21. 04 : 2019 ostersonntag

Am Nachmittag bei Starboocks Coffe am Gutenbergplatz ein paar Notizen. Gutenberg hat eine kurze Zeit in der Stadt gelebt, in Strasbourg erschien die erste deutschsprachige Tageszeitung. Mit der Verbreitung des Buchdruckes hat sich die ganze Gesellschaft verändert. Rechts und links vom Platz nimmt die Polizei Aufstellung, beim Gutenbergdenkmal versammeln sich Türken mit Fahnen und Transparenten. Sie demonstrieren für eine demokratische Türkei. Nach und nach verflüchtigen sich die Demonstranten, dafür werden die Flaneure mehr. Alle in kurzärmlige Blusen, T-Shirt und kurze Hosen. Die Kinder verschaffen sich Abkühlung indem sie in die großzügige Brunnenanlage steigen. Der Gutenbergplatz ist einer der zentralen öffentlichen Plätze, außer vor der Kathedrale. In der Nähe ist der Bus- und Straßenbahnhof, in den Seitenstraßen haben sich Obdachlose „einquartiert“.

Beim Besuch der Ostermesse in der Kathedrale am Vormittag wurden von der Polizei die Taschen kontrolliert und das Militär sicherte den Vorplatz. Zahlreiche Menschen sind mit Blumen und Grünpflanzen unterwegs, dies gehört hier zum Osterbrauchtum. Bei einem Osterbesuch übergibt man diese den Gastgebern.

       

Beschaulich ist das Treiben im Goethepark in der Nähe der Universität. Goethe hat hier studiert und sich das erste Mal verliebt. Das französische Schulwesen forciert talentierte Schüler, gewährt ihnen Stipendien und den Aufenthalt in eigenen Instituten. Als Gegenleistung erwartet der Staat einen zwei bis fünfjährigen Staatsdienst. So sichert sich der Staat eine Elite für das Beamtentum.

20. 04 : 2019 karsamstag

Das Zimmer im La Grand Hotel am Bahnhof in Strasbourg ist renoviert, geräumig und funktional eingerichtet, das Frühstück ausreichend. Morgens kaufe ich im Bahnhof die FAZ, unter strenger Bewachung von Soldaten mit Maschinengewehren. In der Bahnhofstrasse verbringen viele Randfiguren ihre Nächte und Tage am Trottoir, teilweise mit einem Hund als Gefährten. Ziellos erkunden wir die Altstadt, schmale Gassen, gut erhaltene Fachwerkshäuser, viele Touristen und ebenso viele Restaurants, Cafés und Pizzeria. Trotz Suche finden wir keine Konditorei im Wiener Stil, was die Frau bedauert. In der Nähe der Kathedrale häufen sich die Souvenirshops und Imbissbuden mit Krepps und Flammkuchen. Für die nächsten Tage muss meine Garderobe ergänzt werden, ein schöner Vorwand um im Kaufhaus Galerie Lafyette zu gustieren. Bei vielen Restaurant gibt es mittags Warteschlangen, bei einer Pizzeria ist im Freien ein kleines Tischen frei, sehr freundlich.

    

Zuhause in Politzen trifft sich jetzt die Verwandtschaft zu Osterjause, ein wehmütiger Gedanke. Am Abend nehmen wir in einer Klosterkirche an einer Auferstehungsfeier bei. Der Innenhof wird für mich ein Ort der Auszeit.

19. 04 : 2019 karfreitag

Heute treten wir die Rückreise nach Österreich an, gemeinsam besteigen wir um 8.14 Uhr den TGV in Marseille und werden um 13.35 Uhr in Straßburg sein. Der Zug ist gut besetzt und es gibt einige Auffälligkeiten. Ein Herr zwängt sich mit einem großen Bag vorne und mit einem Baby in einer „Bucklkraxn“ am Rücken durch die engen und von allerlei Gebäck verstellten Gänge. Weiter vorne wird es nur mehr Minuten dauern, bis der Reiseproviant den „Hungrigen“ buchstäblich auf den Kopf fallen wird. Schräg gegenüber erklärt eine Dame ihrem Sitznachbar seit einer gefühlten Stunde, über welche Besonderheiten die Kamera ihres Smartphon verfügt. Wie sie die Galerie verwaltet, Ordner anlegt und Fotos verschickt usw.

Bei der Fahrt vom Hotel zum Bahnhof hat sich ein Ehepaar geweigert in dasselbe Taxi einzusteigen. Dadurch sollte verhindert werden, dass bei einem Unfall die ganze Familie, Frau und Mann, ausgelöscht wird. Eine ähnliche Vorkehrung gab es in meiner Kindheit am Bauernhof. Nie haben wir alle gemeinsam einen Ausflug gemacht, immer sind zwei oder drei Personen zuhause geblieben. So wäre bei einem Unglück die Versorgung des Viehes und der Kinder sichergestellt gewesen.

    

Während der Zugfahrt unterhalte ich mich mit einem pensionierten Journalisten über den Wandel im Journalismus und im Druckereigewerbe. In seiner Zeit als Lokalreporter in Niederösterreich hat er nach dem Besuch einer Veranstaltung am nächsten Tag einen Bericht geschrieben. Diesen Text hat er in ein Kuvert gesteckt und mit der Post an die Redaktion in Wien gesandt. In extrem Fällen hat er telefonisch einen Bericht durchgegeben. Heute überträgt der Journalist vom Ort des Geschehens seinen Bericht online auf die Zeitungsseite. Für einen Autor ist es möglich seinen Roman selbst als Buch zu veröffentlichen. Nach dem Blick in die Vergangenheit hofft er etwas von der fantastischen Zukunft zu erleben, sich selbst zu Beamen. Er könnte dann ohne Verkehrsmittel und in einem Augenblick von einem Ort zum anderen reisen. Ganz überraschend entfernte Verwandte besuchen. Dies möchte er noch erleben.

              

In Straßburg verlassen die Partnerin und ich die Reisegesellschaft und verbringen das Osterwochenende in der EU Metropole.

18. 04 : 2019 gründonnerstag

Seit Tagen läuft im TV die Berichterstattung über den Brand der Notre Dame in Paris. Am Fernsehschirm in der Hotelhalle zeigt man gerade einen „Schweigemarsch“ zur Kathedrale und es gibt Interviews mit den Feuerwehrmännern. Heros, welche bei der Brandbekämpfung dabei waren. In der Früh ein Interview mit Peter Handke gelesen, der zum Zeitpunkt des Brandausbruches in der Nähe der Notre Dame war.

An diesem Tag entscheiden wir uns für einen Ausflug in das nahe gelegene Aix-en-Provence. Die Hin- und Rückfahrt erfolgt mit einem öffentlichen Bus. Bei der Fahrt nach Aix erzählt uns die Führerin etwas von der Stimmungslage in der Bevölkerung nach der Brandkatastrophe der Notre Dame. Ein Teil der Franzosen wundert sich, woher plötzlich das viele Geld für den Wiederaufbau kommt. Für diesen Bevölkerungsteil wäre es vordringlicher die Milliarden Euro in den Wohnungsbau, die Bildung oder in die Erneuerung der Infrastruktur zu investieren.

             

Aix ist eine römische Stadtgründung, von wo aus die Provence erobert wurde. Ein lieblicher Gegenpool zum multikulturellen Marseille. Die schmalen Gassen der Altstadt sind aufgeräumt und frei von Graffitis. Auffallend an den Häusern ist, dass an den offenen Fensterläden Blumentöpfe aufgehängt sind. Auf allen zentralen Plätzen gibt es Gemüsemärkte, vornehme Läden, Cafés und Restaurant. Süßigkeiten verschiedener Art werden überall angeboten. Es ist sonnig und warm, wir genießen eine Cafepause im Freien.

Bei den Innenstadthäusern sehen wir auf Höhe vom ersten Stock Mauernischen. In diesen Nischen befinden sich Statuen der Schutzheiligen gegen Seuchen und die Pest. So konnten die Gebete um Verschonung vor der Pest im Freien verrichtet werden. In Pestzeiten weigerten sich zahlreiche Menschen eine Kirche aufsuchen, weil dort wegen der Menschenansammlung die Ansteckungsgefahr besonders groß war. Wir handhaben es im Winter ähnlich, wegen Ansteckungsgefahr mit einem Grippevirus meiden wir Veranstaltungen mit vielen Menschen.

Heute, am 18. 04. 2020 kann ich dazufügen, vor einem Jahr habe ich das Wort „Coronavirus“ noch nicht gekannt. Ein Mittel um die Corona Pandemie einzudämmen ist das Verbot von Menschenansammlungen. So betrachtet haben sich die Maßnahmen zur Bekämpfung einer Seuche seit dem Mittelalter nicht geändert.