perhabs:meis:lei

Meine Überzeugung ist, dass die Englische Sprache ihre Wurzeln im Kärntner Dialekt hat. Dies kann ich an drei Beispielen nachweisen: perhabs, de meiss und lei.

Das englische Wort perhabs, welches in der üblichen Verwendung mit ungefähr übersetzt wird, gibt es auch in der Kärntner Mundart. Ein Beispiel für seine Anwendung, der Verkauf eines Schweines an einen Fleischhauer. Bauer und Fleischhauer sind sich einig, dass das Kalb perhabs hundertdreißig Kilogramm wiegt, dafür zahlt der Fleischhauer perhabs zweihundertfünfzig Euro. Mit einem Wort, beide Seiten verzichten darauf das Schwein zu wiegen, sie schätzen sein Lebendgewicht. Im beiderseitigen Einvernehmen, ohne um einzelne Cent beim Kilopreis zu feilschen, einigen sie sich auf den runden Betrag von zweihundertfünfzig Euro. Im kärntnerischen Alltag kürzt das Wort perhabs ein langes Feilschen um jeden Deka und jeden Euro ab.

Viele Kärntner haben schon einmal den verzweifelten Ausspruch, jetzan hom de Meis bei de Salotpflanzln de Wurzln obgfressn oder heit woarn de Meis im Kella und hom den Speck ongeknappert ausgerufen oder gehört. Die Mäuse haben bei den Salatpflanzen die Wurzeln abgefressen oder die Mäuse haben im Keller den Speck angeknabbert. Geht es um die Mehrzahl von Maus, geht es um eine Mäuseplage, sind sich die Kärntner und die Engländer in ihrer Wut einig, das waren de Meis.

Lei ist in Kärnten im Fasching ein geflügeltes Wort, es wird aber auch im Berufsalltag verwendet. Es bezeichnet nichts Bestimmtes, zumeist ein schlampiges Vorgehen. Wir werden noch ein paar Tage an der Fassade malen, dann können wir im Stiegenhaus lei weitermachen. Es ist nicht sicher ob uns die Hausverwaltung die ganzen Überstunden lei bezahlen wird. Das englische Wort lei wird mit Muse übersetzt. Die Kärntner verbandeln die Arbeit mit der Muse. Bei einem Vorhaben lassen sie sich nicht hetzen, es wird schon lei amol fertig sein.

echter:anfänger

Wo liegt der Unterschied zwischen Anfänger und Echter Anfänger? Was ein Anfänger ist, ist für mich klar und dürfte auch für andere verständlich sein. Über den Status eines Echten Anfängers herrscht bei mir Unklarheit.  Bin ich, wenn ich ohne Vorkenntnisse einen Kochkurs oder einen Englischkurs besuche ein Anfänger oder ein Echter Anfänger. Besuche ich einen Kochkurs würde ich mich als Echten Anfänger einstufen. Ich kann mir eine Tasse Kaffee oder Tee zubereiten und weis was ein Becher, ein Teller und ein Löffel ist. Bin ich deshalb kein Echter Anfänger mehr, sondern nur mehr Anfänger? Eine paradoxe Situation.

Diese erlebte ich, als ich mich zu einem Englisch Sprachkurs an der Volkshochschule anmeldete, der für Echte Anfänger ausgeschrieben war. Wie die Teacher ausführte, wird eine Unterscheidung zwischen Anfänger und Echte Anfänger getroffen. Die meisten können ein wenig Englisch aus der Schulzeit, den Medien und viele englische Fremdwörter sind in der deutschen Sprache integriert. Im Übrigen liegen die Wurzeln der englischen Sprache im Germanischen, wie die Teacher immer wieder betonte, speziell im Niederdeutschen. Also gab es aus ihrer Sicht keine Echten Anfänger, maximal Anfänger. Sie wird ihre Ausführungen ab sofort in Englisch halten. Wir würden so mehr und schneller lernen, uns auch an die Aussprache gewöhnen. Folgsam, wie Menschen ab einem bestimmten Alter sein können, gab es keinerlei Widerspruch. Bei der überwiegenden Anzahl der Anwesenden veränderte sich der Gesichtsausdruck immer mehr ins Unverständliche. Die Teacher war in ihrem Wortschwall nicht zu stoppen bis ich einwarf, ob sie mit uns spricht und plötzlich hellten sich bei allen Kursteilnehmern die Gesichter auf.

Den ultimativen Satz lernte ich in der dritten Kurseinheit: I am hungry. Ein Überlebenssatz den ich beim Heimkommen sofort meiner Frau gegenüber anwenden konnte. Der zweite Satz den ich öfters brauchte war: Excusmea i am leater. Entschuldigung, ich bin zu spät. Als ich einmal zu früh dran war, war ich sprachlos

buch:händler

Kann sich jemand vorstellen, dass der Internethändler Amazon junge Menschen zu Buchhändlern ausbildet? Trotzdem gehört er zu den größten Buchhändlern der Welt. Bei ihm zählt nicht der Geruch des Buches, ein schönes Cover oder die Empathie für einen Autor. Amazon lässt durch künstliche Intelligenz unser Kaufverhalten analysieren. Egal wo wir was im Netz gekauft haben, alle Spuren werden bei ihm gebündelt. Dann kommt es zur Kaufempfehlung: Andere Personen die dieses Buch gekauft haben, haben sich auch für diese Bücher interessiert. Ist diese Aussage, erstellt durch Algorithmen, vergleichbar mit dem Tipp einer Buchhändlerin in einer Stammbuchhandlung?

Vor wenigen Tagen habe ich mich mit einer Buchhändlerin unterhalten, die von der Liebe zu den Büchern beseelt ist. Wegen der Fülle von monatlichen Neuerscheinungen stellt sie schmerzlich fest, dass ihre Zeit zum Lesen beschränkt ist. Am liebsten erzählt sie ihren Kunden etwas ganz Persönliches über ein Buch. Sie breitet ein Netzwerk vor dem Buchkäufer aus. Vor der Bücherflut müssen sie und ihre Leser kapitulieren. Besucht man die Webseite eines Internethändlers kann man am Buchangebot ersticken. Zurzeit leben noch Generationen, denen eine Webseite nicht das Flair einer Buchhandlung ersetzt. Dort kann man in den Regalen stöbern und seinem Jagdtrieb frönen. Plötzlich wird man von einem Buchumschlag angezogen, von dessen Autor man noch nie etwas gelesen und gehört hat. Man nimmt es in die Hand, ohne durch Algorithmen ausspioniert zu sein: Kunden die dieses Buch gekauft haben, haben auch diese Bücher gekauft.

Werbefrei

schuh:handwerk

Als Kind brachte ich des öfteren kaputte Schuhe zum Linder Schuster nach Ferndorf. Im Ortszentrum gab es zwei Schusterwerkstätten, eine auf der rechten und eine auf der linken Straßenseite. Die Bergler, zumeist Landwirte, kauften ihre Schuhe bevorzugt beim Linder Schuster, die Angestellten und Arbeiter vom Heraklithwerk beim Smaretschnig gegenüber. Diese Aufteilung galt auch für das Flicken der kaputten Treter. In der Werkstätte herrschte immer eine fröhliche Stimmung. Beide Schuster haben ihre Werkstätte geschlossen, auf einem Haus gibt es noch immer die Firmenreklame.

Ist es heute möglich in einer Schuhfabrik das Schusterhandwerk zu erlernen, um Schuhe für spezielle Anforderungen herzustellen? An mein Jahr in einer Spittaler Schuhfabrik erinnere ich mich gut. In der Montagehalle wurden die einzelnen Lederteile maschinell zusammengefügt. Dort herrschte keine  Werkstattromantik, es rotierte das Fließband und der Lärm der Maschinen. Es gab die traditionellen Bezeichnungen wie Leisten, Oberleder, Brandsohle oder Absatz, das Zusammenfügen der einzelnen Teile erfolgte mithilfe von Maschinen. Die ArbeiterInnen waren die Handlanger der Maschinen. Zu meiner Zeit waren es mechanische Automaten, inzwischen dürfte auch hier die Elektronik Einzug gehalten haben. In der Montagehalle herrschte ein Pfauchen und Kreischen, statt  fröhlichem Pfeifen und Singen aus der Brust des Schustergesellen. Wer damals seinen erlernten Beruf gewechselt hat erhielt den gut gemeinten Rat: Schuster bleib bei deinen Leisten.

Die oberste Priorität der Bandmeister in den Kleiderfabriken Asien ist beim Zusammennähen der einzelnen Stoffteile das vorgeschriebene Tagespensum zu erfüllen. Die Frage, ob für diese  Arbeit ein gerechter Lohn bezahlt wird, ist für die Firmenleitung nebensächlich. Der Wahlspruch meiner Frau, Kleider machen Leute, trifft  in der Öffentlichkeit immer seltener zu. Es gibt elegant angezogene Leute, anderseits nach unserem Empfinden verwahrloste Burschen und Mädchen.

Neuer Geschmack