bahn:tunnel II

Bei der Feldarbeit in Politzen hatten wir keine Uhr dabei, die Jausenzeit und das Mittagessen richteten sich nach den, auf der Strecke verkehrenden, Personenzügen. Die Geschwister, welche abends die Kühe versorgten, machten sich nach dem Fünfuhrzug auf den Heimweg. Die übrigen Familienmitglieder blieben sommers auf dem Feld, bis die Arbeit erledigt war oder die Dunkelheit hereinbrach.

Das radikalste Ansinnen ist, die Bahnstrecke Villach – Klagenfurt zu untertunneln.  Dies wäre eine Strecke von zirka dreißig Kilometer. Dafür gibt es bis dato kein Einlenken von der ÖBB, noch auf politischer Ebene. Konkrete Planungsunterlagen fehlen. Nach dem Motto, man versenkt Milliarden von Euro im Wörthersee. Die Finanzierung erscheint  mir utopisch, diese könnte die Größenordnung vom Semmeringbasistunnel erreichen. Derzeit betragen die Baukosten für den Semmeringtunnel 3,3 Milliarden Euro. Mit einem Vorschlag möchte ich mich an den Planungen beteiligen. Abschnittsweise könnte man beim Wörtherseebahntunnel den Blick auf die Unterwelt des Wörthersees freigeben. Dies wäre für die Bahnreisenden, welche die Südbahnstrecke benützen, ein besonderes Zuckerl. Vielleicht wird man dabei der einen oder anderen Sagengestalt, die mit der Entstehung des Sees verbunden sind, wieder ansichtig. Für Sagengestalten hat unsere Zeitrechnung keine Gültigkeit.

Früher war es Usus entlang der Straßen ganze Ortsteile zu errichten, weil Straßen bedeuten Mobilität und für einige eine wirtschaftliche Existenz. Dies traf in besonderem auf Gastwirtschaften, Tankstellen, Bäcker und Fleischauer zu, zumeist auch auf Lebensmittelgeschäfte. Auf der Fahrt zu ihrem Urlaubsort haben Durchreisende Hunger und Durst. Mit der Straße kam der Verkehr und mit dem Verkehr die Touristen. Siedlungen, welche an Verkehrsknotenpunkten liegen, entwickeln sich besonders gut, dies kann man seit der Antike beobachten. Die Abneigung gegen den Straßen-, Bahn- und Flugverkehr  gibt es erst die letzten dreißig Jahre. Es ist paradox, da wir zumeist auf eines dieser Verkehrsmittel angewiesen sind. Wahrscheinlich wird auch die jetzige Euphorie für Drohnen dereinst einmal in Ablehnung umschlagen.

Flieg, Biene flieg.

bahn:tunnel I

Die Jahre, in denen man vom fahrenden Auto heraus die Gegend und die Landschaft beobachten konnte, sind endgültig vorbei. Zum Einem werden entlang der Autobahnen immer mehr Lärmschutzwände aufgestellt, man fährt in einem Tunnel seinem Ziel entgegen. Zum Anderem führen kaum noch Hauptverkehrsstraßen durch die Ortschaften. Inzwischen sind in großem Umfang Umfahrungsstraßen gebaut worden. Sehr zum Vorteil der Ortsbewohner, das Nachsehen  haben die Reisenden, denen manches Kleinod verborgen bleibt. Die Errichtung von Lärmschutzwänden passiert zumeist aufgrund von Bürgerinitiativen, die sich um den Lärmpegel sorgen.

Vor Jahrzehnten konnte man von der Autobahn, bei der Fahrt von Villach nach Klagenfurt, von oben einen Blick auf den Wörthersee genießen. Heute erkennt man anhand der Straßenschilder bei den Ausfahrten, dass man den Wörthersee entlang fährt. Ähnliches gilt für die Bahnstrecke, welche am Nordufer vom See verläuft. Der Bahnlärm verärgert die neu hinzugezogenen, welche sich ein Eigenheim in der Nähe der Bahngeleise gebaut haben. Es sind dies Leute, welche in der Landeshauptstadt Klagenfurt gut verdienen, und sich den Blick auf den Wörthersee leisten können.

Die Hoteliers entlang des Nordufers haben eine rabiate Forderung aufgestellt, die Bahn muss weg, in das Rosental verlegt werden. Vor einem Jahrhundert nahm, mit der Errichtung der Südbahn von Wien nach Triest, der Fremdenverkehr in Kärnten seinen Anfang. Dies ist heute noch nachvollziehbar, da damals die schönen Hotels und Villen entlang der Bahnstrecke gebaut wurden. Sie strahlen noch den Glanz der Jahrhundertwende aus. Die feine Wiener Gesellschaft kam zur Sommerfrische an den See. Ohne die Bahnverbindung wäre dies kaum möglich gewesen. Der Bahn sollte man eine neue Chance geben, kein Verkehrsmittel ist so  umweltverträglich.  Zudem stelle ich die Frage, was ist so schlimm am Bahnlärm?  In meiner Jugend bedeuteten die regelmäßigen Züge auf der Tauernstrecke, so etwas wie das Angebundensein an die weite Welt. Obwohl ich von der weiten Welt keine Vorstellung hatte.

Bahnhofshalle

rot:grün II

Wer denkt bei solchen Augenblicken an das Draußen, welches man bewusst zurückgelassen hat, um sich im istrianischen Kosmos auszuspannen. Draußen patrouilliert die Polizei in London und Hamburg, als wäre Krieg, um zum Wochenende die Menschen vor Selbstmordattentäter zu schützen. Dazu kommen neue Berichte von ertrunkenen Flüchtlingen im Mittelmeer. Draußen schlägt eine zusehends in Bedrängnis gekommene Terrormiliz wild um sich. Um sich von allen abzugrenzen, von allen Freunden und Feinden.

Wo bleiben die Auswirkungen des christlichen Gebetes, der aktuellen Fürbitten in den katholischen Kirchen, die um Gotteshilfe für einen Frieden im Nahen Osten bitten?  Von unserer Seite ist es eindeutig an wem wir unsere Fürbitten richten, aber vielleicht versteht ER unsere Sprache nicht? Oder die Apostel und andere Kirchenväter haben IHN nicht richtig verstanden? Unser Manko besteht darin, dass wir glauben von IHM alles zu wissen, alles zu verstehen?  Über welche Kanäle soll dies möglich sein?  Allen voran haben wir alles in Konzepte und Regeln gesteckt, Formeln entwickelt, die wahrscheinlich für seine Bandbreite keine Gültigkeit haben. Wir bewundern seine Kreativität, welche wir in der Vielfalt und in den Lösungen der Natur finden. Selbst beschneiden wir unsere Kreativität, krasser, wir fürchten uns vor unserer Kreativität. Für uns ist es nahe liegend den Tagesablauf in bestimmte Sequenzen einzuteilen, jedem Wildwuchs einen Riegel vorzuschieben. Mit unseren Denkmustern wollen wir es schaffen, unsere Fürbitten an SEINEN Thron heranzutransportieren. Damit kommen wir höchstens bis an seine Haustüre.

Sprachproblem.

rot:grün I

Der Wanderweg von Strunjan über Fiesa nach Piran erfordert einiges an Kondition. Zeitweise geht es steil bergan und es ist Ausdauer gefragt. In der Höhe genießt man einen schönen Blick auf die Bucht bei Triest. Bei einer Weggabelung, wovon ein Weg als Sackgasse gekennzeichnet war, sorgte eine mobile Verkehrsampel für Verwirrung. Der Weg war höchstens autobreit, wobei er nur von Radfahrern und Wanderern genützt wird. Unschlüssig harrten vier bis fünf Radfahrer vor dem Rot der Ampel aus. Sie waren unsicher, ob diese Verkehrsregelung ihnen gilt. Dazu gestoßene Wanderer diskutierten darüber, wie weit diese Verkehrsampel auch für sie Bedeutung hat. Dabei handelte es sich bei den Freizeitsportlern um Urlaubsgäste. Unser Vorschriftsdenken geht soweit, dass wir uns in einem Rad- und Wanderparadies, wo es kaum Autoverkehr gibt einspannen lassen, eine unverständliche Regelung einzuhalten. Es war nicht ersichtlich, von wem diese Ampel aufgestellt wurde und für wen sie gedacht war. Im besten Fall konnte ich mir vorstellen, dass die Ampel privater Natur ist, um die Zufahrt zu einer Baustelle zu regeln. Keiner öffentlichen Funktion diente. Bei einiger Vorsicht sah ich keine Gefährdung, wenn die Strecke von uns Radfahrern und Wanderern benützt wird. Die Benützung, der als gesperrt signalisierten Strecke, erwies sich für uns unbekümmert, weil es keinen Autoverkehr gab.

Wie schnell Vorschriften an Wirksamkeit verlieren und nur unserer Angst entsprungen sind, erlebte ich bei der Ankunft am Meeresstrand in Fiesa. Die Unbekümmertheit wie zwei Frauen und ihre drei Kinder sich in der Wiese auf einer Decke niedergelassen hatten, war ansteckend. Sie bedienten sich der mitgebrachten Getränke und Imbisse aus der Kühlbox. Die beiden Volksschulkinder vergnügten sich im Meer. Das Baby wurde, nachdem es sich kräftig zu Wort gemeldet hatte, an der Brust der Mutter versorgt. Alle fünf Personen strahlten und lachten um die Wette, eine ansteckende Stimmung. Bis hierher tönt die laute Musik eines nahen Imbissstandes. Den Blick auf das Meer kreuzen immer wieder Segler und schnittig dahin rasende Motorboote. Am Ende der Bucht von Strunjan geht das Blaue des Meeres und das Weiß der Segelmasten in das Grün der Abhänge über.

Aus dem Tagebuch…