Über schlagloch

Er hat es sich zur Aufgabe gemacht mehrmals die Woche eine kleine Studie zu verfassen und teilt dies per Weblog „schlagloch“ einer stetig wachsenden Internetgemeinde mit. Einzelne Leser treten auf der Internetplattform mit ihm auch in eine Diskussion über das Geschriebene ein. Vom Deutschen Literaturarchiv Marbach werden ausgewählte Online-Publikationen, so auch das Blog „schlagloch“ auf der Plattform Literatur-im-Netz langzeitarchiviert. Einige „Schlaglöcher„ hat er materialisiert und zu Büchern gemacht: Zeitenwandel (2009); Die Beobachtungen (2011); Bruchstellen (2015).

echter:anfänger

Wo liegt der Unterschied zwischen Anfänger und Echter Anfänger? Was ein Anfänger ist, ist für mich klar und dürfte auch für andere verständlich sein. Über den Status eines Echten Anfängers herrscht bei mir Unklarheit.  Bin ich, wenn ich ohne Vorkenntnisse einen Kochkurs oder einen Englischkurs besuche ein Anfänger oder ein Echter Anfänger. Besuche ich einen Kochkurs würde ich mich als Echten Anfänger einstufen. Ich kann mir eine Tasse Kaffee oder Tee zubereiten und weis was ein Becher, ein Teller und ein Löffel ist. Bin ich deshalb kein Echter Anfänger mehr, sondern nur mehr Anfänger? Eine paradoxe Situation.

Diese erlebte ich, als ich mich zu einem Englisch Sprachkurs an der Volkshochschule anmeldete, der für Echte Anfänger ausgeschrieben war. Wie die Teacher ausführte, wird eine Unterscheidung zwischen Anfänger und Echte Anfänger getroffen. Die meisten können ein wenig Englisch aus der Schulzeit, den Medien und viele englische Fremdwörter sind in der deutschen Sprache integriert. Im Übrigen liegen die Wurzeln der englischen Sprache im Germanischen, wie die Teacher immer wieder betonte, speziell im Niederdeutschen. Also gab es aus ihrer Sicht keine Echten Anfänger, maximal Anfänger. Sie wird ihre Ausführungen ab sofort in Englisch halten. Wir würden so mehr und schneller lernen, uns auch an die Aussprache gewöhnen. Folgsam, wie Menschen ab einem bestimmten Alter sein können, gab es keinerlei Widerspruch. Bei der überwiegenden Anzahl der Anwesenden veränderte sich der Gesichtsausdruck immer mehr ins Unverständliche. Die Teacher war in ihrem Wortschwall nicht zu stoppen bis ich einwarf, ob sie mit uns spricht und plötzlich hellten sich bei allen Kursteilnehmern die Gesichter auf.

Den ultimativen Satz lernte ich in der dritten Kurseinheit: I am hungry. Ein Überlebenssatz den ich beim Heimkommen sofort meiner Frau gegenüber anwenden konnte. Der zweite Satz den ich öfters brauchte war: Excusmea i am leater. Entschuldigung, ich bin zu spät. Als ich einmal zu früh dran war, war ich sprachlos

schlaf:störung

Vieles in der Umgebung des Menschen lässt kaum noch einen tiefen Schlaf zu. Der digitale Mensch geht mit Schlaftötern in das Bett. Da werden im Schlafzimmer noch einmal die Emails gecheckt, auf Facebook gepostet und das Smartphone liegt griffbereit auf dem Nachtkästchen. Für den Beruf könnte eine Interaktion notwendig werden. Selbst wenn es nicht klingelt, könnte es klingeln, wie soll man dabei entspannt einschlafen. In den Familien gibt es kaum fernsehfreie Schlafzimmer. Ich brauche eine Übergangsphase, von einem Fernsehbericht oder einer Veranstaltung, um gut zu schlafen.

Jeder, welcher mit Schlafstörungen kämpft hat sein Rezept, Tabletten ausgenommen, wie er diese Zeit überbrückt. Die einen beginnen in einem Buch zu lesen, beten eine Litanei oder zählen die berühmten Schafe. Manche fangen an zu stricken oder lösen ein Kreuzworträtsel. Zumeist ist es möglich den Fernseher vom Bett aus einzuschalten und sich in das Nachtprogramm einzuklicken. Andere stehen auf, aktivieren den Computer und spielen Roulette oder Rommy. Dabei lesen sie auf den Nachrichtenportalen die neuesten Meldungen, die zumeist schlechter Natur sind und erst recht keinen Schlaf zulassen werden. Vieles ist möglich, manche Rentner benützen um Mitternacht den PC um die Tageszeitung vom nächsten Tag durchzublättern und darin zuerst die Rubrik mit den Todesanzeigen zu lesen. Nach der Prämisse, kann ich die Todesanzeigen lesen, dann gehöre ich noch zu den Lebenden. Unter den Verstorbenen befinden sich Personen,  welche man  aus dem Arbeitsleben, aus der Nachbarschaft, aus der gemeinsamen Schulzeit gekannt hat. Ob die Gewohnheit nachts die Todesanzeigen des nächsten Tages zu lesen schlaffördernd ist, kommt auf die einzelne Person an? Möglicherweise lässt es sich besser weiterschlafen, wenn man für die Verstorbene auf der Webseite eine digitale Kerze angezündet hat. Ein Spruch lautet, der Schlaf ist der kleine Bruder des Todes.

Schlaf, Kindlein schlafe.

schlaf:mittel

Am Beginn des Lebens kommt es zu einer Sozialisierung des Schlafverhaltens und zum Ende hin zur Auflösung. Unter Rentnerehepaaren gibt es vielerorts anstatt eines Morgengrußes die Frage: „Wie hast du heute Nacht geschlafen“? Wie der Lebenswille und der ganze Körper mit dem Alter zerbrechlicher wird, so geschieht es auch mit der Nachtruhe. Schon ein bedeutungsloses Missverständnis mit dem Nachbarn, unter Freundinnen oder mit dem Enkel können den Schlaf während der Nacht empfindlich stören. Steht am nächsten Tag ein Arztbesuch, der Antritt einer Reise oder die Vorsprache bei einer Behörde bevor, dann findet man keinen erholsamen Schlaf. Die Notbremse ist der Griff zu einem Schlafmittel oder Beruhigungsmittel. Die Schlafmittel gehören laut Statistik zu den am meisten verschriebenen Arzneimitteln. Stimmen die Berichte in den Zeitungen kommt es vor, dass in Alters- und Pflegeheimen den Bewohnern zur Prophylaxe abends ein Schlafmittel verabreicht wird. Das Pflegepersonal will nachts seine Ruhe haben. Wie diese Praxis entschärft werden kann, vermag ich nicht zu sagen. Bestimmt ist es von Heimbewohner zu Heimbewohner individuell, welche Mittel man zur Schlafhygiene einsetzen soll. Wie wäre es abends vor dem Einschlafen mit gemeinsamen Singen? Kräuterpfarrer Weidinger hat in einem Vortrag gesagt, wenn er nicht einschlafen kann oder nachts wach wird, dann betet er den Rosenkranz und der Liebe Gott schickt ihm den Schlaf. Eine Auszeit die wir alle brauchen.

Nicht harmonisch verläuft der Schlaf kommt es zu Alpträumen. Dahinter verbergen sich oft Probleme der momentanen Lebenssituation oder unverdaute Lebensereignisse, die schwer im Magen oder auf der Seele liegen. Bei mir kam in den ersten Ruhestandsjahren ein Traum in verschiedenen Ausformungen immer wieder vor: Ich habe den Zeitpunkt für den Antritt der Pension versäumt und trotz Ruhestand weiter im Geschäft gearbeitet. Alles musste ich doppelt versteuern. Ein anderer Traum: Rund um das Wohnhaus wurden Bauarbeiten an der Straße durchgeführt und dabei der Zugang blockiert. Abwasserkanäle funktionieren nicht und Neue wurden überdimensioniert verlegt. Ein großer Bach rauscht durch den Keller und ist stellenweise im Boden vom Erdgeschoss sichtbar.

Abwasserkanal

apollo:11 II

Die Mondlandung ist ein Beispiel für die Aufbruchstimmung der sechziger und siebziger Jahre. Ich war jung und glaubte aus vollem Herzen an die technischen Möglichkeiten, welche sich durch die Raumfahrt auftaten. Als achtzehnjähriger genoss ich die Zeitlosigkeit und dachte keinen Deut darüber nach, was morgen sein könnte. Heute spekulieren achtzehnjährige darüber, wie es nach der Matura weitergehen wird, ob sie einen Studienplatz ergattern werden und ob es danach für sie einen Job geben wird?

Die Suche nach einer Antwort, ob das Leben vor 2,5 oder 3,5 Milliarden Jahre auf der Erde entstanden ist, scheint auf den ersten Blick unerheblich. Niemand kann sich unter der Zeit von einer Milliarde Jahre etwas vorstellen. Die Frage nach dem Ursprung des Lebens streift an der Spekulation darüber, gibt es einen Schöpfer, Gott im biblischen Sinne, an? Einen Urschöpfer der alles erschaffen hat? Mit den Ermittlungen nach dem Ursprung des Lebens beschäftigen sich seit jeher die Philosophie, Astronomie und Biologie. Gibt es die Möglichkeit, dass Leben von einem anderen Planeten auf die Erde gekommen ist und existiert dieser Planet noch?

Unterhält man sich über ein Ereignis zwischen unterschiedlichen Generationen ist es gut, wenn man hinzufügt von welchem Jahrzehnt man spricht. So kann man das Erzählte leichter einordnen, sonst verliert man sich in der Zeit. Zu schnell glaubt man, das jüngere Gegenüber muss wissen, von welchem Jahrzehnt man spricht. Bei dem Tempo, wie sich heute die Menschen fortbewegen, miteinander sprechen, verschiedene Dinge gleichzeitig tun und dabei Meldungen aus allen Teilen der Welt in Echtzeit konsumieren, existiert für viele Jugendliche keine Zeit vor der Jahrtausendwende. Es klingt nicht nur verschimmelt, sondern vermittelt ein rückständiges Zeitbild, wenn man sagt, im vorigen Jahrhundert. Diese Aussage drückt allen über Fünfzigjährigen den Stempel des ewig gestrigen auf.

Zeitplaner