Über schlagloch

Er hat es sich zur Aufgabe gemacht mehrmals die Woche eine kleine Studie zu verfassen und teilt dies per Weblog „schlagloch“ einer stetig wachsenden Internetgemeinde mit. Einzelne Leser treten auf der Internetplattform mit ihm auch in eine Diskussion über das Geschriebene ein. Vom Deutschen Literaturarchiv Marbach werden ausgewählte Online-Publikationen, so auch das Blog „schlagloch“ auf der Plattform Literatur-im-Netz langzeitarchiviert. Einige „Schlaglöcher„ hat er materialisiert und zu Büchern gemacht: Zeitenwandel (2009); Die Beobachtungen (2011); Bruchstellen (2015).

kar:freitag

Bei der Karfreitagsdiskussion wurde in ökumenischer Eintracht, von den Spitzen der evangelischen und der katholischen Kirche vorgeschlagen, den Pfingstmontag für einen freien Karfreitag einzutauschen. Ob uns Katholiken die Institution Kirche, bei den Turbulenzen in Kärnten und den sexuellen Missbrauchsfällen durch ihr Kaderpersonal noch glaubwürdig nach außen hin vertreten kann, ist fraglich? Keiner der katholischen Würdenträger wurde von uns Kirchenmitgliedern in freier Wahl gewählt. Zumeist werden die Spitzenpositionen in den einzelnen Bistümern von Rom fremdbestimmt. Ein demokratischer Umkehrschluss wäre, dass die Bischöfe dereinst von den Gläubigen in einer freien Wahl gewählt werden. In Angleichung an das Prozedere in der Demokratie, könnten die Bischöfe dann in einer geheimen Wahl den Papst wählen.

Eine Variante wäre, den Österreichern die Möglichkeit zu geben, selbst darüber abzustimmen, wie sie es in Zukunft mit dem Karfreitag halten wollen? Ob sie zu einem Feiertagstausch bereit sind? Zum Wesen einer Demokratie gehört, dass die Regierungsvertreter von den Bürgern gewählt werden. Die Menschen haben die Möglichkeit eine Partei zu wählen, welche ihrer Lebensauffassung am besten entspricht. Zudem gibt es spezifische Interessenvertretungen wie Arbeiter- oder Wirtschaftskammer. Auch bei diesen Gremien werden die Funktionäre von den Mitgliedern in einer freien Wahl gewählt.

Bischofswahl

spenden:vorhang

Geht es um die Stabilisierung einzelner Zonen in Afrika, um den Aufbau lokaler Infrastruktur oder Kleingewerbebetrieben, so liest man darüber selten etwas erfreuliches. Wenige Meldungen, dass dies und jenes in den letzten Jahrzehnten erledigt wurden. Muss ich annehmen, dass jenes, was durch die Entwicklungshilfe erreicht wurde, durch bürgerkriegsähnliche Konflikte wieder zerstört wurde?

Wie kreativ manche Spendenaufrufe sind, zeigte sich während einer Messfeier in der Vorweihnachtszeit in Völkendorf. Zwei Ministranten hatten eine Kutte über, ein Ministrant hatte sich in Rock und Bluse gezwängt. In einer Live Aktion bemühte sich ein Mitglied des Pfarrgemeinderates die Messebesucher auf diese missliche Lage hinzuweisen. Dazu stellte sie die drei Ministranten vor und erzählte, die Pfarre verfüge nur über zwei Kutten. Der dritte Ministrant fühle sich in seinem alten Outfit unwohl. Das Unwohlsein konnte man dem Ministranten am Gesicht ablesen. Dies betraf nicht nur sein Gewand, wohl auch die öffentliche Zurschaustellung. Wie auf einem Marktplatz des siebzehnten Jahrhunderts, bei einer menschlichen Abnormität.

Das Mitglied des Pfarrgemeinderates bat um Spenden für den Kauf einer dritten Kutte. Dabei geht es für die Pfarre um einen Betrag von maximal hundert Euro, der im Haushaltsplan kein Problem sein dürfte? Wenn unerschwinglich, genügt dann nicht ein Spendenaufruf, ohne den Jugendlichen vor den Vorhang zu holen?

Bischöfliches Mensalgut

spenden:ok

Die Weihnachtszeit liegt drei Monate zurück, man blickt mit Abstand auf diese Zeit. Wundert sich darüber, bei welchen Aktionen man dabei war. In den letzten Stunden vor dem Heiligen Abend wurde im Fernsehen um Spenden für die Opfer der Hochwasserkatastrophe in Kärnten geworben. Für die Spendenfreudigkeit dürfte es einen Unterschied machen, ob das Geld in unmittelbarer Nachbarschaft eingesetzt wird oder ob ein Projekt in einem fernen Kontinent unterstützt wird. Die Identifizierung mit Landsleuten ist größer, als mit jenen, wenn ein Meer dazwischenliegt. Es kann noch so viel gepredigt werden: Wir sind eine Welt, wir sind alle Brüder und in unseren Adern fließt dasselbe Blut. Wahrscheinlich verpufft der Appell, weil man ihn schon oft gehört hat. Anderseits aus den Nachrichten erfährt, dass in Afrika Kriege zwischen Volksgruppen herrschen und dabei westliche Staaten mitmischen. Die Bescheidene Infrastruktur durch Kampfhandlungen vernichtet wird. Wie viel zerstört Munition um hundert Euro, was kann mit hundert Euro aufgebaut werden?

Seit den letzten zwei bis drei Jahren setzen sich europäische Politiker dafür ein, die Lebensbedingungen in Zentralafrika zu verbessern. Angefeuert durch die Prognose von den zu erwartenden Wirtschaftsflüchtlingen. Bei mir keimt die Frage auf, was ist in den letzten fünfzig Jahren mit den Geldern der Entwicklungshilfe passiert? Warum herrscht in diesen Ländern ein solches wirtschaftliches und soziales Desaster? Hat man bei der missbräuchlichen Verwendung der Transferzahlungen ein Auge zugedrückt? Der eine und andere Potentat vereinnahmte einen Teil der Entwicklungshilfe und garantierte anderseits die Rohstofflieferungen nach Europa. Wo ist die öffentliche Aufsichtspflicht  beim Einsatz der Entwicklungshilfe geblieben? Die Gelder wurden aus den Steuerleistungen zur Verfügung gestellt. Kontrollorgane konnten drei bis fünf Tage in einem luxuriösen Hotel übernachten und haben ein oder zwei Objekte nach Vorschlag des Gastgebers kontrolliert. So hat man den schönen Schein bewahrt.

Misswirtschaft

stuben:rein

In den 60er und 70er Jahren war es selbstverständlich, dass in den Werkstätten, Magazinen und Verkaufslokalen die Lehrlinge für Sauberkeit sorgten. Dabei wurde zwischen männlichen und weiblichen Lehrlingen kein Unterschied gemacht, niemand blieb von den Putzarbeiten verschont. Hatte der Kundenbereich einen Terrazzo Boden, war er im Vergleich zu einem Bretterboden, leichter zu reinigen. In den Firmen gab es zumeist einen Staubsauger. In der Buch- und Papierhandlung am Spittaler Bahnhof war die Verkaufsfläche der kleinere Teil, größer war das Magazin. Als jüngster Lehrling war ich dort tageweise mit dem Auspacken von Waren, dem Aufräumen in den Schubladen und dem Staubwischen in den Stellagen beschäftigt. Das Kellermagazin der Papierhandlung und jenes vom Feinkostgeschäft von nebenan, befanden sich Tür an Tür, unter den Verkaufslokalen. Die Keller waren  von außen über eine Stiege erreichbar. Mit dem Lehrmädchen vom Feinkostgeschäft verabredete ich mich zum gemeinsamen Kelleraufräumen. Dabei gehörte der Verzehr von einem Salzweckerl mit sauren Essiggurken und ein Sunkist Orange dazu.

Das Stubenrein oder hieß es Besenrein während der Bundesheerzeit in der Grazer Belgierkaserne wurde per Befehl angeordnet. Die Unterkünfte wurden vor dem Wochenende geputzt, dazu kam das Stiegenhaus und die Toiletten. Die Holzböden der Zimmer wurden mit einer Stielbürste geschrubbt. Für die meisten Grundwehrdiener war dies eine ungewohnte Tätigkeit. Die Toiletten wurden von Rekruten mit einer Disziplinarstrafe gereinigt. Nur diejenigen durften die Kaserne zum Wochenende verlassen, deren Unterkünfte stubenrein waren. Kontrolliert wurde die Sauberkeit vom Stubenältesten. In Mietverträgen gibt es heute noch den Passus, dass bei Auflösung des Mietvertrages die Wohnung stubenrein beziehungsweise besenrein zu übergeben ist.

Wetzelsdorf