ruhe:kissen

Mit dem Schuleintritt beginnt der geregelte Schlaf, schlafen erfolgt im Auftrag der Schule. Für einen guten Lernerfolg braucht es genügend Nachtruhe und so kommt es zu fixen Schlafenszeiten. Um acht Uhr abends in das Bett zu gehen war für mich  kein Problem. Vor dem Abendessen half ich bei der Fütterung der Kühe. Die vielen Unterhaltungsmöglichkeiten wie heute, Fernsehen, Video, Handy und andere digitale Medien, gab es in meiner Kinderstube nicht. Der neue Tag begann sehr früh, mich erwartete ein einstündiger Marsch in die Schule.

In der Internatszeit wurde die Nachtruhe durch die Hausordnung geregelt. Vor dem Schlafengehen gab es eine Abendandacht, nach dem Aufstehen die Morgenandacht. Dabei gab es die  Möglichkeit, vor einer schriftlichen oder mündlichen Prüfung in Latein oder Mathematik, in das Morgengebet die Bitte um eine gute Note einzufügen. Zwischen Abendgebet und Morgengebet herrschte Silentium. Der Präfekt hat mir mit Augenzwinkern angeraten die Brille auch nachts zu tragen, sonst könnte ich nicht sehen was ich träume. In der vierten Unterstufe warteten wir ungeduldig auf das Verlöschen des Lichtes im Schlafsaal. Jene, die wach blieben, lauschten den Gutenachtgeschichten unseres Vielleser Emmerich.  Er war ein begeisterter Karl May Anhänger und erzählte uns im Flüsterton die Abenteuer von Winnetou und Old Shatterhand.

Steht man mitten im Berufsleben ist ausreichender Schlaf wichtig, um den Anforderungen zu genügen. Sind die Jahre des glücklichen Schlafes vorbei, das Goldene Schlafzeitalter? Während der steilen Wirtschaftsphase hatte man zumeist keine Sorgen um den Arbeitsplatz. Man konnte annehmen, dass der Arbeitsplatz die nächsten Jahre gesichert ist. Dieses Ruhekissen zerbröselte mit der Jahrtausendwende. Abgesehen vom Arbeitsplatz gab es immer schon Probleme mit dem Partner, um die Kinder oder den Hausbau, welche einem den Schlaf rauben konnten. Es gibt eine Unzahl von Möglichkeiten die den Schlaf stören können, Krankheit, Schicksalsschläge, Verkehrs- und Freizeitunfälle. Wahrscheinlich sind die Schlafstörungen, über deren Ursachen man nichts Genaues weiß, von denen man überfallen wird, die Schlimmsten. Es ist aussichtslos sie zu vertreiben, zuweilen der falsche Ansatz, sie gehören zum Leben dazu. Man sollte sie, obwohl sie einem die Nachtruhe rauben, wie liebe Begleiter begrüßen. Diejenigen haben den erholsamsten Schlaf, welche kaum oder nicht darüber sprechen.

Morgenröte

schlaf:zyklus

Ein zweischneidiges Thema sind die Schlafgewohnheiten. Das Gerede über das Schlafverhalten beginnt schon im Babyalter. Die frischgebackene Mutter wird von den Bekannten nach den Schlafgewohnheiten des Neugeborenen gefragt. Bald schon ist man bemüht dem Baby einen Schlafzyklus zu verordnen. Zu unstabil ist der Zyklus in den ersten Monaten, irgendetwas lässt das Babys zumeist nicht schlafen. Einmal ist es in der Umgebung zu laut, zu warm oder zu hell. Kleine Beschwerden machen sich im Körper bemerkbar, vom Bauch bis zu den Ohren. Wer nächstens, wenn das Neugeborene zum Greinen anfängt nachsieht, ist von Familie zu Familie verschieden. Zumeist ist es die Mama, die vom Muttergefühl die stärkste Bindung zum Kind hat. Bald versucht man das Kleinkind soweit zu sozialisieren, dass es nachts durchschläft. Die Schlafphasen tagsüber werden zurückgeschraubt. Hat man seinen Schlafrhythmus gefunden, kommt der Moment, wo man bewusst wahrnimmt, dass es Nacht wird. Die Finsternis als Bedrohung erkennt. Dies kann ein Grund dafür sein, dass man sich gegen das Einschlafen wehrt, sich beim Einschlafen mit einem Lichtschein sicherer fühlt.

Fürchtet man sich vor dem Einschlafen, kann dem ein Ereignis vorausgegangen sein, ein Trauma würde man heute sagen. Während der Volksschulzeit vermisste ich den Hofhund nach einigen Tagen, auf meine Frage sagte man mir: „Er war sehr krank, jetzt ist er tot und lebt mit der vermissten Hauskatze und dem gestorbenen Hasen auf einem Bauernhof im Himmel“. In den nächsten Wochen sah ich abends beim Einschlafen den Hofhund die Zimmerwand entlanglaufen. Die Mutter ließ in dieser Zeit die Zimmertür ein wenig offen, damit vom Flur etwas Licht in das Zimmer fiel.

Türspalt

grund:einkommen II

Menschen, die sich ein komfortables Leben leisten wollen, werden sich trotz BGE eine Arbeitsstelle suchen müssen. Mir kommt vor, dass BGE ist eine Beruhigungspille der Politik, um die Wähler bei Laune zu halten. Wohl um davon abzulenken, dass viele Reformen die im Gespräch sind, nicht den gewünschten Erfolg bringen werden. Wir sollten zuallererst einen Ausgleich zwischen arm und reich und zwischen Entwicklungsstaaten und Wohlfahrtsstaaten schaffen. Wer derzeit reich oder in einer wohlhabenden Familie lebt, wird diesen Startvorteil auch in das Zeitalter des BGE mitnehmen.

Die Ursache, dass sich Chefs von internationalen Konzernen für ein Grundeinkommen einsetzen dürfte darin liegen, dass sie das Ende des Konsumrausches heraufdämmern sehen. Es muss einen neuen Anreiz geben, damit Menschen wieder mehr konsumieren. Eine breite Schicht von Menschen ist ob ihres geringen Einkommens als Konsumenten nicht relevant und andere Schichten verlieren ihr Interesse an den Gütern des Alltags. Gegen diesen Verfall gilt es etwas Neues zu erfinden, was einen größeren Effekt hat als große Werbeversprechen. Wie bei einem neuen Konsumschub Umweltbedürfnisse eingebunden oder berücksichtigt werden können bleibt im Dunkeln. Ich bin misstrauisch, steht in einer Broschüre der Satz: „Das BGE und die damit verbundene Änderung der Gesellschaftsordnung ist die Lösung für alle Gegenwarts- und Zukunftsfragen und der Beitrag zur Verhinderung der Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich“. Für mich ist eine solche Aussage einfach hochmütig.

Vielleicht kommt es zu einer Entflechtung von Verdienst und Erwerbsarbeit, wenn uns in naher Zukunft Künstliche Intelligenz viele Arbeiten, auch Denkleistungen abnehmen wird. Wird uns die KI mit Vorschlägen für unsere weitere Zukunft überraschen?

Über Jahrhunderte wurde im Buch der Bücher die Stelle bei Matthäus zu wenig beachtet: „Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie“? Mit den Thesen zum BGE hinken wir der Vision der Bibel um Jahrhunderte hinterher.