GE:duld

Es gibt verschiedene Formen der Ungeduld, jeder hat seine Schwachstellen. Mancher wird ungeduldig, wenn es im Supermarkt  der Kunde vor ihm nicht schafft die Waren rasch genug vom Förderband zu klauben oder beim Bezahlen nach dem Kleingeld sucht. Ältere Menschen bezahlen an der Supermarktkassa die Rechnung selten mit Münzen. Meistens bezahlen sie den Betrag mit einem Euroschein, weil sie die Ungeduld des Nächsten im Rücken spüren. Von Zeit zu Zeit wechseln die Pensionisten bei einem Bankschalter die vielen kleinen Euromünzen ein. Viele haben es verlernt  zu warten, wenn in einem Geschäft noch persönlich bedient wird. Meistens versuchen sie die Ware selbst zu finden.

Es gibt kaum Menschen, welche die Geduld aufbringen zu warten bis sich die Lifttüren von selbst schließen. Meistens wird die Taste „Schließen“ gedrückt. In einem Gasthof wird oft nicht gewartet bis uns die Bedienung die Speisekarte bringt. Man kann beobachten, dass sich die Gäste die Speisekarte von der Anrichte  holen, um dann von der Wirtin mit einen vorwurfsvollen Blick bestraft zu werden.

Haben sie eine Minute Zeit.

NACKT:scannen

Nachdem es im oberen Gailtal zu mehreren unliebsamen Vorkommnisse wie Einbruchdiebstahl, Sachbeschädigungen und einem Raubüberfall gekommen ist, verlangt ein Großteil der Bevölkerung, das strengere Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der Bevölkerung und des Eigentums ergriffen werden. Einige Gailtaler fordern sogenannte „Bürgerwehren“, wie in den Zeiten der Türkeneinfälle. Dafür stellen sich die Mitglieder der Gesangsvereine und Blasmusikvereine zur Verfügung. Weniger geeignet sind die Mitglieder des Abwehrkämpferbundes, weil davon schon viele im fortgeschrittenen Alter sind. Andere fordern eine Verstärkung der Polizeistreifen, dies würde eine Erhöhung des Personalstandes nötig machen. Da in Zeiten der Wirtschaftskrise auch bei den Sicherheitskräften gespart wird, wurden für die Polizeistationen im Gailtal kein zusätzliches Personal bewilligt. Von Seiten des Bundes ist man bereit für jedes Streifenauto einen zusätzlichen Tank Benzin pro Monat zur Verfügung zu stellen. Dadurch könnte pro Woche eine Streifenfahrt mehr gefahren werden. Nach Bekanntwerden dieser Maßnahme machte sich bei den Bewohnern großer Unmut breit, vielen ist dies zu wenig. In den größeren Orten bildeten sich Bürgerinitiativen, die bei den Bürgermeistern effizientere Maßnahmen einfordern, ansonsten sie zur „Selbstverteidigung“ greifen werden. Dieser Bevölkerungsaufstand brachte den Bezirksvorsteher in Bedrängnis und er kam auf die Idee, sich bei der Verbrechensbekämpfung der modernen elektronischen Mitteln zu bedienen.

Er will alle Fahrzeuge und Insassen, welche in das Gailtal ein- und ausreisen, Nacktscannen. Die große Schwachstelle ist der Gailtalzubringer, eine Autobahnabfahrt. Hier können Diebsbanden aus dem Süden und aus dem Osten unbemerkt einreisen und nach einer Straftat das Gailtal wieder rasch verlassen. Gerade die Räuberbanden bedienen sich der schnellen Verkehrsverbindung. Dem Bezirksvorsteher erscheint es naheliegend, beim sogenannten „Gailtalbogen“, eine Holzkonstruktion die sich über die Autobahnabfahrt spannt, Kameras zum Nacktscannen zu installieren. Damit könnten „dunkle Elemente“, bevor sie im Tal tätig werden, aus dem Verkehr gezogen werden. Das Gailtal könnte sich neben dem Prädikat „Naturbelassenes Alpental“, mit dem Prädikat „Sicherstes Alpental“ schmücken. Mit der Installation der Kameras wird heute begonnen.

KRATZ:baum II

Charly wurde vor einigen Tagen abgeholt. Undine verhält sich unauffällig, ihr ist noch nicht bewusst, dass er nicht kurzzeitig weg ist, sondern für immer. Hört sie aus dem Vorraum ein Geräusch, hebt sie den Kopf und schaut ob Charly auftaucht. Zwischendurch läuft sie vom Fressen weg und macht einen Blick  aus der Küchentür um zu sehen, wo er bleibt. Gehen wir zu sehr von unseren Empfindungen aus, wenn wir überlegen was Tiere fühlen?  Beim Fressen haben sie sich auch in der Streitphase verstanden, jeder hat sich auf sein Futter gestürzt und den anderen in Ruhe gelassen. Nach dem Fressen war die Lage gespannt, Charly hat sich aus der Küche nicht hinausgewagt und ist dort sitzen geblieben, bis er einen Ausbruchversuch gestartet hat. Durch den Vorraum ist er in das Bad gerannt und hat sich hinter der Waschmaschine versteckt. Heute haben wir aus  Lavamünd die Nachricht bekommen, dass Charly gut angekommen, aber noch verschüchtert ist. Es wird nicht lange dauern und er wird mit seiner „Kratzpfote“ verlangen was er will und braucht. In einer Woche wird ein zweiter Beipackzettel nachgeliefert.

Mit Hilfe von Google Earth  haben wir sehen können, wo seine neue Heimat ist. Das Haus liegt mit anderen Häusern, etwas entfernt von einer Landesstraße, inmitten von Wiesen und Felder. In einiger Entfernung ein Wald und noch weiter entfernt die Drau. Diese Umgebung wird Charly vor neue Herausforderungen stellen, es bieten sich aber auch neue Möglichkeiten. Er hat im Sommer den Aufenthalt auf der Loggia geliebt, jetzt kann er in der freien Natur seinem Jagdtrieb freien Lauf lassen.

Großwildjäger. 

 

FINANZ:markt III

Ich habe keine Erfahrung wie weit religiöse Praktiken, Meditation- und Klosterregeln, im Alltag umsetzbar sind. Wir leiden unter unserer Abhängigkeit vom Arbeitsplatz, vom Verdienst, von anderen Menschen, wir sind nicht wirklich frei. Freiheit würde bedeuten nicht anhaften, eine der wichtigen Regeln des Buddhismus. Die Umsetzung dieser Regel würde uns wirklich frei machen, von Besitz, Beruf und Beziehung, dies würde uns Autonomie verschaffen. Yoga- und Zenmeister bieten immer öfter Seminare zur Erlangung von Gelassenheit und für ein neues Denken in Wirtschaftsfragen an.

Exerzitienmeister und Äbte sind heute gefragte Vortragende bei Seminaren für Manager oder die Manager ziehen sich für Besinnungstage in das Kloster zurück. Die Klöster müssen sich wirtschaftlich selbst erhalten und können nicht mehr mit Zuschüssen vom Orden oder vom Bistum rechnen. Die Äbte appellieren für eine Wirtschaft die dem Menschen keinen Schaden zufügt. Ich selbst habe keinen Einblick in die Wirtschaftlichkeit der Klöster. Meine Kontakte beziehen sich darauf, dass ich bei einem Seminarbesuch im Klosterladen eine Flasche Wein oder ein Glas Marmelade aus dem klostereigenen Anbau kaufe. Dabei hatte ich schon den Eindruck, dass der oder die Verkäufer geruhsam und in ausreichender Zahl zur Verfügung standen.

Anders im Verkaufsraum von einem Lebensmittelsupermarkt, dort herrscht in den ersten Vormittagstunden bei den Verkäuferinnen rege Betriebsamkeit, an allen Enden und Ecken werden Waren nachgefüllt. Überall stehen Container mit Ware, welche in die Regale geschlichtet werden. Die Leerkartons und die Plastikverpackungen füllen die Mittelgänge. Die Supermarktangestellten gehören zu den minderbezahlten Arbeitskräften, meistens haben sie nur einen Teilzeitjob. Anders die Patres in den Klöstern, sie arbeiten für Gottes Lohn und für ein kleines Taschengeld. Sie bekommen Unterkunft und Verpflegung gratis. Manche von ihnen betreuen eine Pfarrei in der Umgebung und unterrichten in einer öffentlichen Schule. So bringen sie von auswärts Geld in die Klosterkasse.

Den Bonus der Freiwilligkeit gibt es in der realen Wirtschaft nicht, daher ist das Tempo und das Klima, egal ob Mittel- oder Großbetrieb ein anderes. Etwas vom klösterlichen Miteinander könnten die Betriebe übernehmen. Oft ist es die Konkurrenzsituation unter den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, welche das Betriebsklima verschärfen.

Gewaltfreiheit

FINANZ:markt II

Auf den Wirtschaftsseiten von Zeitungen liest man, wie Staaten zahlungsunfähig werden, wie selbst ernannte Ratingagenturen über die Zukunft, die Zinsen, eines Staates entscheiden. Dazu muss man anmerken, dass von einzelnen Staaten, im Einverständnis mit den Staatsbürgern, enorme Schulden angehäuft wurden. Das Schuldenmachen ist zu einer Selbstverständlichkeit geworden, selbst hat man auch vieles auf Kredit gekauft. Der Staat hat einen Freibrief ausgestellt, alle Wünsche sofort. Den Wohlstand wollen alle sofort haben, warten und sparen, zwei Worte aus dem vorigen Jahrhundert. Hört man sich in der Bekanntschaft und in der Verwandtschaft um, dann leben solche die Schulden haben, fröhlicher und besser als solche, die in alter Tradition sparen. Diese sind aussterbende Artgenossen.

Das Sparen war dafür gedacht, dass man sich eine größere Anschaffung ohne einen Kredit erfüllen kann und bei einem unvorhergesehenem Schicksalschlag, diesen finanziell abfangen kann. Heute bangen die Sparbuchbesitzer um ihr Ruhekissen, obwohl der Staat für die Einlagen haftet. Fröhlicher leben jene, die darauf hoffen, dass durch eine Inflation oder ähnliche finanzielle Ereignisse ein Teil ihrer Schulden abgedeckt wird. Ihnen geht es um den Spass, hier und jetzt.

Fun alle Tage.