handke:handschrift III

Von der Obsession Peter Handke zu seinen Notizbüchern habe ich erst in den letzten Jahren erfahren. Dessen ungeachtet gibt es von mir Tagebücher in unterschiedlichen Formaten seit dem Jahre 1975. Seit den 1990er Jahren verwende ich die flexiblen Moleskinnotizhefte in A6, wo ich die ansehnliche Zahl von Zweihundert erreicht habe. Dabei handelt es sich um handschriftliche Einträge. Seit zehn Jahren versehe ich manche Eintragungen mit einem Hinweis „W“, wenn ich eine Beobachtung, einen Gedanken für einen Anstoß zu einem  Blogbeitrag nütze. Dies macht das Wiederauffinden leichter und bietet einen Anreiz zum Schreiben. Hätte Peter Handke eine Affinität zum Internet könnte ich mir vorstellen, dass er ein Weblog führen würde. Seit kurzem gibt es Handke online. Es gibt das Paradoxon, dass die Germanisten mit viel Trara die Digitalisierung von Handkes Bücher und seiner Tagebücher betreiben, er aber das Digitale ablehnt. Weiterlesen

handke:handschrift II

Peter Handke dienten in den siebziger und achtziger Jahren die orangen Spiralblocks in A7 oder in A6, von der Firma Ursus,  als Notizhefte. Als Papierhändler in Arnoldstein habe ich diese Spiralblocks in den Größen, SP 1 – SP 4, verkauft. Handke schreibt seine Manuskripte mit Bleistift. Diese Texte werden dann von einer berufenen Person, welche seiner Handschrift lesen kann, auf einem PC abgetippt. Danach wird der Text von Handke überprüft und Korrekturen angebracht. Dieses Spiel setzt sich einige Male fort, bis es zu der Buchveröffentlichung kommt.

Die handgeschriebenen Tagebücher, Tagehefte und Notizbücher der Autoren sind die Glanzstücke in den Literaturarchiven. Darin finden sich Aufzeichnungen zum Alltäglichen oder Einträge zu Romanentwürfen, Aufsätzen und Essay. Einstmals erfolgte die Niederschrift der Romane mit der Hand, später war das Tippen auf der Schreibmaschine, im Zweifingersystem, üblich. Das i-Tüpfchen für die Literaturarchive sind die Originalmanuskripte mit den handschriftlichen Korrekturen. Dazu kommt der handschriftliche Briefwechsel zwischen Autor und Verleger oder Lektor und Autor. Nicht jeder verfügt über eine leserliche Handschrift. Vor einigen Jahrzehnten hat es in den Zeugnissen die Note Äußere Form gegeben, damit wurde die Leserlichkeit der Handschrift bewertet. Zu den nostalgischen Noten zählt auch die Note für Gutes Benehmen. Diese zwei Beurteilungen würden heute einen Sturm der Entrüstung bei den Eltern und Schülern auslösen. Aus den Grundschulen will man das Erlernen die Schreibschrift verbannen.

Im Exil

handke:handschrift I

Kein Jahr vergeht, indem man nicht im Zusammenhang mit der Entwicklung des Internet ein Jubiläum feiert. Verschiedene Rückblicke inszeniert, so lange gibt es diese und jene Suchmaschine, seit diesem Zeitpunkt werden SMS und Email verschickt oder das Erstellen einer Webseite mit einer Gratissoftware ist für jeden möglich. Das Handy und der Laptop haben Kultstatus erreicht. Handschriftliches bestaunt man nur noch in Bibliotheken und Literaturmuseen. In einer Lehrveranstaltung, anlässlich des halbrunden Geburtstages des Weltschriftstellers Peter Handke, wurde in den Vorlesungen auf die Bedeutung der Notizhefte im Schaffen von Peter Handke hingewiesen. Philologen und Germanisten haben beobachtet, dass Handke zuerst begleitend zum Schreiben an einem Buch Notizen gemacht hat. Nach dem Jahre 1976 veränderte er sein Verhalten, die Eintragungen in die Notizbücher werden in der Absicht geschrieben, diese Zeilen als eigenständige Texte zu veröffentlichen. Ein Konglomerat aus Gehörtem, Gelesenem, Erlebtem und Beobachteten. In einem nochmaligen Prozess werden Orte und Namen verfremdet.

Täglich werden von Handke Notizen gemacht. In einem Zitat drückt er das Obsessive des Tagebuchs führen aus: Ich muss mit mir allein sein, es braucht keine andere Existenz. In den Notizbüchern kommuniziert er mit seinen Mitmenschen, Tieren und mit sich selbst. Für die Germanisten sind die Notizbücher eine Fundgrube, lassen sich doch darin der Entstehungsprozess seiner Bücher nachverfolgen, Wörter und ganze Textstellen tauchen darin auf. Diese Notizhefte werden durch die eingefügten Fotos, Zeichnungen, Fundstücke von der Natur oder auch durch eine gelöste Fahrkarte, einmalig.

Schönschreiben

in:opatija II

Der Blick fällt auf das Meer und den gezackten Küstenverlauf von Istrien, vorgelagert  die Insel Cres. Ab und zu quert ein Kreuzfahrtschiff  den Horizont, dort wo sich das Meer mit dem Himmel vermählt. Meinem Küstenbeobachtungsposten nähert sich ein Ausflugsschiff auf dem Weg von Lovran nach Volosko. Das Wasser wird durch die Schiffsschrauben aufgewirbelt und flacht je näher es zur Küste kommt wieder ab. Das Meer beruhigt sich, bestehen bleiben die spiegelnde Sonne auf der Wasseroberfläche und ein paar Bojen. Die Stille ist zerbrechlich, wird unterbrochen durch einen Handy Klingelton, das Geklapper eines Kinderfahrrads, einem schlurfenden  Rollstuhl, am Steuer ein Herr mit Sonnenbrille. Großgewachsene Männer, mit und ohne Bart, am Kopf Kappen oder Hüte, die einen in bodenlangen Mäntel, die anderen in hellgrünem oder orangen T-Shirt.

Für Momente durchqueren Touristen meinen Blick, mit Hund und Handy, Kindern und Kinderwagen, Rucksäcken und Elchmützen am Kopf. Sprachfetzen in Italienisch, Kroatisch und Deutsch schwirren an mein Ohr. Die Kinder laufen, hüpfen und springen, andere werden getragen oder geschoben. Die Frauen spazieren mit einem Hund im Arm, in der Größe von der Undine, einer gut gewachsenen Katze, vorbei. Die Kosmetikerin im Haus besitzt einen kleinen Hund.

Von einem Felsvorsprung, zwischen Opatija und Icici, blicke ich auf Rijeka. Im entfernten Rijeka liegen zwei Frachtschiffe auf Mole und warten darauf gelöscht zu werden. Der Reiz von Rijeka entfaltet sich nachts, wenn die Straßenlaternen mit ihrem eigelbem Licht die Bucht und den Berg hinauf, ausleuchten. Der ganze Küstenstreifen ist in gelbes Licht getaucht. Die Sonnenstrahlen wandern nach Westen, die Intensität lässt nach, ich wechsle die Bank. Stolpernd eilen die Menschen zurück in den Ort, zu Cafe und Kuchen. Der Unterschied zwischen den Umlandgemeinden und dem Zentrum wird auch im Preis vom Cappuccino deutlich. Im Cafe Arche in Ika und  im Cafe Kontiki in Volosko gibt es ihn um acht Kunar, beim Cafe Wagner in Opatija  kostet derselbe Cappuccino zwanzig Kunar. Der Unterschied liegt in der geografischen Lage, nicht in der Qualität.

Abenteuer Kontiki