corona:longcovid III

Im Kur Café in Warmbad Villach hat sich am Nebentisch ein älterer Herr beim Kellner erkundigt, ob er ein Getränk gegen die COVID Müdigkeit empfehlen kann. Nach seiner Genesung vom Coronavirus fühle er sich an manchen Tagen antriebslos und müde. Der Kellner brachte die Getränkekarte und empfahl daraus den Drink Goldene Milch und Detox Power Smoothie.

Zu der Empfehlung für ein Powergetränk fällt mir eine Anekdote zu meiner verstorbenen Mutter ein. Über einige Jahre habe ich der Mutter zu feierlichen Anlässen wie Muttertag, Geburtstag oder Weihnachten eine Flasche Buer Lecithin geschenkt. In früheren Jahren hat sie hin und wieder einen Löffel Buer Lecithin eingenommen. Nach einem arbeitsreichen Leben am Bergbauernhof habe ich angenommen, dieses Präparat trägt dazu bei, dass sie mehr Freude am Pensionisten Dasein hat. Bei einem Besuch habe ich etwas aus der Küchen Kredenz geholt und dabei gesehen, dass drei verschlossene Flaschen Buer Lecithin in der Kredenz standen. Auf die Frage, warum sie nicht regelmäßig das Vitamingetränk einnimmt meinte sie: „In der Pension müsse sie nicht mehr schwer körperlich arbeiten. Ich sollte die Flaschen wieder mitnehmen, in meinem aufreibenden Berufsleben wäre das Buer Lecithin eine willkommene Stärkung.

Unser Bewegungsradius und unser Verhalten haben sich vergrößert und gelockert, es kommt vor, dass ich mit dem Fahrrad meiner ehemaligen Wohngemeinde einen Besuch abstatte. Durch die Maskenpflicht bin ich mir bei der Begegnung mit anderen Personen oft nicht sicher wer sich hinter der Mundnaschschutzmaske verbirgt? Bemerkenswerterweise erfolgt die Erkennung von ehemaligen Bekannten oder Kunden aus dem Berufsleben über die Stimme. Höre ich jemanden sprechen und die Stimme ist mir vertraut, dann kann ich ziemlich sicher der Person einem Namen und den Ort unseres Kontaktes zuordnen. Anderseits erkennen auch andere Personen mich, hinter der Gesichtsmaske, an der Stimme. Im Freien können wir uns ungezwungen begegnen, der ganze Mensch ist wieder wahrnehmbar. Ich habe den Eindruck, das Coronavirus hat nicht nur gesundheitliche Probleme und Schäden verursacht, die Menschen sind im Zeitraum der Pandemie schneller gealtert. Mehr als früher kommen Leute gebückt, nicht mehr so beweglich und agil, daher.

corona:longcovid II

Gegen die anfallsartigen Hals- und Kopfschmerzen lässt sich mit herkömmlichen Tabletten wirksam vorgehen. Alle ärztlichen Ratschläge verlieren sich im vagen, geht es um die Müdigkeit. Man wird vertröstet, erwartet neue medizinische Erkenntnisse und pocht auf Geduld. Zum jetzigen Zeitpunkt kann man nichts Konkretes erwarten, mit der Pandemie beschäftigen sich die Mediziner erst seit eineinhalb Jahren. Nach dem Abklingen der Pandemie wird sich das medizinische Augenmerk auf die Langzeitfolgen nach einer Corona Infektion richten. Wir befinden uns derzeit im 3-G-Modus, Genesen, Geimpft und Getestet, vom 5-G-Modus, Getestet, Geimpft, Genesen, Geheilt und Gesund sind wir weit entfernt.

Es waren Tage, wo ich während des Schreibens meiner Notizen in das Tageheft eingenickt bin, zumeist für einen kurzen Moment. Das letzte Wort konnte ich nicht mehr entziffern, die Buchstaben gingen in ein gleichmäßiges Kritzeln über. Im kaufmännischen Berufsleben habe ich die Tage voller Tatenkraft genützt um vorauszuarbeiten, um in Zeiten eingeschränkter Schaffenskraft lockerzulassen. Zeiten mit weniger Biss muss man bereit sein zuzulassen. Der beste Einstieg in den Arbeitstag war, unangenehme oder anspruchsvolle Arbeiten sofort am Morgen zu erledigen. Eine Vorgehensweise für einen geglückten Tag.

Zur Bekämpfung der COVID Antriebslosigkeit stehen derzeit von ärztlicher Empfehlung verschiedene Vitamine, wie Dekristol, zur Verfügung. Dazu kommt die Aufforderung zu sportlicher Betätigung, Spaziergänge, Gymnastik, Radfahren und Schwimmen, alles mit dem rechten Maß. Aus der Tageszeitung habe ich erfahren, einige Kliniken haben sich bereits auf die Rehabilitierung von Longcovidpatienten spezialisiert. Diese Therapien werden in Klinken, welche bereits auf die Behandlung von Lungen- und Atembeschwerden spezialisiert sind, angeboten. Die Erschöpfungszustände verursachen teilweise auch Atemnot. Freunden, welche ein Klinikaufenthalt bevorsteht versucht man mit Galgenhumor etwas von der Spannung zu nehmen. Ein Tipp war, bei der Therapie Abteilung zu verlangen, dass die verordneten Therapien vom Reha Arzt verdoppelt werden.

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Jetzt erleben wir, dass die COVID Neuerkrankungen und die COVID Patienten in den Spitälern zurückgehen. Daneben gibt es immer mehr Menschen, welche von einer COVID Infektion genesen sind. Einige klagen darüber, dass sie noch Wochen, andere einige Monate nach dem Ende der Quarantäne noch immer an einer alles lähmende Müdigkeit leiden. Dafür gibt es auch schon ein Modewort Long Covid Symptome. Neben der Antriebslosigkeit gibt es noch andere langanhaltende Beschwerden, wie Mängel beim Geruch- und Geschmackssinn, wie aus heiterem Himmel anfallsartige Hals- und Kopfschmerzen. Die Müdigkeit kann mannigfaltig sein und so weit gehen, dass manche Berufstätige es nicht schaffen ihrer Arbeit nachzugehen. Sie haben schon ein Problem ihren Arbeitsplatz aufzusuchen. Man könnte meinen diese Erschöpfungszustände seien ein Problem für Berufstätige, es betrifft auch Hausfrauen und Pensionisten. Wie soll die Hausarbeit und die Versorgung von Kindern verlaufen, wenn schon die Fertigung des Frühstücks Beschwerden macht?  

Senioren müssen altersbedingt bei ihren Aktivitäten einen Schritt zurückgehen und da fällt die COVID Müdigkeit stark in das Gewicht. Manchmal fehlt auch der Wille und die Kraft sich gegen die Antriebslosigkeit zu wehren. Wie soll es weitergehen, wenn man nach der Morgentoilette und dem Ankleiden so erschöpft ist, dass man sich am liebsten wieder ausziehen und in das Bett legen möchte. Weiterschlafen, ein Schlafen ist es zumeist nicht, ein dahindösen und warten, dass der Schlaf kommt. Ein Warten auf den nächsten Tag, dann könnte es besser werden. Zu guter Letzt findet man Trost und eine Erklärung für die Müdigkeit darin, dass diesmal das Wetter im Mai, die Kälte und der Schneefall auf den Bergspitzen, dem Monat März entspricht. Vom warmen Mailüfterl ist das Wetter meilenweit entfernt und der Spruch, alles neu macht der Mai, hat für das Abklingen der Long COVID Symptome keine Gültigkeit.

corona:66 III

Bescheiden ist das Stichwort, werden wir beim Kontakt mit Verwandten, Bekannten oder Freunden gefragt, wie es uns jetzt zwei Monate nach einer überstandenen COVID Infektion geht? Ich zähle so selbstverständliche Handreichungen auf, denen sonst kaum Beachtung geschenkt wird. Wir können uns selbst waschen und ankleiden, haben keine Probleme beim Aufstehen und Niedersitzen. Die notwendigen Einkäufe an Lebensmittel erledigen wir selbst und sind auf keine fremde Hilfe, wie Essen auf Räder, angewiesen. Für viele mag dies banal klingen, auch für uns war dies vor der Infektion keine Silbe wert. Sobald es die Pandemie erlaubt möchten wir wieder ein Fest, ein Schwimmbad oder eine Ausstellung besuchen. Diese Vorhaben waren während der Infektionsphase nicht selbstverständlich. Wir hoffen, dass die neue Bescheidenheit uns erhalten bleibt und wir mit dem Zustand der Unvollkommenheit und Gebrechlichkeit liebevoll umgehen.

Eine Bekannte hat vor kurzem ihren sechsundsechzigsten Geburtstag gefeiert. Wir konnten sie leider nicht besuchen und haben ihr fernmündlich unsere Glückwünsche übermittelt. Sie soll das Lied von Udo Jürgens, „mit 66 Jahren fängt das Leben an“, nicht als eine schöne Phrase, als Schnulze sehen, es steckt darin ein wahrer Kern. Dabei denke ich nicht an einen in Zahlen gegossenen Termin, sondern auch daran, dass das Pensionsantrittsalter in den EU-Staaten bei 66 Jahren liegt. Angeglichen an die längere Lebenszeit kommt ein Vorschlag von David Precht, dass sich alle nach dem Pensionsantritt für ein Jahr in einem sozialen, gemeinnützigen Verein einbringen sollen. „Mit 66 Jahren“ sollte man für sich reale und utopische Wünsche formulieren und schrittweise realisieren. Dies ist nicht allein von den finanziellen Mitteln oder dem körperlich Befinden abhängig, auch die mentale Verfassung und der eigene Wille spielt eine Rolle. Der Bogen kann weit gespannt sein, von Bergwanderungen, dem Garten neuen Glanz verleihen, einen Fotokurs zu besuchen oder das angrenzende Ausland zu erkunden. Spannende Orte bedürfen nicht immer einer Fernreise, viel historisches, architektonisches und botanisch Interessantes findet man in Kärnten oder eine Autostunde von der Grenze entfernt. Gezielte Aktivitäten können die Lebenserwartung um einiges verlängern. Die Bekannte hat vor ein paar Monaten ein himmlisches Geschenk erhalten, ihr erster Enkel wurde geboren. Dies dürfte derzeit ihr größter Motivator sein, der Sohn kommt in den nächsten Tagen mit der Familie für eine Woche zu Besuch.

corona:66 II

Der Passivität darf man keinen Raum geben und annehmen, man wird zu der Gruppe der über Hundertjährigen gehören. Auf dem Weg zur Bank bin ich einer über hundertjährigen Frau begegnet, mit Unterstützung ihres Gehstocks war sie unterwegs zur Corona Test Station. Am nächsten Tag hatte sie einen Friseurtermin für eine Dauerwelle. Für den Friseurtermin brauchte sie einen Antigen Test. Zum Pfingstsonntag möchte sie sich fesch herrichten und dazu gehört für sie eine tolle Frisur. Ein Bekannter in Deutschland musste 2020 seine Feier zu seinem runden Geburtstag Corona bedingt absagen. Geplant war, dieses Jahr die Geburtstagsfeier nachzuholen und wieder gibt es Corona bedingt eine Absage. Seinen Verwandten und Bekannten hat er versprochen, sie zu seiner Renteneintrittsparty einzuladen, dann sollte das Virus vorbei sein.

Wir haben die magische Zahl 66 hinter uns und möchten uns nach dem Abbau von Long COVID Beschwerden den Außenaktivitäten zuwenden. Ganz oben in meiner Wunschliste steht ein Spaziergang in der Draustadt und im renovierten Parkcafé einen Cappuccino zu trinken. Dort kann ich bei einem Cappuccino unbehelligt in einigen Tageszeitungen lesen. Guter Hoffnung, dass die Atmosphäre stimmt, wie ich sie zuletzt vor einem halben Jahr erlebt habe. Bei einem Lächeln von der Serviererin Sonja geht für alle Caffeehausbesucher die Sonne auf. Zu den besten Aussichten während der Pandemiezeit zählen die sonnigen Tage. Das Schönwetter lockt die Menschen in das Freie und dort bildet sich, dass für eine gute Gemütsverfassung notwendige Vitamin D. Zum Geburtstag der Partnerin, zum rechten Zeitpunkt, öffnen die Restaurants wieder und ein Mittagessen im Restaurant wird uns wie das Manna in der Wüste schmecken. Nach dem Lockdown unter Menschen sein, kein Bad im Goldspeicher von Donald Duck, sondern ein Bad unter zuversichtlich gestimmten Restaurantbesucher. Das Frühjahr hat auch dieses Jahr bei den kleinen Dingen ein besonderes Geschenk bereit.