Über schlagloch

Er hat es sich zur Aufgabe gemacht mehrmals die Woche eine kleine Studie zu verfassen und teilt dies per Weblog „schlagloch“ einer stetig wachsenden Internetgemeinde mit. Einzelne Leser treten auf der Internetplattform mit ihm auch in eine Diskussion über das Geschriebene ein. Vom Deutschen Literaturarchiv Marbach werden ausgewählte Online-Publikationen, so auch das Blog „schlagloch“ auf der Plattform Literatur-im-Netz langzeitarchiviert. Einige „Schlaglöcher„ hat er materialisiert und zu Büchern gemacht: Zeitenwandel (2009); Die Beobachtungen (2011); Bruchstellen (2015).

13. 04 : 2019

Bahnhof Sacile in Friaul, 7.30 morgens, wir sind mit dem Zug unterwegs nach Nizza. Das Gelände neben den Geleisen schaut fast überall gleich aus, zumeist Gestrüpp und ein Wildwuchs an Pflanzen. Um 4.45 Uhr sind wir in Villach abgefahren. Vor der Abreise der normale Countdown, Wohnung aufräumen, Garderobe einpacken und der Nachbarin die Fütterung der Katze Sissi anvertrauen. Zu sechst, eine Mutter mit drei Töchtern aus München, sitzen wir in einem Abteil. Sie sind auf dem Weg nach Venedig, für drei Tage. Wir tauschen Erfahrungen aus, was in Venedig Besuchens wert ist. Das Umsteigen in Mestre und Mailand hat wunderbar geklappt. Jetzt nähern wir uns im Sinkflug der Küste bei Genua. Uns gegenüber sitzt eine italienische Lehrerin, welche für die Schüler eine Hausaufgabe für die Osterferien vorbereitet: Esercicie per la Avance. Mit meinen Gedanken habe ich mich noch nicht ganz von Kärnten gelöst. Zuletzt über die Archivierung des Hans Haid Nachlasses Gespräche geführt. Auf die Reisegruppe, zu der wir in Nizza dazu stoßen, sind wir schon gespannt. Wir fahren die Meeresküste entlang, um 16.00 Uhr erreichen wir Nizza.

Gemeinsames Abendessen mit den anderen Reiseteilnehmern auf der Dachterrasse des Hotels.

     

Wir sind  auf die Coronakrise fixiert. Wie war es davor, vor einem Jahr? Vor einem Jahr waren wir mit einer Reisegesellschaft in Südfrankreich. Für die nächsten Tage werde ich täglich etwas aus dem Reisetagebuch online stellen…

auf:erstehung

In einer Ausstellung zeigte die Albertina primär nicht das Orgien Mysterien Theater, sondern Hermann Nitsch als Maler. Es waren Leinwände von etwa zwei mal drei Metern, auf denen die Farbe aus Dosen in verschiedenen Farbtönen geschüttet wurde. Danach wohl mit einem Bartwisch, mit den Händen oder mit einem Besen, verteilt. Eine Verbindung zu meinem Kosmos kann ich mit dem Triptychon Auferstehung herstellen. Jede Leinwand hängt auf einer Vorhangstange, wobei in der Mitte ein Ausschnitt für den Hals freigelassen wurde, dort hängt das Malhemd. Bei mir kommt es zur Illusion, als hängt eine Person auf dem Querbalken. Die Leinwände ähneln den Messgewändern eines Priesters, der bei der Wandlung dem Kirchenvolk den Rücken zuwendet, wie es vor der Liturgiereform der Fall war. Beim mystischen Prozess, wenn die profanen Hostien und der Wein, in Fleisch und Blut Jesu Christus transferiert werden. Dieses Bild ist meiner Zeit als Ministrant in den 60er Jahren geschuldet.

Wie schaffte es Nitsch, dass sein sogenanntes Malhemd immer die Farbkleckse zur Schau trägt, die aktuell auf der Leinwand zu sehen sind?  Kleckst er mit den Farben wie Kleinkinder, wenn sie mit Fingermalfarben großflächig auf dem Packpapier arbeiten? Mit dem Goldgelb erzielt er die stärksten Effekte. Vor Jahren war ich völlig aufgelöst, als am Ende der Aufführung vom Leiden und Sterben Christ, bei den Passionsspielen in Kirschschlag, auf der Bühne die Grotte, das leere Grab, in einem goldgelben Licht erstrahlte.

Das Grab ist leer.

Frohe Ostern, verbunden mit herzlichen Segenswünschen!

Vieles hat sich verändert. Jeder trägt einen ganz persönlichen Wunsch für die Zeit „danach“ im Herzen. Ich wünsche Euch Zuversicht und Hoffnung, dass sich dieser Wunsch erfüllt.