Über schlagloch

Er hat es sich zur Aufgabe gemacht mehrmals die Woche eine kleine Studie zu verfassen und teilt dies per Weblog „schlagloch“ einer stetig wachsenden Internetgemeinde mit. Einzelne Leser treten auf der Internetplattform mit ihm auch in eine Diskussion über das Geschriebene ein. Vom Deutschen Literaturarchiv Marbach werden ausgewählte Online-Publikationen, so auch das Blog „schlagloch“ auf der Plattform Literatur-im-Netz langzeitarchiviert. Einige „Schlaglöcher„ hat er materialisiert und zu Büchern gemacht: Zeitenwandel (2009); Die Beobachtungen (2011); Bruchstellen (2015).

grün:bereich II

In vielen spirituellen Seminaren zur geistigen Gesundheit wird Bezug auf die Mutter Erde genommen, bei den Atemübungen soll man sich erden. Es macht einen großen Unterschied ob diese Übungen in einem Innenraum stattfinden oder ob es möglich ist dieselben auf einer Wiese auszuüben. In den Dörfern gibt es Menschen die viel barfuß gehen, nur soweit es die Arbeit erfordert ein festes Schuhwerk tragen. Diese Bloßfüßler, wie sie abschätzig genannt werden, zeichnet eine robuste Gesundheit aus. Heute ist es teilweise Trend barfuß unterwegs zu sein. Vor sechzig und mehr Jahren war es einer finanziellen Notlage geschuldet. Die Kinder sind bloßfüßig über die Wiesen, Plätze und Feldwege getobt, weil sich manche Familien für jedes Kind nur ein paar Schuhe leisten konnte. Diese waren für den Sonntag reserviert. Alles konnte bloßfüßig erledigt werden, in die Schule gehen, auf dem Hof bei der Arbeit helfen, etwas im Gemischtwarengeschäft holen. Für den Kirchgang am Sonntag gehörte es sich, dass man die Schuhe anzog.

Es ist kein Zufall, dass Parteien, welche unter dem Sammelbegriff Grün bekannt sind, in den letzten Jahren mehr Zulauf haben. Man bezeichnet sie als das grüne Gewissen,  den Wald als die grüne Lunge der Erde.

Atembeschwerden

grün:bereich

Mit dem Farbton grün verbinden uns einige Emotionen. Vorne weg, entdeckt man auf der Wiese die ersten grünen Gräser und Blätter, schon beginnt man vom Frühling zu schwärmen. Wer etwas Geld auf die Budel legt, kann sich Wochen vorher aus einer Blumenhandlung einen Frühlingsboten in die Wohnung stellen. Über die Wintermonate mussten wir uns mit immergrünen Pflanzen begnügen. Sie haben nicht die dieselbe Strahlkraft wie die ersten Blumen, welche unter der Schneedecke hervorlugen. Bevorzugt setzt man im Wohnbereich, bei der Wandfarbe, bei den Vorhängen, den Polstermöbel auf einen Grünton und bringt so die persönliche Stimmung in den grünen Bereich. Salopp begrüßt man sich heute mit dem Spruch, alles im grünen Bereich?  So heißt es, trifft es vielerorts auch nicht zu. Dies verschweigt man gerne. Wer outet sich, dass bei ihm das Signal auf Rot steht, das Gegenteil vom grünen Bereich. In den Städten gibt es ein Gezeter und Gezerre um mehr Grünflächen. Vieles ist Kosmetik, zuerst werden Flächen zubetoniert, etwas weniger brutal, dem Zeitgeist entsprechend zugepflastert.

Zur Behübschung werden Betoncontainer oder Betontröge mit Grünpflanzen auf den Asphalt oder die Pflastersteine gestellt. Wer ein Gespür für Pflanzen hat spürt, wie unwohl sich diese in den Betontrögen fühlen. Um sich voll zu entfalten fehlt ihnen der Kontakt mit der Erde. Erde nicht als Material in einem Gefäß, sondern in Kontakt mit unserem Planet Erde.

Erdhügel

rail:jet

Stehend verfolgen wir im Railjet gespannt die ständig wechselnde Anzeige auf dem Monitor. Unter den Fahrgästen herrscht eine nervöse Spannung, da es darum geht, die Anschlüsse von Regionalzügen zu erreichen. Die Anzeige am Monitor revidiert die planmäßige Ankunft des Railjet im Salzburg Hauptbahnhof nach oben. Aus fünf Minuten werden zehn Minuten und mehr an Verspätung. Die Nervosität und der Unmut unter den Reisenden war im Großraumwagon zu spüren. Die Situation wurde verschlimmert, da bereits am späten Nachmittag die Dämmerung einsetzt und dadurch das subjektive Zeitgefühl um einiges gestört wird. Einige Reisende telefonierten lautstark mit Bekannten, welche sie am Bahnhof erwarteten und teilten ihnen die Verspätung mit. Dramatischer hörten sich die Gespräche bei den Leuten an, welche den Anschlusszug versäumen und zu einem viel späteren Zeitpunkt im Heimatort eintreffen werden. Dabei wurden wartende Kinder oder die Oma welche noch versorgt werden soll, genannt.

In diese aufgebrachte Stimmung mischte ich mich ein, auch bei mir wird der Anschlusszug bereits das Weite gesucht haben. Selbst wenn ich durch die Bahnhofshalle stürmen würde und die Stiege in Riesenschritten nehme, würde ich nur die roten Schlusslichter meines Zuges nach Villach sehen. Meine einzige Wahl ist, in zwei Stunden den nächsten Fernverkehrszug von Salzburg nach Villach zu nehmen. Insofern bin ich in der besseren Situation, da ich mit niemanden telefonieren und meine Verspätung ankündigen muss. Zuhause wartet auf mich unsere Wohnungskatze Sissi. Bei all ihrer Intelligenz und den Fähigkeiten die wir ihr zuschreiben, weiß sie nicht, ob ich zum geplanten Zeitpunkt ankomme. Einerlei ob ich zu Hause zwei Stunden später eintreffen werde. Sissi orientiert sich an den Liftgeräuschen und steht rechtzeitig bei der Wohnungstüre, wenn ich eintrete. Sie verzeiht es mir allemal, wenn ich später nach Hause komme und hat sich diesbezüglich kein einziges Mal beklagt, respektive miaut.

zug:fahren

Ein Ärgernis bei der Benützung von öffentlichen Verkehrsmitteln sind Verspätungen. Wobei ich vorweg feststelle, dass es im Straßenverkehr in den großen Städten ständig mit Staus zu rechnen ist. Von den Fernverkehrsstraßen wissen wir, es kommt immer wieder zu Verzögerungen. Über den Flugverkehr kann ich nichts Wesentliches sagen, da ich nur wenige Mal ein Flugzeug benützt habe. Ich kenne die irrwitzigen Verspätungen und Flugausfälle nur aus den Erzählungen von Freunden und aus den Nachrichten im Fernsehen. Am meisten Routine habe ich beim Zugfahren. In Österreich hapert es mit der Pünktlichkeit in größerem Ausmaß, wenn Züge aus dem benachbarten Ausland an der österreichischen Grenz verspätet eintreffen. Dies betrifft meistens die internationalen Fernverkehrszüge.  Sucht man im Internet für eine Zugreise nach passenden Verbindungen, mit den besten Anschlüssen, dann ist die Zeit im Umsteigebahnhof eventuell zu knapp bemessen. Zwischendurch kann es passieren, dass man den vorgesehenen Anschlusszug verpasst. Auf die nächste solide Verbindung muss man zwei Stunden warten. Ich habe gesehen, dass es bei der Suchanfrage zu Zugsverbindungen eine Einstellung gibt, wo eine längere Umsteigzeit vorsehen ist. Für den beschaulichen Zugtouristen und nicht für den schnellen. Interessant ist der große Unmut bei den Bahnreisenden, kommt es zu kleinen Verspätungen, die täglichen Staus in den Großstädten beim Berufsverkehr nimmt man in Kauf.

Die Einstellung, es ist sinnvoller mit dem eigenen Pkw zur Arbeitsstelle zu fahren setzt sich bei den Urlaubsreisen fort. Immer noch sind viele der Meinung, das eigene Auto ist die bessere Alternative zum öffentlichen Verkehr. Für mich ist es viel bequemer in einem Zug als in einem Pkw zu verreisen. Zum anderem überlasse ich das Fahren und die Beförderung jemand anderem, währenddessen ich bereits den Urlaub genießen kann.  Ich entspanne mich bei einem Imbiss, Gespräch oder Lesestoff.

wörther:see II

Die Saisonarbeit im Hotel Miralago in Pörtschach hat die Schwester in bester Erinnerung. Sie wurde von dem damaligen Besitzers Ehepaar sehr geschätzt. Diese haben sie gebeten für die Wintermonate als Haushaltshilfe mit nach Wien zu kommen. Dort hat sie wie eine eigene Tochter am Familienleben teilgenommen. Einerlei ob Theaterbesuch, Kirchgang oder Einkaufsbummel, sie wurde überallhin mitgenommen. Für uns Geschwister war es ein Höhepunkte der großen Ferien, wenn wir an einem Sonntag die Schwester an ihrem Dienstposten besuchen konnten. Mit dem Zug fuhren wir am frühen Morgen nach Pörtschach, schon die Zugfahrt war für uns ein Erlebnis. Wohin ich schaute in Pörtschach, viele schöne Villen und Hotels, entlang der Hauptstraße ein Geschäft nach dem anderem. Auf den Gehsteigen eine bunte Schar von Urlaubern und immer wieder Autos und Autos. In ihrer Zimmerstunde, die Freizeit zwischen Mittags- und Abenddienst spazierten wir durch den Ort und bekamen in einem Café ein Eis. Zum Abschluss gab es für mich eine Limonade auf der Hotel Terrasse und dazu einen Kuchen oder eine Torte.

Der Vater wechselte ein paar Worte mit der Herrschaft, wie das Chef Ehepaar damals genannt wurde. Es gab nur Lob für die Schwester und der Vater war darob sehr stolz. Danach packten wir unsere Sachen zusammen und fuhren mit dem Zug wieder nach Hause. Möglichst rechtzeitig, dass wir am Abend zum Versorgen der Kühe wieder am Bergbauernhof in Politzen waren. Trotz der kurzen Aufenthalte war es immer schön.

Irmgard