AUTO:matismus

Steht man jahrelang im persönlichem Kontakt mit Kunden, so wird es im Laufe der Jahre zur Selbstverständlichkeit, dass man die Kunden begrüßt und verabschiedet, und ein paar Worte an sie richtet. Oft geschieht dies automatisch, ohne viel Nachdenken. Eine der schlimmsten Phrasen der letzten Jahre ist der Satz: „An schean Tog noch“. Er kommt den meisten Menschen gedankenlos über die Lippen und ist in ganz Österreich gebräuchlich. Egal, ob man einen Lebensmittelmarkt, ein Papiergeschäft, eine Bäckerei oder eine Trafik verlässt, nach einem Friseur- oder einem Arztbesuch, überall wird einem dieser Spruch nachgeschleudert. Dabei wird nicht unterschieden, ob jemand eine Glückwunschkarte zum Geburtstag oder ein Trauerbillett gekauft hat. Geht man öfters an der selben Regalbetreuerin im Supermarkt vorbei, dann wird man jedes mal automatisch gegrüßt, ohne das die Verkäuferin aufschaut. Dies ähnelt den Sensoren, die automatisch das Licht einschalten, sobald man an ihnen vorbeigeht.

Was sich hinter der Fassade des „schönen Tages“ verbirgt, zeigt sich in meinem Buch „An schean Tog“.

STÜCK:zahl

Wie schnell man Vertrauen verlieren kann und zu zweifeln beginnt, obwohl man jahrelang darauf vertraut hat zeigte sich, als nach dem Öffnen einer Packung Teebeutel, statt zwölf Teebeutel nur zehn Teebeutel in der Packung waren. Ein Vorfall, der einem Laien, welcher mit dem Verpacken nichts zu tun hat, ein Rätsel aufgibt. Die Folge davon war, dass beim nächsten Einkauf zur Verwunderung der Kassiererin vor ihr die Verpackung geöffnet und die Teebeutel nachgezählt wurden. Des weiteren wurden bei den Kaffee-, den Backpulver- und den Suppenbeutel die Verpackungen beim Kassiervorgang geöffnet und der Inhalt auf Vollständigkeit überprüft. Man wollte es nicht wahrhaben, dass der fehlende Teebeutel ein einmaliges Ereignis war. Um die Kontrollen zu rechtfertigen hat man sie auf andere Dinge ausgedehnt. Es wurde damit begonnen Zucker, Nudeln, Teigwaren und Dosengemüse nachzuwiegen. Ein Disput mit der Kassiererin war vorgegeben.

Beim Reden kommen die Leute zusammen.

ZU:kunft

In diesem Jahr, wo man auf eine Entspannung in der Wirtschaftslage, auf eine Stabilisierung der Währung und einer Besserung am Arbeitsmarkt hofft, klammert sich die mittlere und ältere Generation noch stärker an der Vergangenheit fest. Nicht nur bei Glückwünschen, auch bei einem kurzen Plausch auf der  Straße gibt es beim Verabschieden den Wunsch, dass alles so bleibt wie es ist. Man hofft, dass die Zeiten nicht schlechter werden, dass man von seinem Lebensstandard keine Abstriche machen muss. Der Historiker Philipp Blom meinte: „Die Europäer, die Österreicher, wollen nur Gegenwart, dass alles so bleibt wie es ist, dass es nicht schlechter wird.“ Wer keine Veränderung anstrebt, wer auf Stillstand beharrt, gefährdet den Wohlstand der Gegenwart. Die Zukunft nicht mitzugestalten, sie  abzulehnen, bedeutet sein Leben aus der Hand zu geben.

In der Altstadt von Hallein hat die Zukunft schon begonnen. An die kleinen Räume in den historischen Gebäuden, im Erdgeschoss mit Gewölbedecken, darf man keine hohen Ansprüche stellen. Dort haben sich ein türkischer Gemüseladen, ein anatolischer Backshop, ein Handyparadies und mehrere Kebab Imbisstuben eingemietet. Die großen Handelsketten haben die Innenstadt schon lange verlassen und sich am Stadtrand, an den Einfallstraßen, mit den besseren Parkmöglichkeiten niedergelassen. Geblieben ist im Zentrum das Mädchenpensionat der katholischen Schulschwestern, mit dem Spruch  an der Hausmauer : „Was wir haben, sind Gottes Gaben“. Dieser Spruch weist im Umfeld einer mehrheitlich muslimischen Bevölkerung anarchistische Züge auf. Über die Hälfte der Schulkinder, die das Keltenmuseum besuchen, hat eine andere Hautfarbe. Afrikalok.

HONIG:mund

Nähert sich ein runder Geburtstag, dann zerbricht man sich den Kopf darüber, was man demjenigen oder derjenigen schenken soll. Schwierig wird es, wenn es sich um einen Geburtstag jenseits von sechzig Jahren handelt. Bis Sechzig ist dies meistens kein Problem, da wird noch vieles gebraucht. Niemand macht sich darüber Gedanken, dass es möglich sein könnte, dass derjenige das Geschenk nicht mehr benützen könnte. Für die Vierziger neigt man heute oft dazu eine Reise oder ein Wellnesswochenende zu verschenken. Was man nicht schenken kann ist die Zeit für das Wellnesswochenende. Viele Jahre haben sich Geschenkkörbe mit ausgewählten Lebensmitteln und Getränken großer Beliebtheit erfreut. Inzwischen verzichten viele darauf, weil die Beschenkten in der Auswahl der Lebensmittel wählerisch geworden sind. Ein  Zukunftstrend ist der Geschenkkorb mit biologischen Nahrungsmitteln. Weil man keine Idee hat und auch die Frau keine Wünsche  geäußert hat, will man einer Fünfundachtzigjährigen zum Geburtstag zehn Kilo Honig schenken. Dieses Jahr ist ein sehr ertragreiches Honigjahr und es gibt in der Familie einen Imker. Eine Möglichkeit ist, bei runden Geburtstagen auf persönliche Geschenke zu verzichten und um eine Spende für eine caritative oder humane Vereinigung zu bitten.

Überrascht zeigt man sich, wenn man eine Einladung zum siebzigsten Geburtstag bekommt, um dann erstaunt auszurufen:  „So alt ist sie oder er schon“. Dabei ist man selbst nur mehr einige Jahre davon entfernt. In der Kindheit war ein Siebzigjähriger ein alter Mann, den man im Altersheim besucht hat. Jetzt soll man mit siebzig noch die Jugend gepachtet haben und stimmen die Aussagen der Politiker und der Soziologen, wird kein Jahrzehnt vergehen und wir müssen bis siebzig Jahre arbeiten.

Honig um den Mund streichen.

BANK:schalter

In diesen wirtschaftlich turbulenten Zeiten, wo der Staat Unsummen zur Stützung der Banken bereitstellt, ist der einzelne Staatsbürger verunsichert, wie es um die Stabilität des Euro bestellt ist. Die Frage ist, bleibt es bei der Bürgschaft oder wird der Staat diese Summen den maroden Banken und Ländern zahlen müssen, ist dann die Stabilität der Währung noch gesichert? Die Verluste im Budget können nur durch neue Steuern ausgeglichen werden. Damit verbunden wären geringes Wirtschaftswachstum, Verlust von Arbeitsplätzen, Preissteigerungen und Inflation. Schnell kann das Geld an Wert verlieren, obwohl wir unsere Hoffnungen auf das Geld setzen. Die wiederkehrenden Zahlungen werden heute per Dauerauftrag überwiesen, trotzdem herrscht in der Weltsparwoche und zum Monatsende bei den Bankschaltern ein erhöhtes Kundenaufkommen.

Davon sind ein Großteil Pensionisten, die Auskunft verlangen, wie viel auf ihrem Pensionskonto ist und sich einen Teil des Guthaben auszahlen lassen. Ein älterer Herr, der sich in den letzten Jahren wegen einer Herzerkrankung hat schonen müssen, betritt den Kassenraum. Das Auto hat er vor der Bank unordentlich eingeparkt, seine Bewegungen sind unkontrolliert und die Gesichtsfarbe bläulich. Bei der Bankangestellten erkundigt er sich nach seinem Kontostand und will etwas beheben. Plötzlich ringt er nach Luft, versucht sich etwas in den Mund zu sprühen und stürzt zu Boden. Die Angestellten bemühen sich um ihn, der Notarzt wird verständigt. Jemand sagt: „Er hat keinen Puls mehr“. Das Notarztteam versucht hinter einem Paravent den Pensionisten wiederzubeleben. An den Kassenschaltern wird der Betrieb weitergeführt, Geld einzahlen und beheben. Vom Rettungsauto angelockt, strömen immer mehr Leute in die Bank, mit dem Gefühl, überlebt zu haben. Nach einer Stunde stellt der Notarzt die Wiederbelebungsversuche ein und erklärt den Pensionisten für tot. Der Tote wird abgedeckt und von der Bestattung abgeholt.

Geldentwertung.