Religion…

Religionsausübung setzt eine Gemeinschaft voraus. Einer der Eckpfeiler sind die gemeinsamen Feiern mit Zeremonien und Ritualen, welche es außerhalb der religiösen Gemeinschaft, in der profanen Welt so nicht gibt. Die Kirche bietet ihren Mitgliedern auch soziale und institutionelle Dienste an. Bei den Katholiken steht am Sonntag der Gottesdienst mit der Eucharistiefeier im Mittelpunkt des religiösen Lebens. Gerade dabei hat sich in den letzten Jahrzehnten vieles gewandelt, der Besuch der Sonntagsmesse ist von Erosion bedroht. Ausnahmen sind, wenn in Verbindung mit der Sonntagsmesse ein musikalischer Leckerbissen oder ein spezielles Ritual gefeiert wird. Die folgenden Betrachtungen beleuchten Religionsausübung und Gemeinschaft im Alpenraum. 

Tief verwurzelt war die Gemeinschaft in den Landgemeinden bis in die 80er Jahre. Wollte der Landpfarrer von der Bevölkerung akzeptiert werden, sollte er zumindest bei einem Verein im Dorf Mitglied sein. Ob dies der Gesangs- oder Jagdverein oder die Feuerwehr war, war einerlei. In der Sonntagsmesse versuchte er den bäuerlichen Dickschädeln etwas aus der Bibel, von den geistigen Schätzen, die im Evangelium schlummern, zu vermitteln. Am besten funktionierte dies mit Gleichnissen die der bäuerlichen Welt entstammen: Vom Sämann, dem verlorenen Schaf oder den Arbeitern im Weinberg. In die Predigt eingestreut waren Zurechtweisungen, wenn es Konflikte unter den Nachbarn gab oder dem Pfarrer Familienzwistigkeiten zu Ohren gekommen sind. Zumeist waren es Zerwürfnisse zwischen den Jungen und den Alten und das Verhalten den Frauen gegenüber. Den Landwirten einzuhämmern, dass die Bäuerin nicht schlechter behandelt werden soll als eine Milchkuh. Der Besuch der Sonntagsmesse hatte im ländlichen Bereich zu dieser Zeit auch seine soziale Dimension. Am Kirchenplatz bildete sich ein Forum, wo sich die Bauern über den aktuellen Marktpreis für Schweinefleisch oder den Preis für Brennholz unterhalten konnten. Den Nachbarn konnte man ansprechen, ob es am kommenden Donnerstag möglich war, dass er zum Pflügen sein zweites Pferd borgt? In der Ferndorfer Pfarre bildete sich eine Zwei Klassengesellschaft. Hier waren die Land- und Bergbauern und die Handwerker, dort die Angestellten und Arbeiter vom Heraklithwerk. Für die Ersteren hatte der Besuch der Sonntagsmesse in St. Paul und für die Zweiteren der Besuch des Frühschoppens im „Café Valente“ im Ort, oberste Priorität. Für die Halbwüchsigen waren es zwei Treffpunkte, wo sich Burschen und Mädchen kennenlernen konnten. Wer von den halbwüchsigen Burschen ein Moped besaß war bei den Mädchen im Vorteil. Er kurvte um die Mädchen solange herum, bis sich eines der Mädchen erbarmte und sich zu ihm auf den Soziussitz schwang.  

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