Über schlagloch

Er hat es sich zur Aufgabe gemacht mehrmals die Woche eine kleine Studie zu verfassen und teilt dies per Weblog „schlagloch“ einer stetig wachsenden Internetgemeinde mit. Einzelne Leser treten auf der Internetplattform mit ihm auch in eine Diskussion über das Geschriebene ein. Vom Deutschen Literaturarchiv Marbach werden ausgewählte Online-Publikationen, so auch das Blog „schlagloch“ auf der Plattform Literatur-im-Netz langzeitarchiviert. Einige „Schlaglöcher„ hat er materialisiert und zu Büchern gemacht: Zeitenwandel (2009); Die Beobachtungen (2011); Bruchstellen (2015).

besen:rein

Das Wort besenrein wird für junge Ohren altväterisch klingen. Mich begleitet das Saubermachen und alles was dazugehört seit den Kindertagen am Bauernhof. Manche werden es anzweifeln, auch auf dem Bergbauernhof herrschte in den 60er Jahren eine Art von Sauberkeit. Nicht, wie Städter vielleicht vorsätzlich vermuten, dort versank alles im Schmutz. Als Kinder wurden wir angehalten im Viehstall, während des Melken, den Stallboden mit einem Birkenbesen zu fegen. In den Wintertagen, wenn die Feldarbeit ruhte, stellte der Vater Besen, Rechen und Buckelkörbe für den täglichen Bedarf her. Von Zeit zu Zeit kehrten wir auch auf der Tenne. Vom Frühjahr bis in den Spätherbst sorgten wir  im Hof und auf den Platz vor dem Haus für Sauberkeit. Im Bauernhaus waren wir dafür zuständig, die Laben und die Betonstiege in den ersten Stock, besenrein zu halten. Diese Reinigungsarbeiten waren bei uns Bubensache, Mädchen waren auf dem Hof die Minderheit.

In der Küche, der Mittelpunkt der Familie und dementsprechend groß, wurde täglich aufgekehrt. Hier wurde gekocht, gegessen, Brot gebacken, die Hausaufgaben gemacht, Karten gespielt, Radio gehört und mit Besuchern geplaudert. Der Holzboden wurde einmal in der Woche geschruppt. Im Haus gab es zu jener Zeit kein Fließwasser. Das Wasser wurde dem Brunnen vor dem Haus entnommen und in die Küche getragen. Beim Herd, der mit Holz beheizt wurde, gab es ein Wasserschiff, dort wurde das Wasser erhitzt. Auf der Holztruhe stand immer ein Eimer mit Frischwasser. Für Holz und Wasser sorgten wir Kinder.

In einer Ecke von der Küche stand eine Waschschüssel, für die kleine Körperpflege. Die Waschschüssel wurde durch ein Küchenfenster in die angrenzende Wiese entleert. Das Plumpsklo war an das Haus angebaut, als Klopapier wurden alte Zeitungen verwendet. Nachtsüber stand in jedem Schlafzimmer unter dem Bett ein Nachttopf, welcher von Zeit zu Zeit in den Abfluss von den Dachabwässern geschüttet wurde.

Brunnentrog

rente:und

Eigenheimbesitzer kümmern sich in der Rente verstärkt um den Bauzustand von ihrem Haus. Wer handwerklich geschickt ist, findet immer etwas, außen oder innen, dass man ausbessern kann. Die Menschen der älteren Generationen haben beim Hausbau selbst Hand angelegt.  Wer Maurer, Installateure oder Elektriker als Freunde hatte, wurde von denen beim Hausbau unterstützt. Unter dem Motto, Nachbarschaftshilfe, hat man sich gegenseitig geholfen. Ansonsten wäre für die meisten die Errichtung von einem Eigenheim unerschwinglich gewesen. Der Wunsch nach einem Eigenheim war nie so stark wie in den 60er, 70er und 80er Jahren. An den Dorfrändern und Stadträndern sind Wohnsiedlungen entstanden. Von den Gemeinden wurde dies unterstützt, indem Agrarflächen gekauft und diese zu einem günstigen Preis an Häuslbauer weiterverkauft wurden. So versuchte man möglichst viele Jungfamilien an den Ort zu binden. Wer mit dem Baugewerbe nichts zu tun hatte, versuchte durch Gegengeschäfte mit seinem Beruf  Freizeithandwerker zu gewinnen.

Ein Mechaniker reparierte die Autos seiner Kumpel, dafür leisteten sie bei seinem Haus Maurer- Elektriker- oder Tischlerarbeiten. Ein Glücksfall, wenn es am Wochenende einen Crash gegeben hat. Für die Instandsetzung der Karosserie wurde im Gegenzug ein Stockwerk hochgezogen. Bei Verkäufern funktionierte das Gegengeschäft nicht so gut, diese konnten Hilfsarbeitertätigkeit leisten und dafür ein paar Maurerstunden einhandeln. War die Freundin Friseurin, konnte sie mit ihren Haarschnitten einen Beitrag zum Familiennest leisten.

Selbsthilfe

pension:und

Betroffen sind vor allem Rentner die seit einem Jahr in Pension sind. Die Kurzzeit Pensionisten überschlagen sich, manchmal erschlagen sie sich mit den Aktivitäten welche sie in Gangsetzen. Vielerlei, was während der Berufstätigkeit zu kurz gekommen ist, hat sich aufgestaut. Jetzt will man sich kräftig nützlich machen. Endlich hat man die Zeit um seinem Wandertrieb zu frönen. Schön, wenn auch die Partnerin die Zeit und die Energie dazu hat. Dazu gehört, dass man sich bei den Aktivitäten des Naturschutzbundes einbringen will. Es gibt Erhaltungsarbeiten bei ökologischen Teichen und Naturschutz Flächen. Im Naturreservat Schütt braucht es freiwillige Helfer, welche sich um die Feuchtwiesen kümmern.

Die ersten Monate in der Pension werden auch gerne dazu genützt, Ausflüge und Reisen, welche man schon geplant hat, durchzuführen. Oft findet man erst jetzt die Zeit, weit entfernt lebende Verwandte zu besuchen. Weitere Möglichkeiten sind mit der Pfarre einen Wallfahrtsort zu erkunden, mit dem Gesangsverein an einem Städtepartnerschaftstreffen teilzunehmen. Hobby Sportler freuen sich darauf ihren Sport, sei es Tennis, Boxen, Radfahren, Schwimmen oder Skifahren intensiver zu betreiben. Mit intensiven Sport hofft man den Alterungsprozess zu verlangsamen. In den Gesundheitsbeilagen der Zeitungen liest man es immer wieder, dass Sport nicht nur den Körper, sondern auch den Geist fit hält. Nachdem man das dritte Drittel des Lebens erreicht hat, will man sich darin möglichst lange aufhalten. Zuweilen wird beim Sporteln über das Ziel hinausgeschossen. Durch Abnützungen in Armen, Beinen oder Hüfte findet die Sportausübung ein jähes Ende. Im Ruhestand dreht sich nicht immer nur alles um den Körper, auch um den Geist. Es gibt die Muse zum Lesen, zum Musikhören oder für kreative Tätigkeiten wie Malen, Töpfern und Schreinern. Der Mann in Uniform entdeckt das Kochen, den Garten und einen Sprachkurs.

Bewusst gesund

er:krankung II

Bei einer inneren Erkrankung ist man zunächst bestrebt diese äußerlich zu verbergen. Dies können organische, wie auch seelische Beschwerden sein. Den einen und anderen gelingt es durch Kleidung oder etwas Makeup sichtbare Mangelerscheinungen zu verbergen. Menschen die ihre Beschwerden, wie Zittern der Hände, Hinken beim Gehen, Hautausschläge im Gesicht nicht unterdrücken können, habe ich immer bedauert. Manchmal lässt sich dies im Alltag mit der Bekleidung Kaschieren, beim Aufenthalt im Thermalbad wird dies öffentlich. Wie schnell man zu einer bedauernswerten Person wird erlebte ich, als sich nach dem Auftragen von Picato Gel auf der Kopfhaut, starke Reaktionen einstellten. Wo vorher eine leichte Rötung war, reagierte die Hautoberfläche jetzt mit Blasenbildung und Wund werden. Der Anblick lässt schlimmes vermuten. Wenn möglich trage ich in der Reaktion- und Genesungszeit eine Kopfbedeckung. Beim Gottesdienst habe ich die Kappe abgelegt und meine vorsätzlich geschädigte Kopfhaut war für die Hinteren sichtbar. Kurz darauf äußerte sich eine Männerstimme dazu: Wenn man so etwas sieht, ist man froh, dass man gesund ist.

Ein Gesundheitsrisiko ist in der Grippesaison das Händeschütteln nach dem Friedensgruß des Priesters: Der Friede sei mit euch. Wochenweise berichten die  Medien davon, wie schnell durch einen Händedruck eine Infektion übertragen werden kann. Da frage ich mich, ob dieses Händeschütteln mit den Banknachbarn seitlich, vorne und hinten, für die Influenzazeit ausgesetzt werden soll? Steckt hinter meinem Vorschlag eine glaubensschwache Person? Für ältere und immun schwache Personen ist es eine Überlegung wert.

Grippeimpfung