Über schlagloch

Er hat es sich zur Aufgabe gemacht mehrmals die Woche eine kleine Studie zu verfassen und teilt dies per Weblog „schlagloch“ einer stetig wachsenden Internetgemeinde mit. Einzelne Leser treten auf der Internetplattform mit ihm auch in eine Diskussion über das Geschriebene ein. Vom Deutschen Literaturarchiv Marbach werden ausgewählte Online-Publikationen, so auch das Blog „schlagloch“ auf der Plattform Literatur-im-Netz langzeitarchiviert. Einige „Schlaglöcher„ hat er materialisiert und zu Büchern gemacht: Zeitenwandel (2009); Die Beobachtungen (2011); Bruchstellen (2015).

corona:foto

Zum Jahresjubiläum des 1. harten Lockdown im Kampf gegen das Coronavirus überlege ich , welche Fotos von der Pandemie sind mir im Gedächtnis geblieben? Zu den ersten Bildern gehören die Berichte aus China und später aus Oberitalien. Überfüllte Notaufnahmen und Intensivstationen in den Spitälern, vermummte Ärzte und Pflegepersonal. Im schlimmsten Fall Bilder von überforderten Bestattungsunternehmen und LKW- Konvois, welche die Särge in benachbarte Regionen zur Beerdigung gebracht haben. Diese Reportagen haben den Boden für den 1. harten Lockdown in Österreich aufbereitet. Dazu die täglichen TV-Auftritte des virologischen Quartetts, alles zum Wohle der Österreicher. Weiters die Bilder von den leeren Fußgängerzonen und geschlossenen Fachgeschäften, auch am Villacher Hauptplatz war es im Frühling 2020 gespenstisch ruhig.

Nach den fröhlichen Urlaubsbildern von den Kärntner Seen gab es im Herbst eine Trendwende. In den Zeitungen und im Fernsehen dominierten die Reportagen von den sogenannten Teststraßen, in denen sich die Menschen einem COVID Test unterzogen. Hierbei sah man, wie sich stark vermummte Personen in blauen Schutzanzügen mit einem Gesichtsvisier, zu einer sitzenden Person hinunterbeugten. Diese Person hat den Mund weit geöffnet und der Sanitäter fährt mit einem Wattestäbchen in den Mund- und Rachenraum. Die moderne Variante ist wie beim Mc Donald eine Auto Driven Teststraße. Der Rotkreuzhelfer beugt sich zum offenen Autofenster und nimmt vom Fahrzeuglenker einen Rachen- oder Nasenabstrich. Der Gesichtsausdruck bei den Klienten ist dabei ganz unterschiedlich, vom schreckhaften bis zum gelösten Ausdruck. Mit geschlossenen Augen, hier muss man durch. Von den Testern nimmt man durch ihre Vermummung kaum etwas von ihrem Gesichtsausdruck wahr. In diesen Wochen erfahren die Testungen einen neuen Höhepunkt, da verschiedene Dienstleistungen nur mit einem negativen Corona Test in Anspruch genommen werden können. Anderseits versucht man durch viele Testungen die Mutationen des Coronavirus in ihrer Verbreitung zu begrenzen.

corona:josefimarkt

Kärnten feiert am 19. März, ein halber Feiertag, seinen Landespatron den Nährvater Josef. Die Behörden und Ämter sind geschlossen, die Kinder haben schulfrei, in manchen Tälern schließen die Banken und Einzelhandelsgeschäfte zu Mittag. Vor einem Jahr sind die Schulen, der Handel und die Gastronomie Corona bedingt für drei Wochen geschlossen und der Josefimarkt in Nötsch wurde abgesagt. Es herrschte frühlinghaftes Wetter, wie es nicht oft der Fall ist. An manchen Jahren hat es nachtsüber geschneit, war bitter kalt oder tagsüber regnerisch.

Wem es gelingt den Tag arbeitsfrei zu bekommen, besuchte den Josefimarkt in Nötsch. Eine kleine Ortschaft am Fuße des Dobratsch, ein verschlafenes Dörfchen würde ein Großstadtbewohner sagen. Der jährliche Josefimarkt verwandelt den Ort für einen Tag in einen großen Bazar. Die Straße entlang, vom Ortsanfang bis zum Ortsende, am Dorfplatz und am Bahnhofsplatz, ein Krämerstandl und Verkaufsbude reiht sich an die Andere. Aus allen Teilen Österreich und aus dem benachbarten Ausland kommen die Markt Fieranten um ihre Waren feilzubieten. Mit einem gesundem Schmäh, den nur altgediente Marktfahrer auf der Zunge haben, locken sie die Besucher an den Verkaufsstand. Es gibt Wundermittel gegen Rheumaschmerzen, gegen Blähungen und Halsweh, Tinkturen die sowohl beim Menschen als auch bei Tieren angewendet werden können. Die Universalküchenmaschine, die alle Gemüse- und Obstabfälle in einen Vitaminsaft verwandelt. Eine Politur für das Auto, bei der sich Lack- und Rostschäden in Luft auflösen. Dazwischen die Verkaufsstände mit robuster Jagd- und Arbeitsbekleidung, dazu das passende Schuhwerk. Socken und Unterwäsche im Fünferpack zu Sonderpreisen. Auf einen Krämermarkt darf Geschirr, egal ob Blech oder Porzellan und eine breite Auswahl an Küchenmesser nicht fehlen. Taschenmesser für den schneidigen Bua, der seinen Feitl immer griffbereit hat. Kein Josefimarkt ohne Würstlstandl. Die Besucher können zu den Frankfurtern, Debreziner, Krainer und haßem Leberkäs zwischen scharfem oder mildem Senf wählen. Von der Festwiese dröhnt die Musik und vom Autodrom schepperst und klescht es.

Zwischen den vielen Buden drängen sich die Besucher, klein und groß, Alt und Jung, jeder will sehen und gesehen werden. Aus den abgelegenen Dörfern und von den einsamen Gehöften des Gailtals zieht es die Bewohner nach Nötsch. Das Gewurle und Gewusel im Ort sehe ich vor meinem Auge und die Rufe der Standler höre ich im Ohr. Blicke ich auf die PC-Tastatur ist die Vision weg und der Gedanke an das Coronavirus ist wieder da. Aus dem Tagebuch….

Corona bedingt wurde der Josefimarkt 2020 und auch für 2021 abgesagt. Ebenso das Polentafest 2020 und dieses Jahr, 2021???

corona:tunnel

Nach einem Jahr Pandemie gibt es auch bei Menschen welche in gesicherten Verhältnissen leben einen Corona Tiefpunkt . Einerseits weil die Termine bei den Impfungen immer wieder verschoben werden, anderseits wegen des angekündigten Lichts am Ende des Tunnels. Welcher Tunnel ist gemeint, der Tauerntunnel mit ca. 6.5 km oder der Arlbergtunnel mit 13,9 km. Nach meinem persönlichen Empfinden führt die Verlängerung der Coronakrise zu Stimmungstiefs. Nicht nur bei Jugendlichen, auch bei älteren Semester. Das Erste was einen Knick bekommt ist der Appetit trotz der weit verbreiteten Meinung, alle Rentner sind gut genährt. In Lockdown Zeiten schränken manche ihre körperlichen Aktivitäten ein und sind auf Schmalspur unterwegs. Da stellt sich das Gefühl ein, bei wenigen Aktivitäten ist man des Essens nicht mehr wert. Mir geht es ähnlich. Glücklicherweise sehe ich im Schreiben der Blogtexte und dem Mitspekulieren in der Pandemiezeit einen Wert. Zu Jahresbeginn habe ich mir vorgenommen, wenn ich die Impfung gegen COVID-19 erhalte, mit den Corona Beiträgen aufzuhören. Zurzeit habe ich noch keinen Impftermin und beende nach einem Jahr, Ende März und neunzig Corona Texten, meine Corona Posts.

Ich will beim Corona Thema wieder einsteigen, wenn meine Impfung gegen COVID-19 bevorsteht. Ich bin erstaunt, wie resistent meine Psyche gegenüber der Ansteckungsgefahr ist. Ich bemühe mich die geforderten Corona Maßnahmen einzuhalten. Anfreunden könnte ich mich mit den gratis Heimtests, welche aber derzeit in keiner Villacher Apotheke erhältlich sind. Zeige ich keinerlei Symptome, dann fühle ich mich ohne Test wohler, als wenn ich dem nächsten Testergebnis entgegenfiebere.

Den ersten Artikel zur Corona Krise habe ich am 17. März 2020 gepostet, siehe unten…

corona:epedemie

corona:klippen

Nicht das Prozedere einer Vorsorgeuntersuchung, Blutabnahme, EGK oder Ergometrie bereitet mir Unbehagen, sondern das Warten auf den Befund. Nicht die Abnahme eines Corona Test schmerzt mich, sondern das Warten auf das Ergebnis. Mit diesem Empfinden bin ich wahrscheinlich nicht der Einzige, zur Vorsorgeuntersuchung kam ich bisher ohne besondere Beschwerden. Im Kopf zu wenig verankert, dass in der Vorsorgeuntersuchung auch die Chance liegt, Krankheiten früh zu erkennen und zu korrigieren. Nicht den Zeitpunkt einer Reparaturmöglichkeit zu versäumen. Dies alles trifft auch auf meine Kopfhaut. Kein Umweg, wie man im ersten Moment meinen möchte. Bei der Versorgung einer Narbe am Kopf, beim Eincremen der Kopfhaut, gab es den Hinweis wie zarte die Kopfhaut ist. Ergänzen kann ich dies, dass meine Partnerin schon des öfter gesagt hat, ich hätte eine Haut wie ein Baby. Ein Rentner mit Baby Haut, bei drei Kindern weiß sie wie sich Baby Haut anfühlt. Die Partnerin hat einen Nachsatz parat, so empfindsam wie die Haut sei auch mein Gemüt. Mit dieser Aussage liegt sie nahe beim Befinden. Obwohl mit zartem Gemüt waren in meinen Lebensjahren einige stürmische und kritische Klippen zu überwinden. An der Baby Haut und dem inneren Wesen hat sich dadurch nicht viel verändert. Es kann schon genügen, jemand befindet ich würde nicht so gesund aussehen und schon fühle ich mich nicht mehr so top fit.

Anders herum macht mich eine Tagebuchnotiz von Charles Darwin in einer Biographie sofort gesund, wenn er an einen Arzt schreibt: „Seit 25 Jahren extreme, krampfartige täglich und nächtliche Blähungen. Gelegentliches Erbrechen, dem Schüttelfrost, hysterisches Weinen und halbe Ohnmachten vorausgehen…usw.“ Charles Darwin muss ein willensstarker Mensch an Leib, Geist und Seele gewesen sein, wenn er trotz dieser körperlichen Gebrechen an seinen biologischen Versuchen, Erkenntnissen und Schlussfolgerungen, Die Entstehung der Arten, unermüdlich geforscht und gearbeitet hat.

corona:trostpflaster

Zu Beginn dieses Jahres sind wir mit Aufforderungen uns gegen Corona impfen zu lassen eingedeckt geworden. Dazu hat es immer geheißen, wir sollen uns anmelden. Teilweise sind Stadträte und Gemeinderäte welche für das Gesundheitswesen zuständig sind vorgeprescht. Diese haben eine Anmeldeplattform abseits der offiziellen online Anmeldeportal auf Facebook unter ihren Follower verbreitet. Ganz locker wurde mit dem Input gespielt, wer sich sofort anmeldet, wird zu den Ersten gehören, welche geimpft werden. Langsam ist durchgesickert, dass es einen Impfplan gibt, eine Reihenfolge nach Risikogruppen, nach Alter, nach Systemrelevant. Plötzlich waren die ersten Impfplattformen nur mehr für Personen über 80 Jahren angedacht. Dabei ist es geblieben, bis ein Trostpflaster eintrudelte, ein Schreiben, dass man vorgemerkt ist. Inzwischen hat der Streit darüber zugenommen wer schuld daran ist, dass die Pharmafirmen nicht die gewünschte Menge den COVID Impfstoff liefern. Das i Tüpfchen beim Hickhack wer beim Impfstoffbestellen in der EU gepatzt hat war die Nachricht der obersten Arzneimittelbehörde, dass der Impfstoff von Astra Zeneca für über 65jährige nicht empfohlen wird. Plötzlich wird er für diese Altersgruppe zugelassen, wobei es jetzt zu einem ungeklärten, tödlichen Vorfall beim Impfen gekommen ist.

Damit ist der Impfplan wie ein Schneehaufen in der Sonne zerronnen. Trotzdem gibt es tägliche Erfolgsmeldungen, wieviel und wo geimpft wird. Zusätzlich die überdrüssige Ankündigung, dass die nächsten vierzehn Tage die Schwierigsten in der Pandemie sein werden und dann werden es die Überübernächsten.