mond:landung

Bei der Erinnerung an den Tag, wo erstmals ein Mensch die Mondoberfläche betreten hat, werden ältere Semester danach gefragt, wo und wie sie diese Mondlandung erlebt haben. Ob sie noch wissen, was sie in jenen Tagen der Mondmission gemacht haben und ob sie diese Mondlandung live im Fernsehen miterleben konnten. Ein Fernsehgerät im Haushalt war damals keine Selbstverständlichkeit, wenn, war es ein schwarzweis Gerät. Bei uns am Bergbauernhof gab es bis in die 80er Jahre keinen Fernseher. In diesem Jahr beendete ich meine Papier- und Buchhandelslehre beim Petz in Spittal an der Drau. Gut kann ich mich daran erinnern, dass in den Tagen der Apollo 11 Mission die Bild Zeitung am 21. Juli 1969 mit Farbbildern erschienen ist. Die Bild Zeitung nannte sich aus diesem Anlass „Mond-Zeitung“. Bis dahin gab es nur in den Illustrierten, wie Bunte oder Stern, Farbfotos. Die live Übertragung im Österreichischen Fernsehen wurde damals unter anderem von Dr. Hugo Portisch und Dr. Herbert Pichler kommentiert. Kurze Zeit später erschienen die ersten Bücher über die Mondlandung, eines von Dr. Herbert Pichler mit einem Vorwort von Wernher von Braun: Die Mondlandung, Der Menschheit größtes Abenteuer, Molden Verlag. Dieses Buch verkauften wir des öfteren in unserer Buchhandlung.

Aus sentimentalen Gründen habe ich im Internet recherchiert, ob dieses Buch noch antiquarisch erhältlich ist? Es wurde mehrmals angeboten und mein bestelltes Exemplar ist wie neu, erschienen 1969, 6. Erweiterte Auflage.

Astronaut

rudi:dutschke

Die Jahrzehnte seit den 60er Jahren waren reich an technischen Errungenschaften und politischen Ereignissen. Zumeist haben sich einzelne Ereignisse schicksalhaft ins eigene Leben eingeprägt, von denen man es sich nicht entgehen lassen will darüber nachzudenken. Nachzuspionieren, wo man zu diesem Zeitpunkt gewesen ist, was man an diesem sogenannten historischen Tag gemacht hat. Im persönlichen Leben gibt es Ereignisse, welche sich in das Gedächtnis eingeprägt haben, manches Mal Schicksal entscheidend, welche aber kein Gegenüber in der Weltgeschichte haben.

Vom Schuss Attentat auf Rudi Dutschke am 22.04.1968 war ich tief betroffen. Fernab von den Zentren der Studentenrevolution in Frankreich und in Deutschland verfolgte ich in der Kleinstadt Spittal an der Drau dank der Zeitschriften Twen, Konkret, Stern und Spiegel die Jugendproteste. Diese Zeitschriften wurden in der Buchhandlung Petz verkauft, teilweise auch deshalb, weil sie von mir beim Grossisten Morawa angefordert wurden. Ich trug lange Haare, soweit es damals mit der Arbeit als Verkäufer vereinbar und vom Chef geduldet wurde. Der Chef, ein begeisterter Reserveoffizier, der sich als Double vom General Mosche Dajan sah.

Dass ich so leibhaft an den aktuellen gesellschaftlichen und politischen Geschehnissen teilhaben konnte, verdankte ich dem Tod der Trafikantin in der Bahnhofstraße und dem Umstand, dass es keine Nachfolgerin gab. Deshalb hat unsere Buchhandlung, welche  ein paar Häuser weiter gelegen war, den Verkauf der Zeitungen und Zeitschriften übernommen. Den Verkauf der Tabakwaren übernahm der Würstelbudenbetreiber vorm Bahnhof, ein Kriegsversehrter. Im 2. Weltkrieg wurde ihm nach einer Verletzung ein Bein amputiert. Für die Mittagspause, welche ich bei Schönwetter im Park vom Schloss Porcia verbrachte, konnte ich mir Zeitschriften ausborgen. So war ich über die sozialen und politischen Umwälzungen außerhalb von Kärnten informiert. Zu Hause gab es die Wochenzeitung Kärntner Bauer und den Raiffeisenboten. In diese Zeit fällt auch der Startschuss des Jugendsenders Ö3, bei deren Musik die Mutter Bedenken hatte, dieser „Lärm“ könnte das Eumig Radio kaputt machen.

68er

lind:wurm II

Noch weiß ich nicht habe ich, der Lindwurm, dies geträumt oder ist es Wirklichkeit. Um mich stehen Bäume, Menschen spazieren kreuz und quer durch den Wald und lassen sich auf Sitzbänken nieder. Zu meinen Füßen, ähem Sockel, spielen Kinder mit Kastanien, Tannenzapfen und Laub. Auf den Bäumen haben sich Vögel niedergelassen, Eichkätzchen und Käfer krabbeln munter rauf und runter. Die qualmenden Vehikel sind verschwunden, alles ist so friedlich. Ich kann wieder richtig durchatmen. Zwischen dem Laub sehe ich die Fassaden von den Häusern am Neuen Platz durchschimmern.

Die Bäume erzählen mir, dass sie noch vor kurzem eingezäunt und eingekesselt von abertausende Klappsesseln, in einem Stadion außerhalb der Stadtmauern standen. Täglich wurden sie von Menschen bestaunt und aus allen Himmelsrichtungen immer wieder fotografiert. Diese ungute Situation konnte ich ihnen sofort nachfühlen, auch ich bin eingezäunt und werde täglich von Hunderten Menschen fotografiert. Eines Nachts haben sie sich auf den Weg in die Stadt gemacht, auf der Suche nach einem besseren Leben. Der Neue Platz und meine Anwesenheit haben sie sofort begeistert, deshalb haben sie sich hier niedergelassen.

ALLEN LESERINNEN und LESERN EINEN GUTEN RUTSCH IN DAS NEUE JAHR . DANKE FÜR DEN BESUCH !

 

lind:wurm

Seit über vierhundert Jahren verbringe ich, der Lindwurm, meine Zeit damit dem regen Treiben auf dem Neuen Platz in Klagenfurt zuzusehen. Vieles hat sich verändert, der Alltag der Menschen sich stetig gewandelt. Über Jahrhunderte waren es Bauersleute, Bäcker und Metzger die hier auf den Marktständen ihre Waren verkauften und Handwerker boten ihre Produkte an. Mit der Zeit wurden rundherum immer mehr Häuser errichtet, in denen die Händler und die Handwerker einzogen. Pferde und Ochsen waren lange Zeit die Zugtiere für die Kutschen und Leiterwagen. Damit wurden Menschen und Waren befördert. Plötzlich fuhren knatternde und stinkende Wagen ohne Pferde durch die Stadt. Es wurden immer mehr und sie fuhren immer schneller. Mit meinen Drachenaugen konnte ich dem Treiben nicht mehr folgen. Die Abgase, obwohl ich dereinst selbst Feuer gespuckt habe, begannen mein Gehirn zu benebeln.  Ich spürte noch, dass es unter mir zu rumoren begann und plötzlich sind die feuerspeienden Gefährten unter mir verschwunden. So döse ich narkotisiert vor mich hin und öffne ein Auge halb, wenn ich den feinen Duft von Schokolade, Marzipan und Zimt rieche. Dann weiß ich, Weihnachten ist da und wieder ist ein Menschenjahr vorüber. Was aber für mich, in meinem Alter, keine Rolle spielt.

Uralt