voltaren:100mg

Es hätte wahrscheinlich ein Jahr früher Sinn gemacht.

Trotz der Schmerzen beim Aufstehen vom Sessel, bei falscher Seitenlage nachts oder beim Gehen über eine längere Wegstrecke schwanke ich zwischen der Hoffnung und dem Glauben, dass ich die notwendige Hüftoperation vermeiden kann. Es könnte irgendetwas eintreten, durch gezielte Gymnastikübungen, neue Infiltrationsstoffe und die regelmäßige Einnahme von Salus Ortho, welche die geplante Hüftoperation überflüssig machen könnte. Vielleicht verzögert die Einnahme des Tonikums die Operation der zweiten, der rechten Hüfte? Ist es verständlich, wenn ich zu diesem Strohhalm greife? Gerät man in Gefahr aus dem Leben gedrängt zu werden, braucht es mentale Reserven um das Ausscheiden aus dem Leben zu verhindern. Es gibt Momente, wo ich mir die Schuld gebe zu lange mit dem künstlichen Hüftersatz zugewartet zu haben. Es hätte wahrscheinlich ein Jahr früher Sinn gemacht. Ich muss akzeptieren, dass es keine Korrekturmöglichkeit gibt. Jeder kennt die eine und andere Situation wo man froh darüber wäre, diese rückgängig zu machen.

Schmerzen würde mich, wenn ich im Straßenverkehr durch Unachtsamkeit einen Unfall mit weitreichenden Folgen verursachen würde. Diesbezüglich bin ich in einer bevorzugten Lage, durch meine Fahrweise ist noch niemand körperlich verletzt worden. Meines fortgeschrittenen Alters bin ich mir bewusst und erhöhe nach meinem Gefühl die Aufmerksamkeit im Straßenverkehr. Durch Zufall wird sich unser Auto nach der Hüftoperation für mich zum Autofahren eignen. Der Citroen C4 ist im Fond sehr geräumig und hat einen etwas höheren Einstieg. Beim Kauf dieses Autos hat die Bequemlichkeit eine Rolle gespielt. Ein Kriterium für die Anschaffung war die Möglichkeit Einkäufe verschiedener Art, wie Lebensmittel und Getränke problemlos im Kofferraum zu verstauen. Dies bedeutet keine Kante beim Einladen in den Kofferraum. Einen Komfort würde ich mir wünschen, ein Automatikgetriebe, ich bin kein Freund vom sportlichen Schalten mit viel Gas. Die auftretenden Schmerzen versuche ich durch die Einnahme von einer Voltaren Retard Tablette mit 100mg zu minimieren.

augen:blick

Rationaler, wo ist meine Zeit besser investiert?

Es ist nur eine Variante möglich, Buch oder Tageszeitung. Dafür gibt es keine Kosten- Nutzungsrechnung.  Höchstens in dem Sinne, was macht mir mehr Spaß oder was bringt mir einen höheren intellektuellen Gewinn? Rationaler, wo ist meine Zeit besser investiert? Werde ich mich nach sechs Monaten an den Inhalt des Romans Die Letze Bibliothek der Welt erinnern können? Meine bisherige Erfahrung ist, dass ich mich auch nach einem Jahr an den vagen Inhalt eines gelesenen Buches erinnere. Anderseits habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich bereits nach einer Woche mich nicht erinnern kann, was ich in der Samstagausgabe des Standards gelesen habe. Im schlechten Fall ist es vorgekommen, dass ich die Wochenendausgabe nach dem Durchschmöckern zur Seite lege und kaum etwas im Gedächtnis präsent ist. Die Entscheidung fällt zugunsten des Buches Die letzte Bibliothek der Welt. Auch aus Neugierde, wie schafft es die Autorin den Ausgang des Gefechts nicht zu minimalisieren, dazu kommt noch eine Liebesaffäre.

Passiert die Lektüre der Wochenendausgabe nicht während des Samstags, dann verliere ich das Interesse an der Zeitung. Den Zeitpunkt zum Lesen verschiebe ich vom Morgen auf die Zeit vor dem Mittagessen, später zum Kaffee trinken an Nachmittag. Mit der zeitlichen Verschiebung geht die Wanderung der Zeitung durch die Wohnung einher, vom Esstisch zur Couch, bei Schönwetter auf die Loggia und am Abend wieder zurück auf die Couch. Der Standard ist noch immer jungfräulich und wird es das Wochenende bleiben. Am Beginn der neuen Woche trudeln weitere Zeitungen und Monatszeitschriften in das Haus. Unteranderem die Zeitung der Stadt Villach, der Granatapfel und die Apothekerzeitung für Senioren. Mitte der Woche gibt es einen Kraftakt, ich gebe den Standard an einen Nachbarn weiter. Dieser vertieft sich in die ausführlich recherchierten Berichte und braucht die tagesaktuellen Meldungen nicht. Bevor ich die Zeitung terminmäßig weitergebe, nehme ich mir für den Standard Zeit, keine Ewigkeit, einen Augenblick.

ewig:keit

Wie können wir uns ein Ewiges Sein vorstellen?

Über die Ewigkeit wird philosophiert und spekuliert. Eine verbindliche, eine zutreffende Antwort hat noch niemand gefunden. Die meisten Verwendungen stehen in Zusammenhang mit den religiösen Überlieferungen. Immer, wenn Gott in das Spiel kommt, bemüht man seine Existenz, sein Alter, mit der Ewigkeit zu erklären. Eine Existenz ohne Anfang und ohne Ende. Im menschlichen Alltag haben die Tätigkeiten, eine Unterrichtsstunde, ein Arbeitstag, einen Anfang und ein Ende. Einen Beginn und einen Schluss. Wie können wir uns ein Ewiges Sein vorstellen? Wir sollen einmal in den Genuss der Ewigkeit kommen. Jemand in der Studiengruppe hat es so ausgedrückt: Wir werden sehend, wir werden Gott erkennen und nicht mehr nach der Zeit fragen. Die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft wird eins sein. Wir werden eins mit Gott und mit uns sein“.

Eins mit mir, dieser Zustand steht bei mir auf der Wunschliste ganz oben. In wenigen Angelegenheiten bin ich eins mit mir. Dies wäre, dass ich bei einfachen Entscheidungen sicher bin was ich will. Soll ich an einem Samstagvormittag im Roman, Die letzte Bibliothek der Welt, weiterlesen? Inzwischen bin ich neugierig wie es um den Erhalt einer lokalen Bibliothek in einer Grafschaft in Süd England steht. Die Kreisverwaltung hat bei einer Kostenrechnung festgestellt, dass der Sach- und Personalaufwand für diese lokale Bibliothek nicht gerechtfertigt ist. Es geht um die Schließung oder das Offenhalten der Bibliothek, wer wird der Sieger sein, die Kreisverwaltung oder die Einwohner? Für die kampfbereiten Einwohner ist die Bibliothek auch ein Kommunikationszentrum, wie ein Lesevormittag für Kleinkinder, eine Frauenrunde zum Stricken, eine Anlaufstelle um die neuesten Zeitungen zu lesen. Zeitunglesen ist für mich das Stichwort zu meiner Unschlüssigkeit, soll ich mich der Wochenendausgabe von der Tageszeitung Der Standard zuwenden oder im Buch weiterlesen.

schock:raum

Seit meiner Führerscheinprüfung gehören Sicherheitsgurte im Auto zum Standard, zuerst nur bei den Vordersitzen und dazu die Kopfstützen. Es gab keine Pflicht zum Anschnallen, in Österreich wurde die Gurten Pflicht im Jahre 1976 eingeführt und darüber heftig diskutiert. Von der Beschneidung der persönlichen Freiheit war die Rede, die Verweigerer wurden Gurtmuffel genannt. Ihr Argument war ein Szenario, wo ein Auto in einen See stürzt und der Fahrer es nicht schafft den Gurt zu lösen, um aus dem Auto auszusteigen. Er geht mit dem Auto im See unter und ertrinkt. Dieses Unfallbeispiel verhinderte lange die allgemeine Anwendung vom Sicherheitsgurt. Kam hier die Rationalität zum Tragen, weil wie viele Unfälle gibt es anteilsmäßig bei denen dies der Fall sein könnte? Jeder kann darüber nachdenken, wie oft er im Monat an einem See oder einem größeren Fluss entlangfährt. Im Jahre 1984 wurde das Nichtanlegen mit einer Organstrafe belegt.

Wie der banale Griff zum Sicherheitsgurt im Auto über Verletzungen, Schmerzen und Genesung entscheiden kann, zeigte sich im Rosental. Die Nachlässigkeit keinen Sicherheitsgurt anzulegen, wir fahren nur eine kurze Strecke, kann fatale Auswirkungen haben. Ein Lenker bog mit seinem Pkw  auf die Bundesstraße ein und wurde von einem herannahenden Lkw seitlich gerammt und die Fahrerseite zertrümmert. War der Lenker unaufmerksam, sodass er den herannahenden Lkw übersehen hat? Der Fahrer musste von der Feuerwehr mit der Bergeschere aus dem Pkw befreit werden. Seine schlimmsten Verletzungen waren Blutergüsse, verursacht durch die Sicherheitsgurte, welche den Lenker am Sitz festgenagelt haben. Durch den Zusammenprall wurde der Airbag, eine Komponente seit den 80er Jahren, ausgelöst.

Der Beifahrer war nicht angeschnallt. Sein Oberkörper prallte ungebremst gegen den Airbag und dadurch wurden ihm ein Dutzend Rippen gebrochen, die Lunge geschädigt, sowie Kopfverletzungen. Der Schwerverletzte musste im Krankenhaus künstlich beatmet und ernährt werden, seine vollständige Genesung steht noch aus. 

Schockraum

warte:bereich

Der Moment wo man den Wartebereich betritt, ist wie ein Auftritt auf einer Bühne. Alle Augen sind auf einen gerichtet und wahrscheinlich wurde man soweit wie möglich nach dem Eintreten in die Ordination fixiert und beurteilt. Jetzt ist der Moment, wo die Vorstellung beginnt. Viele äußern nicht einmal einen Gruß, ein nettes Grüß Gott oder ein aufmunterndes Lächeln. Sie setzen sich einfach nieder und starren vor sich hin oder zücken das Smartphon.

Mit einem Grüß Gott oder Hallo betrete ich das Wartezimmer. Diese einfache Verhaltensweise schulde ich meinem Anstand und den Umgang mit vielen Kunden während der Selbstständigkeit als Kaufmann. In meiner Berufsheimat Arnoldstein habe ich bei einem Arztbesuch mindestens eine Kundschaft getroffen, welche ich näher gekannt habe. Schnell hat sich das Gemeinde Geschehen als Gesprächsstoff angeboten. Zumeist waren darüber alle Wartenden dankbar, gerne konnten auch sie etwas zum Gespräch beisteuern. So hat sich die Spannung gelöst und auch symbolisch die Wartezeit verkürzt. Die Aufforderung nehmen sie kurz Platz ist bei den praktischen Ärzten mit einer halben bis einer Stunde verbunden. Dabei konnte ich experimentieren so viel als möglich. Öffnete die Ordination um 8 Uhr und ich war um 7.30 Uhr vor Ort, dann warteten bestimmt schon fünf bis sechs Menschen vor der Ordination. Die beste Zeit beim Hausarzt in Arnoldstein war gegen Mittag. Zogen sich am Vormittag die einzelnen Behandlungen wie ein zäher Kaugummi dahin, ab elf Uhr wurde das Tempo beschleunigt. Um 12 Uhr war der Warteraum leer.