corona:erdbeben

Wer im Umfeld einer Erdbebenlinie lebt, hört zeitweise das Rumoren, ist mit schwachen Erdstößen konfrontiert, will aber nicht an ein großes Erdbeben glauben. Zudem sind wir der Überzeugung, wir haben alle Unbilden der Natur im Griff. Wir können vieles vorhersagen und noch stärker ist in uns verankert, wir können uns gegen alles versichern. Eine Branche die gut rechnen kann und nicht zur Kasse gebeten werden will, sind die Versicherungen. Beim Risiko Naturgewalten steigen sie aus. Wie unvorbereitet ein Erdbeben hereinbricht, habe ich in den Maitagen des Jahres 1976 in Arnoldstein erlebt. Abends um 9 Uhr wurde ich mitsamt dem Stuhl, wie von einer Welle, hochgehoben. Ein Beben mit Zentrum in Gemona erschütterte den Alpen Adria Raum. Seitdem hat es in den letzten Jahrzehnten mildere Nachbeben gegeben. Im Mittelalter entstand ein Arnoldsteiner Mythos, der Absturz der Südflanke des Dobratsch bei einem Erdbeben im Jänner 1348. Die Berichte der Mönche vom Benediktinerkloster, welches sich inmitten des Marktfleckens erhebt, haben sich während der Jahrhunderte zu grandiosen Erzählungen ausgeweitet.

Das Coronavirus erschüttert voll das Leben der Österreicher. Einen großen Erdrutsch für jeden persönlich hat uns das Coronavirus im März vor einem Jahr beschert. Über den Sommer hat es leichte Nachbeben gegeben, um sich im Herbst mit einem starken Infektion Geschehen zurückzumelden. Ähnliches passierte beim Erdbeben im Jahr 1976, im Mai gab es die ersten heftigen Erdstöße, über den Sommer leichte Nachbeben, um im Herbst die ganze Region mit einem heftigen Nachbeben zu überraschen.

Zu dieser Zeit hat mich ein Bruder während des Schulanfanges beim Verkauf unterstützt. Beim ersten Erdstoß hat er sich mit einem Satz über die Verkaufsbudel geschwungen und ist auf die Straße gerannt. In den Medien  wurden Verhaltensregel ausgegeben, wie man sich im Falle eins Erdbebens verhalten soll. Es wurde geraten Zuflucht unter einem Türstock oder ähnlichem zu suchen. Stürmt man blindlings aus dem Haus besteht die Gefahr von einem Dachziegel oder Mauerwerk getroffen zu werden. Verhaltensregeln kennen wir auch in der Corona Pandemie, der Mundnasenschutz ist der Türstock der Corona Zeit.

Mauerziegel

corona:stimmen

Im fortgeschrittenen Alter muss ich nicht bei jedem Stadtevent dabei sein, trotzdem bedeuten die Absagen von fast allen Veranstaltungen einen Verzicht. Gerne bin ich Zuschauer bei einem Fest, wie sie es in Kärnten gerade zu Jahresbeginn und im Fasching gibt. Die Umzüge der Sternsinger und Dreikönigsmarkt. Fasching Sitzungen und Faschingsumzüge in allen größeren Orten. Fassdauben Rennen und Sauschädelstehlen. Ich kann das Herunterleiern der Vorteile der digitalen Kommunikation, von Videogesprächen über Zoom und die Übermittlung von Fotos per WhatsApp, nicht mehr hören. Zu sehr setzen wir dabei auf das Auge, auf die Aufnahme visueller Eindrücke. Mit den Augen können wir ein Gesichtsfeld von höchstens 180 Grad beobachten, mit dem Gehörsinn 360 Grad überwachen. Geschieht etwas außerhalb unseres Gesichtsfeldes, werden wir davon überrascht, im günstigen Fall bekommen wir eine Warnung durch den Gehörsinn. Ich weiß wie schwer die Ränder des Gesichtsfeldes wahrzunehmen sind, beim Augenarzt gehört ein Gesichtsfeldtest dazu. Wir werden durch den Gehörsinn alarmiert, auch nachts beim Schlafen. Ein Laut kann uns aufwecken, im schlimmen Fall aufschrecken, nie werden wir durch das Auge aus dem Schlaf gerissen.

Nach zwölf Monaten Pandemie fehlen mir fremde Stimmen, es kommt mir vor als werde ich zur Stummheit gezwungen. Es gibt die Stimmen der familiären Personen und auch das Stimmenwirrwarr auf öffentlichen Plätzen. Ich schätze jetzt besonders die Sendungen von Ö1, wie Im Gespräch oder Punkt eins, wo Menschen miteinander plaudern. Was ich zurzeit nicht hören will ist die Stimme von Radiomoderatoren die berufsmäßig gute Laune verbreiten.

corona:maske

Die Pandemiezeit beschwört besondere Lebenssituationen herauf. Dies beginnt im Mehrparteienhaus bei der Liftbenützung. Man vermeidet mit mehreren Personen gleichzeitig mit dem Lift zu fahren, begegnet sich in der Eingangshalle mit Abstand und verzichtet auf einen Handschlag. Die Gespräche beschränken sich auf das Notwendigste, beginnen und enden mit der Frage: „Wie steht es um die Gesundheit“?  Hört man im Stiegenhaus jemanden in seiner Wohnung husten fragt man sich, ist dies eine Erkältung oder handelt es sich um erste Corona Symptome.

Bei den Familienfeiern ist fast nichts mehr erlaubt, wobei ich mir überlege, wie weit müssen wir alle Einschränkungen mitmachen? Es sind in den nächsten Monaten keine runden Geburtstagsfeiern mit mehreren Personen möglich. Bedeuten die Geschwister, die Nichten und Cousinen eine potenzielle Gefahr? Bei der Verkündigung von neuen Verboten wird mit dem Versprechen hausieren gegangen, in ein paar Monaten, im Sommer, können wir wieder alles tun und lassen wie wir es gewohnt waren.

Es schmerzt, wenn beim Gottesdienstbesuch nicht zusammenrücken, sondern auseinanderrücken gefragt ist. Die Gebete und der Gesang passieren hinter vorgehaltener Hand. Viele ältere Menschen kommen nicht mehr in die Kirche, aus Angst vor einer Ansteckung. Die Virologen betonen die Gefahr einer Ansteckung gerade beim Sprechen und Singen. Dabei werden viele Aerosole ausgestoßen. Sollte jemand infektiös sein, würde er dabei andere anstecken. Erschwerend kommt hinzu, dass man über eine längere Zeit in einem Raum ausharrt. Wobei ich feststelle, dass die modernen Hallenkirchen  überdimensioniert sind und es viel Platz gibt. Die unsichtbare Gefahr besteht darin, sitzt man in unmittelbarer Nachbarschaft zu einer Infizierten Person. Verabschiedet hat man sich von der Geste der Nachbarin, dem Nachbarn, die Hand zum Friedensgruß zu reichen. Dies wird ersetzt durch ein Kopfnicken mit Maske. Dabei gefriert das Lächeln unter der Mundnasenschutzmaske. Vorübergehend sind in Kärnten alle Messfeiern abgesagt.

Alpenkönig und Menschenfreund

corona:wintergarten

Ein Mittel gegen steigende Corona Infekte erwartet man sich, indem nach dem dritten Lockdown der Gastgartenbetrieb in den Winter hinein verlängert wird, eine Blaupause des Sommers. Von einem Kuraufenthalt um die Weihnachtszeit in Abano weiß ich, dass in den Fußgängerzonen die Tische der Bars auch im Winter im Freien stehen. Die Sessel sind mit flauschigen Decken gepolstert. Attraktiver zum Einkehren sind die Zelte wo mehrere Heizschwammerln, sie sehen aus wie ein Parasol, für heimelige Atmosphäre sorgen. Alternativ sind am Plafond des Festzeltes Heizstrahler angebracht. In diesem Winter wird man die Heizschwammerln in den Gastgärten der Großstädte und den Skiorten Österreichs antreffen. Unter dem Motto: Bleib im Freien, dem Virus ist es  zu kalt. Ein Problem könnte der daraus resultierende Schnupfen werden, weil niemand mit Sicherheit sagen kann, ob dies ein Vorbote des Coronavirus ist. In der heurigen Wintersaison ist das Après-Ski abgesagt.

So zwanglos wie im Spätsommer, im Gasgarten vom Café Stadler in Wiener Neustadt,  wird es im Winter nicht sein. Das Café, Visasvis des neu gestalteten Bahnhofes, passte nicht in mein Klischee eines Bahnhofsrestaurants. Bohnhofsreste, wie es auf kärntnerisch heißt, ein Sammelplatz für verschiedene Stadttypen. Das Café-Restaurant hat Potential, es gibt täglich ein Mittagsmenü zu € 7.90, an den Wochenenden kleine Events. Jazz- und Schrammelmusik, Wienerlieder und Mundartlesungen. Die Inneneinrichtung orientiert sich am Wiener Jugendstil.

Den Sportexperten dünkt, dass es bei den Winterurlaubern eine Verlagerung vom Skifahren zum Langlaufen und Schneeschuhwandern geben wird. Nach dem Radfahrboom im Sommer folgt aller Wahrscheinlichkeit der Langlaufboom im Winter. Zur Zeit gibt es in Südkärnten auch in den Tallagen sehr viel Schnee und ich hoffe, dass es entlang der Gail wieder gespurte Loipen geben wird.

corona:kalender

Zum Jahresbeginn kauft der eine und andere einen neuen Kalender. Der Bogen reicht vom Notiz- Bild- Spruch- bis zum Mondkalender. An der Wand im Esszimmer hängt bereits der neue Bildkalender, mit Bildern von Pieter Bruegel. Die Motive sollen Lebensfreude ausstrahlen und die Ziffern in großer Schrift sein, sodass sie von der Ferne zu lesen sind. Für meine Termine benütze ich einen Stehkalender, obwohl heute der Terminkalender Großteils durch das Smartphon ersetzt wird. Bei vielen ist es selbstverständlich, dass jeder Termin am Handy eingetragen wird. Der Stehkalender erscheint mir absturzsicher. Zusätzlich liebe ich den Blattkalender in A5 Format, dies verschafft mir einen Gesamtüberblick. Zumeist gibt es um diese Zeit schon Pläne für die nächsten Monate, aber dieses Jahr ist von Beginn an ein besonderes Jahr. Der einzige Termin für das nächste Halbjahr ist ein Kontrolltermin beim Augenarzt. In anderen Haushalten wird in der Küche ein neuer Kalenderblock angebracht. Das Abreißen eines Kalenderblattes gehört am Morgen zum täglichen Ritual, wie das Frühstück. Auf der Rückseite vom Kalenderblatt stehen allerlei Sprüche, Rezepte und Wetterregeln.

Das Smartphone zeigt für den Wohnort täglich das aktuelle Wetter an. Da wirkt der Mandlkalender oder Alter Bauernkalender wie ein Relikt aus alter Zeit. Diesen Bauernkalender gibt es seit über dreihundert Jahren, mit dem voraussichtlichen Wetter für ein Jahr. Das Wetter wird durch verschiedene  Symbole dargestellt. Die Menschen sind neugierig, wann im Neuen Jahr der erste Schnee fällt oder ob es im Juni viel Sonnenschein geben wird. Die ältere Generation hat ihre Vorlieben für einen speziellen Kalender. Bei der jüngeren Generation muss die Kalenderindustrie Einbußen  hinnehmen, das Smartphon ersetzt eine ganze Palette von Kalendern.

Das Jahr 2021 ist noch ein unbeschriebenes Blatt, was dieses Jahr an Höhen und Tiefen im Alltagsleben bringen wird, ist offen. Die einzige Gewissheit, dass Jahr 2021 hat 365 Tage.