in einer Ecke müde einschläft. Als Sandmännchen wird es abends bei den ZIB 2 Nachrichten lebendig. Es streut Sand in die Augen, sie beginnen zu Brennen und lassen sich nicht mehr schließen und bleiben bis kurz vor Mitternacht offen. Aus dem TV-Kastl kommen immer neue Berichte über die Corona- Epidemie, zuerst aus Österreich, dann aus Frankreich, Italien, Spanien und Deutschland. Auffallend ist, es gibt wenige Berichte zur Lage in der Schweiz.

covid-19/7