corona:gastro

Mit Sehnsucht und Spannung wurde die Wiedereröffnung der Cafés, Gasthäuser und Restaurants nach der Zwangsschließung wegen der Corona Pandemie, erwartet. Viele Gastwirte haderten mit dem Schicksal, über zwei Monate hatten sie keine Gäste und keine Einnahmen. Kopfzerbrechen bereitete vielen wie sie die Coronavorschriften, das Tragen eines Mundschutzes und Einhaltung eines Mindestabstandes, im Lokal umsetzen können. Die Heimeligkeit eines Cafés oder Beisel wird unter den Abstandregeln leiden. Das Wesentliche, beim Besuch einer Lokalität, ist für viele Menschen die Sehnsucht nach einer Unterhaltung mit fremden Menschen, sie sind einfach neugierig auf Andere. Mancher Beisel Besucher wünscht sich, dass er mit anderen Personen in ein Gespräch kommt, sich in ein Gespräch an der Theke einbringt, oder ihm ein Platz an einem Tisch angeboten wird. Gerade das kleine Format eines Pubs oder Beisel, der beschränkte Raum macht den Reiz dieser Lokale aus. Es bleibt nichts anderes übrig, als dass die Gäste zusammenrücken und beiläufig kommt man so leichter in ein Gespräch. Anders als in einem pickfeinen, vorreservierten Restaurant, wo jeder auf Abstand und Distanz bedacht ist. Genau diese Kuschel Cafés fürchten um ihre Berufung, weil ein Abstand von einem Meter zwischen den Gästen verlangt wird. Das Anbandeln, das Diskurrieren in Bezirksbeiseln, in Künstler- oder Studenten Cafés wird es in den nächsten Monaten nicht geben.

Von dieser Warte betrachtet waren bei den Gastronomen die Erwartungen verhalten. Wer wird sich nach dem Dämpfer den wir alle abbekommen haben, nach den Szenarien von Todesfällen, Verlust, Trauer und Tränen in den ersten Wochen des wieder Hochfahren in ein Lokal verirren.

covid-19/20

corona:zaungast

Im Urlaub verbringen wir kaum Zeit mit dem Fernsehen. An manchen Tagen verlängert sich das Abendessen bis in den späten Abend oder es gibt eine Musikveranstaltung in der Hotelhalle. Je nach Wetter und Jahreszeit machen wir einen Abendspaziergang oder vertrödeln den Abend in der Lobby. Zumeist finden wir Anschluss bei anderen Gästen und es ist amüsant zwischendurch andere Gäste zu beobachten. Wir sahen in den Bildern aus China  Meldungen aus einer entfernten Welt. Den ersten Eintrag zum Coronavirus finde ich in meinen Tageheften am Faschingsmontag den 24. Februar 2020, notiert bei einem Besuch im Thermalbad Warmbad, aufgeschreckt durch die ersten Berichte aus dem benachbarten Oberitalien. Von dort kamen alarmierende Zahlen wie explosionsartig sich das Virus verbreitete und wie schnell die Betten der Intensivstationen von Corona Patienten belegt wurden. Erschwerend kam hinzu, dass für die Behandlung eine wirksame Therapie fehlte. Zwei Tage vorher, am Faschingssamstag, war ich noch Zaungast beim Villacher Faschingsumzug mit tausenden Besuchern aus Oberitalien.

So soll diese Epidemie ob ihrer Neuartigkeit mit der jährlich wiederkehrenden Influenza nicht vergleichbar sein. Von der Draustadt liegt die italienische Grenze nur etwa dreißig Kilometer entfernt. Ich habe mir überlegt, ob durch eine strenge Zollkontrolle das Coronavirus an seiner Einreise nach Kärnten gehindert werden könnte? Aber woran könnte ein Zöllner das Virus erkennen? Aus dem Tagebuch…

covid-19/19

corona:wuhan

Die ersten Bilder und Meldungen vom Ausbruch der Corona Epidemie in China, in Wuhan, sind noch im Gedächtnis abrufbar. Zu diesem Zeitpunkt war es fraglich, ob sich dieses Virus auch in Europa verbreiten wird. Wir verbrachten gerade den Weihnachtsurlaub in Abano. Exemplarisch waren die Maßnahmen der chinesischen Regierung einen Ausnahmezustand und ein Ausgehverbot über eine Metropole von elf Millionen Menschen zu verhängen. Niemand durfte mehr, außer Einzelfälle, in die Stadt Aus- oder Einreisen. Quarantäne war ein Wort welches in meinem Leben kaum vorgekommen ist. Ich erinnere mich, dass es bei Kinderkrankheiten wie Masern, Keuchhusten oder Gelbsucht eine Quarantäne im Krankenhaus oder zu Hause gegeben hat. Mit der Vorstellung, dass elf Millionen Menschen dem Ausgehverbot Folge leisten, konnte ich mich als resistenter Österreicher nicht anfreunden. Die Bilder von den überfüllten Krankenstationen mit den Intensivstationen muteten wie aus einem Zukunftsfilm an. Dazu kam die bittere Erkenntnis, dass es zur Behandlung dieser Viruserkrankung kein wirksames Medikament gibt.

Berichtet wurde darüber, dass man fieberhaft nach einem Impfstoff gegen die neue Seuche suchte. Bis jetzt hatte ich mich gegen eine Impfung, gegen die wiederkehrende Influenza verweigert, obwohl ich das magische Alter von sechzig Jahren überschritten habe. Dabei weiß ich darüber Bescheid, wie viel Grippetote es jährlich in Österreich gibt. Ich fühle mich trotz des Alters mit einem wirksamen Immunsystem ausgerüstet und bin auch die Jahrzehnte gut, zumeist nur mit einem grippalen Effekt, durch den Winter gekommen.

covid-19/18

corona:KI

Die Schablone, Risikopatient, welche ich von den  Medizinern, den Politikern und Statistikern bekommen habe, werde ich nicht mehr los. Meine Einstufung als Risikopatient will ich nicht überbetonen, im Radfahren und Nordic Walking finde ich einen schönen Ausgleichssport. Orte der Ruhe, welche ich aufsuche, gibt es verstreut in der Unteren Gegend, wie die Ortschaften von den Arnoldsteinern in Richtung Villach genannt werden. Das Tragen der Schutzmaske ist inzwischen Routine und manche tragen ihre selbst genähten Stoffmasken wie eine Trophäe oder wie ein Schmuckstück um den Hals. Sie sind zu einem Markenzeichen für die eigene Persönlichkeit geworden.

Die Neuinfektionen in Österreich zeigen, es kommt zu einer Eindämmung der Pandemie. Uns bleiben solche katastrophalen Folgen, wie wir sie aus den Fernsehnachrichten von Italien oder Spanien kennen, erspart. Das Virus wird in diesem Jahr weiter präsent sein und nach den jetzigen Aussichten gibt es in Österreich für Schwerkranke genug Intensivbetten. Es muss kein Arzt entscheiden, wer verdient ein Intensivbett und bei welchem Patient ist der Erfolg fraglich. Wer wird aufgrund seines höheren Alters oder ernsthaften Vorerkrankungen abgewiesen. Es gibt ethische Richtlinien, die über Nichtbehandeln oder Behandeln entscheidet. Wird einmal künstliche Intelligenz nach ethischen Richtlinien agieren?  Kann künstliche Intelligenz in solchen dramatischen Momenten besser als der Mensch entscheiden, wer bekommt ein Intensivbett, wer nicht?

covid-19/17

corona:schütt

Der Name Oberschütt zergeht auf meiner Zunge, er schmeckt mir wie Schokoeis. Vor ein paar Tagen habe ich als Endziel die Oberschütt für einen Radausflug in Corona Zeiten gewählt. Nach dem Feuerwehrhaus gibt es eine kleine Ausweiche mit drei Holzbänken. Auf einer Bank habe ich mich zum Ausruhen niedergelassen. Dieser Fleck war während meiner „Arnoldsteiner Zeit“ ein Lieblingsort für eine Pause, wenn ich nach Geschäftsschluss mit dem Rad unterwegs war. Arnoldstein, Oberschütt, Neuhaus und zurück nach Arnoldstein. Ganz bei mir war ich hier und angetan von der Ruhe und dem Ausblick auf das Dreiländereck. Egal was im Berufsalltag vorgefallen ist, bin ich hier angekommen, konnte ich mich entspannen und die eine und andere Herausforderung zur Seite schieben.

Dieser Ort strahlt für mich, bei der Fülle von den Berichten über die Verbreitung des Coronavirus, Sicherheit aus. Seit der Verkündigung von Einschränkungen bin ich ein Risikopatient oder gar ein Hochrisikopatient? Zu Jahresbeginn fühlte ich mich rundum gesund, plötzlich werde ich allein durch mein Alter anders eingeordnet. Jahrzehntelang habe ich mich gegen jegliche Impfungen, ob Influenza, Lungenentzündung und Andere standhaft gewährt. Dabei gehörte ich als Kaufmann mit täglichen Kundenkontakt zu dem leicht infizierbarem Personenkreis. Heute fiebere ich dem Impfstoff gegen das Coronavirus entgegen. Dieses Entgegenfiebern führt bei meiner Sensibilität schon zu einer erhöhten Körpertemperatur. Die Installation einer Corona App, wie sie von Risikopatienten gefordert wird, lehne ich ab. Ansonsten würden in der Zentrale, in welcher, die Alarmglocken läuten und die Rettungskette würde sich in Gang setzen. Dabei wäre die höhere Körpertemperatur bloß eine Überreaktion der Sensibilität.

covid-19/16