JOHANNES:kapelle

Der Gailtal Radweg von Hermagor nach Villach durchquert Nötsch im Ortszentrum. Dabei werden zwei interessante Sehenswürdigkeiten im Sinne des Wortes und auch geografisch links liegengelassen. Die denkmalgeschützte Häuserzeile im Ortsteil Saak und die Pfarrkirche von Nötsch. An der Außenmauer der Pfarrkirche befindet sich, in „verkümmerten Zustand“, ein Fresko des Nötscher Maler Anton Kolig. Die lebensgroßen Figuren zeigen eine Madonna mit einem Kind am Arm, rechts und links musizierende Engel. Die weiblichen und männlichen Engel nackt, bis auf einen Lendenschurz. Die dominierende Farbe bei den Flügeln und dem Kleid der Madonna ist blau. An diesen Besonderheiten radeln die meisten vorbei, das nächste Etappenziel, den Ort Oberschütt, vor Augen. Wenige Kilometer abwärts findet dieses Fresko seine zeitgemäße Fortsetzung. 

In der Schütt beim „Johannisbrünnerl“ ist durch eine Privatinitiative eine Kapelle errichtet worden. „Ohne öffentliche Geldmittel und unter Ausschluss der Öffentlichkeit“, wie der pensionierte Hafnermeister auf der Baustelle sagte. Die Kapelle, die an der Stelle steht, wo durch den  Dobratschabsturz die Kirche St. Johann zerstört wurde, schmiegt sich an den Berg.  Auch hier radeln, manchmal müsste man sagen „rasen“, die meisten Radfahrer vorbei. Sie sind auch nicht durch den steilaufragenden Berg, wo der Sendeturm am Gipfel wie ein Fingerzeig Gottes in den Himmel ragt, zu stoppen. Die Außenanlage der Kapelle fügt sich durch die vielen Natursteine harmonisch in die Schutthalden, die die Schütt durchziehen, ein. Das „Johannisbrünnerl“ und die Holzbänke werden den Einen und Anderen zum Rasten bewegen. Sich niederzusetzen auf „Eine Bank zum Nachdenken“ und vielleicht miteinander ins Gespräch kommen. Es wird ein Anziehungspunkt für jene werden, die einen Ort der Besinnung suchen. Für solche, die ihre Frömmigkeit nicht bei der Sonntagsmesse zur Schau stellen.

Madonna, Helga Druml

Ausgestaltet wurde die Kapelle mit einem dreiteiligen Fresko von der Nötscher Malerin Helga Druml. Das Fresko mit den lebensgroßen Figuren schließt an jenes, an der Kirchenmauer in Nötsch an. An der Stirnseite der Kapelle sitzt die Madonna auf einen umgestürzten Baum, wie sie überall in der Schütt anzutreffen sind. Das nackte Jesuskind auf ihrem Schoß stehend, daneben ein Mädchen im Kindesalter, so als wäre Jesus der „kleine Bruder“. Alle drei blicken die Besucher mit offenen Augen an und lächeln. Die Bekleidung hat die Farbe Blau. Ein Blau, wie es nur hier am Himmel, rund um den Dobratsch, zu sehen ist.                                               

Auf der rechten Wand ein Engel mit einer Schneerose in der Hand, und zwei Flügeln. Ein offenes Gesicht, welches einem zulächelt, wo man sich wünscht solch einem Engel zu begegnen, ob im Diesseits oder im Jenseits. Es kann sein, dass wir zu wenig achtsam sind und ein Engel mit ausgebreiteten Flügeln ist in unserer nächsten Nähe und wir übersehen ihn. Auf der anderen Seite ist der Heilige Johannes als Schäfer dargestellt, wie er auf den Almwiesen rund um den Dobratsch seinen Dienst versehen hat. Um die Schultern hat der das Fell von einem erlegten Wild, zu seinen Füßen steht ein Schaf. Für einen  Gailtaler hat er eine etwas dunkle Hautfarbe. Er ist ein Mischling, aus den verschiedenen Völkern, die hier über die Jahrtausende vom Süden in den Norden und vom Norden in den Süden gezogen sind und hier ihre genetischen Spuren hinterlassen haben. 

Ein Gedanke zu „JOHANNES:kapelle

  1. Hallo!

    Es stimmt mich nachdenklich, obwohl nicht sehr religiös, dass Franca nach 24 Stunden Abgängigkeit bei der Johanneskapelle gefunden wurde. Franca ist die Tochter von Helga Druml, welche die Fresken in der Kapelle gestaltet hat. Manche würden sagen ein „Wunder“. Auf jeden Fall hat der Schutzengel, der eine Seite der Kapelle ausfüllt, seine Flügel über Franca ausgebreitet.

    Gladiole

    http://www.krone.at

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