Über schlagloch

Er hat es sich zur Aufgabe gemacht mehrmals die Woche eine kleine Studie zu verfassen und teilt dies per Weblog „schlagloch“ einer stetig wachsenden Internetgemeinde mit. Einzelne Leser treten auf der Internetplattform mit ihm auch in eine Diskussion über das Geschriebene ein. Vom Deutschen Literaturarchiv Marbach werden ausgewählte Online-Publikationen, so auch das Blog „schlagloch“ auf der Plattform Literatur-im-Netz langzeitarchiviert. Einige „Schlaglöcher„ hat er materialisiert und zu Büchern gemacht: Zeitenwandel (2009); Die Beobachtungen (2011); Bruchstellen (2015).

festnetz

Das Smartphon und wie es im täglichen Leben eingesetzt wird, ist aus dem Alltag des Jahres 2024 nicht mehr wegzudenken. Das Telefongespräch mit anderen Menschen, zu jeder Minute und an jedem Ort ist bei den vielen Apps zweitrangig. Vor vierzig Jahren war die Situation ganz anders. Angeregt wurde ich zu dieser Rückschau durch die Aussage von einem Jungen im Wartezimmer eines praktischen Arztes: „Er kennt nur das Smartphone, ohne Handy kann er sich den Alltag nicht vorstellen“. Die Mutter hat ihm erzählt, in ihrer Jugend wurde mit dem Festnetztelefon telefoniert. Es war ein rechteckiges Kästchen mit einer Wählscheibe zum Wählen der Telefonnummer und einen Hörer zum Telefonieren. Hat das Telefon geklingelt, hat sie den Hörer abgenommen und zum Ohr geführt. Der Hörer war mit einem Lautsprecher und einem Mikrofon ausgestattet. Viele Haushalte in Politzen hatten bis in die siebziger Jahre kein eigenes Telefon, sondern benützten den öffentlichen Fernsprecher im Gasthof Rader. Im Vorraum gab es eine Telefonzelle und die Telefongebühr wurde beim Wirt bezahlt.

Der Gastwirt fungierte auch als Übermittler von Nachrichten. Von auswärts wurde im Gasthof angerufen und eine Nachricht für einen Nachbarn durchgegeben. Der Gastwirt hat die Nachricht auf dem Notizblock von der Villacher Brauerei notiert.  War ein Kind in der Gaststube anwesend wurde es mit dem Zettel zum Empfänger geschickt. Dies funktionierte auch in der Politzen, man konnte beim Gasthaus vulgo Rader anrufen, um für den Bauern vulgo Zmölnig eine Nachricht zu hinterlassen. War die Mitteilung nach Einschätzung der Wirtsleute nicht dringend vertrauten sie darauf, dass der Zmölnigbauer an einem der nächsten Abende auf ein Bier vorbeikommen wird. Der Gasthof Rader war eine frühe Nachrichtenbörse.

Als die Post- und Telegraphendirektion dereinst eine Telefonleitung entlang des Politzner Berg errichtete waren die Wenigsten davon überzeugt, dass es einen Telefonanschluss braucht. Jahrzehnte ist man sehr gut ohne Telefon ausgekommen. Um die Telefonkosten erschwinglich zu halten wurde zumeist ein Viertel Anschluss gewählt. Hat der Nachbar auf diesem Anschluss einen Anruf bekommen oder hat jemanden telefoniert, so war der eigene Anschluss für diese Zeit blockiert. Hinter dem Wunsch für die Installation von einem Telefonanschluss standen die Jugendlichen, sie wollten mit ihren Freundinnen und Freunden telefonieren. Das Telefonieren war schon damals für die Jugend ein Highlight, wobei die Eltern sich wegen der anfallenden Telefongebühren Sorgen machten. Sie achteten darauf, dass nicht zu lange telefoniert wurde.

hineinhorchen

Es gibt das schöne Bild, höre auf deine innere Stimme, noch schöner, horche in dich hinein. Soll dies bedeuten, dass dir jemand etwas erzählen will? Gibt es eine letztendliche Distanz welche dem Verstand übergeordnet ist? Das Hören oder hinhören auf eine innere Stimme empfinde ich als einen anspruchsvollen Vorgang. Es ist überliefert, dass bei göttlichen Botschaften oft zu Beginn eine Stimme die Auserwählten auffordert, mein Sohn, meine Tochter, höre was ich dir zu sagen habe. War es vor Jahrhunderten leichter auf die innere Stimme, auf die Eigene oder auf eine Jenseitige zu hören, weil der äußere Lärmpegel nicht so groß war? Heute bedarf es eines starken Willens, die vielen Nebengeräusche welche unsere Aufmerksamkeit fordern, auszublenden. Noch besser, sich aus den Plätzen mit den vielen Nebengeräuschen zurückzuziehen. Was beim Hineinhorchen passiert, ist die eigene innere Stimme, die Stimme eines guten Freundes zu hören oder die Stimme eines transzendenten Wesens ist jeder dazu aufgefordert dies selbst zu beurteilen. Religiöse Menschen sagen es ist die Stimme Gottes. In der christlichen Tradition gibt Bibelstellen wo Gott die Hörbereiten gerufen hat. Dieses Hören und Horchen könnte auch für einen hinfälligen Körper möglich sein. Wer hinter die Schmerzen hört, könnte erfahren, was will mir diese und jene Krankheit sagen? Habe ich eine innere Botschaft überhört, eine innere Warnung missachtet.

Im digitalen Alltag sind wir weiter, eine Antivirensoftware warnt uns vor Webseiten die unserem Computer Schaden zufügen könnte. Haben wir die Fähigkeit des Hinhörens verlernt, weil wir so viele technische Hilfsmittel verwenden? Die zutiefst menschliche Verantwortung für unseren Körper, den wir als Ort für unser Bewusstsein, Empfindungen und für unsere Seele brauchen, geben wir an digitale Geräte weiter. An Universaluhren, die auf Wunsch viele körperlichen Parameter anzeigen. Diese werden als Beweis für die eigene Fortschrittlichkeit herumgereicht und mit welchen Messwerten man gerade aufwarten kann. Die Fortschrittlichen machen sich nicht die Mühe in sich hineinzuhorchen, zu spüren, was dem Körper guttut. Sie legen zu den vielen Umweltgeräuschen noch ein Startup dazu.  

gesichtsfeld

Solange wir über einen gut funktionierenden Körper verfügen schenken wir der Gesundheit kaum Beachtung. Einmal im Jahr beschäftigen sich auch die vorwiegend Gesunden mit ihrem Gesundheitszustand, die Zeit um den Geburtstag. Zu diesem Event schaut man auf den Körper, macht er mir Probleme? Es muss eine „Obersteuerung“ vorhanden sein, mit der ich festmachen kann gibt es Probleme. Ist es das Gehirn, der Verstand, welcher die Problemstellen erfasst und die vielen sensorischen Rückmeldungen bündelt? Das Bewusstsein, welches auch die KI gesteuerte Computertomografie nicht bildhaft darstellen kann. Wir nehmen an, dass wir über ein Bewusstsein verfügen und vergeben Begriffe und Definitionen für die Gegenstände welche uns begleiten. Eine Zwischenfrage, welche uns bekannten Farben erkennen Katzen?  Blau und Grün werden von ihnen bevorzugt und wirken auf sie beruhigend. Die beruhigende Wirkung von grün gilt auch für die meisten Menschen, dabei sind wir der Katze sehr ähnlich. Einer der Sinnesempfindungen haben wir den Namen grün zugeordnet. Bei den Römern hieß es, ein gesunder Geist in einem gesunden Körper. Schließt dies einen wachen Geist in einem kränkelnden Körper aus? Eventuell aus dem einen Grund, dass die kränkelnde Person zu sehr mit den Beschwerden beschäftigt ist. Von Künstlern, ob Komponisten, Maler oder Literaten weiß man, dass sie gerade in Zeiten körperlicher Gebrechen, der seelischen Verwundbarkeit besonders kreativ sein können. Die kreative Eruption als Schmerzmittelersatz, als körpereigenes Schmerzmittel.

Für die äußeren Wahrnehmungen ist das Gehör, mehr als das Auge, geschaffen. Mit dem Auge, dem Sehen, können wir ein Gesichtsfeld von etwa 180 Grad abdecken, mit dem Gehör, dem Hören, schaffen wir 360 Grad. Der Evolution muss es wichtig gewesen sein, auf Gefahren, auf Signale, auch von rückwärts zu erfahren und reagieren. Das Gehör warnt, informiert uns, wenn sich von hinten jemand nähert. Überhören wir dies, dann ist eine der Folgen, dass wir uns im Innersten erschrecken. Eine Verhaltensregel aus der Kindheit, den Haustieren sich niemals von hinten nähern, sie könnten sich instinktiv gegen die Gefahr von hinten zur Wehr setzen. Mit einem Fußtritt nach hinten oder dass sie reflexartig mit dem Gebiss zuschnappen.

franz kafka

Ist es notwendig einen praktischen Arzt aufzusuchen, so hat sich dort fast alles vom Zuhören und vom Abhorchen zum Digitalen gewendet. Nach den Fragen was, wo und wie es einem wehtut, hat der Arzt früher mit einem Stethoskop den Patienten abgehorcht. Eine Röntgenassistentin hat festgestellt, dass die Überweisungen von seitens der Praktischen Ärzte immens zugenommen haben. Wenige hören den Patienten zu und horchen sie ab. Die Verantwortung für die Diagnose überträgt man auf die Röntgenbilder und den Ultraschall. In ihrer Jugendzeit hat der Gemeindearzt nach dem Zuhören und dem Abhorchen gewusst, was ihr fehlt und welche Therapie sie braucht.

Vom Hören gibt es viele Varianten, schlampig hinhören, das Falsche hören oder nur das hören was man hören will. Beim schlampigen Hinhören kann man etwas falsch verstehen. Wer den Namen Kafka kennt, sich aber nicht eingehender mit seinen Texten beschäftigt hat, kann bei einem Future über Franz Kafka manches falsch verstehen. In einer Radiosendung zu seinem hundertsten Sterbetag gehört zu haben, welches schlechtes Verhältnis er zu Frauen oder zu seinen Mitmenschen hatte. Sein Umgang mit dem Vater war gestört, sodass vom zuhören Entsetzen über seine Menschlichkeit die Folge ist. Seine Persönlichkeit entsprach nicht der Norm. Ohne sagen zu können, zu klären, was ist die menschliche Norm oder was zeichnet den normalen Menschen in der Gesellschaft aus. Gab es Maler, Komponisten, Dichter und Bildhauer, welche nach der Norm gelebt haben? Waren sie jemals bestrebt nach der Norm zu leben oder haben sie einfach nicht können? Kreativität entspringt nicht aus dem Leben nach der Norm, die Abkehr von der Norm. Eine Erweiterung der Weltwahrnehmung, wer in sich hineinhorcht.

„Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne, dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet.” F. K.

erderwärmung

Zu den schrecklichen Meldungen von den Kriegsschauplätzen kommen die alarmierenden Messungen von der Klimafront. Dürfen wir uns als Rentner in Anbetracht der Erderwärmung über die sonnigen Apriltage in diesem Jahr freuen? Im fortgeschrittenen Alter ist man für jeden sonnigen Tag dankbar. Er macht einen Spaziergang schmackhaft, wärmt uns den Rücken und unsere Seele. Die Aprilsonne hat uns nach dem Winter fit gemacht, die Sonnenstrahlen brauchen wir als Zugabe zur menschlichen Wärme, welche wie die Beweglichkeit, im Alter vom Abnehmen bedroht ist. Uns hat es gutgetan, dass wir morgens in der Loggia Zeitung lesen und Mittagessen konnten. Am Nachmittag bei einer Tasse Kaffee ein Buch lesen: „Madam Curie und ihre Töchter“. Wer die Lebensgeschichte der zweifachen Nobelpreisträgerin und ihrer zwei Töchter verfolgen will, ist mit diesem Buch gut bedient. Zugleich werden Einblicke in eine bewegende Zeitepoche von über hundert Jahren geboten. Mittendrin drei kämpferische Frauen, als Wissenschaftlerinnen, Frauenrechtlerinnen und Schriftstellerin. Mit dem Tod der jüngeren Tochter Eve Curie, 1904 in Paris geboren und 2007 in New York verstorben, endet der Roman

Die Freude ist groß, wenn in einem Fachmarkt für Tierbedarf mir ganz selbstverständlich geholfen wird die schweren Katzenstreusäcke in den Kofferraum einzuladen. In einem Supermarkt hat eine aufgestylte Verkäuferin meinen suchenden Blick in der Papierabteilung bemerkt. Gesucht habe ich ein Packpapier für den Versand von einem Teppich. Mich hat ihr gepflegtes Äußere überrascht, normalerweise sei ihre Abteilung die Drogerieabteilung. Genauso hilfsbereit war ein junger Bursche beim Paketdienst, er hat mir angeboten den Teppich aus dem Kofferraum zu holen. Bei der Bad Adaptierung ist mir aufgefallen, braucht man etwas Spezielles, dann ist das Internet eine große Hilfe. Gibt man den Suchbegriff „Sitzerhöhung für WC“ ein, dann findet man eine große Auswahl. Vorher habe ich bei zwei Baumärkten nach einer Sitz Erhöhung für das WC gesucht, aber völlig unbefriedigende Lösungen vorgefunden. Ich bin kein Freund für das Einkaufen im Internet, die Auswahl hat mich überzeugt. Die Lieferung war eine prompte Sache