Über schlagloch

Er hat es sich zur Aufgabe gemacht mehrmals die Woche eine kleine Studie zu verfassen und teilt dies per Weblog „schlagloch“ einer stetig wachsenden Internetgemeinde mit. Einzelne Leser treten auf der Internetplattform mit ihm auch in eine Diskussion über das Geschriebene ein. Vom Deutschen Literaturarchiv Marbach werden ausgewählte Online-Publikationen, so auch das Blog „schlagloch“ auf der Plattform Literatur-im-Netz langzeitarchiviert. Einige „Schlaglöcher„ hat er materialisiert und zu Büchern gemacht: Zeitenwandel (2009); Die Beobachtungen (2011); Bruchstellen (2015).

mücke:existenz

Bei den Abläufen der physikalischen Naturgesetze sind von Seiten der Menschen keine Manipulationen möglich. Der Kollaps unseres Sonnensystems, damit die Auslöschung unserer Erde, ist eingebettet in die physikalischen Gesetze, welche wir nicht verändern können. Wie kann man sich erklären, dass der gütige Gott, zudem er sich in den letzten Jahrzehnten vom Strafenden gewandelt hat, für sein auserwähltes Volk ein so schreckliches Ende vorgesehen hat? Kann Gott dies so geplant und gewollt haben? In diesem Fall kann man nicht sagen, für den Ablauf des Universums ist der Mensch selbst verantwortlich.

Im religiösen Bereich gibt es eine weitere Grausamkeit. Bei der Wandlung während der Heiligen Messe wird explizit erklärt, die Hostien verwandeln sich in das Fleisch und der Wein in das Blut Christi. So empfangen wir es bei der heiligen Kommunion. Es gibt den Zusatz, die Verwandlung der Hostien und des Wein, in Fleisch und Blut Christi, ist ein Geheimnis unsers Glaubens. Welches Geheimnis, wie lange wird man den Gott der Bibel als Geheimnis aufrechterhalten können? Kommt die Zeit, wo man den Menschen alles erklären wird müssen?

In den Evangelien heißt es vor der Niederkunft Jesus, die Zeit ist gekommen, die Zeit war reif. Dies hat bedeutet, dass der Verstand der Menschen so weit entwickelt war, dass er reif war für einen transzendenten Gott. Für was ist jetzt die Zeit reif, vieles läuft in den letzten Jahrhunderten beschleunigt ab. Die große Unbekannte, der Widerspruch an sich ist, dass es etwas gibt und nicht Nichts. Wird es mir gelingen, dieses Phänomen in den nächsten Jahren zu erklären? Als Ausgangspunkt der Betrachtungen stelle ich eine Mücke in das Zentrum. Die Existenzen auf unserm Planeten Erde ist im Anblick der Milliarden Planeten in unserem Sonnensystem so winzig, wie eine Mücke. Zurzeit ist alles ausgewogen, dass Leben möglich ist. Wer ausschließt, dass sich auf den Milliarden Planeten in den Milliarden Galaxien kein Leben in unserem biologischen Sinn entwickelt hat, greift daneben. Auf manchen Planeten unseres Sonnensystems hat es Leben gegeben, deren Zeit liegt astronomische Zeiten zurück.

journal:ismus II

Die Schriftsetzer fügten die Überschriften noch händisch in den Bleisatz ein und die Metteure gestalteten aus den einzelnen Beiträgen und Fotos eine Zeitungsseite.  Journalisten wissen heute oft nicht, ob die druckfrische Morgenausgabe von den aktuellen Ereignissen überholt sein wird? Die Onlinseiten der Zeitungen erfahren mehr Engagement und Aufmerksamkeit als die Printausgaben. Bei dramatischen Ereignissen verfolge ich die Livetickers am Handy. Heute ist es für jeden Reporter selbstverständlich, dass er seine Beiträge elektronisch in die Druckerei überträgt. Ganze Buchinhalte werden von den Autoren digital an den Verlag übermittelt oder gleich als E-Books veröffentlicht. Diese Abläufe waren in den sechziger und siebziger Jahren nicht vorstellbar.

Ein Wunsch des pensionierten Journalisten ist, genauso wie es möglich ist ein Buch digital zu übertragen oder virtuell ein Museum zu besuchen, dass er sich an jeden beliebigen Ort beamen könnte. Für die Beförderung von Personen wäre keine Infrastruktur mehr nötig, keine Flugzeuge und Flughäfen, keine Autos und Autobahnen. Die Landschaften blieben intakt. Das Leben in den Ballungszentren wäre um vieles ruhiger und beschaulicher. Dies alles hofft er noch zu erleben. Bei den Errungenschaften die der Fortschritt mit sich bringt, gibt es zumeist keine Einwände, man sieht nur die Vorteile. Die Nachteile, wie bei der Auto- und Handygesellschaft, zeigen sich oft erst nach Jahrzehnten. Durch das Beamen könnte es manches Mal sehr unangenehm werden, wenn plötzlich die lieben Verwandten im Wohnzimmer stehen und nach Kaffee und Kuchen verlangen.

Gerhard Zeilinger

journal:ismus

Zum täglichen Ritual eines Lokalreporters gehörte es, das erste Mal mittags, bei den einzelnen Bezirkspolizeikommandos anzurufen, und sich nach Vorkommnissen des Tages zu erkundigen. Dies betrafen Verkehrsunfälle, Brände, Raubüberfälle, Messerstechereien, Einbrüche, alles was unter dem Begriff Delikte aus dem Strafgesetzbuch passte. Die Anrufe erfolgten am Festnetz, auf einem Apparat mit einer Wählscheibe. Jede Tageszeitung versuchte einen Vertrauensmann in der Landespolizeizentrale zu installieren, um bei spektakulären Vorkommnissen als Erster mit Nachrichten versorgt zu werden. War man auf Draht raste man mit dem Auto, zusammen mit dem Fotoreporter los, um an Ort und Stelle zu recherchieren und Fotos zu machen. War es ein einmaliger Tipp, dann gab es einen Exklusivbericht und die Fotos ließen sich am nächsten Tag auch an eine andere Zeitung verkaufen.

Heute gibt es kein lokales Ereignis, welches von den Anwesenden nicht fotografiert und in ein soziales Netzwerk gestellt wird. Damit erübrigt sich ein analoger Telefonanruf bei den Bezirkspolizeikommandos. Auch die Rettungsorganisationen posten noch während ihres Einsatzes Bilder vom Katastrophenort, verlässlich danach. Von ihren Lesern werden die Redaktionen mit Livebildern bombardiert. Das wichtigste journalistische Handwerkzeug in der Lokalberichterstattung ist jetzt, die sozialen Netzwerke zu beobachten. Zumeist wird in der Lokalpolitik etwas nur angedacht, die Renovierung einer Schule, die Verbauung eines Wildbaches, der Ausbau des Heimatmuseums, die Unterstützung der Feuerwehr und schon werden diese Vorhaben den Journalisten publik gemacht. In der Tageszeitung liest man über das Vorhaben als sei es schon in Bau oder kurz vor der Fertigstellung.

arbeits:welt II

Ob es soweit kommen wird, wovon die alten Griechen geschwärmt haben? Nur wer die Zeit hat über das menschliche Dasein zu spekulieren, führt ein wirkliches Leben. Arbeiten war bei der Mittelschicht verpönt. Die Arbeiten erledigten die Sklaven, die Sklavenarbeit von gestern, könnte morgen von den Robotern erledigt werden. Fraglich, ob es das Ziel von eventbegeisterten Menschen ist, über das Dasein und den Sinn des Menschen nachzudenken? Es wäre an der Zeit eine neuen Inhalt für, was bedeutet Menschsein, zu finden. Eine solche Frage erstickt unter der Anhäufung an Gütern und Events.

Die geburtenstarken Jahrgänge, welche die Produktion und das Funktionieren der Infrastruktur durch ihr Pflichtbewusstsein gewährleisten, gehen in den nächsten fünf Jahren in Pension. Könnte es sein, dass plötzlich unsere gewohnte Infrastruktur, die Versorgung mit den Bedarfsartikeln, nicht mehr gegeben ist?  Wird dann die Fungeneration erkennen, dass es Menschen geben muss, die abseits der Events die Versorgung am Laufen halten? Wollen sie es nicht selbst tun, dann werden aus anderen Erdteilen Menschen zuwandern müssen.

Bei einer Panoramafahrt im Dreiländereck, vorbei an Gebirgsseen, durch malerische Dörfer, bis in die Tiefebene von Friaul, wo man das Meer schon riechen konnte, lohnte es sich die wechselnden Landschaften zu betrachten. Zumeist warfen die Teilnehmer nur ab und zu einen Blick nach draußen, die Blicke galten dem Bildschirm vom Smartphone.

Beim Mittagessen bin ich mit einem pensionierten Journalisten in das Gespräch gekommen.  Beide haben wir festgestellt, wie sich die Kommunikation und das Handwerk des Journalisten seit unserer Jugendzeit verändert hat. In den sechziger und siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts hatten die Journalisten die mediale Berichterstattung in ihren Händen, buchstäblich. Wir erinnern uns an die mechanischen Schreibmaschinen und die monströsen Fotoapparate. Am Nachmittag brachten die Redakteure die fertigen Manuskripte stündlich in die Setzerei. Zumeist befanden sich die Redaktionsräume und die Druckerei im selben Gebäude.

Volkszeitung