Über schlagloch

Er hat es sich zur Aufgabe gemacht mehrmals die Woche eine kleine Studie zu verfassen und teilt dies per Weblog „schlagloch“ einer stetig wachsenden Internetgemeinde mit. Einzelne Leser treten auf der Internetplattform mit ihm auch in eine Diskussion über das Geschriebene ein. Vom Deutschen Literaturarchiv Marbach werden ausgewählte Online-Publikationen, so auch das Blog „schlagloch“ auf der Plattform Literatur-im-Netz langzeitarchiviert. Einige „Schlaglöcher„ hat er materialisiert und zu Büchern gemacht: Zeitenwandel (2009); Die Beobachtungen (2011); Bruchstellen (2015).

spitz:namen II

Meiner damaligen Begeisterung für Raketen und die Eroberung des Weltalls verdanke ich einen weiteren Spitznamen. Zu Anfang der 60er Jahre gab es die ersten Erfolge in der bemannten Raumfahrt. Im Werkunterricht bekamen wir einen Geli – Modellbogen für eine Rakete. Mit viel Akribie haben wir die einzelnen Teile ausgeschnitten, gefalzt und zusammengeklebt. Den Abschluss bildete das Einsetzen eines Geli Piloten und das Einfügen der Klarschichtfolie bei der Pilotenkanzel. Auf Grund der sowjetischen Raumfahrterfolge bekam ich den Spitznamen Sputnik. Ein Spitznamen verkürzt unter Kumpeln manchmal den zu umständlichen Familiennamen. Unter Freunden soll die Verständigung schnell gehen, so wird der Familienname gekürzt. Auch unter Vereinskameraden, bei der Feuerwehr, dem Sport, dem Musik- oder Gesangsverein verwendet man gerne einen Spitznamen. Bei mir war es supi, eine Abkürzung für Supersberger.

Das ein Spitznamen aus der Schulzeit im Berufsleben wiederverwendet wird ist selten. Bei einem Seminar wurden wir vom Seminarleiter in der Vorstellungsrunde aufgefordert, uns mit einem Spitznamen vorzustellen. Ich stellte mich mit supi vor. Schüler, teilweise auch Erwachsene benützten in meiner Zeit als Selbstständiger Papier- und Buchhändler in Arnoldstein die Abkürzung: „Gehen wir zum supi einkaufen“. Ein Teilnehmer sah in der Abkürzung, gehen wir zum supi einkaufen, eine Wertschätzung der Kunden. Die Verwendung der Abkürzung supi deutet darauf hin, dass die Papier- und Buchhandlung eine Institution im Ort gewesen sei. Auf der Webseite meines Nachfolgers bärnd, buch & blatt steht: „Mitte 2011 ging der „Supersberger“ in die verdiente Pension. Nach bestätigten Berichten sagen manche Arnoldsteiner immer noch, gehen wir zum supi einkaufen…  

spitz:namen

Wer hat sich einmal darüber Gedanken gemacht, mit wie vielen Spitznamen er in seinem Leben bedacht wurde und welche Schlüsse man daraus ziehen könnte? Zumeist fällt das Zeitalter der Spitznamen in die Schulzeit, es gab einen besonderen Anlass wodurch man aufgefallen ist. Es kann ein Missgeschick passiert sein, sodass von den Mitschülern ein Spitznamen kreiert wurde, er kann auch eine Ehrenbezeichnung sein. In der Zeit von meinem zehnten bis zum vierzehnten Lebensjahr bekam ich mehrere Spitznamen. Der Ort war der Aufenthalt in einem Internat und dort erlebte ich mit den Mitschülern viel Gemeinsames. Wir trennten uns nach dem Schulunterricht nicht, sondern verbrachten den weiteren Tag gemeinsam. Ein Freizeitvergnügen war das Indianerspielen im Wäldchen hinter dem Fußballplatz. Schon das Herstellen der notwendigen Kriegsgeräte bedeutete einen Mordsspaß. Es brauchte einen Tomahawk, einen Speer, Pfeil und Bogen, sowie zwei Indianerstämme, welche sich feindlich gegenüberstanden. Da wir nicht wussten, wo uns der gegnerische Stamm auflauerte, galt es einen Späher auszuschicken.

Die Aufgabe des Spähers bekam ich, ich konnte gut beobachten und mich lautlos zwischen den Sträuchern fortbewegen. In dieser Rolle bekam ich den Spitznahmen Silberpfeil. Die Leidenschaft für das Indianerspielen ging so weit, dass wir auch bei einer Schneehöhe von einem Meter im Wald auf Kriegspfad waren. Wenn uns die Pförtnerglocke zur Studierstunde rief, waren die Hosen zumeist bis zu den Knien nass.

omikron:silvester II

Unter den Fitnesstrainern im Gymnastikraum gab es eine gedämpfte Unterhaltung, wie lange nach dem vierten Lockdown diesmal der Fitnessbereich offenbleiben wird. Bei den Mitarbeitern im Thermenbereich herrscht eine fragwürdige Stimmung, da es keine Anhaltspunkte gibt wie stabil die Corona Infektionszahlen die nächsten Monate sein werden. Jeder bekommt Bauchweh, wenn er an die letzten zwei Jahre denkt, wo  der Betrieb immer wieder hoch- und heruntergefahren wurde.  Mein Kalkül ist, über Weihnachten und Silvester wird die Regierung beide Augen bei der Corona Entwicklung zudrücken, um so den Menschen die gute Laune während der Weihnachts- und Neujahrsfeiertage nicht zu verderben. Über den Silvester hinaus ein Glücksgefühl zu vermitteln, dass Neue Jahr fängt gut an. Der Countdown zum Jahreswechsel wird wegen der Corona Kalamitäten von 24 Uhr auf 22 Uhr vorverlegt. Uhrzeit hin oder her,  der Silvestertag wird um zwei Stunden verkürzt.

Es könnte sein, dass im Neuen Jahr nicht das Glück und die Gesundheit vor der Tür stehen, sondern wir rutschen zu Silvester geradewegs in die Omikron Variante des Corona Virus. Ob uns davor verschiedene Silvesterbräuche wie Bleigießen, Kartenlegen oder die eine und andere Silvesterrakete retten kann? Ein probates Mittel gegen die neue Corona Variante Omikron könnte der ausgiebige Genuss von Sekt sein.

Prost und allen ein gesundes neues Jahr 2022!

omikron:silvester

Zwei Wochen vor Weihnachten wurden wir von der Bundesregierung aus dem vierten Lock down entlassen. Damit wurde uns Österreichern ein wenig Weihnachtsstimmung geschenkt. Eine vorweihnachtliche Bescherung, die Bundesregierung als Weihnachtsmann. Es gibt Kritiker, ein Viertel der Österreicher, die sehen die Bescherung im negativen Sinn. Fällt mir beim Aufdecken des Frühstücks das Marmeladeglas auf den Fliesenboden und zerbricht, dann denke ich mir,  was für eine Bescherung. Die Frau kann in Rage geraten und ruft, welch schlimme Bescherung. So sehen es die Skeptiker, welche die Maßnahmen der Bundesregierung zur Pandemiebekämpfung für eine böse Bescherung halten. Nach ihrer Einschätzung hätte es andere Strategien zur Pandemiebekämpfung geben können. Wer kann von sich sagen er hätte es genau gewusst, welche Schritte wirklich notwendig gewesen wären, der werfe den ersten Stein. Wobei ich als Laie einen Schritt nicht gesetzt hätte, mehrere Aussagen zu machen, wie: Die Pandemie endet im Sommer, die Gefahr der Corona Infektion ist für Geimpfte vorbei oder es wird keinen vierten Lockdown geben. Wenn es dafür keine fünfundneunzigprozentige Gewissheit gegeben hat, wären mir solche Ankündigen nicht über die Lippen gekommen. Jeder weiß mit welcher Innbrunst die Bevölkerung auf eine solche Ansage wartet. Um den Vorteil zu genießen ein Verkünder guter Nachrichten zu sein, war dies ein böses Spiel mit den Hoffnungen und Erwartungen der einzelnen Menschen.

Als vorweihnachtliches Geschenk wurden die Thermen und Sportstätten in Kärnten wieder geöffnet. Als Besitzer eines Wochenendes Abo der Kärnten Therme und des dazugehörigen Fitnesscenter freute ich mich meine Rückenübungen an den Fitnessgeräten durchführen zu können. Mit einer gewissen Unsicherheit, wie lange bleiben die Freizeitbereiche geöffnet? Ich habe das Gefühl, dass sich mein Schulterbereich in den drei Wochen des Lock down verspannt hat.