jausen:brot I

Der erste Schritt, sich von der Gesellschaft zurückzuziehen beginnt damit, dass man die Normen, welche die Gesellschaft aufgestellt hat, die sie nach außen und innen zusammenhält, nicht akzeptiert. Manche Forderungen findet man skurril, wo und bei wem man sich anstellen muss, um verschiedene Formalitäten zu erledigen. Dabei erlebt man, wie unterschiedlich, um nicht zu sagen wie willkürlich bei den Behörden vorgegangen wird. Zur Veranschaulichung genügt ein alltäglicher Vorgang, die Anmeldung des Hauptwohnsitzes. Ausgestattet mit dem Ausweisdokument Reisepass begibt man sich zum Meldeamt auf das Magistrat. Dort gibt es mehrere Büros die für die Anmeldung zuständig sind. Bei zwei Türen leuchtet das grüne Licht, die Aufforderung zum Eintreten, auf. Das grüne Licht heißt einem willkommen, mit einem Klopfzeichen tritt man ein.

Der vorwurfsvolle Blick, den einem der Beamte zuwirft, spricht eine deutliche Sprache, irgendetwas hat man falsch gemacht. War es ihm unangenehm, da er gerade dabei ist sein Jausenbrot zu verzehren und hat man ihn dabei gestört? Er hat ein Jausenbrot, wie es sie früher gab, keines dieser modischen Sandwich, in seiner Hand. Wahrscheinlich hat ihm heute Früh seine Frau, die zwei Stück Schwarzbrotscheiben mit etwas Butter bestrichen, dann mit reichlich Tirolerwurstscheiben belegt und zur Geschmacksverstärkung zwei Blatt Emmentalerkäse daraufgelegt. Damit es keine trockene Angelegenheit wird, separat zwei Stück saure Essiggurken in Fettpapier eingewickelt. Die Wurstbrote fein säuberlich in der Mitte durchgeschnitten und alles in einer lebensmittelechten Frischehaltebox verstaut.

Schmackhaft.

3 Gedanken zu „jausen:brot I

  1. Hallo Gerhard!

    Ganz „alte Schule“. Der Mann als Beamter und die Frau als Hausfrau.

    Gruss schlagloch.

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