Über schlagloch

Er hat es sich zur Aufgabe gemacht mehrmals die Woche eine kleine Studie zu verfassen und teilt dies per Weblog „schlagloch“ einer stetig wachsenden Internetgemeinde mit. Einzelne Leser treten auf der Internetplattform mit ihm auch in eine Diskussion über das Geschriebene ein. Vom Deutschen Literaturarchiv Marbach werden ausgewählte Online-Publikationen, so auch das Blog „schlagloch“ auf der Plattform Literatur-im-Netz langzeitarchiviert. Einige „Schlaglöcher„ hat er materialisiert und zu Büchern gemacht: Zeitenwandel (2009); Die Beobachtungen (2011); Bruchstellen (2015).

spenden:vorhang

Geht es um die Stabilisierung einzelner Zonen in Afrika, um den Aufbau lokaler Infrastruktur oder Kleingewerbebetrieben, so liest man darüber selten etwas erfreuliches. Wenige Meldungen, dass dies und jenes in den letzten Jahrzehnten erledigt wurden. Muss ich annehmen, dass jenes, was durch die Entwicklungshilfe erreicht wurde, durch bürgerkriegsähnliche Konflikte wieder zerstört wurde?

Wie kreativ manche Spendenaufrufe sind, zeigte sich während einer Messfeier in der Vorweihnachtszeit in Völkendorf. Zwei Ministranten hatten eine Kutte über, ein Ministrant hatte sich in Rock und Bluse gezwängt. In einer Live Aktion bemühte sich ein Mitglied des Pfarrgemeinderates die Messebesucher auf diese missliche Lage hinzuweisen. Dazu stellte sie die drei Ministranten vor und erzählte, die Pfarre verfüge nur über zwei Kutten. Der dritte Ministrant fühle sich in seinem alten Outfit unwohl. Das Unwohlsein konnte man dem Ministranten am Gesicht ablesen. Dies betraf nicht nur sein Gewand, wohl auch die öffentliche Zurschaustellung. Wie auf einem Marktplatz des siebzehnten Jahrhunderts, bei einer menschlichen Abnormität.

Das Mitglied des Pfarrgemeinderates bat um Spenden für den Kauf einer dritten Kutte. Dabei geht es für die Pfarre um einen Betrag von maximal hundert Euro, der im Haushaltsplan kein Problem sein dürfte? Wenn unerschwinglich, genügt dann nicht ein Spendenaufruf, ohne den Jugendlichen vor den Vorhang zu holen?

Bischöfliches Mensalgut

spenden:ok

Die Weihnachtszeit liegt drei Monate zurück, man blickt mit Abstand auf diese Zeit. Wundert sich darüber, bei welchen Aktionen man dabei war. In den letzten Stunden vor dem Heiligen Abend wurde im Fernsehen um Spenden für die Opfer der Hochwasserkatastrophe in Kärnten geworben. Für die Spendenfreudigkeit dürfte es einen Unterschied machen, ob das Geld in unmittelbarer Nachbarschaft eingesetzt wird oder ob ein Projekt in einem fernen Kontinent unterstützt wird. Die Identifizierung mit Landsleuten ist größer, als mit jenen, wenn ein Meer dazwischenliegt. Es kann noch so viel gepredigt werden: Wir sind eine Welt, wir sind alle Brüder und in unseren Adern fließt dasselbe Blut. Wahrscheinlich verpufft der Appell, weil man ihn schon oft gehört hat. Anderseits aus den Nachrichten erfährt, dass in Afrika Kriege zwischen Volksgruppen herrschen und dabei westliche Staaten mitmischen. Die Bescheidene Infrastruktur durch Kampfhandlungen vernichtet wird. Wie viel zerstört Munition um hundert Euro, was kann mit hundert Euro aufgebaut werden?

Seit den letzten zwei bis drei Jahren setzen sich europäische Politiker dafür ein, die Lebensbedingungen in Zentralafrika zu verbessern. Angefeuert durch die Prognose von den zu erwartenden Wirtschaftsflüchtlingen. Bei mir keimt die Frage auf, was ist in den letzten fünfzig Jahren mit den Geldern der Entwicklungshilfe passiert? Warum herrscht in diesen Ländern ein solches wirtschaftliches und soziales Desaster? Hat man bei der missbräuchlichen Verwendung der Transferzahlungen ein Auge zugedrückt? Der eine und andere Potentat vereinnahmte einen Teil der Entwicklungshilfe und garantierte anderseits die Rohstofflieferungen nach Europa. Wo ist die öffentliche Aufsichtspflicht  beim Einsatz der Entwicklungshilfe geblieben? Die Gelder wurden aus den Steuerleistungen zur Verfügung gestellt. Kontrollorgane konnten drei bis fünf Tage in einem luxuriösen Hotel übernachten und haben ein oder zwei Objekte nach Vorschlag des Gastgebers kontrolliert. So hat man den schönen Schein bewahrt.

Misswirtschaft

stuben:rein

In den 60er und 70er Jahren war es selbstverständlich, dass in den Werkstätten, Magazinen und Verkaufslokalen die Lehrlinge für Sauberkeit sorgten. Dabei wurde zwischen männlichen und weiblichen Lehrlingen kein Unterschied gemacht, niemand blieb von den Putzarbeiten verschont. Hatte der Kundenbereich einen Terrazzo Boden, war er im Vergleich zu einem Bretterboden, leichter zu reinigen. In den Firmen gab es zumeist einen Staubsauger. In der Buch- und Papierhandlung am Spittaler Bahnhof war die Verkaufsfläche der kleinere Teil, größer war das Magazin. Als jüngster Lehrling war ich dort tageweise mit dem Auspacken von Waren, dem Aufräumen in den Schubladen und dem Staubwischen in den Stellagen beschäftigt. Das Kellermagazin der Papierhandlung und jenes vom Feinkostgeschäft von nebenan, befanden sich Tür an Tür, unter den Verkaufslokalen. Die Keller waren  von außen über eine Stiege erreichbar. Mit dem Lehrmädchen vom Feinkostgeschäft verabredete ich mich zum gemeinsamen Kelleraufräumen. Dabei gehörte der Verzehr von einem Salzweckerl mit sauren Essiggurken und ein Sunkist Orange dazu.

Das Stubenrein oder hieß es Besenrein während der Bundesheerzeit in der Grazer Belgierkaserne wurde per Befehl angeordnet. Die Unterkünfte wurden vor dem Wochenende geputzt, dazu kam das Stiegenhaus und die Toiletten. Die Holzböden der Zimmer wurden mit einer Stielbürste geschrubbt. Für die meisten Grundwehrdiener war dies eine ungewohnte Tätigkeit. Die Toiletten wurden von Rekruten mit einer Disziplinarstrafe gereinigt. Nur diejenigen durften die Kaserne zum Wochenende verlassen, deren Unterkünfte stubenrein waren. Kontrolliert wurde die Sauberkeit vom Stubenältesten. In Mietverträgen gibt es heute noch den Passus, dass bei Auflösung des Mietvertrages die Wohnung stubenrein beziehungsweise besenrein zu übergeben ist.

Wetzelsdorf

besen:rein

Das Wort besenrein wird für junge Ohren altväterisch klingen. Mich begleitet das Saubermachen und alles was dazugehört seit den Kindertagen am Bauernhof. Manche werden es anzweifeln, auch auf dem Bergbauernhof herrschte in den 60er Jahren eine Art von Sauberkeit. Nicht, wie Städter vielleicht vorsätzlich vermuten, dort versank alles im Schmutz. Als Kinder wurden wir angehalten im Viehstall, während des Melken, den Stallboden mit einem Birkenbesen zu fegen. In den Wintertagen, wenn die Feldarbeit ruhte, stellte der Vater Besen, Rechen und Buckelkörbe für den täglichen Bedarf her. Von Zeit zu Zeit kehrten wir auch auf der Tenne. Vom Frühjahr bis in den Spätherbst sorgten wir  im Hof und auf den Platz vor dem Haus für Sauberkeit. Im Bauernhaus waren wir dafür zuständig, die Laben und die Betonstiege in den ersten Stock, besenrein zu halten. Diese Reinigungsarbeiten waren bei uns Bubensache, Mädchen waren auf dem Hof die Minderheit.

In der Küche, der Mittelpunkt der Familie und dementsprechend groß, wurde täglich aufgekehrt. Hier wurde gekocht, gegessen, Brot gebacken, die Hausaufgaben gemacht, Karten gespielt, Radio gehört und mit Besuchern geplaudert. Der Holzboden wurde einmal in der Woche geschruppt. Im Haus gab es zu jener Zeit kein Fließwasser. Das Wasser wurde dem Brunnen vor dem Haus entnommen und in die Küche getragen. Beim Herd, der mit Holz beheizt wurde, gab es ein Wasserschiff, dort wurde das Wasser erhitzt. Auf der Holztruhe stand immer ein Eimer mit Frischwasser. Für Holz und Wasser sorgten wir Kinder.

In einer Ecke von der Küche stand eine Waschschüssel, für die kleine Körperpflege. Die Waschschüssel wurde durch ein Küchenfenster in die angrenzende Wiese entleert. Das Plumpsklo war an das Haus angebaut, als Klopapier wurden alte Zeitungen verwendet. Nachtsüber stand in jedem Schlafzimmer unter dem Bett ein Nachttopf, welcher von Zeit zu Zeit in den Abfluss von den Dachabwässern geschüttet wurde.

Brunnentrog