KOPF: schranken

In einem Freundeskreis,  in der Verwandtschaft  hat man mit den Jahren seinen Platz eingenommen, jeder spielt seine  Rolle, ob als Unterhalter, als Zuhörer, als Fragender oder als Besserwisser. Es ist egal welches Fest oder Feier sich abspielt, ob dies der Besuch eines  Vortrages, eines  Konzertes oder des Kirchtag ist. Genauso verhält es sich bei einem gemeinsamen Ausflug oder einer Grillfeier. Da ist es eine Überraschung, wenn während der Fahrt zu einem Aussichtspunkt  eine Mitfahrerin ihren Redefluss unterbricht und fragt, ob man dazu etwas sagen möchte. Man ist geschockt, weil man sich in der Rolle des Zuhörers bequem gemacht hat und jetzt soll man plötzlich etwas sagen. Gleichzeitig wird man dabei ertappt, dass man den Ausführungen nur halb zugehört hat und nicht konkret weis, um was es in der letzten Viertelstunde gegangen ist. Ist man schnell im Kopf, ist es möglich aus den Schlagwörtern eine Geschichte zu konstruieren. Keine Antwort hat man auf das Argument, „das früher alles besser war“. Der einzige Ausweg,  die  geistigen Schranken im Kopf niederreisen.

Der weite Horizont.

FASSADEN:farbe

Die hohen Energiepreise und eine Förderung durch staatliche Stellen veranlassen viele Eigenheimbesitzer  eine Wärmeisolierung mit Styroporplatten durchzuführen. Firmen, welche Wärmedämmungen anbieten, erleben einen Auftragsboom. Auch bei den Kirchen wird angedacht, die Fassaden mit einer Wärmeisolierung zu versehen. Hier versucht man die Kosten mit Hilfe von Benefizkonzerten und freiwilligen Spenden zu decken. Der aktuelle Trend bei den Fassadenfarbe ist grau, von hellgrau bis dunkelgrau, dazu Fassadenflächen in dunkelrot. So geschieht es, dass die markanten Häuser im Ortszentrum sich in graue Häuser verwandeln. Hat man früher vom grauen Haus gesprochen, hat man damit die Vollzugsanstalt gemeint und die graue Zelle war eine Anhaltezelle. Vorbei scheint die Zeit zu sein, wo man die Fassaden in kräftigen Farbtönen, wie orange, blau, rot oder grün gestrichen hat, die ein farbenprächtigen Ortsbild geschaffen haben. Die Besitzer haben Farbe bekannt, Signale gesetzt und sich nicht hinter grauen Mauern gesetzt.

Alte Bauernhäuser büßen ihre Ausstrahlung ein, wenn man im Zuge von Energiesparmassnahmen die Steinmauern mit Styroporplatten ummantelt. Dort hat jeder Stein seine Geschichte, von jedem geht eine Kraft aus. In die Steinmauern haben sich die Gespräche, die Freuden, die Sorgen der Leute eingefräst.

Graue Zellen.

PLATZ:karte

Um eine Veranstaltung zu besuchen braucht es eine Eintrittskarte, dabei stellt sich die Frage, welchen Platz soll man nehmen. Sind die Plätze nummeriert, dann ist mit dem Kartenkauf die Entscheidung gefallen und nicht mehr veränderbar. Meistens möchte man, kommt man den Saal, den Platz noch tauschen. Schwieriger ist es bei der freien Platzwahl. Jeder hat seine Vorlieben. Manche sitzen gerne vorne bei der Bühne, andere lieber in der Mitte, auf der rechten Seite, andere links. Oft will man den Platz noch einmal wechseln, weil sich die Sichtverhältnisse durch neu hinzukommende Besucher verändert haben. Bei mir ist es schon vorgekommen, dass ich den Platz zwei- bis dreimal gewechselt habe, bis die Partnerin sich geweigert hat, noch einmal hin- und herzuwandern. Ausdauer zeige ich auch, wenn es um den Bezug eines Hotelzimmers geht, in den seltenen Fällen gefällt mir das zugewiesene Zimmer. Ein Zweites anzuschauen gehört zum Alltag. Es gibt auch Situationen, dass kein anderes Zimmer frei ist, dann hat das Zugeteilte zu passen. Leichter ist es im Parkcafé, dort weis ich, wo ich in Ruhe die Zeitung lesen und meine Notizen schreiben kann und dabei trotzdem die Menschen beobachten.

Zur schönen Aussicht.

CAFE:kultur

Die Wiener sprechen gerne von einer Kaffeehauskultur. Gemeint ist damit in Ruhe einen Kaffee zu trinken, eine Tageszeitung zu lesen oder sich mit Freunden zu unterhalten. Der Ober begrüßt einen mit dem Namen und man bekommt seinen Kaffee serviert. In Wien gibt es einige Kaffeehausinstitutionen wie das Café Sacher, das Café Landmann und das Café Hawelka. Das Café Sacher ist eine touristische Institution und gehört zu Wien wie der Stephansdom. Dort herrscht ein Besucheransturm und mit der Gemütlichkeit ist es vorbei. Legende ist das Café Hawelka, wo viele Künstler, Schriftsteller, Maler und Schauspieler seit seinem Bestehen verkehren. Die Einrichtung, die Wände und die Decke, alles ist in schwarz gehaltenen. Dort werden sich die zum Schwarzsehen geneigten Künstler wohlfühlen. Gerne erwähnt wird, dass sich viele Wiener Literaten in die Caféhäuser zurückziehen und dort ihre Texte schreiben. Vieles, das beim Wiener Kaffeehaus angepriesen wird ist nostalgieverhaftet und wird nicht von allen geschätzt. Die Jugend hat es lieber modern gestylt, mit einer Videoleinwand und lautstarker Musik.

Im Café Mitsche, im Stadtteil Völkendorf in Villach, wird auf einem Folder auf diese Kaffeehauskultur hingewiesen: „Ob in einem Café zu schreiben, wie es viele berühmte Literaten dieses Landes taten oder zu lesen, beides ist für uns Ausdruck österreichischer Kaffeehauskultur. Deshalb bieten wir in unserem Lokal neben den Tageszeitungen auch Bücher an, um darin zu lesen und zu schmökern. Es ist erlaubt ein Buch mit nach Hause zu nehmen und zu behalten, wenn man im Gegenzug ein Buch dem Café zur Verfügung stellt.“ Für Völkendorf ist dies ein Novum. Es ist zu wünschen, dass sich die Bücher austauschen und mancher Besucher außer zu der Tageszeitung auch zu einem Buch greifen wird. Vielleicht gibt es den einen oder anderen Villacher Literaten, der hier seine Gedanken zu Papier bringt.

Lesekultur.