Über schlagloch

Er hat es sich zur Aufgabe gemacht mehrmals die Woche eine kleine Studie zu verfassen und teilt dies per Weblog „schlagloch“ einer stetig wachsenden Internetgemeinde mit. Einzelne Leser treten auf der Internetplattform mit ihm auch in eine Diskussion über das Geschriebene ein. Vom Deutschen Literaturarchiv Marbach werden ausgewählte Online-Publikationen, so auch das Blog „schlagloch“ auf der Plattform Literatur-im-Netz langzeitarchiviert. Einige „Schlaglöcher„ hat er materialisiert und zu Büchern gemacht: Zeitenwandel (2009); Die Beobachtungen (2011); Bruchstellen (2015).

corona:klippen

Nicht das Prozedere einer Vorsorgeuntersuchung, Blutabnahme, EGK oder Ergometrie bereitet mir Unbehagen, sondern das Warten auf den Befund. Nicht die Abnahme eines Corona Test schmerzt mich, sondern das Warten auf das Ergebnis. Mit diesem Empfinden bin ich wahrscheinlich nicht der Einzige, zur Vorsorgeuntersuchung kam ich bisher ohne besondere Beschwerden. Im Kopf zu wenig verankert, dass in der Vorsorgeuntersuchung auch die Chance liegt, Krankheiten früh zu erkennen und zu korrigieren. Nicht den Zeitpunkt einer Reparaturmöglichkeit zu versäumen. Dies alles trifft auch auf meine Kopfhaut. Kein Umweg, wie man im ersten Moment meinen möchte. Bei der Versorgung einer Narbe am Kopf, beim Eincremen der Kopfhaut, gab es den Hinweis wie zarte die Kopfhaut ist. Ergänzen kann ich dies, dass meine Partnerin schon des öfter gesagt hat, ich hätte eine Haut wie ein Baby. Ein Rentner mit Baby Haut, bei drei Kindern weiß sie wie sich Baby Haut anfühlt. Die Partnerin hat einen Nachsatz parat, so empfindsam wie die Haut sei auch mein Gemüt. Mit dieser Aussage liegt sie nahe beim Befinden. Obwohl mit zartem Gemüt waren in meinen Lebensjahren einige stürmische und kritische Klippen zu überwinden. An der Baby Haut und dem inneren Wesen hat sich dadurch nicht viel verändert. Es kann schon genügen, jemand befindet ich würde nicht so gesund aussehen und schon fühle ich mich nicht mehr so top fit.

Anders herum macht mich eine Tagebuchnotiz von Charles Darwin in einer Biographie sofort gesund, wenn er an einen Arzt schreibt: „Seit 25 Jahren extreme, krampfartige täglich und nächtliche Blähungen. Gelegentliches Erbrechen, dem Schüttelfrost, hysterisches Weinen und halbe Ohnmachten vorausgehen…usw.“ Charles Darwin muss ein willensstarker Mensch an Leib, Geist und Seele gewesen sein, wenn er trotz dieser körperlichen Gebrechen an seinen biologischen Versuchen, Erkenntnissen und Schlussfolgerungen, Die Entstehung der Arten, unermüdlich geforscht und gearbeitet hat.

corona:trostpflaster

Zu Beginn dieses Jahres sind wir mit Aufforderungen uns gegen Corona impfen zu lassen eingedeckt geworden. Dazu hat es immer geheißen, wir sollen uns anmelden. Teilweise sind Stadträte und Gemeinderäte welche für das Gesundheitswesen zuständig sind vorgeprescht. Diese haben eine Anmeldeplattform abseits der offiziellen online Anmeldeportal auf Facebook unter ihren Follower verbreitet. Ganz locker wurde mit dem Input gespielt, wer sich sofort anmeldet, wird zu den Ersten gehören, welche geimpft werden. Langsam ist durchgesickert, dass es einen Impfplan gibt, eine Reihenfolge nach Risikogruppen, nach Alter, nach Systemrelevant. Plötzlich waren die ersten Impfplattformen nur mehr für Personen über 80 Jahren angedacht. Dabei ist es geblieben, bis ein Trostpflaster eintrudelte, ein Schreiben, dass man vorgemerkt ist. Inzwischen hat der Streit darüber zugenommen wer schuld daran ist, dass die Pharmafirmen nicht die gewünschte Menge den COVID Impfstoff liefern. Das i Tüpfchen beim Hickhack wer beim Impfstoffbestellen in der EU gepatzt hat war die Nachricht der obersten Arzneimittelbehörde, dass der Impfstoff von Astra Zeneca für über 65jährige nicht empfohlen wird. Plötzlich wird er für diese Altersgruppe zugelassen, wobei es jetzt zu einem ungeklärten, tödlichen Vorfall beim Impfen gekommen ist.

Damit ist der Impfplan wie ein Schneehaufen in der Sonne zerronnen. Trotzdem gibt es tägliche Erfolgsmeldungen, wieviel und wo geimpft wird. Zusätzlich die überdrüssige Ankündigung, dass die nächsten vierzehn Tage die Schwierigsten in der Pandemie sein werden und dann werden es die Überübernächsten.

corona:senioren

In den Seniorenheimen versucht man zurzeit wegen der Ansteckungsgefahr durch das Coronavirus die digitalen Geräte und die Social Media den Bewohnern schmackhaft zu machen. Welten liegen dazwischen die Hand des Enkel zu erfassen und darüber zu streichen oder ein Handy in die Hand zu nehmen und über den Startbildschirm zu streichen. Die Möglichkeiten mit den Kindern und Urenkeln über das Internet in der Zeit der Besuchseinschränkungen zu kommunizieren wurde gelobt. Die neue Begeisterung deckt bei den Senioren die über Jahrzehnte geübte Abneigung gegen PC und Internet nur notdürftig zu. Bis dato hat man oft nur die Gefahren welche im Internet lauern, vom unnützen Zeitvertrieb beim Surfen im Netz, vom Chatten auf Single Börsen und Facebook mit der Absicht fremdzugehen, wahrgenommen. Jede Freundin hat eine Ehe gekannt, wenn nicht persönlich so vom Erzählen, vom Weitersagen, bei der ein Partner im Internet fündig geworden ist und den Partner verlassen hat. Mit einem solchen  Medium wollte man nichts zu tun haben, erst recht nicht im eigenen Wohnzimmer. Diese Abneigung musste man in Corona Zeiten überwinden. Eine Hoffnung zur Öffnung der Seniorenheime gibt es durch die Impfungen.

In Österreich sind es Virologen und Mathematiker mit ihren Algorithmen, welche darüber entscheiden, ob die Corona Ampel grün, gelb, orange oder rot leuchtet. Die Farbe bestimmt die weiteren Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Mit den wegrationalisierten Beschäftigen will man beim Chiphersteller einen neuen Berufszweig begründen, die Robotertrainer. Diese sollen Robotern lernen menschliche Emotionen zu entwickeln, damit sie in Pflegeheimen eingesetzt werden können. Aufgrund der verschiedenen Psyche der Trainer, ob sensibel, stur, aufbrausend, ehrgeizig, liebevoll, verständnisvoll wird es zu ganz unterschiedlichen emotionalen Robotern kommen.

corona:friedhof

Den Verlust von menschlichen Kontakten in Lockdownzeiten beklagte eine Seminarteilnehmerin, da der Besuch zu den Nachbarinnen eingeschränkt war. Zudem waren alle Museen und Kinos geschlossen, ebenso ein beliebtes Caféhaus, wo sie sich mit Frauen aus dem Bezirk getroffen hat. Davor war sie zwei- bis dreimal die Woche am Nachmittag dort, hat ein wenig in den Illustrierten und Zeitungen gelesen und sich darüber gefreut, wenn sie der einen oder anderen Bekannten begegnet ist. Auch bei sonstigen Aktivitäten herrschte Funkstille, Schaufensterbummel, Seniorennachmittag, selbst der Spaziergang im Park war untersagt. Ohne einen wichtigen Grund durfte man in Wien während des Lockdowns das Haus nicht verlassen. Um die Einschränkungen bei den Bewegungsmöglichkeiten auszuhebeln hat sie täglich das Grab ihres Mannes am Friedhof besucht. Ein Friedhofsbesuch gehörte zu den erlaubten Aktivitäten. Der Friedhof war für sie Caféhaus und Stadtpark Ersatz. Ihre Urgroßeltern waren in Sörg  zu Hause. Mir hat sie auf dem Weg vom Speisesaal zum Fürstenzimmer ein Kärntner Lied vorgesungen: In da Mölltolleitn, in da Sunneseitn durt is mei Dirndl daham…

In den letzten Monaten waren kaum Reisen mit dem Flugzeug möglich. Dies stützt sich auf  eigene Beobachtungen. Über Stunden ist kein einziges Flugzeug am Himmel vom Villacher Becken zu sehen. Fast haben wir uns schon daran gewöhnt, trotzdem mache ich hin und wieder meine Lebensgefährtin auf diesen Umstand aufmerksam. Vor über einem Jahr war es umgekehrt, der Himmel war mit Kondensstreifen zugepflastert. Auch an wolkenlosen Tagen war der Himmel nicht wirklich wolkenlos, denn aus der Fülle von Kondensstreifen bildeten sich kleine Wolkengruppen. Aus dem Tagebuch…

Flieg, Brüderlein flieg.

corona:weltenbrand II

Vor den Corona-Epidemiologen liegt ein unerforschtes Land, wie es für die Forscher der Zentralraum von Afrika war. Vor etwa zweihundert Jahren ging es darum den Verlauf des Nigerflusses zu ergründen. Vor diesen Abenteurer lag ein undurchdringbarer Dschungel, hinter jeder größeren Flussbiegung konnte am Ufer eine unliebsame Überraschung warten. In Form von giftigen Schlangen, räuberischen Tieren oder kriegerischen Eingeborenen die sich gegen die weißen Eindringlinge zur Wehr setzen. Geradeso geht es den Virologen mit dem Coronavirus, vor ihnen liegt ein Virendschungel, wo sie von vornherein nicht wissen, wie sich in nächster Zeit das Virus verändern wird. Ob das Virus seine Strategie das Immunsystem des Menschen zu zerstören verändert, es mit einer neuen Struktur schafft alle aufgebauten Impfbarrieren zu überspringen. Wie es weiter geht, kann man auch nach fünfzehn Monaten Pandemie nicht sagen. Es trifft verschiedene Lebensalter, Berufe und Unternehmen ganz unterschiedlich.

Wie geht es in welchem Lebensalter weiter. Diese Frage muss man im Leben öfter entscheiden.  Eine Rückblende meinerseits. Wo gab es Weichenstellungen, welche mir in den Sinn kommen, die ich selbstbestimmt habe, nicht von den Eltern gefallen. Meine Schulzeit fällt in den Anfang der sechziger Jahre. In der vierten Klasse Gymnasium, im Knabenseminar Tanzenberg, wurde unter uns Schülern darüber diskutiert, wer sich zum Priesterberuf berufen fühlt, wie es der Präfekt und der Regens sich erwarten. Gegenüber dem Vater hat des Regens angedeutet, bei einer Absichtserklärung meinerseits für den Priesterberuf, sollte es Probleme mit den Noten im Gymnasium geben, dann könnte ich in dem Fall mit etwas Nachsicht rechnen. Letztendlich schien mir meine Zukunft mit einer Absichtserklärung dann doch verplant. Im Internat hat sich meine Liebe zum Buch, zur Literatur, zum Schreiben verstärkt. Gefördert vom Deutschprofessor Schinner, die Liebe zur Geschichte geweckt durch die spannenden Erzählungen vom Lateinprofessor Braunecker. Geworden ist es eine Buchhandelslehre in der Buchhandlung Petz in Spittal Drau.