Über schlagloch

Er hat es sich zur Aufgabe gemacht mehrmals die Woche eine kleine Studie zu verfassen und teilt dies per Weblog „schlagloch“ einer stetig wachsenden Internetgemeinde mit. Einzelne Leser treten auf der Internetplattform mit ihm auch in eine Diskussion über das Geschriebene ein. Vom Deutschen Literaturarchiv Marbach werden ausgewählte Online-Publikationen, so auch das Blog „schlagloch“ auf der Plattform Literatur-im-Netz langzeitarchiviert. Einige „Schlaglöcher„ hat er materialisiert und zu Büchern gemacht: Zeitenwandel (2009); Die Beobachtungen (2011); Bruchstellen (2015).

tartini:platz

Wer sich in Piran dem Tartini Platz vom Busbahnhof her nähert, muss sich die schmale Straße entlang des kleinen Hafens mit dem lokalen Autoverkehr und den vielen Touristen teilen. Zuallererst ist es notwendig die Augen, spaziert man entlang der Kaimauer offenzuhalten, um nicht über eine Unebenheit oder einen Hacken zu stolpern. Ein unfreiwilliges Bad in der Adria zu nehmen. Auf der anderen Straßenseite kann man dicht gedrängt an den Hausmauern entlangpirschen, sich Abschnitt für Abschnitt dem Platz entgegenschleichen. Von einem Verkaufsständer für Hut- und Bademoden zum nächsten für Souvenirs, Deckung suchen.  Hervorspähen und schnellen Schrittes den nächsten Wegabschnitt zurücklegen. Dabei vorsichtig sein um nicht in eine geführte Reisegruppe zu geraten. Aus dieser gibt es kein Entrinnen, man wird, wie von einer Meeresströmung mitgerissen und landet unfreiwillig wieder am Busbahnhof. Bevor man am den Tartini Platz gewesen ist.

Immer einen Sprung vorwärts, gerade so, als befände ich mich auf dem Truppenübungsplatz des Bundesheeres. Dort sind wir in geduckter Haltung, mit dem Tornister am Rücken, einen Stahlhelm auf dem Kopf und das Sturmgewehr StG 56 im Anschlag, von einem Baum zum nächsten gestürmt. In der Ungewissheit, ob wir nicht in eine Fallgrube des Vietkongs stürzen und von den spitzen Pfählen, welche aus dem Boden ragen, aufgespießt werden. Dann lieber im MG-Feuer, welches aus einer einfachen Bambushütte eröffnet wird, umkommen. Während der Bundesheerzeit war der Vietkong in den Wäldern der Umgebung von Graz unser ständiger Feind. Wir haben ihn nie zu Gesicht bekommen, aber in den Köpfen der Ausbildner war er allgegenwärtig und bei jeder Gefechtsübung unser imaginärer Feind. An grauslichen Bildern vom Vietnamkrieg hat es in den Tageszeitungen der siebziger Jahre nicht gefehlt. Heute gibt es genug Berichte, wie sich Massen von Touristen durch enge Altstadtgassen schlängeln. Wer sich dem Strom nicht anpasst, wird mitgerissen.

Vorwärts

morgen:stund II

Sinngemäß sagt Seneca: „Nicht die Länge des Lebens ist wichtig, sondern was man in den Jahren macht. Wir haben nicht zu wenig Zeit, sondern wir gehen mit der Zeit sorglos um“. Bummelt man am Hauptplatz an einer Boutique vorbei und es befindet sich keine Kundschaft im Laden, dann sieht man die Verkäuferin über das Smartphone gebeugt oder am PC im Internet surfen. Auf die Idee im Geschäft sauber zu machen  die Ordnung in den Regalen wiederherstellen, kommen die Wenigsten. Wer mit offenen Augen durch die Stadt geht und bei einer der zahlreichen Baustellen vorbeikommt, wird feststellen, gibt es eine kurze Arbeitsunterbrechung für den Baggerfahrer, wird dieser in seine Hosentasche greifen und das Handy zücken. Die Smartphones sind zu Zeiträubern und Arbeitsverweigern geworden. Anno dazumal hat man sich die Zeit mit dem zeitweisen Blättern in den Illustrierten und den Zeitungen vertrödelt.

Ich kann mich erinnern, es hat während meiner Ausbildungszeit in der Buchhandlung, Tage der sogenannten toten Zeit gegeben. Dies bedeutete, alles war aufgeräumt, nachgefüllt und abgestaubt, damit war wirklich Alles gemeint. So konnten wir uns, die Erste Verkäuferin und ich, erlauben in den aufliegenden Zeitschriften zu blättern. Dies war vom damaligen Arbeitsverständnis betrachtet, ein absolutes No Go. Vom Chef nicht toleriert. Der Chef, Herr Harald, ist an seinem Schreibtisch im Lager gesessen. Eingekeilt zwischen einer Regalwand, einer Stellage und dem Schreibtisch.  In der Stellage die Ordner von der Buchhaltung und Preislisten, am Schreibtisch ein kleiner Aufbau, voll mit diversen Bestellkarten, Firmenkuverts und Erlagscheinen. Neben ihm, so hoch wie der Schreibtisch, ein Stoß der neuesten Buchkataloge und die Ankündigungen von den Buchneuerscheinungen. In diesem Kosmos war er versunken. Um ein Zeichen unserer Betriebsamkeit abzugeben, haben wir zwischendurch die Zeitschriften auf das Verkaufspult geklatscht.

morgen:stund

Es gibt Ereignisse, von denen denkt man, diese dauern ewig, wie möglicherweise ein Besuch. Dies bedeutet nicht, dass der Besuch unerwünscht oder unangenehm ist. Es gibt einfach das Gefühl, obwohl erst einen Tag bei uns, er ist schon eine Woche hier. Könnte sein, dass es egal ist, ob er hier ist?  Am Besten Distanz bewahren, sich auf die Eigenheiten des Besuches nicht einlassen. Verändert sich mit dem Älterwerden die Zeitwahrnehmung? Plötzlich stellt man fest, wie wenig man täglich, außer an Ausnahmetagen, unternimmt. Oftmals bewundert man Bekannte, welche in der Pension bei vielen Vereinen mitwirken. Dazu haben sie privat eine große Familie, wo die Kinder samt Familie  unerwartet eintreffen. Die Enkel erwarten von ihnen für eine Woche freie Unterkunft mit Vollpension. Die superaktiven Pensionisten stehen um fünf Uhr früh auf und sind spätestens um sieben Uhr voll im Saft. Das Geheimnis für einen erfüllten Tag liegt in den Morgenstunden. Ein Sprichwort sagt: Der frühe Vogel fängt den Wurm.

In meiner Berufszeit habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Vormittagsstunden die Produktivsten waren. Ich öffnete mein Schreibwarengeschäft in Arnoldstein um sieben Uhr, eine Einkaufsmöglichkeit für die Schüler vor dem Unterricht. Dort verkauften wir morgens nicht nur Schulartikel. Jahrzehntelang waren Süßwaren, offene Stollwerk und Eiszuckerln, sowie Dreieckschnitten von der Süßwarenmanufaktur Kindler in Villach, sehr begehrt. Die Zuckerln wurden in Säcken zu 5 kg eingekauft. Treffe ich heute Schüler aus den 70er und 80er Jahren, dann werde ich auf die offenen Stollwerk und Eiszuckerln angesprochen. Für einen Schilling bekam man zehn Stück. Schon im Geschäft wurde unter den Kindern gefeilscht, ob der eine dem anderen in der Schule zwei oder drei Stollwerk geben wird? Ein Renner waren auch die Karamellstangen.

Carambar

alles:freude II

In den Kärntner Dörfern ist es Brauch, dass die Nachbarn das Geburtstagskind in aller Hergottsfrüh aus dem Bett ausaschießn. Ein guter Kontakt zu den Nachbarn, ob in einer Wohnanlage oder in einer Siedlung, kann wichtiger sein als zur Verwandtschaft. In manchen Familien ist das Verhältnis zu den Anrainern besser als zu den eigenen Kindern. Eine funktionierende Nachbarschaft ist eine Überlebensstütze. Bei einem Notfall ist zumeist eine Nachbarin oder ein Nachbar schneller erreichbar, als die Verwandten. Die  Kinder leben oftmals von ihrem Elternhaus weit entfernt.

Die Aufmerksamkeit spielt verrückt, wenn man vor dem Geburtstag eine gesundheitliche Durststrecke mitgemacht hat. Es Sorgen gab, ob man die Krankheit wieder los wird, wie man die körperlichen Beschwerden überwinden kann? Wie geht man damit um, falls man nicht mehr völlig gesund wird oder die Krankheit einen besiegt? Nach einer solchen gesundheitlichen Prüfung stellt man mit Erstaunen fest, wie groß von anderen das Interesse am Geburtstag ist. Steckt dahinter echte Zuwendung oder ist es die Neugier? Vermehrt kommen Telefonanrufe, welche zum Freudentag gratulieren. Wollen sich die Anrufer auf guten Fuß stellen, dass sie im Falle eines Falles bei der Erbfolge nicht übergangen werden? Es hängt von der eigenen Befindlichkeit ab, wie man die vielen Glückwünsche und Zuwendungen einordnet. Das restliche Jahr wird man von den meisten Gratulanten nichts mehr hören.

Erbfolge