corona:aussetzer

Drei Monate, August, September und Oktober habe ich enthaltsam gelebt und keine Beiträge zur Corona Krise auf dem Blog veröffentlicht. Den Coronavirus Aussetzer einzuhalten war schwierig, gleich wenn ich mir vornehme weniger zu essen oder wieder das Interwallfasten zu praktizieren. Dies habe ich in einem Kurhotel in Bad Goisern im letzten Abdruck kennengelernt, bevor der erste Showdown zur Eindämmung der Corona Pandemie verkündet wurde. Das hat damals bedeutet alle Kurgäste mussten prompt abreisen, die Kureinrichtungen und das Kurhotel wurden geschlossen. Optimistisch haben sich damals die Betreiber des Kurhauses bei den Kurgästen mit der Ankündigung verabschiedet, am 14. April 2020 sehen wir uns wieder, geworden ist es der Juni 2020. Niemand hat sich zu dieser Zeit vorstellen können, dass solche Maßnahmen gesetzlich möglich sind. Den meisten Menschen ist bewusst geworden, die Sommermonate werden uns einen kurzen Freiraum verschaffen, um vom Thema aller Themen loszulassen. Vielleicht auch die Möglichkeit zu nützen, um sein heimatliches Umfeld für eine Woche zu verlassen, mit einem Wort zu verreisen. Zum Lebensstandard der Mitteleuropäer gehört eine Urlaubsreise dazu. Laut Angaben der Caritas fällt man unter die Armutsgrenze, wenn man sich keinen Urlaub leisten kann.

Über die Notwendigkeit von Fernreisen möchte ich mich nicht einlassen, ich habe  damit keine Erfahrung. Meine Urlaubsreisen galten Europa und dem Mittelmeerraum. Für mich ist es beglückend, wenn bei den Reisereportagen im Fernsehen Städte und Landstriche vorkomme, die mir bekannt sind. Manchmal war es nur ein Tagesausflug, gerade in solchen Fällen werden unsere kurzen Eindrücke um einiges ergänzt.

Horizonterweiterung

corona:begräbnis

Eine besondere belastende Situation in Pandemiezeiten ist ein Todesfall und das Begräbnis. In vielen Familien musste man auf ein größeres Begräbnis verzichten und sich mit der Mitteilung begnügen, der Verstorbene wurde in engsten Familienkreis beigesetzt. Zwischenzeitlich wurden die Vorschriften für Begräbnisse gelockert, sodass außer den engsten Familienangehörigen auch Bekannte und Verwandte an der Verabschiedung teilnehmen konnten. Es bleibt eine unwirkliche Situation, dies beginnt damit, dass wer es stilvoll haben will, zum schwarzen Trauerkleid auch eine schwarze Mundnasenschutzmaske trägt. In der Aufbahrungshalle, muss der Babyelefantenabstand eingehalten werden. Dazu kommt die menschliche Distanz, es ist mir nicht gestattet den Angehörigen meine Anteilnahme mit einem Händedruck auszudrücken. Der letzte Gruß von den Sangesbrüdern kommt aus der Musikkonserve, die Anwesenheit eines Chores ist untersagt. Sie war eine sangesfreudige Person. Die schwermütigen Kärntnerlieder sind geeignet um Trauer auszudrücken, sie handeln oft von Schmerz und Verlust, von irdischer Vergänglichkeit.

Die Menschen, welche in der Totenhalle versammelt sind bleiben schemenhaft. Zumeist erkennt man unter der Gesichtsmaske auch ferne Bekannte nicht. Das Schemenhafte erinnert unter diesen Umständen an unsere Vergänglichkeit. Darauf deuten auch die fast unsichtbaren Figuren des Villacher Künstler Valentin Oman in der Totenhalle am Villacher Zentralfriedhof hin. Die Tafeln hängen an der Stirnwand der Verabschiedungshalle. Diese Erscheinungen versuchen Einblick auf das rätselhafte Wesen des Mensch zu geben. Wir wissen so viel über unseren Körper, unsere Umgebung und unsere Welt. Trotzdem bleibt es rätselhaft warum wir zum Menschen geworden sind, welche Kraft uns antreibt und was uns nach unserem Leben, nach dem Tod, erwartet.  Während der priesterlichen Verabschiedung fällt mein Blick immer wieder auf die Sgraffitos von Oman, mir ist als blicke ich in ein weit entferntes Teil des Universums. Bis zu den Spiralnebeln, wo unser Blick auch mit den besten Teleskopen nicht mehr durchdringt, in die Ursuppe des Universums. In einen Nebelschleier gehüllt bleibt unser Wissen um das Jenseits. Die Texte im Rahmen der Verabschiedung aus dem Neuen und Alten Testament sind sehr bildreich, es passiert aber nichts anderes als, dass sie unsere Vorstellungen vom Jenseits noch mehr einnebeln. Der Nebel lichtet sich, wenn die Türen von der Totenhalle geöffnet werden und den Blick auf den Friedhof freigeben. In diesem Moment ist uns allen klar, dass der Sarg hinausgeführt wird auf den Friedhof und in einem Grab der Leib des Toten seine letzte Heimstätte findet. Alles, was mit dem Bewusstsein, dem Geist und der Seele passiert, bleibt im Urnebel des Universum verborgen.

corona:firmung II

In meiner Jugendzeit war von den Firmlingen eine Armbanduhr  ein begehrtes Geschenk. Von meinem Firmgöde bekam ich eine Schweizer Markenuhr. Der Göde war Messner der Pfarrkirche St Paul ob Ferndorf und lebte mit dem Pfarrer und der Pfarrersköchin im Pfarrhaus. Dort lebten sie in den 60er Jahren fast wie eine Familie. Als Sudetendeutsche wurden sie nach dem zweiten Weltkrieg aus der Tschechoslowakei vertrieben und flüchteten nach Österreich. Stowasser verfügte über die Gabe, mit der Wünschelrute Krankheiten zu erkennen. Vor sich, am Küchentisch im Pfarrhof, hatte er ein handgeschriebenes Notizheft in dem die zahllosen menschlichen Beschwerden in Stichwörtern festgehalten waren. Die Hilfesuchenden legten dem Messner ihr Stofftaschentuch auf den Tisch, dann begann er mit seiner Diagnostik. Er nahm die Wünschelrute, eine Stahlrute, in beide Hände und fuhr damit über die Seiten des Notizbuches. Immer, wenn sich die Rute zu drehen begann, hielt er inne und machte sich Notizen. Die Rute hatte bei einer Krankheit angeschlagen. Nach der Diagnose verschrieb er verschiedene Teemischungen. Die Anfragen um eine Behandlung wurden auch brieflich gestellt, unter Beilage eines Taschentuches. Solche Schreiben erreichten ihn aus ganz Mitteleuropa. Von ihm bekam ich viele Briefmarken für meine Markensammlung. Seine Behandlung war kostenfrei, jeder gab so viel er sich leisten konnte, zwischen zwanzig und fünfzig Schilling.

In der kleinen Pfarrküche gab es in einer Ecke den Küchentisch mit zwei Stühlen und einer Eckbank. Die Eckbank war bedeckt mit Zeitungen und Zeitschriften.  In der anderen Ecke stand ein Diwan mit vielen Polstern und Decken, dort haben sich die Katzen bequem gemacht. In einem Winkel ein kleiner Herd, im Herrgottswinkel ein Kruzifix und ein Radio.  Alle Bewohner, die Pfarrhausfamilie, hatten ein inniges Verhältnis zu den Stubentiger. Bei einer Fotoausstellung, im Gemeindeamt Ferndorf nach der Jahrtausendwende, war auf einem Schwarzweiß Foto der Pfarrer, der Messner und die Pfarrersköchin bei einem Ausflug auf den Großglockner abgebildet. Am Parkplatz der Kaiser Franz Josefshöhe posierten sie vor dem Auto und die Pfarrersköchin hält eine ihrer Katzen in den Armen. Ein Familienausflug mit Kind. Nach der Sonntagsmesse, welche die Pfarrer damals nüchtern zelebrierten, saß der Pfarrer am Küchentisch und bekam von der Pfarrersköchin eine Schale Kaffee, in den er ein Stück Weißbrot eintauchte. Auf dem Diwan wurde für uns Ministranten Platz gemacht und wir bekamen von der Pfarrersköchin eine Tafel Bensdorf Schokolade. Zu den hohen Feiertagen bekam ich während meiner Internatszeit, vom Firmgöde einen Geldschein zugesteckt.

Covid-19/37

corona:firmung

Wie gehen wir mit persönlicher Nähe in Isolationszeiten, wie die Monate seit März 2020 genannt werden, um? Bei Hochzeiten, Taufen und Firmung soll zwischen den Personen Abstand gehalten werden. Es besteht Unsicherheit darüber, ob nicht durch Familienmitglieder mit vielen Kundenkontakten, das Coronavirus in die Verwandtschaft eingeschleppt wird? Die einen sind im Lebensmittelhandel, in der Pflege und im Sozialdienst tätig. Andere engagieren sich in der Pfarre. Sorgen bei den Kirchenbesuchern für die Einhaltung der Abstands-regeln und unterstützen die Seelsorger beim Gottesdienst. Der Krise geschuldet werden in Kärnten die Firmungen in den Sommermonaten im kleinen Kreis, in den Pfarren und durch den Ortspfarrer abgehalten. Es wird dieses Jahr keine großen Firmungsevents geben, sondern jede Pfarre wird ihre interne Firmung feiern. Ein weiterer Schritt von hierarchischen Strukturen zur Hauskirche. Dieser Begriff ist erstmals in Corona Zeiten gefallen. Plötzlich war es möglich dem Gottesdienst fernzubleiben und sich zu Hause dem lauten oder stillen Gebet zuzuwenden. Nicht alle Pfarrer, noch weniger die Administratoren der katholischen Kirche verfolgen dies mit gütigen Augen, zum Unterschied vom gütigen Gott. Der Ordinariats Kanzler legt Wert darauf, dass die Firmungen ab kommenden Jahr wieder in großem festlichem Rahmen, unter Anwesenheit des Bischofs, stattfinden.

Eine bischöfliche Firmung ist für die Pfarrgemeinde ein rares Ereignis. Die Vorbereitungen beginnen mit einer seitenweisen Ankündigung in den Pfarrnachrichten. Dazu braucht es keine weiteren Angaben, der Name des Bischofs ist schon Programm.  Erlaubt es die Zeit des Bischofs möchte jeder der örtlichen Honoratioren mit ihm ein paar Worte reden. Für die Teilnahme der örtlichen Vereine an der feierliche Gestaltung der Messe braucht es keine Überredungskünste. Dabei sind der Gemischte Chor, die Musikkapelle und eine Abordnung vom Abwehrkämpferbund. Die älteren Herrn wollen im Kärntneranzug ihren Mann stellen, Traditionsfahnen beim Einzug in die Kirche und beim Auszug schwenken. Gibt es im Ort eine Gruppe der katholischen Frauenbewegung so bekommt die kirchliche Feier zu den männlichen Würdenträger einen weiblichen Anstrich. Schreitet dem Bischof eine aufgeputzte Kinderschar voran, die Mädchen in weißen Kleidern, ergeben die Bilder einen unschuldigen Tatsch. Bei einem regionalen Fest sind auch die Marktfahrer vor Ort. Was wäre ein Festtag ohne die süßen Verführungen von Kokosbusserln, türkischem Honig und Schaumrollen. Dem heiligen Anlass, der Firmung geschuldet , gibt es Kerzen, Rosenkränze und Gebetsbüchlein zu kaufen. Mit dem Hinweis, dass die Kerzen, Rosenkränze und Gebetsbüchlein vom Bischof geweiht wurden. Nach der Firmung wird die Verwandtschaft zu einem Mittagessen mit festlichen Rahmen geladen, dies kann man als kleine Hochzeitsfeier bezeichnen. Der Firmling ist jetzt eine Braut oder Bräutigam Gottes.

covid-19/36