Über schlagloch

Er hat es sich zur Aufgabe gemacht mehrmals die Woche eine kleine Studie zu verfassen und teilt dies per Weblog „schlagloch“ einer stetig wachsenden Internetgemeinde mit. Einzelne Leser treten auf der Internetplattform mit ihm auch in eine Diskussion über das Geschriebene ein. Vom Deutschen Literaturarchiv Marbach werden ausgewählte Online-Publikationen, so auch das Blog „schlagloch“ auf der Plattform Literatur-im-Netz langzeitarchiviert. Einige „Schlaglöcher„ hat er materialisiert und zu Büchern gemacht: Zeitenwandel (2009); Die Beobachtungen (2011); Bruchstellen (2015).

kur:hotel II

Ist man im Therapiealltag angekommen stellt sich bald die Situation, wie verhält man sich im täglichen Umgang gegenüber den Anderen? Wer grüßt wen und wird überhaupt gegrüßt? Es erleichtert den Tagesbeginn, wenn man morgens von den ersten zehn Menschen denen man begegnet, mit einem freundlichen Guten Morgen begrüßt wird. Ein freundliches Lächeln, auch wenn man ansonsten im Speisesaal keinen Kontakt hat. Ich habe den Eindruck, dass manches Mal beim Grüßen auf gebrechliche und alte Leute vergessen wird. Gerade diese wissen einen liebevollen Gruß zu schätzen. Die Mühen, welche ihnen die wenigen Therapien bei denen sie mitmachen können bereiten, erkennt man an ihren angespannten Gesichtszügen. In vielen Fällen brauchen sie Krücken oder einen Rollator als Gehhilfe.

Mehrere Tischgespräche fokussieren sich auf die Fortschritte in der Medizin. Jeder hofft auf das eine und andere Wundermittel, welches seine Beschwerden heilen wird. Kaum jemand bilanziert positiv, dass er mit dem Zustand zufrieden ist, wo er gerade körperlich steht. Man spekuliert darüber, es könnte im nächsten Jahrzehnt für eine breite Masse der Bevölkerung möglich sein, die Hunderter Marke zu knacken. Es gilt die nächsten Hungerjahre gesundheitlich durchzustehen und man wird bei den jungen Hunderter dabei sein. Ob dieses medizinische Versprechen eingelöst wird, möglich könnte es sein? Von Seiten der Mediziner gab es in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert immer wieder Heilversprechen, diese und jene Beschwerden werden in zehn oder zwanzig Jahren geheilt werden. Erkrankungen wie Grippe, Lungenentzündung und verschiedene Krebserkrankungen werden durch Impfungen ausgerottet. Trotzdem sterben in Europa bis heute viele Menschen an eben diesen Beschwerden. Dabei sind die Heilungschancen in anderen Erdteilen im Erkrankungsfall um vieles geringer. Bei uns kommt es durch die längere Lebenserwartung zu neuen Krankheitsbildern, wie Demenz, Parkinson oder das vermehrte Auftreten von Schlaganfällen und Herzinfarkt.

Sollten wir im nächsten Jahrzehnt die Hunderter Marke knacken müsste sich im Arbeitsleben, im Freizeitbereich wie auch bei den sozialen und gemeinschaftlichen Abläufen vieles ändern. Wo finden Menschen ab siebzig ihren Platz, in eigenen Stadtteilen? Wer darf bei den Aktiven bleiben und wer bekommt eine Schonhaltung in einem Sonderlebenszentrum. Der Umgang mit älteren Mitmenschen müsste ein Pflichtfach in der Schule werden.

Kältekammer

kur:hotel

Es gleicht einem Lotteriespiel kommt man sonntags im Kurhotel an und wird abends vom Saal Chef einem Tisch zugeteilt. Diesen Tisch benützt man beim Frühstück, Mittag- und Abendessen, es gibt keine freie Platzwahl. Bei einem Kuraufenthalt sind zwischen den Tischnachbarn die körperlichen Beschwerden ein beliebtes Gesprächsthema. Wie man sich mit den Tischgenossen verträgt, spielt auch für den Kurerfolg eine Rolle. Dabei findet beim ersten gemeinsamen Abendessen ein Machtkampf mit Wörtern statt, wer am Tisch den Ton angibt? Umgangssprachlich, wer am Tisch das Sagen hat, ist es der Besserwisser, die Temperamentvolle, die Gebildete oder dominiert der Unverschämte. In den Kurhotels hat man den Eindruck, dass die Sitzplätze, wie die Zimmer, nach dem Zeitpunkt des Eintreffen vergeben werden. Es wird kein Gedanke dafür verwendet, wie die Geschlechts und Altersmäßige Zusammensetzung am runden Tisch ist. Ehepaare, diese sind bei den Kassenkuren zumeist in der Minderzahl, erhalten vorweg einen Einzeltisch. Genauso wie die Lage und Ausstattung der Zimmer trägt die gute Tischnachbarschaft etwas zum Wohlbefinden bei. Von vornherein muss man annehmen, dass die Patienten der Gebietskrankenkasse nicht mit den besten Zimmern verwöhnt werden. Wirtschaftlich ist dies verständlich, da zwischen Versicherungsträgern und den Kurheimen Preisabsprachen herrschen. Wer vorbeugen will, kann sich drei bis vier Wochen vor Kurantritt mit Sonderwünschen an das Kurhotel wenden und wird auch gesondert zur Kasse gebeten.

Viel Platz nimmt bei der Garderobe der Bademantel und die Badetücher ein. Man freut sich darüber, wenn das Kurhotel für die Dauer des Aufenthaltes Bademantel, Badetuch und Badetasche kostenlos zur Verfügung stellt. Es ergibt ein schönes Bild im Therapiebereich, wenn die Patienten in einheitlichen Bademänteln und -taschen erscheinen. Es gibt ungenierte Leute, welche mit Plastiksackerln von verschiedenen Supermarktketten durch die Therapielandschaft ziehen.

Unterwassergymnastik

reise:stress II

Für die männliche Seite gibt es in manchen Partnerschaften insofern eine Erleichterung, dass die bessere Hälfte das Einpacken der Garderobe übernimmt. Zumindest eine Vorauswahl trifft. Mitunter zermartere ich mir bei Nebensächlichkeiten, welche Urlaubslektüre und wieviel Notizhefte soll ich einpacken, den Kopf. Aus Erfahrung weiß ich, kommt man wegen Belanglosigkeiten im Alltag  nicht zum Lesen, so setzt sich dies beim Reisen fort. Zum einem will ich mich den Unterhaltungsmöglichkeiten im Urlaubsort nicht verschließen und das Spa- und Fitnessprogramm soll auch nicht zu kurz kommen. Danach bleibt vom sogenannten Urlaubstag nicht viel übrig. Bei einem prallen Tages Programm verlangt der Körper, mehr noch der Geist, abends ein sanftes Ruhekissen.

Beim Einpacken der Reisegarderobe stelle ich fest, es mir schwer fällt die passende Kleidung zu finden. Dies hat einen einfachen Grund, zuhause bin ich mit der vorhandenen Garderobe zufrieden, aber bei einem genauen in Augenscheinnehmen stelle ich fest, ich habe nichts zum Anziehen. Vieles finde ich für den täglichen Gebrauch in der heimatlichen Umgebung passend, aber für den Urlaub zu wenig praktisch und schön. Am Reiseziel werde ich von den anderen Gästen mit unbekannten Augen betrachtet. Die Absicht ist nicht nur den Körper zu relaxen, sondern ein neues Bild abzugeben, mich von einer besseren Seite zu präsentieren. Wie weit kann ich die Neugierde von fremden Menschen wecken? Die beste Zeit und Gelegenheit dafür ist der kommende Urlaub. Im Urlaub geht es auch darum sein Selbstbewusstsein zu regenerieren. Ein Faktor ist eine elegante oder topmodische Kleidung. Auf der Panoramaterasse ein Buch zu lesen zieht ein gewisses Augenmerk auf sich, wo die halbe Menschheit sich als Wischer am Smartphone oder Tabletts outet. Anarchie zeichnet den Buchleser aus, erreicht aber nicht die gleiche Aufmerksamkeit wie eine ausgefallene Kleidung.

Buchstapel

reise:stress

Wichtige Argumente um Urlaub zu machen sind: Man hat zu viel gearbeitet, die Beschäftigung macht keine Freude mehr, vom Vorarbeiter wird man für mangelnden Fleiß gerügt  oder man stöhnt unter der Verantwortung,die einem im Erwerbsleben aufgebürdet wird. Solche Zustände gibt es in allen Berufen, im Handel, in der Erzeugung, bei der Verwaltung, im Schuldienst oder beim Paketdienst. Es ist an der Zeit auszuspannen, wenn der Körper mit einem unruhigen Schlaf, Appetitlosigkeit, mit Beschwerden wie Sodbrennen und Kopfschmerzen, reagiert. Meistens sinkt die Laune gegenüber den Kollegen, gegen die Familienangehörigen, auf einen Tiefpunkt. Überlastung im Beruf beschädigt auch das Familienleben. In den schlimmsten Fällen führt dies zu einem Nervenzusammenbruch, heute sagt man Burnout und trägt diese Diagnose mit Stolz. Gerade so, wie man bei einer Familienfeier das neue Hemd oder die neue Bluse zur Schau stellt.

In solchen Lebenslagen gibt es den gut gemeinten Rat, Urlaub zu machen. Bei manchen Personen wird diese Regel auf den Kopf gestellt. Bei ihnen beginnt der Stress mit den Urlaubsvorbereitungen, am Tag X vor dem Urlaub. Wenn es heißt, die Utensilien für den Urlaub einzupacken, vornehmlich die Garderobe. Eine Rolle spielt dabei auch die Jahreszeit, für den Sommerurlaub die Garderobe zusammenzustellen ist einfacher, als für die Übergangszeit wie Frühling und Herbst. Man weiß nicht, wie beständig das Wetter sein wird, werden die Temperaturen schon oder noch angenehm sein? Schwieriger wird es beim Verreisen im Winter, bei einem Aufenthalt in Zentraleuropa. Es braucht wärmere Kleidung, die viel Volumen hat. Dabei spielt es eine Rolle, mit welchem Verkehrsmittel verreist man. Muss für einen vierzehntägigen Aufenthalt alles in zwei Reisekoffern Platz haben oder steht ein Pkw zur Verfügung? Dort kann man hineinstopfen, bis der Kofferraum und die Hintersitze voll mit Reise Utensilien sind.

Ladefläche