internet:leiche

Obwohl die Suchmaschine Google ein junges Medium ist, findet man dort viele Internetleichen. Erst kürzlich informierte ich mich über die Öffnungszeiten eines von mir sporadisch konsultierten Ohrenarztes. Er ist ein älterer Herr, aber als Konsulent des hiesigen Bezirkskrankenhauses hatte er seine Qualitäten. Seine antiquierte Ordinationseinrichtung ist mir in Erinnerung geblieben. Mehrere Glasschränke mit einer Fülle von chirurgischen Instrumenten oder Foltergeräten? Um meine diffusen Beschwerden abzuklären suchte ich die Ordination zur angegebenen Öffnungszeit auf. Beim Näherkommen sah ich, dass am Eingang vom Stadthaus seine Ordinationstafel entfernt wurde. Ich trat in das Haus ein und stieß dort auf eine Bewohnerin. Bei ihr erkundigte ich mich nach dem Verbleib des Doktors. Sie erzählte mir, dass der Facharzt schon seit Jahren in Pension ist, es würden aber immer noch Patienten hierherkommen, da seine Ordination noch immer im Web gelistet ist.

Bei der Suche nach einem bestimmten Facharzt, Firma, Verein und Institutionen passiert es öfters, dass die Webseiten noch immer abrufbar sind, obwohl die Ordination, die Firma schon lange geschlossen wurde. Dies sind die Internetleichen und niemand sorgt sich um deren Bestattung, in diesem Fall um die Löschung der Einträge bei den Suchmaschinen. Von meiner Buch- und Papierhandlung weiß ich, dass auf verschiedenen Auskunftswebseiten meine Firma, mein Angebot, noch immer angezeigt wird, obwohl ich seit einem Jahrzehnt in Pension bin. Der Schaden für die Surfer ist minimal, da am selben Standort ein Nachfolger mit demselben Sortiment anzutreffen ist.

Beethoven

20six:de

In den letzten dreißig Jahren erfolgte mein schrittweiser Einstieg in die Verwendung des Computers und des Web. Am Anfang stand die Verwendung einer CD, ein Verzeichnis aller lieferbaren Bücher. Damit konnte ich für die Kunden nach Buchtiteln suchen und bestellen. Damals war Amazon noch nicht geboren. Der nächste Schritt war die digitale Bestellung und Abrechnung von Schulbüchern. In dieser Periode besuchte ich einige PC-Einsteigerkurse. Durch die Arbeit gewann ich im Umgang mit dem Internet etwas Routine und ab der Jahrtausendwende gehörte die Suche nach Informationen mit Hilfe von Google dazu. In die Möglichkeiten des Web weiter vertieft habe ich mich, seitdem ich das Blog schlagloch führe. Im April 2003 habe ich nach Geschäftsschluss an der Installation meiner Webseite auf 20six.de gebastelt. Mit minimalen Computerkenntnissen, bis tief in die Nacht.

Ich stand vor der Frage über was schreibe ich, wie oft und wird das Blog gelesen? Die Linie für meine Einträge war mir bald bewusst, kurz taggedanken. Beobachtungen, Meinungen, Überlegungen aus dem Alltag. Es sollte auch eine Plattform für meine Prosa, Gedichte und Texte werden. Es bildete sich rasch eine Community und Leserschaft, da wir am Start von 20six.de eine überschaubare Familie von Bloggern waren. In den ersten Jahren wurde die Plattform moderiert. Es gab eine Startseite wo die Blogs mit den meisten Zugriffen, die besten Köpfe und die interessantesten Beiträge gelistet wurden. Es war eine tolle, quirlige Zeit. 20six.de wurde später in myblog.de integriert.  

erd:äpfel II

Das Anbauen der Erdäpfel erfolgte in mehreren Arbeitsschritten. Den Anfang machte das Ausbringen des Mistes auf den Acker mit dem Pferd. Eine weitere Vorarbeit in Steillagen war, vom unteren Ackerrand schaufelbreit Erde auszuheben und die Erde am oberen Ackerrand abzulagern. So wurde verhindert, dass mit den Jahren der Ackerboden am oberen Ackerrand ausgedünnt wurde. Dem Pflug vorgespannt waren zwei Pferde, eines gehörte uns, das Zweite wurde von einem Nachbarn ausgeborgt. Die Pferde wurden von einem von uns Kindern mit viel Umsicht am Zügel geführt. Wir waren im Alter von etwa zwölf Jahren und ein Leichtgewicht zwischen den gestandenen Arbeitspferden. Viel Geschick erforderte am Ende einer Ackerzeile das Wenden der Pferde und wieder Einordnen in der vorhergehenden Spur. Der einscharige Pflug wurde vom Vater in der Spur gehalten. Um die Schwerarbeit des Vaters zu erleichtern, mussten die Pferde bei gleichmäßigem Tempo im Zug bleiben. Zum Eggen genügte ein Pferd, dabei führte der Vater das Pferd und ich hob in kurzen Abständen die Egge an, damit die Grasziegel ausgeschieden wurden. Aus den Beständen der vergangenen Kartoffelernte wurden die keimfähigsten Kartoffel ausgewählt und in der Mitte geteilt. Danach wurden die Zeilen gezogen und die Saatkartoffel händisch gesetzt. In gebückter Haltung, immer die Zeilen entlang. Bei der Erdäpfelernte im Herbst wurden die Erdäpfel mit einer Haue freigelegt und eingesammelt.

Im Knabenseminar Tanzenberg erlebte ich den Anbau und die Ernte der Kartoffel in großem Ausmaß durch die Meierei. Auf den weiten Ackerflächen erledigte der Traktor das Pflügen, Setzen und Ausbuddeln, der Erdäpfel. Zum Aufklauben brauchte es unsere fleißigen Zöglings Hände, mittags und abends aßen wir die eigenhändig geklaubten Erdäpfel als Beilage.

Krummer Rücken

erd:äpfel

Wir sind eine Gesellschaft mit  wendigen, wechselvollen Persönlichkeiten. Verknüpft mit unserem Alter und unserer Position beziehen wir zu einem und demselben Thema verschiedene Meinungen. Interessant ist, dass manche Menschen zwar ihre Meinung ein wenig verändern, eines bleibt gleich, sie haben zu allen Vorkommnissen eine schlechte Meinung. Sie suchen nicht nach dem Körnchen was lobenswert ist, sondern nach dem Körnchen, dass der guten Sache eine Prise Verderben beimischt. Dieses Körnchen an Verderben sehen sie auch in einer Haushaltspackung Erdäpfel aus Österreich. Ich meine ein natürliches Lebensmittel, schmackhaft und heimisch, es kommt ohne große Transportwege aus. Die Kartoffeln sind sättigend und vom Preis für jeden erschwinglich. Welchen Pferdefuß können Erdäpfel aus Österreich haben? Sie sollen geschwefelt sein, obwohl ich davon noch nichts gehört habe. Manche verdrehen die Meldungen. Mir geht es gut, obwohl ich viele Jahre ein Erdäpfel Vernichter war. Müssen wir uns um unser heimisches Gemüse Sorgen machen, was ist dann noch ohne schlechtes Gewissen genießbar?

Die Meinungslage ist so, wird jemanden etwas geschenkt, muss er dafür nichts bezahlen, dann treten mögliche Allergene und Gesundheitsrisiken in den Hintergrund. Persönlich habe einen starken Bezug zu Erdäpfel, am Bergbauernhof wurden sie  angebaut und im Keller eingelagert. Sie waren die Beilage bei vielen Fleischspeisen, dem grünen Salat wurden sie beigemischt und manchmal waren heiße Kartoffel, Butter und Buttermilch das Nachtmahl. Vom Setzen bis zum Ernten der Kartoffel und der Verwendung in der Küche brauchte es viel Fleiß.

Kartoffelpüree