autonom:fahren II

Bei der Testfahrt in Pörtschach erfasst mich eine kindliche Stimmung, einmal schaue ich nach vorne, dann nach hinten und zur Seite. Mit Neugierde beobachte ich was passiert, wenn ein Auto aus einer Parklücke fährt oder Radfahrer irritiert mitten auf der Fahrbahn halten? Diese Situationen meistert das Roboterauto gekonnt, wobei das hindernisbedingte Halten sehr abrupt erfolgt. Beim Wegfahren und Halten fehlt der erfahrene Fuß des Menschen.

Eine sogenannte Operateurin, welche von Gesetzes wegen in Österreich vorgeschrieben ist, fährt im Bus mit. In der Hand hält sie eine Konsole, welche stark an die Steuerung für ein ferngesteuertes Spielzeugauto erinnert. Während der Fahrt, auf Nebenstraßen, hat es nie eine gefährliche Situation gegeben. Wie das Fahrgefühl im Berufsverkehr oder im Reiseverkehr auf der Autobahn ist, lässt sich in Pörtschach kaum simulieren. Es war Neugierde, welche uns in den smarten Bus steigen lässt und der coole Effekt anderen gegenüber. Wer bereit ist, in einem Fragebogen, seine Erfahrungen mit dem autonomen Fahren bekannt zugeben, wird mit einem Freigetränk belohnt.

Es könnte zu ähnlichen Effekten gegenüber von autonomen Fahrzeugen kommen, sollten diese in größerem Umfang eingesetzt werden, wie in den Kindertagen des Automobils. Damals war es die Frage, ob die hohe Geschwindigkeit für den Menschen zuträglich ist? Des Weiteren, ob es zu Unfällen kommt, wenn sich Pferdekutschen und Benzinkutschen begegnen. So stellt sich heute die Frage, wie das Verkehrsgeschehen ablaufen wird, wenn sich  Autos mit einem Fahrer am Steuer und autonom fahrende Fahrzeuge begegnen werden? Außer den Fußgängern wird ein Gefahrenpotential das Aufeinandertreffen der Roboterauto mit anderen motorisierten Verkehrsteilnehmern sein. Viele Autofahrer werden versuchen zu beweisen, dass sie die besseren Lenker sind, besser als ein Computerprogramm. Sie werden den autonom fahrenden Fahrzeugen Fallen stellen.

Fallensteller

autonom:fahren

Für die meisten Menschen ist das Lenken eines Autos eine faszinierende Tätigkeit. Zur Zeit der explodierenden Mobilität war der Traum eines jeden jungen Burschen der Führerschein und ein eigenes Auto. Für das Image spielten Bekleidung und Schuhwerk eine untergeordnete Rolle, es zählte allein das eigene Auto. Heute wird die Form und die Technik des VW Käfers der 60er und 70er Jahre belächelt. Damals war der VW Käfer, wie er nach seinem Aussehen zu Recht benannt wurde, ein anerkanntes Fahrzeug. Wer es etwas schnittiger wollte kaufte sich, wenn das Geld reichte, einen Opel Kadett oder einen Opel Manta. Im Vordergrund stand, womit kann man den Mädchen am meisten beeindrucken.

Jetzt wird in der Mobilität eine Trendwende eingeläutet, einerseits weg vom fossilen Brennstoff Erdöl, anderseits will man den Lenker des Kraftfahrzeuges durch Computerprogramme ersetzen. Das autonom fahrende und mit Strom betriebene Fahrzeug wird propagiert. So groß wie einst der Menschheitstraum vom Fliegen ist heute der Traum vom autonom fahrenden Auto.

Wie fühlt man sich, während einer Fahrt mit einem fahrerlosen Kleinbus? In Pörtschach am Wörthersee haben wir die Möglichkeit zu einer Probefahrt, auf einer Teststrecke von 1,5 Kilometer. Eine Haltestelle für den autonomen Bus befindet sich am Bahnhof. Der Bus hält für ein paar Minuten an der Haltestelle, bei Bedarf können Leute ein- und aussteigen. Durch seine Aufschriften ist er leicht als smarter Bus erkennbar. Er besticht durch seine eigenwillige Form, die mich sofort an eine größere, gestreckte Liftgondel erinnert. Dieses Gefühl begleitet mich auch im Inneren, durch den Rundumblick. Auf drei Seiten gibt es Sitzplätze und auf einer Seite die Tür zum Ein- und Aussteigen. Einen Chauffeur und ein Lenkrad sucht man vergebens. Das Wegfahren erfolgt abrupt, wie bei einer Seilbahn, wenn sich die Gondel in das Zugseil einklickt. Die Reisegeschwindigkeit von etwa 20 km/h, möglich sind 45 km/h, erzeugt in mir eine Stimmung, wie bei Stadtrundfahrt in einem Bummelzug. Ob ich mich auch bei einer Geschwindigkeit von 45 km/h oder bei 8o km/h sicher fühlen würde, kann ich für meine Person nicht vorhersagen. Wahrscheinlich würde ich dann sehr aufmerksam das Verkehrsgeschehen rund um den Roboterbus beobachten.

Führerschein

no:navi

Wer bereit ist einen Fußweg von zehn Minuten, in die Innenstadt oder zum Bahnhof, in Kauf zu nehmen, der hat in Villach die Möglichkeit am Willroider Parkplatz kostenlos zu parken. Auf den Kurzparkplätzen in der Stadt kostet eine halbe Stunde fünfzig Cent. Ein russisches Roulette, wenn jemand denkt, ich bin soundso in fünf Minuten wieder beim Auto. Wird kein Parkschein gelöst, erhält man eine Strafverfügung von zwanzig Euro. Keine Personengruppe ist so allgegenwärtig wie die Parkraumüberwacher.

Ein deutschen Urlauber versuchte mit seinem Mercedes vom Marktgelände kommend, durch die Gasse vorbei an der Musikschule, auf den Kaiser-Franz Josefplatz zu gelangen. In der immer schmäler werdenden Altstadtgasse blieb er schlussendlich mit seinem Auto stecken. Der Urlauber gab später zu Protokoll, dass er blind auf sein Navi vertraut habe und mit seinem Auto solange vorwärts gefahren ist, bis das Auto rechts und links an der Mauer anstreifte. Er konnte die Autotüren nicht mehr öffnen und war im Auto gefangen. In dieser misslichen Lage benützte er eine weitere moderne Errungenschaft, das Smartphone. Damit verständigte er die Feuerwehr. Von den Feuerwehrmännern wurde er und sein Auto aus der Schieflage befreit. Auf den Social Medienkanälen erzählte er seinen Freunden stolz von seinem Missgeschick. Auf YouTube gibt es davon ein Video.

Dieser Vorfall wurde bereits in das Repertoire der Stadtführungen aufgenommen. Eine, in historischer Tracht gekleidete Reiseführerin, berichtete bei einer Stadtführung den Schülern vor der Musikschule von diesem Ereignis. Sie verwies darauf, zu welchen Auswüchsen die Technikgläubigkeit führen kann. Während der Erzählung der Stadtführerin wischte ein Drittel der Schüler am Handy. Der Eine und die Andere googelt nach diesem Vorfall. Was Google anzeigt ist für die Jugend näher bei der Wirklichkeit, als eine Geschichte aus dem Munde einer Fremdenführerin.

Was wird dereinst in den digitalen Archiven zu finden sein?  Berichte, Fotos und Videos, welche die meisten Zugriffe haben, die meisten Lieks und doch nur eine Randerscheinung der Geschichte waren.

Archivar

auffang:becken III

Die christlichen Kirchen plädieren für Auffangbecken unterschiedlicher Art, nach dem biblischen Auftrag zur Nächstenliebe. Die Schwächsten in der Gesellschaft, Straffällige nach ihrer Haftentlassung oder Zuwanderer werden unterstützt. Es braucht großes Vertrauen, wenn man einem Gewalttäter oder wegen Eigentumsdelikte Verurteilten eine neue Chance gibt und in der Firma einen Arbeitsplatz anbietet. Zumeist ist die Rückfallquote, kommt es zu einem Konflikt oder gibt es eine Gelegenheit dazu, hoch. Bei Jugendlichen sieht man über leichte Straftaten, es könnte sich um eine gewisse Unreife gehandelt haben, hinweg. Von den Geradlinigen, den Folgsamen und Aufrichtigen wird verlangt, dass sie dafür Verständnis aufbringen. Dabei findet oft keine ausgeglichene Bilanz statt.

Wir erwarten oft sehnsüchtig ein Gewitter, damit der Schmutz von den Straßen und den Häusern von einem Starkregen fortgespült wird. Ein reinigendes Gewitter lässt einen körperlich aufatmen, bis in die Seele hinein. Dies kann ein Vorbild für eine klärende Aussprache sein, lässt die Seele frei atmen und kann neue Horizonte eröffnen. Welches Auffangbecken erwartet unsere Seele, wenn der Körper seinen Dienst versagt. Werden wir hineingespült in das Auffangbecken des Himmels oder davor durch die Kläranlage, das Fegefeuer, gereinigt?  Als denkende Wesen haben wir vieles entwickelt, für alle Unbilden des Lebens haben wir  Auffangbecken installiert, zu guter Letzt ein Auffangbecken für die Seele, den Himmel.

Zur schönen Aussicht