hand:tuch

Woher kommt unser Wunsch nach immer mehr, angefangen im persönlichen Bereich, bei der Bekleidung, der Ausstattung des Wohnzimmers oder derzeit an vorderster Stelle die Smartphons. Sind wir breitflächig Opfer von geschickten Werbeleuten und Produktentwickler, welche sich immer etwas Neues, spezielleres einfallen lassen? Beim Smartphone die Anwendungen erweitern, welche weit über das ursprüngliche Telefonieren hinausgehen. Kommt eine neue Suchfunktion bei der Kamera auf den Markt, dann überlegt niemand wie oft er diese in den nächsten drei Monaten verwenden wird, wenn sie überhaupt zum Einsatz kommen wird. Allein die Verfügbarkeit ist schon eine Kaufoption. Es gibt gewöhnlichere Beispiele, wo wir etwas im Überfluss haben. Jeder benützt ein Handtuch, müssen es mehr als drei pro Person sein? Bei Not lässt sich eines von einem anderen Familienmitglied ausborgen. Es ist toll welche Farben, Muster und Qualitäten es bei den Handtüchern derzeit zu kaufen gibt.

Dabei fällt mir ein, dass in der Kindheit nur ein Handtuch präsent war. Dies war ein dünnes, blaues Handtuchmit in einer Größe von einem Meter mal fünfzig Zentimeter mit einem einfachen Blaudruck. Die Qualität war gerade mal so, wie sie heute Geschirrtücher haben. Die Waschschüssel ist auf einem Stockerl in der großen Bauernküche, zwischen Kredenz und einem Tisch für die Zubereitung der Mahlzeiten, gestanden. Die Küche war der einzige beheizte Raum im Winter. Auf der Fensterbank war die Seife in einer Schale und auf einem Nagel, der an der Küchenkredenz befestigt war. Ist das blaue Handtuch gehangen. Aus dem Wasserschiff beim Herd konnte sich jeder das heiße Wasser holen und mit kaltem Wasser aus dem Wassereimer neben dem Herd abschmecken. Dafür zu sorgen, dass immer frisches Wasser in der Küche und in der in der Holztruhe genügend Holzscheite waren, war Kinderarbeit. Nach der Morgenwäsche wurde die Waschschüssel durch das Küchenfenster in die Wiese entleert. Schmutzig sind wir damals nicht in die Schule oder zur Arbeitsstelle gekommen.  

bitt:gebet II

Es könnte sein, dass Gott sich in seinem Schöpfungsakt selbst beschränkt hat und nur einen bestimmten Spielraum für Eingriffe offengelassen hat. Er weder in die Naturgesetze eingreift, noch sein Eingreifen für uns empirisch messbar ist. Damit wird erklärt warum Gott auf die Bitten, die Gebete der Menschen hin, Leiden und Ungerechtigkeiten nicht einfach beseitigt. Dies lässt auch verstehen warum Gott in unserer jetzigen Situation, trotz der vielen Gebete um einen Frieden in der Ukraine, diesen nicht einfach herstellt. Gott kann nur eingreifen, indem er mit dem Menschen in eine Beziehung eintritt, Voraussetzung der Mensch will es.

Beim direkten Gespräch glaubt der Philosoph Lukas hält sich Gott zurück, weil er unsere Freiheit respektiert. Würde er mit uns offen kommunizieren, dann können wir nicht anders, als an ihn zu glauben. Gott hat ein Interesse im Verborgenen zu bleiben, auch in seinem Handeln. Durch die Gnade werden wir zum richtigen Handeln motiviert. Das richtige Beten erhöht die Chance der Gnade Gottes teilhaft zu werden. Jesus ermahnte seine Jünger richtig zu beten und nicht zu plappern wie die Heiden. Er lehrte ihnen das Vaterunser. Jesus hatte keine Präferenz für das Bittgebet er lehnte dieses eher ab. In seinen Bitten an den Vater verwendete er zumeist den Zusatz: Doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe. 

Mir scheint, sagt der Theologe zum Philosophen, unsere Auffassungen zum Gebet liegen nicht weit auseinander. Du meinst Gott hat die Schöpfung so eingerichtet, dass Gebete die Betenden verändern. Ich meine Gott verändert die Betenden als Antwort auf ihre Gebete. Gemeinsam haben wir auch, dass aus christlicher Sicht das primäre Ziel das Erreichen der Erlösung der Seele ist, innerweltliche Ziele sind sekundär. Gebete um persönliche Wünsche, wie zum Beispiel um mehr Einfluss am Arbeitsplatz, könnten für das eigene Seelenheil kontraproduktiv sein. Ich sehe Das Vaterunser als Aufforderung am Reich Gottes auf Erden mitzuwirken und den eigenen Willen zurückzustellen. Die Bitte um unser tägliches Brot als eine Aufforderung an einer gerechteren Verteilung der Güter mitzuwirken.

bitt:gebet

Die Sichtweise über eine Sachlage kann sich ändern, auch im fortgeschrittenen Alter, erfährt man etwas Neues. Es gibt keine Altersgrenze um nicht seine Meinung und seine Ansichten zu ändern. Es wird daraufhin hinauslaufen, dass man sich im Alter beschränkt für sein Lieblingsgebiet neue Informationen einzuholen. Eventuell dort andockt, wo man in der Jugend verschiedene Erfolge hatte. Oft kommt etwas während der Berufsausbildung und dem Berufsleben zu kurz. Im Beruf wird man geradezu gezwungen sich mit berufsspezifischen Themen auseinanderzusetzen. So bleibt für die Lieblingsfächer keine Zeit. Dies deckt sich mit meiner Erfahrung.

Im Tageheft Nr. 256 finde ich eine Notiz, wo ich von meinem Radausflug zum Faakersee berichte. Dazu habe ich notiert, dass ich in der St. Georgskirche ein Bittgebet für R. und ein Dankgebet für mich, zum Verlauf der Coronaerkrankung vor Gott gebracht habe. Diese Gebete interpretiere ich heute unter einer neuen Sichtweise. In einer Lehrveranstaltung über das Gebet, Bitten und Danken, auf der Philosophischen Fakultät in Salzburg habe ich dazu hintergründiges erfahren.

Fiktiv unterhalten sich in einem Gespräch Markus und Lukas über die Wirkung von Gebeten. Beide stimmen darüber überein, dass Gott zumeist unsere Gebete nicht so erhört wie wir uns dies im Moment erhoffen. Daraus sei aber nicht zu schließen, dass Gott nur Gebete erhört die Teile des Schöpfungsplanes sind. Wir sollten uns fragen warum Gott in vielen Situationen Gebete nicht erhört, nicht erhören will. Für den Theologen Markus gibt es gute Gründe warum Gott selten in den Schöpfungsverlauf eingreift und verweist auf das Johannesevangelium: Gott hat zu uns Geschöpfen eine liebende Beziehung. Diese Beziehung bedeutet Freiheit für die Geschöpfe und Respekt vor unseren Entscheidungen. Damit überträgt Gott aber auch uns die Verantwortung für unser Handeln.

maria:gail

Tag der offenen Tür. Mit diesem Slogan werden von verschiedenen Bildungseinrichtungen und Firmen Interessierte und Kunden umworben. Spontan fällt mir ein, dass dies bei Firmenneugründungen oder Inbetriebnahmen der Fall ist. Von der Kärntner Restmüllverbrennung in Arnoldstein wurde die Bevölkerung eingeladen die Prozesse von der Müllanlieferung, Aufbereitung bis zum Verbrennungsofen kennenzulernen. Einschließlich der elektronischen Abgasüberwachung. Zufällig war ich in Wien als die Ottakringer Brauerei ihre Pforten für Besucher öffnete. Die Besichtigung bezog sich auf die historische Bierbrauerei. Die Gerste wurde in riesigen Sudpfannen geröstet, die Befeuerung mit Kocks nach dem Gespür des Heizers geschürt. Am autofreien Sonntag rund um den Wörthersee lädt das Kraftwerk Forstsee bei Velden, im historischen Gebäude in den Maschinenraum mit den alten Messinstrumenten ein.

Die Bildungseinrichtungen wenden sich mit tollen Spots an die Jugend um ihren Schultyp schmackhaft zu machen. Um die Gunst der Kinder buhlen Waldorf Kindergärten ebenso wie Höhere technische Lehranstalten oder Universitäten. Vor meinem Eintritt in das Marianum Tanzenberg gab es dorthin einen Ausflug, um das zuhause für die kommenden Jahre kennenzulernen. Inzwischen hat sich mein Interesse verschoben, ich könnte den Tag der offenen Tür dafür nützen, um verschiedene Seniorenwohnheime anzusehen.

Unerwartet präsentierte sich bei einem Radausflug rund um Villach die Pfarrkirche in Maria Gail. Zumeist herrscht modrige Luft im Kirchenschiff und das Tageslicht kommt nur spärlich in das Kircheninnere. Die Altäre sind kaum wahrnehmbar und der Hauptaltar ist durch eine elektronische Lichtschranke gesichert. Ganz im Sinne eines Tages der offenen Türen waren diesmal alle Türen geöffnet. Spürbar herrschte frische Luft und die Absperrung zum Hauptaltar war aufgehoben. Es wehte ein frischer Wind in der Kirche. Diesen frischen Wind und offenen Geist würde ich mir auch in der Lehre und im Umgang mit den Menschen von den christlichen Kirchen wünschen. Es gab einmal das Schlagwort von der offenen Kirche und das Motto von der Nikolaikirche in Dresden: Offen für alle. Dort war es durch friedliche Demonstrationen möglich, das DDR-Regime zum Abdanken zu bewegen. In den Wallfahrtskirchen befindet sich zumeist in einer Ecke ein kleiner Altar. Hier kann man eine Opferkerze anzünden und dabei eine Bitte an Gott auszusprechen. Dafür stehen zumeist vorformulierte Texte zur Verfügung. Vernachlässigt wird das Gebet um Gott für ein geglücktes Unterfangen zu danken. Bei einer Lehrveranstaltung zum Gebet wurde erhoben, dass der überwiegende Teil der Gebete Bittgebete sind. Es muss uns bewusst sein, dass Gott die Schöpfung in Gang gesetzt hat und durch Bittgebete seine Entscheidung nicht ändert. Eine andere Sicht ist, dass uns Gott manches nur zuteilt, wenn wir ihn darum bitten…

zeit:rechnung

Bei der Lehrlingsausbildung braucht es Geduld, um einem Lehrling grundlegende Kenntnisse aus der Branche beizubringen. Im Papierhandel beginnt es mit den verschiedenen Papierformaten. Vom Notizheft in A6 Format zum umgangssprachlichen Kleinformatheft in A5, dem kleinen Zeichenblock in A4 und seinem großen Bruder mit dem Format A3. Etwas verwirrender wird es bei den Größen der Briefumschläge die ein C vorgesetzt bekommen. Ein C4 Kuvert bedeutet, dass darin ein A4 Blatt, die übliche Größe eins Kopierpapiers, hineinpasst. Diese Formate werden immer wieder an praktischen Objekten wiederholt, so kommt es zu einem gewissen Automatismus. Dies trifft auch bei der Erkennung von verschiedenen Kartonstärken zu. Aus der Praxis: Ein Zeichenblatt hat 120 Gramm, ein Sternblatt 200 Gramm. Bei meiner Ausbildung wurde solange gegriffen, im wörtlichen Sinn, bis ich mit meinen Fingern begreifen konnte, um welche Kartonstärke es sich bei einem Bristolkarton handelte. Ein anderes Beispiel: Beim Anfassen konnte ich feststellen welche Blattstärke ein Schulheft hat. Ist es ein Heft mit 16 Blatt, 32 Blatt oder 40 Blatt, die 60 Blatt Hefte waren leicht zu erkennen, richtigerweise zu begreifen.

Erzählen wir etwas aus unserem Alltag so benützen wir immer öfter als Beifügung, vor der Corona Pandemie, während der Pandemie und wohl einmal, die Zeit nach der Corona Pandemie.

Daran erkennt man, wie stark sich die Pandemie in unser Zeitgedächtnis eingeprägt hat. Fast so wie die Zeit Metapher vor der Jahrtausendwende oder nach der Jahrtausendwende. Es gibt auch Orientierung an politischen Ereignissen wie, vor dem Beitritt Österreich zur EU und nach dem EU-Beitritt. Bei Fahrten nach und von Slowenien denke ich an das Prozedere beim Grenzübertritt am Wurzenpass, als es noch den Staat Jugoslawien gegeben hat. An die Frage des Grenzsoldaten: „Haben sie etwas zu verzollen“?