Über schlagloch

Er hat es sich zur Aufgabe gemacht mehrmals die Woche eine kleine Studie zu verfassen und teilt dies per Weblog „schlagloch“ einer stetig wachsenden Internetgemeinde mit. Einzelne Leser treten auf der Internetplattform mit ihm auch in eine Diskussion über das Geschriebene ein. Vom Deutschen Literaturarchiv Marbach werden ausgewählte Online-Publikationen, so auch das Blog „schlagloch“ auf der Plattform Literatur-im-Netz langzeitarchiviert. Einige „Schlaglöcher„ hat er materialisiert und zu Büchern gemacht: Zeitenwandel (2009); Die Beobachtungen (2011); Bruchstellen (2015).

katzen:klappe II

Will man das Verhalten einer Katze verändern, gibt es einen Kampf auf Biegen und Brechen. Wer hat den längeren Atem, die Katze mit ihrem Gejammer oder der Tierhalter. Zuerst probiert sie es mit einem treuherzigen Blick, dann fordernd und zornig, mit hochgestelltem Schweif und ständigem Miauen. So versucht die Katze das Herz, zumindest die Hand des Katzenbesitzers dazu zu bewegen, die Tür in das Freie einen Spalt zu öffnen. Dabei kann sie genau unterscheiden, welche Person im Haus ihrem Ansinnen, die Tür zu öffnen, bisher entgegen gekommen ist und welche ihr Ansinnen abgelehnt hat. Gibt man dem Liebeswerben der Katze nach, wird sie nie von sich aus die Katzenklappe benützen. Der treuherzige Blick verleitet einen zur Nachsichtigkeit. Man gibt sich schneller einem Katzenblick geschlagen, als dem schmachtenden Blick einer Frau. Bei einer Katze kommt das Gefühl hinzu, sie ist auf unsere Hilfe angewiesen. Dabei verfügen sie, muss es sein muss, über erstaunliche Fähigkeiten und Geschick.

Die automatischen Türen und Tore haben viel mit Bequemlichkeit zu tun, an die man sich schnell gewöhnt. Zuerst hat man die Kosten für ein automatisches Garagentor gescheut mit dem Argument, nach einer Autofahrt tut einem die Bewegung, um das Garagentor zu öffnen gut. Mit den Jahren kommt der eine und andere Gedanke, um wie vieles bequemer wäre es, wenn man im Auto sitzen bleiben könnte. Vor allem, wenn es beim Heimkommen regnet oder schneit. Jetzt bereut man es, die Ausgabe für eine automatische Toranlage gescheut zu haben.

Hilfsbereit

katzen:klappe

Eine Katzenklappe kann in jede Tür oder Fenster eingebaut werden. So kann die Katze nach Belieben rein und raus, ohne dass der Stubentigerbesitzer ständig als Türöffner fungieren muss. Hat die Katze einmal den Garten oder den Balkon für sich entdeckt, dann wird sie dort ihren Freiheitsdrang ausleben. Zumeist entscheidet man sich für ein Modell, bei dem es möglich ist tagsüber den Freigang zu erlauben und nachtsüber zu blockieren. Oftmals kommt es vor, dass diesen Hauszugang nicht nur die eigene Katze benützt, sondern auch fremde Katzen. Vielerorts werden die Katzen bei der Kastration gleich gechippt und der Chip ermöglicht es, dass die Katzenklappe elektronisch nur für die eigene Katze freigeschaltet wird.

Spannend verläuft das Training, damit die Katze die Klappe benützt. Dafür werden vom Hersteller in der Gebrauchsanweisung verschiedene Tricks empfohlen. Man soll die Katzenklappe für einige Tage geöffnet lassen, damit sich die Katze mit dem Gerät anfreundet und sich in den Tunnel traut. Bei jungen Katzen geschieht dies ziemlich rasch, für sie ist es ein Sport rein und raus zu springen, eine tolle Gymnastik. Schwierig wird das Klappentraining, wenn die Katze bisher gewohnt war, die offene Haus- oder Balkontür zu benützen. Der Katzenbesitzer bislang als Türöffner fungierte. In diesem Fall wird sie sich weigern die Klappe zu benützen. Die Katze zeigt kein Verständnis dafür, dass sie auf den gewohnten Komfort verzichten soll. Warum soll sie mit ihrer Schnauze am Plexi anstoßen und die Pfoten hochnehmen, um die Klappe zu öffnen?

Magnetverschluss

baby:boomer II

Bei uns hieß es seinerzeit, wir hatten die letzten Tage sehr viel zu tun oder in den nächsten Wochen müssen wir die Wasserleitung im Abschnitt Seltschach erneuern. Dies war es. Über die vielen Aufträge in der Firma hat man sich gefreut und dabei seine Arbeitskraft unter Beweis gestellt. Teenager verkünden heute mehrmals täglich, sie haben Stress. Vielleicht meinen sie damit, sie haben in den nächsten Tagen zwei Schularbeiten oder in der Firma stehen drei Lkw zur Reparatur an. Bei der Babyboomer Generation hat das Wort Stress und Burnout einen schimmligen Beigeschmack. Gleich entsteht ein Krankheitsbild, welches mit Psychiatrie verbunden wird. Hier stößt man auf einen Vorgang des Verbergen. Alle Andeutungen die ein Verwandtschaftsverhältnis zu einer psychischen Krankheit herstellen werden hinter den Vorhang geschoben. Oftmals kann man die psychische Beeinträchtigung, vor anderen und dem Partner, gut verstecken. Dies kostet mehr an Kraft, als die Bewältigung der Krankheit selbst. Eine Ursache für dieses Verhalten ist, weil kaum jemand über die Bandbreite von seelischen Krankheiten Bescheid weis. Schlussendlich wird alles in einen Topf geworfen. Im nächsten Jahrzehnt könnten wir die Ausfahrt aus dem Kreisverkehr schaffen. Jeder, der sich entschließt das verurteilende Denken zu verlassen, kann mit einem Handzeichen den Kreisverkehr verlassen.

Man pflegte verschiedenen Umgang mit der Verrücktheit. In den Landgemeinden wurde es toleriert, wenn jemand ein wenig verrückt war, aber niemanden etwas zu leide getan hat. Bei einem Bauern gute Hilfsdienste leistete. Dafür gab es eine ausreichende Verpflegung und eine Schlafstelle die vor Regen und Kälte schützte. Manchmal war es nur eine Koje im Viehstall und eine Decke. Zumindest war es auch an kalten Wintertagen warm. Gab es bei den Bauern keine Arbeit, sind sie durch das Dorf gezogen, von Haus zu Haus und haben um Kleider und ein wenig Essen gebettelt.

Notunterkunft

baby:boomer

Bei den Verwandten bewegen sich die körperlichen Beschwerden im üblichen Rahmen. Die ersten Krankenbesuche werden fällig, wenn sich eine operierte Person in der Rehabilitation befindet. In den Rehas wimmelt es von Patienten. Die Aufenthalte erfolgen nach Herzoperationen, Hüft- und Knieoperationen. Zumeist wollen die Patienten ihre neue Fitness unter Beweis stellen. Bei der Demonstration von der Beweglichkeit des implantierten Hüftgelenks komme ich mir krank und unbeweglich vor. Der Bekannte erzählt, welches weitreichende Bewegungsprogramm er vorhat. Zu den erlernten Gymnastikübungen kommen Schwimmen, Gehen und Radfahren am Heimtrainer, dazu. Bei mir verschafft dies ein schlechtes Gewissen, weil ich korpulent  und nicht täglich sportlich aktiv bin. Zwickt es in der Hüfte oder im Kniegelenk, dann kommt es zu einer Selbstbeschuldigung, da ich mir seit langem vorgenommen habe, den wöchentlichen Kalorienbedarf zu reduzieren. Es ist ein ewiges auf und ab. Gerade habe ich es geschafft die zusätzlichen zwei Kilo, vom letzten Aufenthalt am Meer zu verlieren, nähert sich die nächste Kalorienfalle, die Osterjause. In Kärnten ist man den verschiedenen Genussfallen,  diese sind gleichmäßig über das Jahr verteilt, ausgeliefert. Ich schwanke zwischen Zunahme und Abnahme hin und her.

Vor einem Fest versucht man alle körperlichen Beschwerden, welche nicht gravierend  sind, auf die Seite zu schieben. Just zu dem Zeitpunkt, wenn man topfit sein soll, plagen einen Magen- und Gelenkschmerzen. An der Verkaufsfront wird ein Teil der Arbeitsenergie dafür verwendet, sich von seiner lächelnden Seite zu zeigen. Als Generation Babyboomer kannten wir Stress und Burnout nicht. Einer der Gründe dafür ist, die vielen Ablenkungen der Social Media erreichten uns erst im letzten Lebensdrittel.

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