corona:gastro II

Ein geplantes Geburtstagsfest mit etwa dreißig Personen musste Corona bedingt abgesagt werden, es wurde ein intimes Festessen mit drei Personen in einem Restaurant vor unserer Haustüre. Aus dem drei Tages Städtetrip vor der Feier wurde ein Trip nach dem Essen an das Ufer vom Wörthersee. Es war unser erster großer Versuch wieder an die Außenwelt anzudocken. Das schöne Wetter war ideal für einen Lokalaugenschein in Velden. Beim Gang zum Ufer trauten wir unseren Augen nicht, der Kai war gespickt voll mit Menschen. Eine endlose Schlange von Besuchern spazierte am Ufer auf und ab oder ließ sich mit dem nötigen Abstand auf den Bänken nieder. Es standen mehr Bänke zur Verfügung, in zwei Reihen, als ich es in Erinnerung hatte. Bevor wir an der Promenade ankamen erreichte uns das Stimmengewirr der Flaneure. Eine Vielzahl von verschiedenen Stimmen, welche uns richtig laut vorkam. Seit zwei Monaten hatten wir nur im kleinsten Kreis mit anderen Menschen Kontakt. Von der Fülle an verschiedenartigen menschlichen Lauten waren wir überrumpelt. Ich war verwundert wie umtriebig es in Velden zuging. Hatte dies mit den Lockerungen nach den Corona Beschränkungen zu tun? Die Spaziergänger äußerten sich mit erhobener Stimme, als läge ein zweimonatiges Sprechverbot hinter uns. In den letzten Wochen mussten wir mit unseren Meinungen hinter dem Berg halten, dies sehe ich nicht immer als einen Nachteil. An diesem Maisonntag ist ein sprachlicher Wirbelwind durch Velden gefegt.

Die Besucherin aus einem Vorarlberger Bergdorf hat in der Menschenmenge ein Bad genommen, gebadet wie in einem Schaumbad. Sie war froh unter vielen Menschen zu sein und der gespenstischen Leere im Montafon für ein paar Tage zu entkommen.  Erschwerend war in den vergangenen Wochen, dass sie ihren Beruf im Gastgewerbe nicht ausüben konnte, sie litt an Entzugserscheinungen, was den Kundenkontakt betraf.

covid-19/21

corona:gastro

Mit Sehnsucht und Spannung wurde die Wiedereröffnung der Cafés, Gasthäuser und Restaurants nach der Zwangsschließung wegen der Corona Pandemie, erwartet. Viele Gastwirte haderten mit dem Schicksal, über zwei Monate hatten sie keine Gäste und keine Einnahmen. Kopfzerbrechen bereitete vielen wie sie die Coronavorschriften, das Tragen eines Mundschutzes und Einhaltung eines Mindestabstandes, im Lokal umsetzen können. Die Heimeligkeit eines Cafés oder Beisel wird unter den Abstandregeln leiden. Das Wesentliche, beim Besuch einer Lokalität, ist für viele Menschen die Sehnsucht nach einer Unterhaltung mit fremden Menschen, sie sind einfach neugierig auf Andere. Mancher Beisel Besucher wünscht sich, dass er mit anderen Personen in ein Gespräch kommt, sich in ein Gespräch an der Theke einbringt, oder ihm ein Platz an einem Tisch angeboten wird. Gerade das kleine Format eines Pubs oder Beisel, der beschränkte Raum macht den Reiz dieser Lokale aus. Es bleibt nichts anderes übrig, als dass die Gäste zusammenrücken und beiläufig kommt man so leichter in ein Gespräch. Anders als in einem pickfeinen, vorreservierten Restaurant, wo jeder auf Abstand und Distanz bedacht ist. Genau diese Kuschel Cafés fürchten um ihre Berufung, weil ein Abstand von einem Meter zwischen den Gästen verlangt wird. Das Anbandeln, das Diskurrieren in Bezirksbeiseln, in Künstler- oder Studenten Cafés wird es in den nächsten Monaten nicht geben.

Von dieser Warte betrachtet waren bei den Gastronomen die Erwartungen verhalten. Wer wird sich nach dem Dämpfer den wir alle abbekommen haben, nach den Szenarien von Todesfällen, Verlust, Trauer und Tränen in den ersten Wochen des wieder Hochfahren in ein Lokal verirren.

covid-19/20

corona:zaungast

Im Urlaub verbringen wir kaum Zeit mit dem Fernsehen. An manchen Tagen verlängert sich das Abendessen bis in den späten Abend oder es gibt eine Musikveranstaltung in der Hotelhalle. Je nach Wetter und Jahreszeit machen wir einen Abendspaziergang oder vertrödeln den Abend in der Lobby. Zumeist finden wir Anschluss bei anderen Gästen und es ist amüsant zwischendurch andere Gäste zu beobachten. Wir sahen in den Bildern aus China  Meldungen aus einer entfernten Welt. Den ersten Eintrag zum Coronavirus finde ich in meinen Tageheften am Faschingsmontag den 24. Februar 2020, notiert bei einem Besuch im Thermalbad Warmbad, aufgeschreckt durch die ersten Berichte aus dem benachbarten Oberitalien. Von dort kamen alarmierende Zahlen wie explosionsartig sich das Virus verbreitete und wie schnell die Betten der Intensivstationen von Corona Patienten belegt wurden. Erschwerend kam hinzu, dass für die Behandlung eine wirksame Therapie fehlte. Zwei Tage vorher, am Faschingssamstag, war ich noch Zaungast beim Villacher Faschingsumzug mit tausenden Besuchern aus Oberitalien.

So soll diese Epidemie ob ihrer Neuartigkeit mit der jährlich wiederkehrenden Influenza nicht vergleichbar sein. Von der Draustadt liegt die italienische Grenze nur etwa dreißig Kilometer entfernt. Ich habe mir überlegt, ob durch eine strenge Zollkontrolle das Coronavirus an seiner Einreise nach Kärnten gehindert werden könnte? Aber woran könnte ein Zöllner das Virus erkennen? Aus dem Tagebuch…

covid-19/19

corona:wuhan

Die ersten Bilder und Meldungen vom Ausbruch der Corona Epidemie in China, in Wuhan, sind noch im Gedächtnis abrufbar. Zu diesem Zeitpunkt war es fraglich, ob sich dieses Virus auch in Europa verbreiten wird. Wir verbrachten gerade den Weihnachtsurlaub in Abano. Exemplarisch waren die Maßnahmen der chinesischen Regierung einen Ausnahmezustand und ein Ausgehverbot über eine Metropole von elf Millionen Menschen zu verhängen. Niemand durfte mehr, außer Einzelfälle, in die Stadt Aus- oder Einreisen. Quarantäne war ein Wort welches in meinem Leben kaum vorgekommen ist. Ich erinnere mich, dass es bei Kinderkrankheiten wie Masern, Keuchhusten oder Gelbsucht eine Quarantäne im Krankenhaus oder zu Hause gegeben hat. Mit der Vorstellung, dass elf Millionen Menschen dem Ausgehverbot Folge leisten, konnte ich mich als resistenter Österreicher nicht anfreunden. Die Bilder von den überfüllten Krankenstationen mit den Intensivstationen muteten wie aus einem Zukunftsfilm an. Dazu kam die bittere Erkenntnis, dass es zur Behandlung dieser Viruserkrankung kein wirksames Medikament gibt.

Berichtet wurde darüber, dass man fieberhaft nach einem Impfstoff gegen die neue Seuche suchte. Bis jetzt hatte ich mich gegen eine Impfung, gegen die wiederkehrende Influenza verweigert, obwohl ich das magische Alter von sechzig Jahren überschritten habe. Dabei weiß ich darüber Bescheid, wie viel Grippetote es jährlich in Österreich gibt. Ich fühle mich trotz des Alters mit einem wirksamen Immunsystem ausgerüstet und bin auch die Jahrzehnte gut, zumeist nur mit einem grippalen Effekt, durch den Winter gekommen.

covid-19/18