unken:ruf III

Nach diesem historischen Rückblick empfinde ich es wohltuend und unspektakulär, wenn ich bei einem Besuch des Residenzschloßes Ludwigsburg im Gewächshaus folgende Ankündigung gelesen habe: Regionaltreffen „der Gesellschaft für fleischfressende Pflanzen,“ Ludwigsburg 4.bis 5.Juni 2016. Danach folgen die Ankündigung verschiedener Programmpunkte, die Auflistung der botanischen Referate und deren Referenten.

Hinter dem Anspruch fleischfressender Pflanzen stellt man sich als Außenstehender schreckliches vor, bis zu menschenfressenden Pflanzen. Wie die Ausstellung im dortigen Gewächshaus zeigt sind damit Pflanzen und Blumen gemeint, welche in der Lage sind, Mücken oder andere kleine Insekten festzuhalten. Danach werden sie durch die Magensäfte der Pflanzen verdaut. Das Berühren der Pflanzen mit einem Finger hat für den Menschen keinerlei Folgen. Schön, wenn sich Menschen von den aktuellen Kriegs- und Terror- und Vergewaltigungsszenarien abkoppeln können und sich über ein Wochenende den Gefahren, welche von den fleischfressenden Pflanzen ausgehen, zuwenden.

Bei der Bestellung von Original schwäbischen Maultaschen, die nur einmal in der Woche serviert werden, mittwochs, erfahren wir nach ein paar unverbindlichen Sätzen, einiges aus dem Leben der Rathauskellnerin. Sie bedauert, dass ihr älterer Freund, welcher über siebzig Jahre alt ist, noch immer nicht in Pension gehen will. Sein Papiergeschäft, insbesondere sein Handel mit Münzen lässt ihn nicht los. Täglich eilt er morgens vor acht in den Laden, um abends nach 18 Uhr nach Hause zu kommen. Es gibt keinen größeren Urlaub im Jahr und dies schon über Jahrzehnte. Nur eine gesundheitliche Beeinträchtigung, welche sie ihm nicht wünscht, könnte ihn zum Einlenken bringen. Damit ist gemeint, dass er endlich in Pension geht.

Rosengarten

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