kreuz:fahrt

Auf einer Kreuzfahrt kam es zu einer überraschenden Begegnung. Nach einem Landausflug gingen wir auf Deck Neun, um uns an den immerzu offenen Buffets zu bedienen. Zumeist herrscht hier nach den Ausflügen reichlicher Andrang, auch bei den Sitzgelegenheiten. „Ist do noch etwos frei“, da wusste ich, es handelt sich um Kärntner. Als nächstes kam die Frage, von woher in Kärnten man kommt. Als ich meinen Geburtsort Ferndorf nannte, erwiderte der Mann, auch er sei in Ferndorf geboren. Seine Eltern sind aber nach der Geburt von Ferndorf nach Heiligenblut am Großglockner gezogen. Meinerseits sind wir mit einer Familie in Heiligenblut durch eine Heirat verwandt und genau aus dieser Verwandtschaft stammte er. Meine Kenntnisse über die dortigen Verwandten beschränkten sich darauf, dass es sie gibt. Wir wussten über den jeweils anderen nichts, noch sind wir uns in unseren Leben jemals begegnet. Bei einer Kreuzfahrt im westlichen Mittelmeer, unter etwa dreitausend Passagieren, haben wir uns zufällig kennengelernt.

Für viele zählt das Abendessen in einem der Bordrestaurant zu den Höhepunkten einer Schiffsreise. Es besteht die Möglichkeit sich bei der Buchung für ein bestimmtes Restaurant und dort für einen Vierer-, Sechser- oder Achtertisch zu entscheiden. Man kann auch zwischen einer frühen oder späten Tischzeit wählen. Bei Erstellung des Sitzplanes werden diese Wünsche berücksichtigt. Das Erste Abendessen an Bord gleicht trotz alldem einem Lotteriespiel, alles ist an Tischnachbarn möglich. In der täglichen Bordzeitung wird eine Kleiderempfehlung für das Dinner abgegeben, von leger bis elegant. Auf einem Kreuzfahrtschiff mit dreitausend Passagieren bekommt man allerhand an Bekleidung zu sehen. Bei Abendkleidung, erscheinen einige in ganz gewöhnlichen T-Shirt, kurzen Hosen und Joggingschuhen. Die jüngere Generation nimmt es bei der Abendkleidung nicht so genau, es dominiert die legerere Variante. Zumeist spielt dabei auch die Mentalität und die Nationalität eine Rolle. Der elegante und festliche Charakter, wie man es in der Fernsehserie Traumschiff sieht, spielt hier nicht.

Lissabon

in:opatija II

Der Blick fällt auf das Meer und den gezackten Küstenverlauf von Istrien, vorgelagert  die Insel Cres. Ab und zu quert ein Kreuzfahrtschiff  den Horizont, dort wo sich das Meer mit dem Himmel vermählt. Meinem Küstenbeobachtungsposten nähert sich ein Ausflugsschiff auf dem Weg von Lovran nach Volosko. Das Wasser wird durch die Schiffsschrauben aufgewirbelt und flacht je näher es zur Küste kommt wieder ab. Das Meer beruhigt sich, bestehen bleiben die spiegelnde Sonne auf der Wasseroberfläche und ein paar Bojen. Die Stille ist zerbrechlich, wird unterbrochen durch einen Handy Klingelton, das Geklapper eines Kinderfahrrads, einem schlurfenden  Rollstuhl, am Steuer ein Herr mit Sonnenbrille. Großgewachsene Männer, mit und ohne Bart, am Kopf Kappen oder Hüte, die einen in bodenlangen Mäntel, die anderen in hellgrünem oder orangen T-Shirt.

Für Momente durchqueren Touristen meinen Blick, mit Hund und Handy, Kindern und Kinderwagen, Rucksäcken und Elchmützen am Kopf. Sprachfetzen in Italienisch, Kroatisch und Deutsch schwirren an mein Ohr. Die Kinder laufen, hüpfen und springen, andere werden getragen oder geschoben. Die Frauen spazieren mit einem Hund im Arm, in der Größe von der Undine, einer gut gewachsenen Katze, vorbei. Die Kosmetikerin im Haus besitzt einen kleinen Hund.

Von einem Felsvorsprung, zwischen Opatija und Icici, blicke ich auf Rijeka. Im entfernten Rijeka liegen zwei Frachtschiffe auf Mole und warten darauf gelöscht zu werden. Der Reiz von Rijeka entfaltet sich nachts, wenn die Straßenlaternen mit ihrem eigelbem Licht die Bucht und den Berg hinauf, ausleuchten. Der ganze Küstenstreifen ist in gelbes Licht getaucht. Die Sonnenstrahlen wandern nach Westen, die Intensität lässt nach, ich wechsle die Bank. Stolpernd eilen die Menschen zurück in den Ort, zu Cafe und Kuchen. Der Unterschied zwischen den Umlandgemeinden und dem Zentrum wird auch im Preis vom Cappuccino deutlich. Im Cafe Arche in Ika und  im Cafe Kontiki in Volosko gibt es ihn um acht Kunar, beim Cafe Wagner in Opatija  kostet derselbe Cappuccino zwanzig Kunar. Der Unterschied liegt in der geografischen Lage, nicht in der Qualität.

Abenteuer Kontiki

in:opatija I

Beim Blick aus dem Hotelfenster im sechsten Stockwerk  zeigt sich eine Landschaft, wie für ein Bühnenbild zu einem Piratenstück. Diese Kulisse dient im Mittelmeerraum  auch als Rückwand von Krippen. Am Fuße des Hotels liegt der alte Fischerhafen von Opatija, kleine Segel- und Ruderboote. Die Schiffe, eingemottet mit einer Plane, schaukeln auf dem Wasser, längs des Kais stehen drei Ausflugschiffe. In der Zeit von Weihnachten bis zum Dreikönigstag hoffen sie auf das Geschäft mit den Touristen, den Weihnachtsurlaubern. Die meisten Sitzplätze der Hafenkneipe befinden sich im Freien, notdürftig durch Plastikplanen vor der Meeresbrise geschützt. Daneben eine Tankstelle für den Treibstoff, Wasser und Strom, sowie ein Shop mit Gebrauchsartikeln. Geht der Blick die Bergseite hoch, reihen sich Villen und Hotels bis in die mittlere Hanglage. Vorgelagert ein Park mit Palmen, Kiefern und exotischen Bäumen, allesamt immergrün. Meine Augen streifen der gegenüberliegenden Insel entlang, auf den schmalen Einlass zu, bis am Ende ein Tor offen bleibt. Ein Fluchtweg in die Welt, der vom Meer immer offen gehalten wird. Von Zeit zu Zeit quert ein Schiff die Passage, wie eine Flaschenpost aus einer fernen Zeit. Es macht nicht halt, gibt nur Kunde von einer fernen Welt. Die Option aus dieser Welt auszubrechen bleibt, aufbrechen in eine gekrümmte, endlose Welt.

Die Schiffe, welche vorüberziehen sind für kurze Zeit sichtbar, so ist auch mein Leben für andere eine kurze Zeit sichtbar. Um dann aus ihrem Gesichtskreis und aus ihrem Horizont zu verschwinden. Keiner weiß wo ich dann sein werde, was ich erlebe.

Das Gesicht von Opatija unterscheidet sich von vielen anderen kroatischen Küstenstädten. Es ist zum Meer viel offener, es musste sich gegen Angreifer niemals verteidigen. Das Zentrum ist nicht die Altstadt sondern der Küstenstreifen, welcher sich wie eine Schlange, wie ein Aal, von Volosko nach Lovran windet. Am Lungomare tummeln sich bei Sonnenschein Spaziergänger, Hundeführer und Kinderwagen. Das Fell der Hunde gibt es in allen Farben, schwarz, weiß, grau, die Hundemäntel in rot, beige und crem.

Aus dem Tagebuch…

reise:abenteuer II

Hätten wir in Mailand den Bahnsteig verlassen, hätten wir ihn im schlimmsten Fall nicht mehr betreten dürfen, weil wir keine gültigen Fahrscheine für diese Strecke hatten. Eine Rarität im italienischen Bahnverkehr ist, dass bei den großen Bahnhöfen bevor man den Bahnsteig betreten kann kontrolliert wird, ob man eine gültige Fahrkarte hat. Damit sollen Schwarzfahrer abgeschreckt werden. Anderseits braucht es in den Fernverkehrszügen eine Platzreservierung, die wir nicht hatten. Zu unserem Glück war der Zug von Mailand nach Savona überfüllt und der Schaffner hat unsere Fahrscheine nur oberflächlich kontrolliert. Einen Teil der Zugstrecke mussten wir am Gang sitzen, dann lichteten sich die Plätze und wir fuhren entspannt Savona entgegen.

Während der Zugfahrt hatten wir ausführlich Zeit uns über unsere Herkunft und die kommende Reise zu unterhalten. Dem jungen Paar konnten wir einige nützliche Tipps zum Einchecken und zum Bordleben  geben. Im Gespräch steckten wir den gemeinsamen lokalen Raum ab, das Beziehungsgeflecht zwischen uns, von dem wir vorher nichts wussten. Der junge Herr hat seine Schulferien bei einer Familie in Arnoldstein verbracht, umgekehrt waren die Kinder dieser Familie bei ihnen in der Steiermark. Da ich vierzig Jahre in Arnoldstein gelebt habe, war ich auf den Familiennamen neugierig. Möglicherweise kenne ich sie, obwohl ich kein Namensgenie bin. An den Namen konnte er sich nicht mehr erinnern. Handy sei Dank, hat er mit seiner Schwester telefoniert, die mit der Arnoldsteinerfamilie  immer noch sporadisch Kontakt hat und nach dem Namen gefragt. Es war eine Familie aus dem Ort, deren Tochter in meiner Papierhandlung eine Lehre absolviert hat. Mit dieser hat er als Kind im Sandkasten gespielt. So schloss sich der Bogen. Am Bahnhof  in Savona bestiegen wir gemeinsam ein Taxi, welches uns zum Schiff brachte.

Heimathafen