Über schlagloch

Er hat es sich zur Aufgabe gemacht mehrmals die Woche eine kleine Studie zu verfassen und teilt dies per Weblog „schlagloch“ einer stetig wachsenden Internetgemeinde mit. Einzelne Leser treten auf der Internetplattform mit ihm auch in eine Diskussion über das Geschriebene ein. Vom Deutschen Literaturarchiv Marbach werden ausgewählte Online-Publikationen, so auch das Blog „schlagloch“ auf der Plattform Literatur-im-Netz langzeitarchiviert. Einige „Schlaglöcher„ hat er materialisiert und zu Büchern gemacht: Zeitenwandel (2009); Die Beobachtungen (2011); Bruchstellen (2015).

schul:noten

Für zig-tausende Schüler, allein in Kärnten, nähert sich der letzte Schultag. An diesem Wochenende gibt es wie jedes Jahr ein Zeugnis. Den Kindern ist die Erwartung auf das Zeugnis in das Gesicht geschrieben. Diejenigen, welche mit einem positiven Abschluss rechnen sind aufgeweckter und zu einem Schabernack bereit. Kaum hält der Schülerbus stürmt eine Horde quer über die Straße in Richtung Schule. Die Schüler sind um einiges adretter und festlicher gekleidet, als an gewöhnlichen Schultagen. Das eine Mädchen oder Bub, meistens von den unteren Schulstufen hat einen Blumenstrauß oder ein liebevoll verpacktes Geschenk in den Händen. Sie sind in ihren Bewegungen vorsichtiger, um die Aufmerksamkeit für die Lehrerin oder den Lehrer nicht zu beschädigen. Manche dürften im Innersten aufgeregt und etwas eingetrübt sein, denn die Erwartungen von den Eltern auf ein gutes Zeugnis haben in den letzten Jahrzehnten zugenommen.

Der Wunsch nach guten Noten war bei meinen Eltern vorhanden, aber bei Mittelmäßigen war kein Feuer am Dach. Für mich ist es heute schwer nachvollziehbar, ob ich der Zeugnisverteilung entgegen gefiebert habe? Hatten die Zeugnisnoten für mich eine besondere Bedeutung? In der Volksschulzeit haben die Noten keine prägende Erinnerung hinterlassen. Ein Stolperstein wäre gewesen, wenn ich eine Klasse hätte wiederholen müssen, da wären die Eltern verärgert gewesen. Im Gymnasium wurde mir bewusst was die Schulnoten bedeuten, mein Augenmerk lag darauf, das Klassenziel zu erreichen. Auch bei einem Nichtgenügend gab es keine Alarmstimmung, nur die Aufforderung mehr zu lernen und die Zuversicht, das nächste Mal läuft es besser.

Pause

bade:strand

Zwischen den sonnenhungrigen Schifahrern und den Badegästen lässt sich die eine und andere Verbindung herstellen. In den großen Skizentren, auf alpinen 2500 Meter, verpflanzt man gegen Ende der Skisaison etwas vom Mittelmeer Feeling. Auf den Sonnenterassen werden in 2500 Meter Höhe Palmen platziert, nachts über werden sie hinter einer Glasschiebefenster in Sicherheit gebracht. Die Touris holen sich die erste Bräune beim Schifahren. Das Outfit ist dem am Badestrand ähnlich, Bikinis oder Badehosen. An den Füßen Ski Schuhe statt Badelatschen. Ein Freizeitzwitterwesen, Sommertyp und Wintertyp. Es ist heute schwer einen Menschen rein äußerlich sozial zuzuordnen.

Die Badeorte entlang der Halbinsel von Istrien haben gegenüber den Badeorten an der Oberen Adria den Nachteil, an den Stränden in Istrien fehlt der Sand. Zumeist ist das Ufer mit Steinen gesegnet. Der Sand wird künstlich aufgeschüttet. Im Frühjahr wird mit Lkw Sand aus Österreich an den Strand in Portoroz und in Opatija gekarrt. Ein wenig erinnert dies an die künstliche Beschneiung in den Alpen, wenn es keinen natürlichen Schnee gibt. Wer den Transport von Sand an den Meeresstrand als Anarchismus empfindet, erinnere sich an eine der letzten Modeschauen von Lagerfeld. Für die Präsentation seiner Bademode hat er in einer Hotelanlage in Paris eine künstliche Uferlandschaft angelegt. Sandstrand und Wellen schlagen an das Ufer. Nach seinem Tod hat man für die neue Winterkollektion ein Alpendorf im Winter nach Paris verpflanzt.

Kunstschnee

strand:promenade

An der Strandpromenade von Portoroz reiht sich ein Kiosk, vollgestopft mit Getränken, Eis, Toast und Sandwichs, an den Anderen. Bei der Namensgebung herrscht viel Kreativität, die Art der Bezahlung kann zugleich der Name der Bar sein, Master Card. In Slowenien gibt es eine starke Tendenz zur Benützung der Bankomatkarte. Dies trifft auch am Strand zu, beim Kauf einer Tüte Eis.

Wie kann ein Strandgastronom noch mehr Aufmerksamkeit erzielen? Bei den hohen Temperaturen fackelt der Badegast nicht lange herum und steuert den nächsten Kiosk an. Er hat es eilig um sich ein Eis oder ein gekühltes Getränk einzuverleiben. Durch eine eigenwillige Deko kann man auf sich aufmerksam machen. Die Idylle von Sonne, Sand und Meer mit dem Gegenteil zu konfrontieren. An der Uferpromenade stecken in einer Sandkiste ein paar ausrangierte Elan Skier und zwei Snowboardbretter. Vielen Einheimischen dürften diese Utensilien unbekannt sein, im Umkreis von Portoroz gibt es keine Schipisten. Ich beobachte, dass die Wintersportgeräte für die Badegäste ein beliebtes Fotomotiv sind. Bei den sommerlichen Temperaturen lässt man sich in der Badehose oder im Bikini und mit den Schiern ablichten.

Mehrere Burschen liegen auf einer leeren Holzplattform mit gegrätschten Beinen und ausgebreiteten Armen. Zwischen den Beinen ein Schild, nicht berühren. Die Kreuzigungsstellung erregt auch bei Nichtchristen Anstoß.

Nitsch

ruhe:stand II

Nach ein paar Monaten trüben für manche die Tage in der Pension ein. Nach dem ersten Nachholbedarf an häuslichen Tätigkeiten kommt die Frage, was kommt jetzt? Es kann ein fataler Fehler sein, dass man zu sehr im Beruf aufgegangen ist und keinerlei Hobby zugelassen hat. So stellt sich eine große Sehnsucht nach dem Arbeitsalltag ein, am liebsten würde man morgen an die Arbeitsstelle zurückkehren oder den eigenen Betrieb wieder aufsperren. Dann bleibt nur noch das Raunzen oder der Weg zum Pensionisten Stammtisch im MC-Café. Bei einem Cappuccino über die Unfähigkeit der Politiker zu schimpfen.

Nach Jahren kann der Pensionisten Alltag unerwartet einen Plan bekommen. Es braucht einen Terminkalender, an welchem Tag, um welche Uhrzeit, eine Tablette einzunehmen ist. Im Hubertuskalender werden die täglichen Blutdruckwerte eingetragen. Der Terminkalender ist plötzlich ganz aktuell. Er zeigt den nächsten Termin für die Rückengymnastik, den Besuch beim Augen- und Hautarzt an. Im nahen Therapiezentrum hat man zehn Inhalationen und Massagen gebucht. Bei späteren Generationen wird das Smartphone diese Erinnerungsfunktionen übernehmen.

Alle vierzehn Tage wird der Hausarzt aufgesucht, um sich die notwendigen Medikamente verschreiben zu lassen. Zwei Drittel der Apothekenkunden sind ältere Personen. Dazwischen erledigt man die Besuche beim Bandagisten und bei der Fußpflege. Wer im Ruhestand noch mobil ist, schafft diese Notwendigkeiten in einem angemessenen Zeitraum. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, für den wird der Arztbesuch zu einem Tagespensum. Man hat gehofft, in der Bezirksstadt braucht es kein eigenes Auto, dann fehlt es an idealen Busverbindungen. Samstag und Sonntags muss man Einbußen bei den Fahrmöglichkeiten hinnehmen.

Morgengymnastik