zu:frieden l

Wer es im Leben geschafft hat eine gewisse Zufriedenheit und Lebensstandard zu erreichen, bei dem entsteht vielfach der Wunsch, dass alles so bleibt wie es ist. Gilt dies als Zeichen eines lustlosen Alten, der nichts mehr Neues wagen will? Einer der sich fürchtet, es könnte zu einer Verschlechterung der momentanen Situation führen? Davon betroffen könnte die Beziehung sein, die Gesundheit oder die harmonische Nachbarschaft. Es könnte finanzielle  Einbußen geben, dafür sorgen die besonders alarmierenden Nachrichten aus der Eurozone. Die Staatsfinanzen einiger Mitgliedsstaaten befinden sich in einem zerrütteten Zustand. Mir fehlt das Verständnis dafür, dass die  Europäische Zentralbank Schuldpapiere von Mitgliedsstaaten aufkauft und unkontrolliert neue Banknoten druckt. Diesen Aktivitäten der EZB stehen keine wirtschaftlichen Leistungen oder Sachwerte gegenüber.

Ist es ein Phänomen, besser gesagt ein Menetekel, dass ich mich als erstes den finanziellen Risiken zuwende? Ob dies eine Folge der Globalisierung ist?  In den Schönwetterreden der Politiker wird uns immer versichert, dass die Globalisierung unseren Wohlstand sichert, dass wir in Mitteleuropa Globalisierungsgewinner sind. Vorausgesetzt wird, dass wir einen bestens ausgebildeten Nachwuchs haben, der permanent wirtschaftstaugleiche Ideen und Produkte entwickelt.

Benützerfreundlich.

miet:wohnung

Mit welchen Gefühlen kämpft jemand, wenn er aus der Wohnung auszieht, in welcher er jahrzehntelang gewohnt hat? Am nächsten Morgen in einem anderen Haus, in einem anderen Schlafzimmer aufwacht? Nach dem Aufwachen nicht sofort weiß, wo er ist und warum er in diesem Zimmer ist. Möglicherweise befindet sich die Schlafzimmertür nicht mehr dort, auf der linken Seite vom Kopfpolster aus, wo sie jahrelang war. Vergleichbar mit der Situation in einem Hotelzimmer aufzuwachen, wo man nicht sofort weis, wo sich die Tür in das Bad befindet.

Bekannte erzählen gerne ihre Episoden über das Eingewöhnen in einem fremden Wohnhaus, einerlei ob es sich um eine Mietwohnung oder eine Eigentumswohnung handelt. In den ersten Wochen horcht man aufmerksam auf die verschiedenen Geräusche, welche in die eigene Wohnung dringen und zu welchen Uhrzeiten. Manches Geräusch ähnelt dem der letzten Wohnung, manches ist ungewohnt. Wann erwacht das Haus am Morgen zu neuem Leben? Ich schreibe absichtlich, Wann erwacht das Haus? Es sind die neuen Wohnungsnachbarn, welche morgens zu unterschiedlichen Zeiten aktiv werden. Die einen haben einen Job der um sechs Uhr morgens beginnt, andere einen klassischen Job, bei dem sie um acht Uhr in der Firma sein müssen. So orientiert sich der Tagesbeginn in der Wohnanlage nach dem Arbeits- und Schulbeginn. Irgendwo fließt das Wasser in das Bad, eine Entlüftung wird eingeschaltet, die Spülung von der Toilette rauscht durch die Abflussrohre. Absätze klappern über die Marmorstufen, im Stiegenhaus sind Stimmen zu hören. Ist es ein Guten Morgen Gruß? Dieser gilt nicht einem selbst, sondern einem Nachbarn, welchen man nicht näher kennt. Bevor man wieder eindöst wird eine Wohnungstür geräuschvoll zugezogen, das weitere Erwachen verschläft man.

Morgendämmerung.

wahl:krampf III

Die Philosophie, die Soziologie und die Politik bemühen sich um einen goldenen Mittelweg für die Menschheit. Vielleicht liegt er darin, dass sich alle im Staat wohlfühlen? Sind wir dafür zu verschieden, zu unterschiedlich? Sind Kompromisse die Zauberformel oder sind es Bremsen, die den sozialen und gesellschaftlichen Fortschritt blockieren? So ergehen sich Politiker nach einer Wahl in neuen, alten Phrasen. Es gibt eine Ankündigungspolitik großen Stils von Sachverhalten welche man verbessern, erneuern, reformieren oder neu auf die Beine stellen will. Dieses Ritual wiederholt sich nach jeder Wahl, ob auf  Gemeinde-, Landes- oder Bundesebene. Der Auftritt des strahlenden Siegers erfolgt vor den Augen der Verlierer und es kommt eine Ansage, was zu ändern ist. Bei den Wählern stellt sich die Frage, da es sich zumeist um dieselben Parteien handelt welche regiert haben, warum dies nicht längst in der vergangen Regierungszeit geschehen ist? Vordringliche Probleme wie Beschäftigung, Bildung und Absicherung der Altersvorsorge. Der Bürger, der bei der Wahl war, weil er damit seinen Beitrag zur Demokratie leistet, kann sich darüber nur ärgern. Dieselben Versprechungen hat er schon vor vier, vor acht oder vor zwölf Jahren gehört und miterlebt, wie diese Versprechungen verpufft sind. So spannend manche Wahlabende ob des knappen Resultats sind, wie bei der letzten Bundespräsidentenwahl, so sehr ärgert man sich dann darüber, dass man wieder mit den alten Ritualen konfrontiert wird. Der österreichische Verfassungsgerichtshof hat die Bundespräsidentenwahl 2016 aufgehoben und Neuwahlen angeordnet. OSZE will zum nächsten Wahltermin, 2. Oktober 2016, Wahlbeobachter nach Österreich schicken. Ist Österreich nur mehr eine halbe Demokratie oder einfach nur eine schlampige Demokratie?

Österreichs Politiker betreiben ein besonderes Spiel, ein doppeltes Spiel. Dies besteht darin, dass manche Vertreter Österreichs bei der EU in Brüssel anders reden und abstimmen, als sie es den österreichischen Bürgern versprochen haben. Uns wiegen sie in der Wohlfühlphase, man habe die Wünsche Österreichs in Brüssel stark vertreten. Dabei beugt man sich bei den Union-Abstimmungen dem allgemeinen Mainstream. Kommt es zu einer Konfrontation in Österreich, wie unsere Wünsche in der EU umgesetzt wurden, dann erhält den Schwarzen Peter die Lobby in Brüssel oder die mächtigeren EU Staaten. Die Optimisten hoffen, dass sich dies einmal ändern wird, die Pessimisten sagen, es bleibt alles beim Alten, die Mitte sagt, packen wir es selbst an.

Staatenlos.

wahl:krampf II

Es besteht die Sehnsucht nach einem Mittelweg, die nicht immer erfüllt werden kann. Dies bedeutet einen Kompromiss. Dazu fällt mir zuerst das Wort liberal ein. Eine Lebensvorstellung, wo jeder unabhängig von anderen seine Werte entwickeln und leben kann. Dafür muss es natürlich Grenzen und Vorschriften geben. Nichts könnte mehr Unheil anrichten, als wenn eine Volksgemeinschaft ohne Gesetze zusammen lebt, dann gilt das Faustrecht. Das Faustrecht zeigt schon in den ersten Kapiteln der Bibel verehrende Folgen: Kain wird von Gott gefragt, „wo ist dein Bruder Abel“? Dieser antwortet, „bin ich der Hüter meines Bruders“? Eine Gesellschaft ohne gesellschaftliche Regeln, ohne gegenseitige Verantwortung ist undenkbar. So variieren wir in einer Demokratie zwischen Rechts und Links, um die Mitte zu finden. Unerwünscht sind die linken und rechten Apostel, welche in den Anderen die Ungläubigen sehen, die zum wahren Glauben bekehrt werden müssen. Welche Folgen die Missionierungen anrichten, egal ob von Christen oder von Muslimen, zeigt sich in der Vergangenheit und in der Gegenwart. Bei den Bekehrungen der Christen in Südamerika und bei der Radikalisierung von Muslimen. Die Frucht sind Selbstmordattentäter. Diese Verbreiten ihren Schrecken nicht nur im Glaubenskrieg im Nahen Osten, sondern auch bei Terroranschlägen in Europa und Amerika.

Zur Migration und Einwanderung möchte ich anmerken, dass diese in einem ausgewogenen, um nicht zu sagen in einem gesunden Verhältnis stattfinden muss. Der Begriff gesund  ist in der Medizin, erst recht in der Ethik umstritten. Wer den Begriff gesund definiert nimmt damit eine Monopolstellung ein. Alles was außerhalb dieses Begriffes gestellt wird, Menschen, werden außerhalb der Gemeinschaft ansiedelt. Damit werden wieder Klassen geschaffen, Grenzen gezogen und Personen ausgrenzt.

Rechtlos.