schöpfer:macht

Könnten wir einen unbefangenen Blick von außerhalb auf unseren Körper machen, mit dem Blick eines Außerirdischen, dann würden wir erkennen wie zerbrechlich dieser ist. Diese Sicht auf unseren Körper wäre vergleichbar mit den Erfahrungen die Astronauten gemacht haben. Kehrten sie von einer Mondumkreisung oder von der Raumstation Mir zurück zur Erde, erzählten sie von einer bläulich gefärbten Kugel, die Erde. Sie waren erschüttert von der Einsamkeit und der Gebrechlichkeit der Erde im Universum. Manche Astronauten hätten der Erde am liebsten einen Mantel umgehängt, um sie vor kosmischer Kälte oder einer Infektion durch Weltraumviren zu schützen. Dabei sind es die Raumfahrer, welche sich in einer unvorstellbar verletzlichen Situation befinden. Zu zweit oder zu dritt in einer Raumkapsel im weiten All, beim kleinsten Missgeschick könnten sie verloren sein. Vielleicht stärkt dies ihre Vorstellung, dass hinter dem Zusammenspiel der einzelnen Gestirne und Planeten eine Schöpfermacht steht.

Abseits sozialer Strukturen empfinden wir im Allgemeinen ähnlich. Wir vermuten für unseren Körper, für die Erde, für das Universum eine Schöpfermacht. Nur herbeigesehnt, um in der Zerbrechlichkeit nicht allein zu sein? Zum Anderem hängt es von der eigenen Stabilität ab, ob man sich auf das Wahrnehmbare verlässt. Dem Zweifel, einmal könnte die Phase der Ausgewogenheit vorbei sein, keinen Platz einräumt. Das Leben als ein ständiges Wechselspiel zwischen Wohlfühlphase und Problemphase deuten. Es ist ein Vorteil wenn man über einen stabilen Körper verfügt, dem man einiges zumuten kann und der einiges abfedert. Es geht uns allen so, dass wir über unserem sozialen Gefüge hinaus eine schützende Hand wünschen. Wie stark jeder diese fürsorgliche Hand annimmt und sich auf diese einlässt, ist seine persönliche Entscheidung. Ist da jemand?

corona:dezember II

Mitte Dezember nehme ich etwas früher den Weg vom Kurpark in das Kur Café, um der Dämmerung zu entgehen. Schon aus einiger Entfernung sehe ich den, in gedämpftes Licht getauchten, Innenbereich. An den Fenstern zeichnen sich die Oberkörper von Besuchern ab. Der Schritt durch die Tür von der Terrasse in das Café bringt einen Schub an frohen Gedanken und wirkt der Dämmerung entgegen. Dunkelgeworden ist es nach dem luftigen Sommer bei den Coronainfektionen in Österreich. Darauf vorbereitet ist der Durchschnittsösterreicher nicht, außer er gehört zur auserlesenen Gruppe der Komplexitätsforscher und Virologen. Diese haben, wie sie jetzt verlauten, ihr Wissen und Mahnungen an die Politik weitergegeben. Aber diese waren uneinsichtig und keiner wollte der Überbringer schlechter Nachrichten sein. Sie sonnten sich in der Sonne, im Umfragehoch und in den positiven Schlagzeilen der Gratismedien.

Jetzt springen uns Bürgern die rasant steigenden Corona Infektionszahlen sprichwörtlich in das Gesicht und haben noch nie gekannte Höhen erreicht. Vor einem Jahr waren diese Infektionszahlen undenkbar. Plötzlich kommt Hektik in die Bundesregierung, welche die Pandemie schon für beendet erklärt hat. Sitzungen werden anberaumt und Verordnungen erlassen, die Bevölkerung geteilt in Geimpfte und Ungeimpfte. Nach Aussage des Bundeskanzlers werden es für Ungeimpfte keine schönen Weihnachten, was sind keine schönen Weihnachten?

corona:dezember

Am späten Dezembernachmittag im Warmbader Kurpark mache ich eine plötzliche Wahrnehmung, es beginnt zu dämmern, um 17 Uhr. An manchen Tagen wird die Dämmerung noch durch den Hochnebel verstärkt. Dabei fällt mir auf, wie kahl es im Kurpark geworden ist. Die Gräser sind zu Garben gebunden, die Bodendecker haben ihre grüne Farbe verloren und wo vor zwei Monaten die Blumen geblüht haben ist jetzt eine offene Erdwunde. Jeder Schritt führt über eine Schicht Blätter, gleichmäßig gelblich die vielen Birkenblätter. Für das frühere Einsetzen der Dämmerung sorgt auch die Zeitumstellung in Mitteleuropa, von Sommerzeit auf Normalzeit. Welche Anmaßung von uns, dass wir die Zeit umstellen können und dabei die Uhr um eine Stunde vor- oder zurückstellen. Die astronomische Zeit existiert lange vor uns Menschen. Ständig hadern wir mit der Zeit, weil wir glauben in den Ablauf der Zeit eingreifen zu können. Es gibt viele Wünsche an die Zeit: Die Zeit verlängern, die Zeit anhalten oder mit der Zeit gehen. Die Zeit nützen oder die Zeit totschlagen. Unter gestressten Managern, Freiberuflern und Selbstständigen kursiert die Frage wie hast du es mit der Zeit?

Bei so vielen Fragen nach der Zeit bin ich dafür eine Antwort schuldig. Während ich im Arbeitsprozess stand war die Zeit aus einem einfachen Grund kein großes Thema. Tatsache war, dass ich über die Zeit während der Geschäftsöffnungszeiten in gewissem Sinn nicht frei verfügen konnte. Zudem begann der Arbeitstag um sieben Uhr morgens, er hatte zumeist zehn Stunden. Für den Abend stellte ich keine großen Ansprüche an die Zeit, etwas leichten Sport oder einmal wöchentlich eine Abendveranstaltung. Den großen Teil der Wochenfreizeit konnte ich müde sein und mich ausruhen.

corona:feiertag ll

Man könnte annehmen, dass, bei einem Gottesdienstpublikum mit dem Durchschnittsalter für ein Seniorenheim das Smartphone während des Gottesdienstes ein Tabu ist. Eine Stunde Abstinenz, ohne ständig nachzusehen ob es E-Mail oder WhatsApp Nachrichten gibt. In jeder zweiten Bank konnte ich beobachten wie Gottesdienstteilnehmer im Stift Ossiach zum Smartphone greifen und auf Nachrichten und SMS reagieren. Dabei befanden sie sich in bester Gesellschaft, schräg vorne erkannte ich den ehemaligen Nationalratspräsidenten und Seniorenbundobmann als Besucher des Festgottesdienstes. Regelmäßig griff er in die Außentasche des Sakkos nach seinem Smartphone, um die neuesten Nachrichten zu checken und reagierte darauf. Dies ist Grund genug meine Meinung zu revidieren nur die Jugend, die Millennium, die Y und Z Generation kann keine Viertelstunde auf ihr Smartphone verzichten. Jetzt zähle ich dazu auch die Siebzig- und Achtzigjährigen, dass sie auf ihr Smartphone nicht verzichten können.

Im Gastgarten des Stiftes wird an allen Tischen telefoniert und der Freundin mitgeteilt, dass man gerade einen stimmungsvollen Gottesdienst erlebt hat. Jetzt sitzen wir bei schönem Wetter und angenehmen Temperaturen im Gastgarten und haben einen herrlichen Blick auf den Ossiacher See. Wir machen nach dem Genuss einer Kirchtagsuppe einen Rundgang durch den abwechslungsreichen Handwerksmarkt. Schon öfters haben wir uns gefragt, woher die Kunsthandwerker immer wieder die neuen Ideen hernehmen? Einerlei ob sie mit Ton, Metall, Filz oder mit Holzfundstücken vom Gailufer arbeiten. Die Fahrt nach Ossiach hat sich in mehrere Art und Weise gelohnt. Ein Ordensgründer hat einmal gesagt: „Heilig zu leben heißt der Seele und dem Körper etwas Gutes tun“. Aus meinenTageheften…