Über schlagloch

Er hat es sich zur Aufgabe gemacht mehrmals die Woche eine kleine Studie zu verfassen und teilt dies per Weblog „schlagloch“ einer stetig wachsenden Internetgemeinde mit. Einzelne Leser treten auf der Internetplattform mit ihm auch in eine Diskussion über das Geschriebene ein. Vom Deutschen Literaturarchiv Marbach werden ausgewählte Online-Publikationen, so auch das Blog „schlagloch“ auf der Plattform Literatur-im-Netz langzeitarchiviert. Einige „Schlaglöcher„ hat er materialisiert und zu Büchern gemacht: Zeitenwandel (2009); Die Beobachtungen (2011); Bruchstellen (2015).

omikron:handy

Ein vernachlässigter Aspekt sind die menschlichen Kontakte in Pandemiezeiten. Dabei möchte ich auf eine Personengruppe, die alleinlebenden Pensionisten eingehen. Pensionistenclubs, Café- und Sprachkränzchen mussten auf Grund der Kontaktregeln ihre Aktivitäten einstellen. Da gibt es schnell soundso viele Pensionisten in einer Kleinstadt, welche unter Kontaktmangel leiden. Darunter befinden sich welche in einem Alter, wo viele der Bekannten verstorben sind. Bleiben die wenigen Kontaktmöglichkeiten geschlossen, geraten sie noch mehr in das Abseits. Obwohl nicht verordnet betrifft diese Isolation vor allem solche, welche noch alleine zuhause zurechtkommen und nicht in einem Alten- und Pflegeheim müssen. Auch dort ergreift man drastische Maßnahmen, weil man jeden Zufall einer Infektion aus dem Weg gehen will. Teilweise werden die Heimbewohner in den Zimmern eingeschlossen und dort mit den notwendigen Mahlzeiten versorgt. Glücklich wer in der Außenwelt jemanden hat, der ab und zu einen Besuch erhält

Wer sich im fortgeschrittenen Alter über die modischen Dinger, PC, Internet oder WhatsApp geärgert und ablehnend gegenüberstand, wird wahrscheinlich während der Pandemie seine Einstellung geändert haben. Es dürfte ihm bewusst geworden sein, dass der liebe Gott uns zuerst das Digitale Leben ermöglicht hat und dann die Corona Pandemie geschickt hat. Gerade so, als wurde das Handy für die Pandemiebekämpfung erfunden. Eine ähnlich große Rolle wie die Impfung spielt das Smartphone bei der Bewältigung der Pandemie. Beim Umhören gibt es zahlreiche Mutmaßungen warum die Welt mit dieser Pandemie heimgesucht wird. Eine Vermutung habe ich gerade beim Mittagessen erfahren. Gott hat die Pandemie geschickt, damit wir über unseren Umgang mit der Natur, den Lebensmitteln, den Umgang mit den Haustieren nachdenken. Ein göttlicher Warnschuss gegen unseren übermäßigen Verbrauch in fast allen Lebensbereichen. Nichtgläubige und Fake Newsverbreiter sagen, Apple hat zuerst das Smartphone erfunden und jetzt sorgt er damit für eine Verbreitung der Coronaviren.

omikron:toiletten II

Schon in Normalzeiten, wann waren diese, vermeidet die Partnerin, wenn möglich, eine öffentliche Toilette zu benützen. Egal ob Einkaufszentrum, am Bahnhof, im Stadtpark, am Drau Ufer oder auf einem Autobahnparkplatz. Auch ich bin kein Freund öffentlicher Toiletten, wobei wenn notwendig ziehe ich Toiletten in Museen oder Bibliotheken vor. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich die WC- Anlagen in Museen schon in der Gestaltung von anderen öffentlichen WC unterscheiden. Aus dem einen Grund, weil sie in die künstlerische Planung der Museen miteinbezogen wurden. Diese erfreuen sich größerer Reinlichkeit, da die Benützer im Wesentlichen respektierlich mit den Anlagen umgehen. Die adäquate Verwendung der Klosettanlagen in Museen oder Konzerthäusern sagt auch etwas über das Niveau der Besucher aus. Gerade in Pandemiezeiten ist dies ein Vorteil, da wir erkennen welche Bedeutung den Hygienemaßnahmen zukommen. Im Moment sieht es danach aus, dass die Pandemie keine Kurzstreckenläuferin ist, sondern wohl über die Marathondistanz hinaus weiterläuft.

Händewaschen und Desinfizieren habe ich schon erwähnt. Abstand halten in größeren Menschenmengen schließt mit ein, dass Feste und Veranstaltungen kaum stattfinden. Es ist nicht zu verübeln, dass es uns während der Weihnacht- und Silvesterzeit magisch hingezogen hat, einen Stadtbummel zu machen. Uns kindlich darüber gefreut haben im Jänner, auf der Kärntner Straße in Wien oder im Kunsthistorischem Museum, auf unbekannte Gesichter und Menschen zu stoßen. Es hat dem Gemüt gutgetan in sorglose, staunende und unterhaltsame Gesichter zu blicken. Mit Gleichgesinnten den Ausführungen der Führerin durch die Sonderausstellung Tizian im Kunsthistorischem Museum zu folgen. Wie viel Sinnlichkeit die Modelle Tizian ausstrahlen, dabei war dies eine Zeit mit strengen sittlichen Vorgaben. Unter dem Druck der Pandemie getraut man sich derzeit nicht einmal den besten Bekannten die Hand zu reichen. In den jetzigen Pandemiezeiten zieht man gerne Vergleiche, welche Hygienemaßnahmen man in früheren Zeiten bei Pest und Cholera getroffen hat. Sieht man von den heutigen medizinischen Maßnahmen, Medikamente und Impfstoffe ab, die Hygienemaßnahmen waren dieselben: Absonderung sprich Quarantäne der Infizierten, Einsatz von Desinfektionsmitteln wie Kalk und Weihrauch. Wem es finanzielle möglich war, Flucht aus den Städten auf das Land, wo man mit weniger Menschen in Kontakt gekommen ist.

omikron:toiletten

Es gibt Mitmenschen, welche sich bei den alltäglichen Besorgungen schwertun, weil in vielen Bereichen neue Einschränkungen wegen der Omikron Variante verordnet wurden. In meinem Omikronpensionistenuniversum fallen die neuen Einschränkungen auf weichen Boden. Dazu lebe ich in einem Omikronzweipensionistenhaushalt und kenne einige Begebenheiten nur aus den Geschichten, welche mir erzählt werden. Seit dem Beginn der Pandemie vor zwei Jahren hat sich an den wichtigsten Verhaltensregeln, auch in Omikronzeiten, wenig geändert. Die Faustregeln sind, Menschenansammlungen meiden, Abstand zu anderen Menschen halten, FBB2 Masken tragen. Immer wenn sich die Möglichkeit bietet Hände mit Seife waschen und danach Desinfektionsmittel verwenden. Diese Desinfektionsspender gibt es inzwischen an jeder Hausecke, in jedem WC, an allen Eingangstüren zu öffentlichen Gebäuden, beim Ausgang vom Supermarkt genauso wie vor der Kirchentüre. Die Desinfektionsspender haben Nachwuchs bekommen, sie findet man jetzt in öffentlichen Parks, genauso wie auf den Bahnhöfen. Beim Betreten einer Bahnhofsanlage klingt mir gleich die Mahnung der Partnerin im Ohr. Es gibt keine infektiöseren und bakteriell verseuchteren Orte wie die Bahnhöfe. Ihr ist es ein Gräuel am Bahnhof oder im Einkaufszentrum ein Stiegen Geländer zu benützen. Ein Sturz über eine Stiege würde mehr Schaden anrichten, als eine Bakterie mit nach Hause zu nehmen.

Dazu passt ihr Misstrauen, was die Hygiene betrifft, gegenüber den Einkaufswagen in den Supermärkten. In dieser Zeit gibt es Bemühungen die Einkaufswagen zu deklarieren, in desinfizierte und nicht desinfizierte Einkaufswagen. Dabei müssen wir uns als Kunden selbst an der Nase nehmen, weil sich die Wenigsten beim Zurückstellen der Einkaufswagen an diese Vorgaben halten. Kommen wir vom Lebensmitteleinkaufen zurück, so führt uns der erste Weg in das Bad, um die Hände zu waschen. Dafür muss die Hauskatze Sissi auf ihre eingeforderten Streicheleinheiten warten. Es besteht Unsicherheit darüber, ob Menschen die Omikron Viren auf die Haustiere übertragen können? Würde die Hauskatze infiziert, wären wir die Virenüberträger gewesen. Viel ist schon über die Meldepflicht bei Corona geschrieben worden, trotzdem wissen wir bis heute nicht, ob die Infektion eines Haustieres mit Corona gemeldet werden muss. In Österreich ist dies bis jetzt nicht der Fall.

omikron:graz II

Während der Bundesheerzeit in Graz machte ich den Zivilführerschein n den Gruppen A, B, C und andere. Der Fahrschulunterricht erfolgte in der Kaserne, nach Dienstschluss ab 17 Uhr fanden die Fahrstunden statt, in der sprichwörtlichen Hauptverkehrszeit in Graz. Ich war noch nie am Steuer von einem Pkw gesessen und absolvierte von Beginn an mit einem LKW meine Fahrstunden. In den ersten Fahrstunden beschränkte ich mich auf das Lenken des Lkw, Bremsen und Gas geben. Das Kuppeln und Schalten besorgte zu Anfang der Fahrlehrer. Zu dieser Zeit war das Getriebe bei den Lkws nicht synchronisiert, das bedeutete beim Schalten Zwischengas zu geben. Dieser Vorgang ist bei den heutigen Getrieben, auch beim Lkw, völlig unbekannt. Auf dem Jakominiplatz, der große Verkehrsknotenpunkt in Graz, gab es keine Ampelregelung. Hier trafen der Pkw- und Lkw-Verkehr auf die Straßenbahnlinien. Von allen Seiten staute sich der Verkehr, alle wollten den Platz überqueren, einzig geleitet von der Rechtsregel. Den Lkw steuerte ich immer ein Stück vorwärts, gerade so viel ein Stück der Straße frei war.

Eine weitere Herausforderung war die Fahrt durch die schmalen Gassen der Innenstadt. Zumeist war eine Fahrbahnseite verparkt, so war es notwendig mit dem Lkw, mit Blick auf die Fußgänger, den Gehsteig zu benützen. Heimisch wurde ich beim Fahren durch die Innenstadt nachdem ich lernte, den Lkw mit Blick auf die Außenspiegel, zu steuern. Ein unfallsfreies Fahren wäre sonst nicht möglich gewesen. Heute noch profitiere ich beim Fahren auf schmalen Straßen oder beim Einparken, die Kunst, die Außenspiegel mit einzubeziehen.

omikron:graz

Bei unseren südlichen Nachbarn, in Slowenien, gibt es ein besonderes Schlupfloch sich der Impfpflicht zu entziehen. Dort gehen Personen für andere Personen mit deren E-Card zu einer Impfstation. Es hat schon Fälle gegeben, wo sich manche bis zu 10-mal gegen Covid 19 impfen ließen. So ersparen sie Impfverweigerern den Canossagang zur Impfung. In den Impfzentren wird nur die E-Card gescheckt und dazu kein Lichtbildausweis verlangt. Für jede übernommene Impfung gibt es ein Impfhonorar vom Impfverweigerer.

Die Art und Weise sich für andere gegen ein Entgelt impfen zu lassen, erinnert mich an die unliebsamen Bereitschaftsdienste beim Bundesherr zu den Wochenenden. In der Belgier Kaserne in Wetzelsdorf versuchten Grazer und Steirer diesen Bereitschaftsdienst am Wochenende zu tauschen oder ein anderer Rekrut übernahm für sie gegen Bezahlung den Wachdienst. Von Samstag auf Sonntag war es möglich mit einem Freischein außerhalb der Kaserne zu übernachten. Während meiner Bundesheerzeit in der Belgier Kaserne habe ich des Öfteren für andere am Wochenende um ein Entgelt den Wachdienst übernommen. Beim Apell habe ich mich beim Offizier vom Tag mit falschen Namen gemeldet. Dies war möglich, da wir eine Gruppe von etwa dreißig Grundwehrdiener waren, welche in den Schreibstuben des Gruppenkommando II in der Glacis Straße den Dienst versahen. Die Unterkunft, in einem Dachgeschoß der Belgier Kaserne, wurde vom Offizier vom Tag nicht kontrolliert. In den 70er Jahren war es mit öffentlichen Verkehrsmitteln fast unmöglich über das Wochenende nach Hause, nach Ferndorf, zu fahren. Während der neunmonatigen Präsenzdienstzeit bin ich nur einmal in Bundesheeruniform per Autostopp von Graz über die Pack nach Klagenfurt und weiter mit dem Zug nach Ferndorf gefahren. Am Sonntagnachmittag mit dem Zug zurück nach Graz.