Vom Gardemädchen…

…einen Kuss ergattern.

Von meiner Zeit als Lehrling in der Papier- und Buchhandlung Petz in Spittal /Drau weiß ich, wie gerne Scherzartikel in den sechziger und siebziger Jahren zur Unterhaltung verwendet wurden. In der Faschingszeit wurden auf jedem Hausball und Gschnasfest von einigen Besuchern damit andere zum Narren gehalten.  Ein bekannter Großhändler für den Vertrieb von Saisonartikel, wie Faschingskostüme, Masken, Perücken, Requisiten und Scherzartikel, Krampus Masken, Lampions und Girlanden sowie Feuerwerk war die Firma ED. Witte in Wien.  Der Vertreter dieser Firma hat mit einer Postkarte seinen Besuch in der Papierhandlung ein paar Tage vorher angekündigt. Dem Vertreter stellte die erste Verkäuferin in einer Ecke im Verkaufsraum ein Stockerl zur Verfügung wo er sich, während er die neue Faschingskollektion präsentierte, zwischendurch niedersetzen konnte. Aus einem großen Koffer holte er Tablett für Tablett um das umfangreiche Kleinzeug zu zeigen. Angefangen mit Bärten zum Aufkleben, Gumminasen und Ohren, Faschingsbrillen, dazu der passende Brillantschmuck, die goldenen Ringe mit Edelsteinen besetzt und die Zigeunerohrringe. Keine Faschingsveranstaltung ohne Scherzartikel, echte Hingucker waren Hundehäufchen und Erbrochenes.  Für Gekreische unter den Damen sorgte der blutende Daumen oder das abgetrennte Ohrwaschel. Als Hauptspeise wurden täuschend echt wirkende Eierspeise oder ein paar heiße Frankfurter aus Kunststoff serviert. Dazu wurde ein Glas Bier heller Freude serviert, mit dem Vorteil, dass es nie leer wurde. Wer das Bier auf das Gesicht des Tischnachbarn zielte, wurde dafür nicht bestraft. Ein sexy Girl verbarg sich in einem Etui und wer danach neugierig war und daran zog, für den schnappte die Mausefalle zu.  

 

Am Fasching Samstag regierten die Narren in Spittal / Drau.  Die Handelsangestellten waren maskiert und in jedem Geschäft gab es eine kleine Bar und die Kunden wurden mit hochprozentigem bewirtet. Die Gardemädchen, das Prinzenpaar und eine Blasmusikkapelle zogen durch die Straßen und ließen die Kaufleute hochleben. Wer als Lehrling keck war, konnte von einem Gardemädchen einen Kuss ergattern oder sich an den üppigen Busen einer maskierten Kundin schmiegen.

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