11.45:12.15

Es ist sonnig, die Bora weht. Drei Straßen bilden zwischen den Häusern ein Dreieck, in der Mitte ein Parkplatz für fünf Autos. An jedem Straßenrand des Dreieckes steht eine Bank. Die Kirche steht unter der Straße. Vor der Kirche hält ein weißer Mercedes Vito mit einem schwarzen Kreuz auf den Seitenwänden. Ein Mann in Schwarz steigt aus und verschwindet in einem Hauseingang. Zwei Kinder kommen von der Schule, ein Elektrounternehmer holt mit dem Auto einen Arbeiter ab. Vis a vis von der Kirche ist ein Haus mit Balkon, eingezäunt von einer Steinmauer, auf der sich eine hellbraune Katze sonnt. Eine Frau mit weißer Hose und rosa Bluse lichtet die Sträucher. Auf einem Betonsockel steht ein Fahnenmast in den Farben weiß, rot, blau. Daneben der Tiefbrunnen, am Brunnenrand steht die Jahreszahl 1830. Das Gejaule einer Flex und das Surren einer Bohrmaschine wechseln sich ab. Von Sträuchern eingegrenzt steht auf der linken Seite eine geschwungene Säule davor ein verwitterter Kranz aus Plastikblumen und eine abgebrannte Kerze. Als ich auf die Säule zugehe, schaut zwischen den Sträuchern eine Katze hervor, verwundert und ungläubig. In der Betonplatte die Inschrift: Spomen – Park, 1941- 1945. Bei den Häusern verlaufen die Strom- und Telefonleitungen auf Putz. In den Vorgärten stehen gelb blühende Palmen, in den Blumenkästen blühen die Geranien. Die Turmuhr schlägt zwölfmal, die Kirchenglocken beginnen zu läuten.

Ein Mann geht aus dem Haus und steckt eine leere Milchpackung in den öffentlichen Müllkorb. Ein junger Vater kommt mit seinen zwei Kindern vom Einkauf im Konzum zurück. Neben der Kirche führt eine Stiege zum Meer, von dort kommt Hundegebell.

Jadranovo.  

UHR:zeit

In den siebziger Jahren, welche die heutige Jugend unter dem Motto „Schlager aus den Siebziger und Achtziger“ nur mehr aus dem Radio kennt, gehörte es zur Tradition, dass man zur Firmung vom FirmpatenIn eine Armbanduhr geschenkt bekommen hat. Vorher musste man ohne Uhr auskommen, auch wenn man Fahrschüler war. Es gab damals genug öffentliche Uhren, in der Schule, am Hauptplatz und am Bahnhof. Über die erste eigene Uhr war man stolz und zeigte sie den Mitschülern. Die Geschenke zur Firmung haben sich gewandelt, für viele wird es das neueste Handymodell sein. Bei der Schuljugend hat das Handy die Armbanduhr abgelöst. Zeig mir dein Handy und ich sage dir wie spät es ist. 

 

In der Draustadt ist am 8. Mai Platz, inmitten einer kleinen grünen Verkehrsinsel, auf einer Säule eine Uhr montiert gewesen, mit Ziffernblättern nach allen Seiten. Egal, ob man sich als Autofahrer oder als Fußgänger der Verkehrsinsel genähert hat, mit einem Blick hat man die Uhrzeit erfasst. Von der Terrasse des angrenzenden Parkcafés konnte man bei einem Aufschauen sehen, ob es Zeit ist zum Aufbrechen. Das Parkcafé befindet sich zurzeit im Umbruch. Es hat einen neuen Pächter und wird renoviert. Im Zuge der Altstadterneuerung wurde der 8.Mai Platz umgestaltet und statt der Säule mit der Uhr wurde eine Lichtinstallation montiert, die das gegenüberliegende Hauptpostamt in allen möglichen Farben bespielt. Von der Uhrzeit zur Lichtzeit.

 

Von mir wird angenommen, dass die Uhr von den Menschen vermisst worden ist. Jetzt, nach etwa zwei Jahren, wurde die alte Uhr wieder an einer Ecke des 8. Mai Platzes auf einem Vordach montiert.

 

Die Zeit ist vorbei.

 

BERUF:ung

Im zweiten Schulhalbjahr müssen sich viele Jugendliche entscheiden, welchen Beruf sie erlernen möchten. Die größere Frage ist, wo gibt es dafür eine freie Lehrstelle. Man beginnt mit der Lehrstellensuche und viele Bewerbungen sind notwendig. War es früher ein formloses Gespräch, so erwarten sich heute die Firmen eine Bewerbungsmappe mit ausführlichen Unterlagen. Blaise Pascal sagte: „Das Wichtigste im Leben ist die Wahl eines Berufes. Der Zufall entscheidet darüber“.

Pascal hat recht. Ich wünschte mir einen Beruf, der etwas mit Büchern zu tun hat. Trotz Suche fanden wir keine Lehrstelle. Als Ersatz sollte ich mich in einer Elektromotorenwicklerei vorstellen. Auf dem Weg zur Vorstellung sahen wir, Vater und ich, im Schaufenster einer Buchhandlung in der Bahnhofstraße in Spittal/Dr. ein Plakat: “Lehrmädchen wird aufgenommen”. Wir sind in das Geschäft gegangen und haben gefragt, ob es auch ein Bursche sein kann. Es war möglich. Die Zeit für die “Berufung” kommt vielleicht noch, die Rufe sind vorhanden.

Das Echo.

SIEBEN:undsiebzig

Es besteht die Gefahr, dass man die heutigen Ereignisse aus der Sicht, wie man sie selbst vor dreißig Jahren erlebt hat, beurteilt. Optimismus wird als ein Vorrecht der Jugend gesehen. Mit zunehmendem Alter kann man nicht mit so viel Schwung und Energie an die Aufgaben herangehen, als wie vor Jahren. Die wenigsten sind körperlich so fit, dass sie sagen können, sie sind mit siebzig besser in Form als mit vierzig. Gerade bei kleinen Handels- und Gewerbebetrieben trifft es zu, dass die InhaberInn über das Pensionsalter hinaus im Betrieb sind. Viele verschieben ihren Pensionsantritt um Jahre, der Betrieb ist ihr zweites Zuhause, ihr Lebenswerk. Man fühlt sich vital genug, um weiterzuarbeiten. Dabei übersieht man, dass es mit den Jahren ab sechzig, fünfundsechzig, oder siebzig immer beschwerlicher wird, im Arbeitsalltag Schritt zu halten. Nach sechzig melden sich manchmal Krankheiten, die man bis dahin gut unter Kontrolle hatte oder kaum gespürt hat. Oft ist auch niemand da, der das Lebenswerk weiter führen will oder kann.

 

Ich habe einen Gutschein für einen Friseurbesuch gekauft, der bis zum Jahre 2015 gültig ist. Die Friseurmeisterin wird dann siebenundsiebzig Jahre alt sein. Ob sie dann noch Haarschneiden wird? Beim Besuch einer Kollegin wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass die Chefin nicht hier sei, aber doch da ist. Im Büro erlebte ich, dass der körperliche Zustand der Kollegin schlecht war. Ihr Gesicht war eingefallen, bleich, sie hustete und konnte kaum stehen. Die Kollegin ist über siebzig Jahre alt. Bei diesen Beschwerden hätte ich mich geweigert, in den Betrieb zu gehen. Ich hätte mir zwei bis drei Tage Bettruhe gegönnt.

 

Der Betrieb geht vor.