täusch:ung II

Suspekt sind die exzessiven Werbemethoden der Möbelhäuser. Dort erhält man zu jeder Jahreszeit bei einem Einkauf Preisnachlässe von fünfzig bis zu siebzig Prozent. Dabei muss etwas nicht stimmen, da wird vorher wohl unseriös kalkuliert. Der Handel  hat sich von einer ehrenhaften Tätigkeit in eine undurchschaubare Praxis entwickelt. Bei diesem Thema können ältere Paare starke Emotionen entwickeln. Hier gibt es einen äußeren Feind, wo es sich lohnt dagegen gemeinsam aufzutreten. Eine Diskussion darüber füllt den ganzen Vormittag aus. Zur rechten Zeit bringt der Briefträger neues Werbematerial. Der bevorzugte Lebensmittel Diskonter gewährt am kommenden Wochenende auf alle Biersorten und Mineralwasser einen Rabatt von zwanzig Prozent. Auf alle Kosmetikartikel gibt es fünfundzwanzig Prozent. Mit dem Kauf dieser Sonderangebote kann man sich einmal richtig schönmachen. Dabei vergisst man leicht, dass trotz teuerster Cremen die Falten vom Oberarm und aus dem Gesicht nicht weichen. Mit diesen satten Rabatten darf der Traum von ewiger Schönheit weiterleben.

Herrscht im Kosmos überall dieselbe Temperatur, dann kommt, nach Aussage der Astronomen, das Universum zum Stillstand. Der Wärmetod wurde vor Jahrzehnten als das Ende vom Universum gesehen. Aktuell nimmt man an, das Universum kühlt bei fortschreitender Expansion immer weiter ab. So kühlen auch die Gefühle mit dem Fortschreiten der Jahre weiter ab.

Wärmetod

täusch:ung I

Verändert die Ansage, viele Umstände von heute sind eine ungute Entwicklung, daran etwas? Wer kann sagen, ob seine Einschätzungen auch in zehn oder zwanzig Jahren ihre Berechtigung haben? Die meisten Sorgen der älteren Generation gehen dahin, dass sich die Gesellschaft, die Technik zu rasch verändert. Für sich ist man zumeist zufrieden und anspruchslos und weiß oft nicht mehr, was man sich wünschen könnte. Stillstand entsteht. Eine lange Pause bei der Anschaffung von neuen Kleidern und eine Auszeit beim Erneuern der Wohnung. Dazu kommt der Rückgang bei den Gefühlen, man kann sich kaum noch über etwas erregen. Vor allem freudig erregen, zumeist sind die wenigen Erregungen negativer Art. Darüber in Rage zu kommen, dass die leeren Kartons in der Altpapiertonne nicht ordnungsgemäß entsorgt werden.

Ein Quantensprung ist darüber zu lamentieren, wie die Käufer seit neuestem bei den Waschpulverpackungen bei den Füllmengen getäuscht werden. Mit freiem Auge betrachtet hat die Schachtel immer dieselbe Größe. Öffnet man diese zeigt sich, dass die Schachtel nicht mehr bis oben mit Waschpulver gefüllt ist. Es fehlen geschätzte fünfzehn Prozent vom Volumen. Beim Haarspray ist es die selbe Dose in der selben Aufmachung und derselbe Preis, aber beim Inhalt sind es statt 75 ml nur mehr 65 ml. So wird man von den Herstellern getäuscht. Manche unterstellen der Industrie und dem Handel, ihre einzigen Ziele sind, die Konsumenten zu betrügen.

Persilschein

hand:schrift II

Ich lese interessiert Reisetagebücher aus früheren Zeiten oder in den Tagebüchern von Literaten und Künstler. Darin bleibt es nicht aus, dass sie mit der eigenen Person oder mit ihrem schöpferischen Prozess unzufrieden sind. Aber auch die Euphorie und die Erfolge spiegeln sich in den Tagebüchern wieder. Ein Einschnitt kann eine  persönliche Krankheit oder wenn man von der Obrigkeit missverstanden wird, werden. Auch, wenn sich der sogenannte Volkszorn gegen einen Künstler erhebt.

Eine Frage ist, wie steht es um die Lesbarkeit der Aufzeichnungen, wird die Schrift für die Nachkommen noch zu lesen sein? Nach Aussage von Pädagogen soll die Schreibschrift abgeschafft werden und in Zukunft nur die Druckschrift unterrichtet werden. Der PC, das Handy und viele andere elektronischen Geräte lassen sich mit der Druckschrift gut bedienen. Das Verfassen der Aufzeichnungen und Speicherung am PC ist aber keine Garantie dafür,  dass diese Berichte auch gelesen werden. In einem Kommentar zum Blogbeitrag heißt es: „…wahrscheinlich interessiert sich dafür kein Schwein“. Ein anderer Aspekt betrifft die „Lebensdauer“ der elektronischen Speichermedien, manche schätzen sie auf fünfzig bis hundert Jahre. Im Vergleich dazu setzt man die Lagerfähigkeit eines Buches bei fünfhundert Jahre an.

Mir ist es nur mehr teilweise möglich Briefe und Dokumente der Großelterngeneration zu entziffern, weil sie in Kurrentschrift abgefasst wurden. Für einen Bericht über den Nationalsozialismus in Arnoldstein wurden mir Briefe, von einem im Dachau inhaftierten Arnoldsteiner, zur Verfügung gestellt. Ich bemühte meinen Schwager, damit er mir diese Briefe in Schreibschrift überträgt.

Tagebücher am Tablett geschrieben verlieren viel persönliches, die Handschrift ist etwas Einmaliges. Werden Tagebücher in Buchform veröffentlicht, vermitteln ein paar eingefügte Faksimileseiten Tagebuch Atmosphäre. Mir ist es wichtig meine Gedanken und Beobachtungen zuallererst mit dem Bleistift oder dem Kuli zu Papier zu bringen. Zumeist erfolgen die Aufzeichnungen in gehetzter Form, da die Gedanken schneller kommen, als ich schreiben kann. Dadurch entsteht der Eindruck eines flüchtigen Schreibstils, manches ist schwer zu lesen. Wer sich eingelesen hat, kann meine Handschrift prima lesen.

Gotische Schrift

hand:schrift I

Nach der Veröffentlichung meines Beitrages, Handke Handschrift, gab es einige Kommentare zur Frage, warum schreiben wir ein Tagebuch? Kann die heutige Schreibschrift von den Nachkommen noch gelesen werden und wer von den nächsten Generationen hat überhaupt Interesse an den Notizen? Vieles wird heute durch die Social Media dokumentiert.

Zu diesen Fragen gibt es unterschiedliche persönliche Zugänge. Die Motive und Überlegungen werden verschieden sein. Von meinen Wahrnehmungen glaube ich, dass diese bei den allgemeinen Bestandsaufnahmen durch den Rost fallen. Die Tagebuchschreiber haben es ungemein schwer, erfolgen diese in einer ausführlichen Sprache. Von vielen Lesern wird dies als weitläufig, abwertend als abschweifend gesehen. Heute, wo zumeist in einer verstümmelten Sprache kommuniziert wird. Dazu gesellen sich eine Vielzahl von Icons. Gehört man zu einer Facebook oder zu einer WhatsApp Gruppe bedauert man es öfters, dass jeder Schahs veröffentlicht wird.

Waren die Zeiten für Tagebuchschreiber schon einmal besser? Mit meinen Beobachtungen bemühe ich mich die Skurrilität unseres Alltagslebens einzufangen. Details, welche von den großen Medien bei ihrer Berichterstattung in sträflicher Weise vernachlässigt werden. Auch Fragen zu stellen, kindische, absurde und manche mögen meinen, verrückte Fragen. Hier ist jeder eingeladen darauf zu antworten. Mir geht es nicht darum mein persönliches Leid oder Seelenmüll nach außen zu stülpen. Meine Orientierung zielt darauf, abseits vom Mainstream Vorkommnisse zu erfassen. Wer nicht in den Seitenblicken vom TV und den Zeitungen vorkommt, wird gerne übersehen, der Herr und die Frau niemand.

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