zer:kratzt

Können Menschen und Haustiere Gemeinsamkeiten entwickeln und sich gegenseitig unterstützen? Es gab Berichte im Fernsehen, da wurden Tiere bei der Betreuung von alten Menschen und bei bestimmten Krankheiten in der Therapie eingesetzt. Selbst hat man schon das wohltuende Schnurren einer Katze gespürt, das feine Fell gestreichelt und man wurde, wenn man die Wohnungstüre geöffnet hat, freudig begrüßt. Gleich darauf kam die Forderung nach dem Fressen. Die Anschmiegsamkeit der Hauskatzen lässt uns manchmal vergessen, dass sie in ihren Instinkten immer noch Wildkatzen sind und keine Stofftiere. Charly und Undine, sie sind Geschwister vom selben Wurf, waren über Jahre ein Herz und eine Seele, sie haben sich gegenseitig geputzt und miteinander gespielt. Als in der Nachbarschaft eine Katze zugezogen ist, und sie räumlich keine Möglichkeit hatten diese zu vertreiben, haben sie sich gegeneinander die Wohnung streitig gemacht. Mit Verfolgungsjagden und Raufereien. Die Stellen, wo sie aneinander geraten sind, waren übersät mit Haarbüscheln. Gegenseitig angefaucht, dass einem dabei Angst geworden ist.  Wie sich Schmeichelkatzen in Raubtiere verwandeln können, habe ich erlebt, als ich den Charly auf dem Arm nahm und ihn versuchte, vorbei an der Undine, in ein anderes Zimmer zu tragen. Die Undine hat sich auf mich gestürzt, ist an mir hochgesprungen, hat mit ihren Krallen Spuren am Oberschenkel hinterlassen, sich in der Folge in meinen Fuß verbissen und diesen nicht mehr losgelassen, bis ich Charly fallen gelassen habe. So hat der Vorfall mit einigen Kratzwunden und Bissen geendet.

Wären dies zwei Hunde gewesen, dann wäre der Vorfall bestimmt nicht so glimpflich abgelaufen und ich hätte verarztet werden müssen. Bei Hunden besteht die Gefahr, dass sie mit ihrem scharfen Gebiss den Menschen schwere Fleischwunden zufügen können.

Politzner Kampfkatzen.

GE:duld

Es gibt verschiedene Formen der Ungeduld, jeder hat seine Schwachstellen. Mancher wird ungeduldig, wenn es im Supermarkt  der Kunde vor ihm nicht schafft die Waren rasch genug vom Förderband zu klauben oder beim Bezahlen nach dem Kleingeld sucht. Ältere Menschen bezahlen an der Supermarktkassa die Rechnung selten mit Münzen. Meistens bezahlen sie den Betrag mit einem Euroschein, weil sie die Ungeduld des Nächsten im Rücken spüren. Von Zeit zu Zeit wechseln die Pensionisten bei einem Bankschalter die vielen kleinen Euromünzen ein. Viele haben es verlernt  zu warten, wenn in einem Geschäft noch persönlich bedient wird. Meistens versuchen sie die Ware selbst zu finden.

Es gibt kaum Menschen, welche die Geduld aufbringen zu warten bis sich die Lifttüren von selbst schließen. Meistens wird die Taste „Schließen“ gedrückt. In einem Gasthof wird oft nicht gewartet bis uns die Bedienung die Speisekarte bringt. Man kann beobachten, dass sich die Gäste die Speisekarte von der Anrichte  holen, um dann von der Wirtin mit einen vorwurfsvollen Blick bestraft zu werden.

Haben sie eine Minute Zeit.

NACKT:scannen

Nachdem es im oberen Gailtal zu mehreren unliebsamen Vorkommnisse wie Einbruchdiebstahl, Sachbeschädigungen und einem Raubüberfall gekommen ist, verlangt ein Großteil der Bevölkerung, das strengere Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der Bevölkerung und des Eigentums ergriffen werden. Einige Gailtaler fordern sogenannte „Bürgerwehren“, wie in den Zeiten der Türkeneinfälle. Dafür stellen sich die Mitglieder der Gesangsvereine und Blasmusikvereine zur Verfügung. Weniger geeignet sind die Mitglieder des Abwehrkämpferbundes, weil davon schon viele im fortgeschrittenen Alter sind. Andere fordern eine Verstärkung der Polizeistreifen, dies würde eine Erhöhung des Personalstandes nötig machen. Da in Zeiten der Wirtschaftskrise auch bei den Sicherheitskräften gespart wird, wurden für die Polizeistationen im Gailtal kein zusätzliches Personal bewilligt. Von Seiten des Bundes ist man bereit für jedes Streifenauto einen zusätzlichen Tank Benzin pro Monat zur Verfügung zu stellen. Dadurch könnte pro Woche eine Streifenfahrt mehr gefahren werden. Nach Bekanntwerden dieser Maßnahme machte sich bei den Bewohnern großer Unmut breit, vielen ist dies zu wenig. In den größeren Orten bildeten sich Bürgerinitiativen, die bei den Bürgermeistern effizientere Maßnahmen einfordern, ansonsten sie zur „Selbstverteidigung“ greifen werden. Dieser Bevölkerungsaufstand brachte den Bezirksvorsteher in Bedrängnis und er kam auf die Idee, sich bei der Verbrechensbekämpfung der modernen elektronischen Mitteln zu bedienen.

Er will alle Fahrzeuge und Insassen, welche in das Gailtal ein- und ausreisen, Nacktscannen. Die große Schwachstelle ist der Gailtalzubringer, eine Autobahnabfahrt. Hier können Diebsbanden aus dem Süden und aus dem Osten unbemerkt einreisen und nach einer Straftat das Gailtal wieder rasch verlassen. Gerade die Räuberbanden bedienen sich der schnellen Verkehrsverbindung. Dem Bezirksvorsteher erscheint es naheliegend, beim sogenannten „Gailtalbogen“, eine Holzkonstruktion die sich über die Autobahnabfahrt spannt, Kameras zum Nacktscannen zu installieren. Damit könnten „dunkle Elemente“, bevor sie im Tal tätig werden, aus dem Verkehr gezogen werden. Das Gailtal könnte sich neben dem Prädikat „Naturbelassenes Alpental“, mit dem Prädikat „Sicherstes Alpental“ schmücken. Mit der Installation der Kameras wird heute begonnen.

KRATZ:baum II

Charly wurde vor einigen Tagen abgeholt. Undine verhält sich unauffällig, ihr ist noch nicht bewusst, dass er nicht kurzzeitig weg ist, sondern für immer. Hört sie aus dem Vorraum ein Geräusch, hebt sie den Kopf und schaut ob Charly auftaucht. Zwischendurch läuft sie vom Fressen weg und macht einen Blick  aus der Küchentür um zu sehen, wo er bleibt. Gehen wir zu sehr von unseren Empfindungen aus, wenn wir überlegen was Tiere fühlen?  Beim Fressen haben sie sich auch in der Streitphase verstanden, jeder hat sich auf sein Futter gestürzt und den anderen in Ruhe gelassen. Nach dem Fressen war die Lage gespannt, Charly hat sich aus der Küche nicht hinausgewagt und ist dort sitzen geblieben, bis er einen Ausbruchversuch gestartet hat. Durch den Vorraum ist er in das Bad gerannt und hat sich hinter der Waschmaschine versteckt. Heute haben wir aus  Lavamünd die Nachricht bekommen, dass Charly gut angekommen, aber noch verschüchtert ist. Es wird nicht lange dauern und er wird mit seiner „Kratzpfote“ verlangen was er will und braucht. In einer Woche wird ein zweiter Beipackzettel nachgeliefert.

Mit Hilfe von Google Earth  haben wir sehen können, wo seine neue Heimat ist. Das Haus liegt mit anderen Häusern, etwas entfernt von einer Landesstraße, inmitten von Wiesen und Felder. In einiger Entfernung ein Wald und noch weiter entfernt die Drau. Diese Umgebung wird Charly vor neue Herausforderungen stellen, es bieten sich aber auch neue Möglichkeiten. Er hat im Sommer den Aufenthalt auf der Loggia geliebt, jetzt kann er in der freien Natur seinem Jagdtrieb freien Lauf lassen.

Großwildjäger.