corona:siebzig

Sehr viel wird weiterhin über die Risiken und Intensität einer Corona Erkrankung geschrieben. Es gibt Berichte von Infizierten mit dramatischen Situationen. Zeiten, wo sie nicht mehr bei Bewusstsein waren und nur mit fremder Unterstützung atmen konnten. Einige sind tageweise mit hohem Fieber darniedergelegen und wurden durch Hals- und Gliederschmerzen, im wörtlichen Sinn, an das Bett gefesselt. Bei mir hat die Corona Infektion einen milden Verlauf genommen, ähnlich einem Schnupfen. Monate danach spüre ich ein wenig von der oft beschriebenen Müdigkeit oder mute ich mir für mein Alter zu viel zu? Das Alter glaubte ich bis jetzt keinesfalls zu spüren. Wird für mich, was für viele während der aktiven Zeit Sache ist, dass es im Tagesablauf verschiedene aktive Zeiten gibt, Wirklichkeit. Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass der Tag für einen Menschen unterschiedliche Leistungsebenen bereithält. Man ist überzeugt von produktiven Vormittagsstunden und rechnet am späten Nachmittag mit einem Leistungsknick. Über Jahrzehnte konnte ich mich dieses Schema erwehren, war tagsüber gleichmäßig belastbar. Nach der Corona Infektion frage ich mich, ob die Müdigkeit am frühen Nachmittag der Infektion oder dem fortschreitenden Alter geschuldet ist? Meistens trifft die Müdigkeit ein, wenn ich vormittags körperlich oder sportlich sehr aktiv gewesen bin, ein natürlicher Prozess? Dazu manchmal spontan Hals- und Kopfweh. In den nächsten Monaten wartet eine Herkules Aufgabe auf mich. Die zumeist kaufmännischen und gesellschaftlichen Schriftstücke, welche ich dem Kärntner Landesarchiv übergeben habe durch Mitteilungen aus privater Sicht, aus den Tageheften, zu ergänzen. Bei diesem Gedanken wird mir schwankend, könnte auch daran liegen, dass dies ein Mamut Projekt für mein Alter werden könnte. Eine Aufgabe, wo ich keine konkrete Aussage darüber machen kann, wieviel Zeit ich dafür beanspruchen werde. Die Übergabe der Tagehefte an das Kärntner Landesarchiv habe ich bereits angefragt.

corona:tag II

Ein wenig spielen dabei die Erinnerungen an die Jugend am Bergbauernhof eine Rolle. Dort war es auch an Sonntagen die erste Pflicht die Schweine, Hühner und Pferde zu füttern. Die Kühe am Morgen zu tränken und zu melken. Um nicht im Werktag haften zu bleiben war der Kirchgang der Anlass um sich schön herzurichten, das Sonntagsgewand und die Sonntagsschuhe anzuziehen. Uns Jugendlichen ging es auch darum, mit anderen aus dem Ort zusammen zu treffen. Nach der Heiligen Messe und vor dem Mittagessen war noch Zeit für einen Besuch im kirchennahen Landgasthof.

Als am Bergbauernhof ein blaues Puchmoped, Puch DS 50 – Zweisitzer mit Schutzblech angeschafft wurde, haben dieses alle benützt.  Der Vater, für die Fahrt nach auswärts in den Holzschlag, wir Jugendliche brachten damit die Milch zur Sammelstelle, zur Walderkathl, egal ob Sommer oder Winter. Zum Eierliefern zur Bachermitze, danach besorgten wir auf dem Rückweg die notwendigen Lebensmittel beim Kerschbaumertone. Im Sommer für die Fahrt in die Kirche, so schnell was das Moped hergab, dabei immer ohne Mopedhelm unterwegs.

In den Lockdown Zeiten entfielen diese alltäglichen Termine, Volkshochschule, Rückenstudio, Therme und der Kirchgang, alles geschlossen. So war es schwer der Woche eine Struktur zu geben, manchmal wussten wir nicht welcher Wochentag ist heute, in welcher Woche befinden wir uns. Es fehlten auch die Außenreize, dadurch Gesprächsthemen die nicht unausweichlich das Corona Thema zum Inhalt hatten. Obwohl seit einem Jahrzehnt außer Gefecht, damit will ich sagen nicht mehr aktiv im Wirtschaftsleben, berührt es mich, wenn es um wirtschaftliche Einbußen im Zusammenhang mit der Pandemie geht. Die Gastronomie, Thermalbäder und Rückenstudios, weil sie ungezählte Wochen geschlossen hatten. Wie die kleinen Handelsgeschäfte wirtschaftlich überleben können, weil viele Fachhändler Saisonware verkaufen, wo der Saisonartikel nach einem Monat Lockdown unverkäuflich wird.

corona:tag

Bei unserer Einschätzung der wirtschaftlichen Folgen für das Kleingewerbe durch die Pandemie unterstützt uns, dass wir im Wirtschaftsleben vor der Jahrtausendwende es am eigenen Leib miterlebten. Heute mit unseren Einsichten und Ansichten trotz aufmerksamem Studium der Wirtschaftsberichte in den Zeitungen nicht mehr ganz update sind. Wir können wohl auch nicht immer den Gedankengängen heutiger, junger Unternehmer folgen. Vieles ist in Fluss geraten und Jungunternehmer nähern sich heute mit einer anderen persönlichen Einstellung den Aufgaben im Handel, in der Gastronomie oder im Friseurgeschäft. Eine solche Situation wie es im letzten Jahr war, auch wenn wir verschiedene Schwierigkeiten, Umsatzausfälle bewältigen mussten, dies haben wir nicht erlebt.

Die Zeit, welche schon in normalen Zeiten nicht genau zu bestimmen ist war für uns in Pandemiezeiten noch weniger greifbar. Die alltäglichen, die gewöhnlichsten Verrichtungen an denen wir die Tage festhalten konnten, gab es nicht mehr. gibt. Ich denke, dass in der Coronapandemie die Zeitwahrnehmung außer Kraft gesetzt wurde. Wie werden wir die Zeit nach der Eindämmung der Coronakrise wahrnehmen, wieder normal wie früher? Dazu gibt es ein interessantes Bonmot. Auf die Frage: „Werden wir nach der Pandemie wieder zur alten Normalität zurückkehren“, kam zur Antwort: „Ich fürchte ja“.

Alltäglichen Tätigkeiten haben wir vor Corona keine Beachtung geschenkt, diese waren etwas Nebensächliches. In der Vorcoronazeit orientierten wir uns an Brauchtumsfesten, Konzerte oder Museumsbesuche. Dem Jahr gaben ein Meeraufenthalt und Studienwoche eine Struktur. Auch die kirchlichen Feste wie Weihnachten, Ostern oder Pfingsten, mit ihrer besonderen Liturgie waren Zeitstempel.

corona:pate II

Für alle die am Drauuferweg spazieren oder Radfahren ist ersichtlich, wer einen frisch gepflanzten Baum gesponsert hat. Ein tolles, öffentliches Erlebnis als Baumpate von Vielen identifiziert zu werden. Etwas Beständiges ermöglicht, was über den Tod hinaus von einem Zeugnis abgeben könnte, gerade für ältere Personen aktuell. Über den Tod hinaus oder vor dem Tod, stellte ich mir die Frage, als ich an einem frisch gepflanzten Baum am Drau Weg vorbeikam. Auf der Sponsor Plakette las ich: „Franz, in Liebe deine Familie und Bekannten“. Zweimal musste ich hinsehen und nochmals lesen: „Franz in Liebe deine Familie und Bekannten“. Mein Vorname ist Franz.

Mein spontaner Gedanke war, sehr nett von meiner Familie und Verwandtschaft, dass sie so früh, zu Lebzeiten, mir schon einen Baum widmen. Für meinen Geschmack ein bisschen zu früh, aber warum nicht zu Lebzeiten? Ein bisschen vor dem Ableben, als zu spät oder überhaupt in Vergessenheit zu geraten. Ein kleiner Hinweis auf mein fortgeschrittenes Alter, da ich dieses Jahr einen runden Geburtstag begehe. Ob gefeiert wird oder wegen der Coronapandemie abgesagt werden muss, ist noch offen. Wann ist das richtige Alter dafür, um sich eine Grabstätte oder einen Gedenkbaum zu erwerben, mit sechzig, siebzig oder achtzig?

Das Coronavirus hat uns gelehrt, das Alter kann viel überraschendes bereithalten. Mehr, als das Alter bereits von jeher an Überraschungen reich ist.  Der Baum dürfte nicht mir gewidmet sein, in der Draustadt gibt es eine große Zahl Männer mit dem Vornamen Franz. Die Verwandtschaft kontaktieren

corona:pate

Es gibt internationale Proteste gegen Regierungen, welche es zulassen, dass große Waldflächen abgeholzt werden. Die Sauerstoffquellen eines Großteils der Weltbevölkerung werden wirtschaftlichen Interessen geopfert, sei es die Energiegewinnung, neue Weideflächen für die Mastrinderhaltung oder einfach Gewinne aus dem Holzexport. Die erstarkte Grünbewegung sieht darin ein nationales Vorhaben für den Klimaschutz, wohl auch weil der Klimawandel bereits bei uns spürbar ist. Die Coronakrise hat den Klimawandel aus den Schlagzeilen verdrängt.

Im südlichen Teil von Europa merkt man in den Sommermonaten, gerade in den Städten, wie heiß es wird. Die Stadtverwaltungen versuchen Asphaltflächen zu renaturieren, in Grünflächen zurück zu verwandeln. Als besonders erfolgreich gegen die Erderwärmung und den Hitzestau in den Städten hat sich die Pflanzung von Bäumen bewährt. Es war ein kleiner Schritt, dass die Stadtregierung versucht, diese Begrünung durch Baumpaten zu finanzieren. Normalerweise sollte diese Renaturierung aus dem normalen Budget, aus den Abgaben aller, möglich sein. Anscheinend versickert viel Steuergeld in ausweglose Projekte, obwohl ein Versickern bei der großflächigen Versiegelung von Grünflächen kaum mehr möglich ist. Es wäre nicht unsere von Projektmanagern, Initialwerkstätten, Brainstorming und Mentalcoach durchsetzte Arbeitswelt, hatte nicht jemand die findige Idee geboren, man könnte an die Bürger herantreten und gegen Bezahlung die Möglichkeit einer Baumpatenschaft anbieten. Die Anpflanzung eines Baumes am Drau Ufer wird durch Patenschaft, um den Obolus von fünfhundert Euro, finanziert. Von einem pfiffigen Werbestrategen wurde ein Hingucker versprochen, zu jedem Baum kommt eine Widmungstafel.