…wie wir leben.
Martin Heidegger sieht in seinem Werk Sein und Zeit den Menschen als hineingeworfen in die Welt. „Darüber hinaus aber verleiht das Bild vom Wurfe, dem Ganzen der so begonnenen Existenz eine Qualität des Dynamischen. (…) Es gibt Vergangenheit und Zukunft, woher wir kommen und wohin wir eilen, und die Gegenwart ist nur der Augenblick der Erkenntnis selber…“[1] Dazu merkt Hans Jonas an, wenn es ein hineingeworfen gibt, „was ist der Wurf ohne den Werfer und ohne einen Ort woher.“ [2]Die gnostische Geworfenheit ist meinem Denken nach eine humanere Vorstellung, als die Vorstellung des Existenzialismus, die Absurdität des Daseins oder des Nihilismus, die Nichtigkeit alles Seienden.
„Der gnostische Mensch ist geworfen in eine widergöttliche und daher widermenschliche Natur; der moderne Menschen in eine gleichgültige. Erst letzteres bedeutet das absolute Vakuum, den wirklich bodenlosen Abgrund. (…) Dass die Natur sich nicht kümmert, ist der wahre Abgrund.“ [3] „Wenn aber die tiefere Einsicht Heideggers richtig ist, dass angesichts unserer Endlichkeit wir finden, dass es uns darum geht, nicht nur dass wir, sondern auch wie wir existieren, dann muss die bloße Tatsache, dass es ein solches Interesse irgendwo in der Welt gibt, auch die Ganzheit qualifizieren, die diesen Tatbestand enthält und erst recht, wenn sie ihn hervorgebracht hat.“[4] Es geht nicht nur darum das wir leben, sondern auch wie wir leben. Damit ist neben dem materiellen Wohlbefinden vor allem das psychische Wohlbefinden gemeint. Trotz hohem Wohlstand in der westlichen Welt klagt eine breite Bevölkerungsschichte über Unlust, Überforderung und Sinnverlust im Alltag.
[1] Seite 367, Hans Jonas , Das Prinzip Leben, 2. Auflage 2011, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main [2] Ebenda, Seite 371 [3] Ebenda, Seite 371 [4] Ebenda, Seite 372