Über schlagloch

Er hat es sich zur Aufgabe gemacht mehrmals die Woche eine kleine Studie zu verfassen und teilt dies per Weblog „schlagloch“ einer stetig wachsenden Internetgemeinde mit. Einzelne Leser treten auf der Internetplattform mit ihm auch in eine Diskussion über das Geschriebene ein. Vom Deutschen Literaturarchiv Marbach werden ausgewählte Online-Publikationen, so auch das Blog „schlagloch“ auf der Plattform Literatur-im-Netz langzeitarchiviert. Einige „Schlaglöcher„ hat er materialisiert und zu Büchern gemacht: Zeitenwandel (2009); Die Beobachtungen (2011); Bruchstellen (2015).

whats:app

Seitdem ich WhatsApp verwende wird die Verwandtschaft, Freunde und Bekannte mit Schnappschüssen vom Urlaubsgeschehen versorgt. Auch die Urlaubsgrüße werden so schnell und kostengünstig versendet. Das Nachsehen haben die Verkäufer von Ansichtskarten, selten verirrt sich noch ein Tourist zu einem Kartenständer. Auf den Sozial Media fallen beim Verreisen alle Hüllen. Von den Reiseveranstaltern, welche ökologisch nachhaltige Reisen anbieten wird man  aufgefordert, während des Urlaubs beim Fotografieren mit anderen Personen respektvoll umzugehen. Meine Passion ist abseits von den Sehenswürdigkeiten, die Stimmung eines Ortes oder Augenblickes zu erfassen. Mit der Kamera einen liebevollen Blick auf das nicht Aufgeräumte, etwas schlampige Geschehen zu werfen. Als Mitteleuropäer sind wir fixiert auf das absolut Perfekte. Meinem Auge tut es gut, wenn ich bei einem Stadtbummel etwas Desolaten begegne. In unserer Optimierungsgesellschaft wirkt es für mich erlösend, stolpere ich über eine menschliche Schlampigkeit. Am Dorfrand an einer Ansammlung von wertlosem Gerümpel vorbeigehe, ausrangierten landwirtschaftlichen Geräten, kaputten Fahrrädern, beschädigte Behälter und Sessel. Vielleicht gibt es dafür irgendwo eine Verwendung und es erspart einen Neukauf.

Stark frequentiert ist in Rovinj die Gries Gasse, welche mit glatten Stufen steil zur Kathedrale der Ephemera emporführt. In dieser schmalen Gasse sind eine Unzahl von kleinen Ateliers und Kunsthandwerks Läden angesiedelt. Zu sehen sind kreative Objekte in Holz und Ton, Landschaftsbilder in Acryl-, Öl- und Aquarellmalerei.

Dieses reizvolle Gässchen ist ein Touristenmagnet und es wäre sinnvoll die Läden finanziell zu unterstützen. Die Stadtgemeinde könnte für die Miete aufkommen. Für die Innenstadt sind die Künstler eine Bereicherung. Diese Förderung könnte man mit der EU-Förderung für die Bauern, für die Bewirtschaftung der Almen, vergleichen. Nicht fördern muss man ein Restaurant an der Uferpromenade, wo man bei der Bestellung Spaghetti mit Meeresfrüchten, Spaghetti mit Meeresabfällen bekommt.

Muscheln

geheim:tipp

Kommen Verwandte aus anderen Bundesländern für ein paar Tage zu Besuch nach Kärnten, dann gibt es Lieblingsorte welche wir ihnen zeigen wollen. Von den Südkärntnern wird gerne als erstes Ausflugziel Tarvisio in Italien oder Kranjska Gora in Slowenien vorgeschlagen. Beide Orte befinden sich nur wenige Kilometer hinter der österreichischen Grenze. Man befindet sich mit einigen Schritten in einer anderen Kultur- und Sprachlandschaft. Es ändert sich auch die Art des Menschenschlages und der Charakter bei den Speisen. Vor drei Jahrzehnten gab es im Dreiländereck noch unterschiedliche Währungen. Ein besonderer Nervenkitzel bei der Heimfahrt war, im Auto etwas über die Grenze zu schmuggeln. Aus Tarvisio waren es Schuhe,Textilien und Lederwaren. Bei der Rückfahrt von Kranjska Gora Zigaretten, Parfüme und Spirituosen aus dem Duty-free-Shop. Nach dem Genuss von ein paar Achterln Wein war die Frage des Zöllners, „haben sie etwas zu verzollen“, nicht der Rede wert.

Zuweilen entführen wir den Besuch in das etwas weiter entfernte Venzone oder nach Gemona. Unser Geheimtipp ist das Schmetterlingsdorf Bordano in der Nähe von Venzone. Die Hausfassaden sind mit farbenprächtigen Schmetterlingsmotiven bemalt. Einmal einzelne Schmetterlinge, dann wieder Fantasy Szenen in denen Schmetterlinge eingebunden sind. An manchen Häusern sind die Farben und Motive schon etwas verblasst, es kommen aber immer wieder neue Malereien hinzu. Im Ort wurde ein Schmetterlingshaus errichtet, ein Gehege mit tropischem Klima und Pflanzen, darin freifliegende Schmetterlinge aus allen Erdteilen. Dazu kommen verschiedene Terrarien mit heimischen und exotischen Reptilien. Informationen gibt es auf Schautafeln und bei Filmvorführungen. Im Eingangsbereich befinden sich Schaukästen mit präparierten Schmetterlingen, von den einige die Größe von einem Vogel haben. Von diesem Schmetterlingsdorf hat uns eine Kundschaft aus dem Kanaltal erzählt. Im Geschäft in Arnoldstein hat diese ein paar Jahre lang regelmäßig die neuesten Burda Handarbeitshefte gekauft. Diese hat er für eine Strick- und Stickgruppe im Kanaltal geholt. Bei jedem Wetter, Kälte, Regen und Schnee, ist er mit seinem dreirädrigen Kleinauto nach Arnoldstein gekommen. Diesem führerscheinfreien Fahrzeug begegnet man auf italienischen Straßen öfters. Die Beliebtheit dieser Ausflugsziele liegt darin, dass sie weniger als hundert Kilometer von Villach entfernt sind und ein völlig anderes Ambiente bieten.

Umschauen

bus:reise II

Ein Gesprächsstoff zwischen Landsleuten auf der Uferpromenade ist die Frage, in welchem Hotel sind sie untergebracht ? Wie ist die Zimmerausstattung und die Speisenauswahl beim abendlichen Buffet. Darüber lässt sich gut raunzen und zumeist empfindet man, dass das nächste Hotel das Bessere gewesen wäre. Wie beim Buffet, trotz des Überflusses  glaubt man, dass der Tischnachbar die bessere Auswahl getroffen hat.

In Österreich hat es keine Seniorengeneration gegeben, der es so gut geht wie jetzt. Trotzdem hadern viele im fortgeschrittenen Alter, dass sie noch immer so vernünftig und pflichtbewusst sind. Zuerst wird an die Arbeit, wie die Instandhaltung des Kellers und an die Pflege des Gartens gedacht, erst dann an die  Entspannung. An das süße Leben, wie ein Buch zu lesen, an einen Kinobesuch, einen Cappucino zu trinken oder an eine Wanderung rund um den Falkertsee. Bei manchen Rentnerehepaaren übernehmen die Männer in der Pension die Arbeit im Gemüse- und Obstgarten. Verreisen ist dann möglich, wenn es die Arbeit im Garten zulässt. Wer übernimmt für die Zeit der Abwesenheit das Gießen vom Gemüse und der Blumen ? Die Schwiegersöhne und -töchter wollen von der Gartenarbeit nichts wissen, sie lassen sich gerne mit frischem Gemüse versorgen.

Beim Spaziergang durch die schmalen Altstadtgassen von Rovinj stolpere ich förmlich von einer Wechselstube zur anderen, zumeist werden dort noch zusätzlich Souvenir angeboten. An den stark frequentierten Plätzen dominieren die Kreditinstitute mit Marmorfassaden. Um alle Geldsorgen aus dem Weg zu räumen findet man bei jedem fünften Haus in der Innenstadt einen Bankomat. Oftmals ist der Bankomat in das Schaufenster eines Geschäftes oder in eine Hauseingangstüre integriert. Diese Besonderheiten sind für mich eine Einladung, um mit dem Smartphone einige Schnappschüsse zu machen. Kroatien ist seit sechs Jahren EU-Mitglied, hat aber noch seine eigene Währung, den Kuna.

bus:reise

Busreisen sind Kontaktbörsen von der feinen Art . Bei einem bunt zusammengewürfelten Haufen ergeben sich in den Pausen und bei den gemeinsamen Mahlzeiten im Hotel vielerlei Vernetzungen. Man hat es mit unterschiedlichen Reisenden zu tun, manche sind auf ihre Zweierbeziehung fixiert, andere Paare suchen das Gespräch mit den anderen Teilnehmern. Zwar nicht generell, aber ich beobachte, dass Seniorenehepaare nicht mehr so egozentriert sind und gerne den Austausch mit anderen suchen. Dazu gesellen sich ältere Damen, diese versuchen bei Mitreisenden anzudocken, weil sie die Unterhaltung suchen. Oftmals sind  sie verwitwet und verreisen, um sich in der Gruppe auszutauschen. Bei den jetzigen Senioren war der Mann bei der Eheschließung zumeist älter war als die Frau. Da die Männer generell eine kürze Lebenserwartung haben als die Frauen, gibt es eine beachtliche Zahl Alleinreisender Pensionistinnen. Zu den Anknüpfungspunkten beim Abendbuffett gehört die Frage, woher man kommt und was war die letzte Reise.

Bei einem Aufenthalt in Rovinj lernten wir im Hotel eine rüstige, ältere Dame kennen, die von erstaunlichen Reiseerlebnissen erzählte. Die Dame konnte sich an ihre Fahrten in das ehemalige Jugoslawien erinnern. Dies war in den 60er und 70er Jahren eine beliebte Reisedestination der Kärntner und Steirer. Wem Oberitalien zu teuer und zu überlaufen war, wich nach Jugoslawien aus. Der Komfort und das Service in den Unterkünften ließen zu jener Zeit zu wünschen übrig. Das Hotelpersonal war nicht besonders zuvorkommend. Nach Ostblockdevise was bringts  wenn ich engagiert bin, es gibt immer denselben Lohn. Den Kaffee hat die Dame zu Titoszeiten von daheim mitgenommen, weil der Jugo-Kaffee schmeckte ihr nicht. Bei einer Rundreise durch Rumänien, Ceausescu war noch an der Macht, gab es in den Restaurants bei einem Fischgericht nur ein hauchdünnes Rädchen Zitrone.

Erinnerung