gesund:heit II

Durch die vielen Gesundheitsreportagen in den Zeitschriften und Zeitungen, was man  ohne schlechtes Gewissen essen kann, ist man sehr verunsichert. Die Grenzwerte für Blutdruck, Cholesterin und Zucker werden immer einmal diskutiert. Die einen Studien akzeptieren einen höheren Wert, andere Studien sprechen sich für eine Senkung der Höchstwerte aus.

Mit einem Federstrich ist es möglich, dass man zu einer Cholesterinspiegel-Risikogruppe gehört. Plötzlich müsste man eine Tablette nehmen, ohne dass man sich krank fühlt. Manche geben sich dafür eine mentale Beruhigungsspritze. Sie sehen in der Herabsetzung der Höchstwert für Cholesterin eine Geschäftsmache der Pharmaindustrie. Im fortgeschrittenen Alter hat man es verdient, sich etwas von den schmackhaften Speisen zu gönnen, auch wenn der Cholesterinwert die Marke 330 erreicht. Soll man deshalb auf das opulente Frühstück mit Schinken, Salami, Käse, Streichwurst und Ei verzichten? Eine Tablette reguliert den Cholesterinspiegel auf ein Lebensmaß.

Wie würde ich reagieren, wenn der Arzt sagt, eine Einschränkung bei den Genussmitteln wäre für mich dringend notwendig? Nehme ich eine Trotzhaltung ein und lasse mir nichts verbieten, in meinem Leben hat es genug Entbehrungen und Verzicht gegeben? Oder spekuliere ich darüber, dass maßhalten sinnvoll wäre, vielleicht verlängert dies das Leben um das eine und andere Jahr. Garantien gibt der Arzt keine ab. Weder, dass man früher stirbt wenn man weiter einen Schlendrian fährt, noch, dass man bei Einhaltung des ärztlichen Rates länger lebt. Die Entscheidung und das Risiko trägt man selbst, entgegen dem Slogan: Über Wirkungen, Risiken und Nebenwirkungen fragen sie Arzt und Apotheker.

Sachertorte

gesund:heit

Bei einem runden Geburtstag fehlt es nicht an guten Wünschen und wie Pensionisten mit ihrem Leben umgehen sollen. Nirgendwo anderst wird dabei sooft das Wort Gesundheit in den Mund genommen. Die Geburtstagsgesellschaft sprudelt vor lauter Gesundheit über. Gerade so, als wäre die Feier in einem Kurort mit heilsamem Wasser. Vorsorglich werden sogenannte Gesundheitsapostel nicht zur Festtafel eingeladen, weil diese könnten als Störsender agieren. Wer will sich im Alter den Genuss beim Essen madig oder verbieten lassen? Personen, welche bei der Essensbestellung lautstark darüber sprechen wie ungesund eine Rindsuppe mit Leberknödel ist, sie ist ein Gichtbeschleuniger, werden ausgeladen. Die Hauptspeisen sind in den seltensten Fällen vegetarischer oder veganer Natur, lieber paniertes Fleisch mit Pommes Frites als Beilage. Ob der krankheitsfördernden Auswirkungen welche ein Wienerschnitzel, Spieß oder Schweinsbraten haben kann, verschlägt es den Gesundheitsapostel die Sprache und den Gästen den Appetit.

Nicht nur ich erhebe mich etwas mühsam von der Speisetafel, anderen ergeht es ähnlich. Viele stimmen mir zu, es ist mühsam über einen längeren Zeitraum bewegungsarm am Tisch zu sitzen. So verlassen immer wieder welche die Tischgesellschaft, zum Anderem erreichen manche Bekannte beachtliche körperliche Ausmaße.

Diabetes III

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Noch räkle ich mich wohlig in der Weihnachtsstimmung, da nähert sich der Jahreswechsel. Vom Esstisch blicke ich auf den großformatigen Kalender mit Bildern von Claude Monet. Vom Kalenderblatt blickt mich die „12“ bedeutungsvoll an, darüber die Malerei, Großer Hafen von Le Havre. Gefühlsmäßig habe ich den Kalender für 2018 gerade erst aufgehängt und jetzt ist Ende Dezember. Den Kalender für 2019, mit Motiven von Kandinsky, Klee und Winter, habe ich vorläufig darunter angebracht. Symbolisch schaut der Kalender für das nächste Jahr einen Zentimeter unter dem Aktuellen hervor. Geradeso, als könnte er es nicht erwarten, gebraucht zu werden. Fünf Tage sind es bis dahin und das Tempo wie die Tage vergehen, ängstigt mich.

Ist das zur Neige gehende Jahr finanziell, partnerschaftlich oder gesundheitlich nicht gut verlaufen, dann wünschen sich diese Menschen, dass die letzten Tage bald vorbei sind. Beim Spaziergang bin ich einem Ehepaar aus der Nachbarschaft begegnet und wir haben über den kommenden Jahreswechsel gesprochen. Der Mann benützt beim Gehen zur Unterstützung Nordic Walkingstöcke. Vor zehn Tagen ist er aus dem Krankenhaus entlassen worden. Sein Wunsch ist, dass dieses Jahr bald vorüber ist, in diesem Jahr war er  dreimal im Krankenhaus. Seit dem Frühjahr verursachten ihm Gallensteine Schmerzen. Zuerst probierte man sie mit einem minimalen Eingriff zu entfernen, dies ist aber nicht geglückt. Im Spätherbst gab es eine große Operation, wo der Gallenabgang freigelegt und alle Gallensteine entfernt wurden. Für seine Person will er dieses schmerzhafte Jahr so schnell wie möglich hinter sich lassen. Er hofft, dass neue Jahr verläuft gesundheitlich besser. Mit diesem Wunsch ist er bestimmt nicht allein. Ist im abgelaufenen Jahr etwas schiefgelaufen wünschen wir uns, dass das Neue in dieser Hinsicht besser wird.  Weiterlesen