Über schlagloch

Er hat es sich zur Aufgabe gemacht mehrmals die Woche eine kleine Studie zu verfassen und teilt dies per Weblog „schlagloch“ einer stetig wachsenden Internetgemeinde mit. Einzelne Leser treten auf der Internetplattform mit ihm auch in eine Diskussion über das Geschriebene ein. Vom Deutschen Literaturarchiv Marbach werden ausgewählte Online-Publikationen, so auch das Blog „schlagloch“ auf der Plattform Literatur-im-Netz langzeitarchiviert. Einige „Schlaglöcher„ hat er materialisiert und zu Büchern gemacht: Zeitenwandel (2009); Die Beobachtungen (2011); Bruchstellen (2015).

land:gang

Auf einem Kreuzfahrtschiff kann man abends im Restaurant aus einer umfangreichen Speisekarte wählen. Das Servieren der Speisen erfolgt außerordentlich rasch und aufmerksam. Das Tischgespräch plätschert an den ersten Abenden so dahin, von der  Unterbringung in den Kabinen bis zum Unterhaltungsprogramm im schiffseigenen Theater. Dazu gehören auch die Eindrücke von einem Tagesausflug, einer Stadtbesichtigung und den baulichen Sehenswürdigkeiten. Von einer Kurzvisite in das Landesinnere oder die Erfahrung wie man mit dem Fahrrad die Küste erkundet hat. Man schwärmt vom großen Fachwissen des Reiseführers. Ohne Führung durch die Innenstadt zu Bummeln, sich unter die Einwohner zu mischen, ist nur in Ausnahmen möglich. Dann, wenn der Anlegeplatz des Schiffes nur ein bis zwei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt ist. Werden Tischgenossen in ihren Erzählungen emotional, dann war man mit dem Reiseleiter unzufrieden, jemand hat sich verletzt oder einem Teilnehmer wurde etwas gestohlen.

Eines Tages ist ein Ehepaar entrüstet zum Abendessen gekommen, der Mann hat mit seiner Wut nicht lange hinter den berggehalten. Den Nachmittag haben sie in Klaipeda  am Hafen in einem Cafe verbracht. Dabei wurde dem Mann die Brieftasche, eigentlich der Inhalt geklaut, das Geld, die Kreditkarte und andere Dokumente. Während dem Kaffeetrinken hatte er die Brieftasche und das Handy am Tisch liegen und nach dem Bezahlen aus Versehen nur das Handy eingesteckt. Seinen Irrtum hat er auf der Straße bemerkt und ist zurück in das Cafe geeilt. Zu seiner Freude ist die Brieftasche noch am Kaffeetisch gelegen. Beim Öffnen der Brieftasche fehlten das Geld und die Kreditkarte. Die Bedienung beteuert nichts Verdächtiges beobachtet zu haben. Das Übliche, wie er sich ausdrückte. Wutentbrannt saß das Ehepaar beim Abendessen.

Auf unsere Nachfrage, eigentlich Anteilnahme, erklärte der Mann, dass ihr ganzes Geld und auch die Bankomat Karte gestohlen  wurden. Auch das Geld und die Kreditkarte der Frau hätten sich in der Brieftasche befunden. Es gab die erwarteten Beschuldigungen und Beschimpfungen auf die Einheimischen, über ihren Umgang mit Touristen. Bedauerlicherweise hätten sie jetzt keine Möglichkeit, besser gesagt kein Geld, um noch einen Landgang in Talin zu buchen. Alle Interventionen auf das Schiff einen Geldbetrag zu überweisen seinen gescheitert.

Seenot

Anzeiger: Kommen wir zu Ihrem neuen Roman „Der Himmel ist ein sehr großer Mann“. Die Hauptfigur ist ein Buchhändler in einer Kleinstadt? 

Peter Zimmermann: Die Geschichte hat mit meiner Hinführung zum Lesen zu tun, das nicht über Schule und Lehrer, sondern über ein Papier- und Schreibwarengeschäft in Arnoldstein, wo ich aufgewachsen bin, erfolgt ist….

stahl:beton II

Auf den Großbaustellen werden kaum Lehrlinge ausgebildet und eingesetzt, weil hier die herkömmliche Maurerarbeit nicht mehr stattfindet. Ein Hotelneubau unterscheidet sich wesentlich von der Errichtung eines Eigenheimes. In der Firma gibt es Maurerlehrlinge in geringer Zahl, weiblichen Maurerlehrling kennt er keinen, die Feinausbildung erfolgt in einer eigenen Lehrwerkstätte. Dort werden den künftigen Maurern die alten Techniken, die händische Errichtung einer Ziegelmauer, das Einputzen von Fensterrahmen und das Verputzen der Innenwände, vermittelt. Frauen sind in ihrer Firma im technischen und kaufmännischen Bereich beschäftigt. Eine fundierte Ausbildung zu einem Maurergesellen erhält man bei den mittelständischen Baufirmen, welche im Bereich Eigenheimbau, der Renovierung- und Sanierung von Altbauten tätig sind.

Hier zeichnet sich ein Bild ab, welches nicht nur für das Baugewerbe, sondern auch in anderen Branchen gilt. Die großen Firmen stellen zumeist nur ausgebildete Mitarbeiter ein, die Ausbildung des Nachwuchses fällt den Klein- und Mittelbetrieben zu.  Großunternehmen stellen Lehrlinge ein, zumeist erfolgt die Ausbildung aber in speziellen Lehrwerkstätten und Lehrlingsakademien. Ob dies dasselbe Berufsverständnis bringt, wie eine kleinräumige Lehre in einem Klein- und Mittelbetrieb? Dort wächst man auf praktische Weise in den Beruf hinein. Dabei wird das kaufmännische und theoretische Wissen durch die Berufsschule vermittelt, für schulische Spätzünder gibt es die Möglichkeit einer Lehre mit Matura.

Lehrlingsentschädigung

stahl:beton

Erledige ich in der Draustadt am Vormittag einen Einkauf oder besuche das Thermalbad, dann bin ich zum Mittagessen zur vereinbarten Zeit zu Hause. Die Frau lobt mich für meine Pünktlichkeit mit der Aussage: „Ich sei pünktlich wie ein Maurer“. Bei einer Geburtstagsfeier bin ich mit einem Maurerpolier, einer europaweit tätigen Baufirma in das Gespräch gekommen. Mit meinem Hinweis, die Feier beginnt pünktlich wie die Maurer, konnte er nichts anfangen. Er spekulierte darüber und vermutete, dass damit der zeitgerechte Arbeitsbeginn gemeint sein könnte. Während meiner Berufstätigkeit wurde der Spruch dann verwendet, wenn jemand auf die Minute genau, zumeist eine Minute zu früh, seinen Laden geschlossen oder mit der Arbeit aufgehört hat. Es gab die Mähr, dass die Maurer, seinerzeit konnte man um zwölf Uhr fast überall die Kirchenglocken hören, den Ziegel und die Kelle fallen gelassen haben, um mit der Mittagspause zu beginnen. Gleiches galt auch für Arbeitsschluss. Die Redewendung, der ist pünktlich wie ein Maurer, konnte sowohl positiv wie auch negativ besetzt sein.

Beim Maurerhandwerk hat sich viel verändert, es gibt kaum noch das traditionelle Handwerk, wie es in den 70er Jahren bestand. Der Tischnachbar war zuletzt bei einem Hotelneubau in Klagenfurt dabei, die Fertigstellung war auf die Stunde genau kalkuliert. Den vorgegebenen Termin gilt es unter allen Umständen einzuhalten. Von ihrer Baufirma wurden die Fundamente, die Außen- und Innenwände in Stahlbetonbauweise hochgezogen. Dabei geht es darum die Schalungen vorzubereiten, das Stahlskelett richtig zu positionieren und danach wird die Schalung mit Fertigbeton ausgegossen. Die Arbeit der Eisenbieger, das Verlegen der Eisenstangen, sei Knochenarbeit und wird kaum von Einheimischen bewerkstelligt. Zumeist ist dies ein kleiner Arbeitstrupp und dieser kommt aus der Türkei oder Serbien. Die Feinarbeiten, wie Innen- und Außenputz auftragen, werden an Subfirmen vergeben. Bei den Großbauten kommt es zu immer mehr Spezialisierungen.

Mischmaschine