frauen:runde

Die neue Privatsphäre in den Railjet erweist sich in einigen Fällen als ein Hindernis, da man von den Gesprächen der Mitreisenden weniger mitbekommt. Es gibt Ausnahmen, in diesem Fall eine Frauenrunde aus dem Gailtal, welche auf einem Städte Trip in die Bundeshauptstadt unterwegs war. Die Herbstzeitlosen, welche sich einmal im Jahr eine Auszeit von Mann, Kind und Hund gönnen.Trotzdem waren sie im Zuhause gefangen. Eines der Gesprächsthemen waren die Kinder, die Ereignisse in der Schule. Voran die Erfahrungen mit den Lehrern und Lehrerinnen. Ein Thema, welche Jause geben wir den Kindern mit in die Schule und was ist eine gesunde Jause? Bei der jüngeren Generation boomt das Fastfood Essen und die Fertiggerichte.

Dazu kam die Ungewissheit, wie es die zuhause geblieben Ehemänner schaffen werden, sich und die Kinder während des Wochenende mit Essen zu versorgen? Dies dürfte mit einem Besuch bei einem Fastfood Anbieter enden, problemlos für die Väter und kommt beim Nachwuchs gut an. Zum Thema Mülltrennung und Müllentsorgung war es nur ein Gedankensprung. Eine ungeliebte Tätigkeit, weil es Müllfanatiker gibt die penibel darauf achten, dass jeder kleinste Papierfetzen in der Altpapiertonne landet. Darauf bestehen, dass jeder Joghurtbecher in seine Bestandteile: Plastik, Metall und Papier zerlegt wird.

Der auftauchende Schaffner wird mit Fragen bestürmt, über das Wetter in Wien wisse er nichts Genaueres. Die Frauen laden ihn ein, mit ihnen ein Glas Sekt zu trinken, diese Aufforderung lehnt er wegen der Dienstvorschrift dankend ab. Als ich meiner Nichte von diesem Erlebnis erzähle, stimmte sie mir zu, auch wenn ihre Cafékränzchenrunde verreist, verläuft es so oder ähnlich.

Zwiebeltorte

rail:jet II

Es gilt die Beobachtungen im Waggon aufzuschreiben und ich kann zu aussagestarken Charakteren einen Beruf oder eine Lebenssituation erfinden. Dafür genügt ein Blick auf seine Lektüre oder ihre Arbeitsutensilien. Seit der exzessiven Benützung des Smartphones ist eine neue Informationsquelle dazugekommen. Jeder weiß, wie laut sich die meisten Leute am Handy unterhalten. Einerseits rücksichtslos gegenüber den Mitreisenden, anderseits breitet man ohne Schamgefühl seine privaten Vorhaben, aber auch Vorlieben, vor den Nachbarn aus. Dabei wird kein Bereich ausgespart, die Probleme mit den Kindern, dem Ehepartner und den Kollegen. Öffentlich werden auch  die Vorlieben im Bett. Kann ich einen Blick auf den Bildschirm des Nachbarn machen,  ergibt dies einen Anknüpfungspunkt für ein Gespräch.

Ist es eine Täuschung, wenn ich feststelle, dass vor Jahrzehnten während der Bahnfahrt zwischen den Reisenden mehr miteinander gesprochen wurde? Teilweise wird viel geredet, aber mit Personen die sich nicht im Zugabteil befinden. Eine Ausnahme bilden Menschen, welche sich an einem Vierer Tisch gegenübersitzen. Dies erleichtert die Aufnahme eines Gespräches. Mein Eindruck ist, den meisten Menschen ist es angenehm, wenn sie angesprochen werden. Sei es, um mich zu erkundigen wohin sie reisen, aus welchem Anlass. Ob sich die Angesprochenen auf ein Gespräch einlassen wollen, ergibt sich zumeist aus der Antwort. Ein kurzes Gespräch entspannt die Atmosphäre und es ist besser, als wenn man sich drei oder fünf Stunden anschweigt. Zudem glaube ich, dass Leute, welche bewusst eine längere Zugfahrt gebucht haben, anstatt mit dem Privatauto zu fahren, zumeist umgängliche Personen sind. Die eventuell eine kurze Bekanntschaft einplanen oder damit rechnen. Die Schüler und die Berufstätigen welche den Zug benützen sind eine eigene Gruppe, für sie bedeutet Bahnfahren einfach ein Muss.

Monatskarte

rail:jet

Vom Vorstand der österreichischen Bundesbahnen werden die Zuggarnituren des Railjet als komfortabel gelobt. Im internationalen Reiseverkehr erlauben diese Zuggarnituren eine höhere Reisegeschwindigkeit, soweit es in Österreich die Berge und die Streckenverhältnisse zulassen. In den Waggons gibt es mehrere Ablagen für die Koffer, aktuell sind die leichten Reisekoffer in. Die Sitze sind bequem und entspannend, für das Aufladen des Laptops und des Smartphones gibt es Steckdosen, sowie ein kostenloses Wlan. Früher war es Brauch nach dem Hinsetzen eine Zeitung oder ein Buch aus der Reisetasche zu nehmen, heute wird nach dem Platz nehmen der Laptop aufgeschlagen. In der Waggonmitte gibt es eine digitale Anzeige für die Geschwindigkeit, den Haltestellen und die Ankunftszeiten. Was aussteht ist das digitale Einchecken bei der Abfahrt. Noch erfolgt die Fahrkartenkontrolle durch eine liebenswürdige Schaffnerin oder Schaffner, die Berufsbezeichnung lautet Zugbegleiter. Während der Reise, ist man zwischen fünf und acht Stunden unterwegs, besteht die Möglichkeit das Bordrestaurant aufzusuchen.

Es liegt an den Fahrgästen, wie sorgsam sie mit dem Inventar umgehen. Die Sitzbezüge im Railjet  sind sauber und in Ordnung. Die Rückenlehnen der Sitze sind gegenüber den Sitzen in den Eurocityzügen etwas höher und bieten einen seitlichen Sichtschutz. Dies verschafft den Reisenden mehr Privatsphäre. Diesen kleinen Vorteil kann man genießen oder ablehnen. Mir ist es angenehm, wenn ich bei einer Zugfahrt mehrere Sitzbänke überschaue. Die neue Privatsphäre bedeutet für mich eine Einschränkung, gerne beobachte ich das Geschehen im Abteil über mehrere Sitzreihen hinweg. Diese Wahrnehmungen können ein erster Schritt für das Verfassen von einem Text sein.

Schienenstrang

geld:rückgabe II

Einen besonderen Kick übten auf uns Jungwehrdiener, ein Teil kam aus ländlichen Gebieten, jene verbotenen Lokale aus, die auf einer Liste in der Belgierkaserne angeführt waren. Auf dieser Liste standen Nachtclubs und Bars mit Animierdamen, die meisten befanden sich im Stadtteil Gries. Dieses Grazer Viertel war für sein Nachtleben bekannt. Einige der Etablissements hatten schon am späten Nachmittag geöffnet. Ein Getränk kostete den Sold von einem Monat. Zeitweise wurden im Gries-Viertel von der zivilen Militärpolizei Kontrollen durchgeführt. Das billigste Freizeitvergnügen war der Besuch des Kasernen eigenen Kinos, der Eintritt kostete fünf Schilling.  Zumeist wurden Westernfilme gezeigt, dies machte mich zu einem Westernfan.

Für jene, welche es sich leisten konnten, habe ich für fünfzig Schilling den Wachdienst am Wochenende übernommen. Bei Dienstantritt habe ich mich unter falschen Namen gemeldet. Dies war möglich, da wir als Schreiberlinge des Gruppenkommando II, in der Belgierkaserne über gesonderte Unterkünfte verfügten. Unsere Stuben waren im Dachgeschoss eines Kasernengebäudes, ausgestattet mit Bodenbelag, untergebracht. In unserer Unterkunft waren keine Unteroffiziere anwesend, der Wachtposten wurde einmal vom wachhabenden Standortoffizier kontrolliert.

Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln war es in den siebziger Jahren unmöglich für ein Wochenende von Graz nach Ferndorf zu fahren.