OFFENE:fragen

Seit 12.01.09 gibt es eine Adresse für gute BLOGTEXTE, eine Blogbibliothek. Dafür habe ich Texte eingereicht, „Sissi“  ist online und zu meinem anderen Text gibt es einen Kommentar vom Blogscout. Diesen Kommentar habe ich zur Diskussion grestellt, es gibt viele Kommentare und vielleicht wollen SIE, liebe(r) LeserIn die Diskussion weiterführen, am Text „Lebenszeit“, ganz offen…  

LEBENS:zeit

Ein ungelöstes Rätsel ist, von wem und nach welchen Kriterien unsere Lebenszeit ausgewählt wird. Niemand kann zu seiner oder der Lebenszeit seiner Nächsten etwas Bestimmtes vorhersagen. Noch weniger weiß man, wie viel Freude und Schmerz man in seiner Lebenszeit erleben wird, wer die Lebenszeiträuber sein werden. Manchen macht die Arbeit, der Beruf, Spass, andere empfinden die Arbeitszeit als einen Lebenszeiträuber. Sie fühlen sich bei ihrem Hobby oder in ihrer Freizeit wohl. Solche, die eine Berufung in sich spüren, warten darauf, bis sie ihre Berufung ausüben können. Manche vertrödeln ihre Lebenszeit. Bevor man entdeckt, dass man mit der Lebenszeit sparsam umgehen soll, ist es im Leben sehr spät. Man fragt sich,  weiterlesen… 

Lieber Franz
Du reihst hier Aussagen aneinander. Doch die Merksätze sind nicht Bausteine noch Perlen. Es sind Beobachtungen, bei denen sich der Leser jederzeit fragen kann: wirklich? Und sich ausklinkt, sobald er Widerstand fühlt. Das wird durch das Schreiben in der „Man-Form“ noch verstärkt. Wie wäre es mehr mit eigenen Beobachtungen, von denen ich sicher bin, dass sie wirklich auch etwas mit Dir zu tun haben, der Ich-Form? Und: Habe ich nur dann etwas mit meiner Pension angefangen, wenn ich das große Lebenswerk erfülle? Liegt nicht vielleicht ein Sinn, eine Erfüllung darin, meinem Körper die Ruhe zu gönnen, das Ausschlafen, aber diese Dinge bewusst zu tun? Hey, DU interessierst. Das „man“ stört mich hier wirklich sehr.
Liebe Grüsse K. 

Lieber E.

Im Web gibt es seit kurzer Zeit eine „Blogbibliothek„, wo ausgewählte Blogbeiträge veröffentlicht werden. Ich habe von mir zwei Beiträge eingereicht und dazu Stellungnahmen bekommen. Wie siehst  Du meine Blogbeiträge, glaubst Du, dass ich zu wenig in der „Ichform“ schreibe. Ich habe absichtlich „Man“ gewählt, zwecks Distanz. Die „Ichform“ immer wieder verschoben.  Nach W. Benjamin: Erklärungen sind unfruchtbar. Der Leser soll sich selbst seinen Reim aus den Beschreibungen machen…Was meinst Du?  Liebe Grüsse Franz. 

Lieber Franz,

ich habe schon einmal einen Man-Roman geschrieben und einen Minus- Rekord im Verkauf(Interesse) erzielt. Mein Ansatz war allerdings nicht mit deinem identisch. Ich habe von einem Ich erzählt, das konstatiert, dass es man-förmig, also als Abklatsch von Meinungen, Üblichkeiten ,Artigkeiten etcetera existiert. De facto gibt es aber nur ichförmiges, also in konkreten Situationen steckendes Leben, das aus seinen jeweiligen Standpunkten heraus schaut, denkt und urteilt. So denke ich als Literat. Deine Betrachtungen sind Versuche, von ihrem lebenden Grund unabhängig zu werden und gesicherten Erkenntnisgrund zu erreichen. Man spürt, dein Ich sitzt in einem geheizten Raum, blickt verwundert hinaus und hält getreu fest, was sich draußen tut. Deine Kritiker am man-Stil meinen vermutlich, du sollst deine Situation mit in Rechnung stellen, sollst hinaus aus der Unfraglichkeit, sollst nicht nur von den Verrücktheiten reden ,sondern dich als involviert mit schildern. Ich weiß, das ist nicht jedermanns Sache. Aber die Lebendigkeit scheint mir nun einmal ein höherer Wert als die davon abstrahierten Erkenntnisse.  Mit freundlichen Grüßen  E. 

Lieber Franz!
Ich finde es sehr mutig, diese Diskussion zuzulassen; es erscheint mir sehr wertvoll zu sein, zu hinterfragen, welchen Zugang man wählen soll und warum man als Autor schreibt wie man schreibt. Jede Position, ob „man“ oder „ich“, kann etwas für sich haben. Ich persönlich schätze Deine „man“-Position deswegen, weil ich als Lektorin ständig ich-Lastiges lese und denke, dass viele Autoren damit trotzdem nichts Neues zutage bringen. Ich denke,  auch eine objektivierende Sicht kann lebendig sein, wenn man sich zurücknimmt und wirklich etwas außerhalb von sich selbst „sieht“, das der Beschreibung würdig erscheint. Es ist ein grundsätzlicher Zugang, den es u.a. bei Francis Ponge gibt, der die Objekte (die Natur) beschreiben will und sich als Autor dafür strikt zurücknimmt. Liebe Grüße B. 

Lieber Franz!

Mit dem MAN möchtest du wohl aus der bloßen Subjektivität heraustreten und etwas Allgemeingültiges formulieren, das sich nicht nur auf dich selbst und dein Dafürhalten bezieht.
Die Gültigkeit allgemeiner Aussagen muss aber erst begründet werden. “Bevor man entdeckt” stellt sich als eine Lebenserfahrung oder Lebensweisheit dar, die auch für andere gilt. Würde es heißen: “Als ich entdeckte…”, wäre es eine bloß subjektive Aussage, die zwar unangreifbar, aber u.U. auch uninteressant und irrelevant sein kann.
Diese MAN-Aussagen können natürlich auch als belehrend und moralisierend empfunden werden, meist dann, wenn sie nicht mit den eigenen Erfahrungen und Entscheidungen übereinstimmen. Bei Übereinstimmung können sie dagegen als Weisheit und Offenbarung erlebt werden, wie einige deiner Leser angemerkt haben. W.

Was meinst DU, liebe(r) LeserIn ?

9 Gedanken zu „OFFENE:fragen

  1. Pingback: Können Blogger nicht mehr lesen?

  2. Hallo Schlagloch,
    ich meine, „ich“ wäre tatsächlich authentischer. Aber vermutlich bestehen Ängste, Dich ganz offen im Netz zu zeigen.
    Ich lese hinter dem „man“ aber sehr oft Deine „eigentliche“ Haltung und Gedanken.

    Gruß
    Gerhard

  3. Lieber Schlagloch,

    für mich ist das „man“ oftmals das Aufzeigen der vielfältigen Möglichkeiten als Denkanstoß. Trotzdem frage ich mich manches Mal, was genau DEINE Meinung ist und was DU selbst davon erlebt hast.

    Viele Grüße
    Mo

  4. Hallo Gerhard!
    Hallo Mo!

    Ich möchte mit einem Eintrag antworten. Das Wesentliche für mich ist, von meinen Beobachtungen zu schreiben, wenig von meiner Meinung. Ich will mich dabei als Person zurücknehmen, frei nach W. Benjamin: „Erklärungen sind unfruchtbar, der Leser soll sich selbst seine Gedanken aus den Beschreibungen machen… “ Ängste im Netz, nein. In meinem Leben habe ich oft eine andere Sichtweise vertreten.

    Gruss schlagloch.

  5. Hallo Schlagloch

    Ich finde die „man“-Form besser.

    Hättest du in der „ich“ – Form geschrieben, würde ich nicht so sehr über deinen Text nachdenken, sondern über dich als Person, deine Lebensumstände, ob es dir gut geht oder nicht.
    Dafür war der Text aber wohl nicht gedacht 🙂 oder?

    Liebe Grüße 🙂 und ein schönes Wochenende

  6. Hallo Schlafmütze!

    Ich stimme Dir zu.

    Meine Bestreben ist, dass die/der LeserIn über den Text, den Inhalt, nachdenkt, nicht über mich. Wer will kann für „man“ sein eigenes Ich, Wir oder Uns einsetzen oder mein Ich.

    Lese ich einen Text geht es mir um den Inhalt, die Sprache, die Erkenntnisse für meine Person, mein Leben, oder um Informationen über meine Umwelt.

    Gruss schlagloch.

  7. Pingback: Anonymous

  8. Lieber Franz!

    Mit dem MAN möchtest du wohl aus der bloßen Subjektivität heraustreten und etwas Allgemeingültiges formulieren, das sich nicht nur auf dich selbst und dein Dafürhalten bezieht.
    Die Gültigkeit allgemeiner Aussagen muss aber erst begründet werden. „Bevor man entdeckt“ stellt sich als eine Lebenserfahrung oder Lebensweisheit dar, die auch für andere gilt. Würde es heißen: „Als ich entdeckte…“, wäre es eine bloß subjektive Aussage, die zwar unangreifbar, aber u.U. auch uninteressant und irrelevant sein kann.
    Diese MAN-Aussagen können natürlich auch als belehrend und moralisierend empfunden werden, meist dann, wenn sie nicht mit den eigenen Erfahrungen und Entscheidungen übereinstimmen. Bei Übereinstimmung können sie dagegen als Weisheit und Offenbarung erlebt werden, wie einige deiner Leser angemerkt haben.

  9. Hallo Weichensteller!

    Du hast für mich die unterschiedlichen Positionen von „man und ich“ sehr schön dargestellt. Ich bin kein Sprachwissenschaftler, daher habe ich die Position von „man oder ich“ noch nie so genau hinterfragt. Ich sehe mich als Beobachter, Erzähler und Chronist.

    Ich habe die unterschiedlichen Kommentare und Reaktionen zur „Man und Ich – Frage“ , genau gelesen. Ob „man oder ich“ ich werde aus meinem „Bauchgefühl“ entscheiden, das „man“ liegt mir mehr im Magen.

    Gruss schlagloch.

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