…und Gemeinschaft II
Im Jahreskreislauf der christlichen Familien und Personen bilden die kirchlichen Feste einen stabilen Rahmen. In den Alpenländern reichen die christlichen Rituale in das profane Leben hinein: Nikolaus, Heiliger Abend, Aschermittwoch, Auferstehungsfeier, Maria Himmelfahrt, Allerheiligen, um einige zu nennen. Das Mitfeiern dieser kirchlichen Feste ist auch eine Abgrenzung zur profanen Welt, wo diese zum Konsumevent verkommen sind. Dazu kommen die ganz persönlichen Sakramente die den Lebenslauf mittragen: Taufe, Erstkommunion, Firmung, Hochzeit und Begräbnis. Diese Rituale stärken auch das Familienleben, sie stehen dafür, dass ein größerer Kreis der Verwandtschaft zusammentrifft. Beim gemeinsamen Beten merkt man, dass einige der Verwandten schon lange nicht mehr am christlichen Leben teilnehmen. Heute sind diese religiösen Feiern einige der Anlässe, wo die Verwandtschaft leiblich anwesend ist und nicht virtuell am Smartphone. Das gemeinsame Rituale zum Leben dazugehören zeigte sich bei Feiern, wo die religiösen Zeremonien durch einen Priester abgelehnt werden. Dort ersetzt man dann den Priester, bei Hochzeiten und Beerdigungen, durch profane Hochzeitsredner und Trauerredner.
Während des Gottesdienstes hat die Wandlung eine besondere Bedeutung, es geht um die leibliche Präsenz Jesus, keine virtuelle. Der Wein und das Brot werden in das Blut und den Leib des auferstandenen Herrn umgewandelt. Mich stört daran, dass das Blut extra hervorgehoben wird, im Leib Christi müsste, so wie bei uns, das Blut integriert sein. Die Aufforderung Blut zu trinken weise ich zurück. Aufgewachsen in bäuerlichen Verhältnisse war es meine Aufgabe als Jugendlicher, beim Schweineschlachten das stoßweise herausspritzende Blut in einer Pfanne aufzufangen. Im Winter bildete sich schnell im Schnee eine rote Blutlache. Die erste Speise vom frisch geschlachteten Schwein, deren zwei Hälften noch körperwarm am Schragen hingen, war eine Blutsuppe.
Einen Wechsel in der Art der religiösen Gemeinschaft gab es, als ich vom Dorf in die naheliegende Stadt übersiedelt bin. Vordergründig waren die Gottesdienste feierlicher, es gab mehr schöne Musik und Gesang. Die sakralen Handlungen waren sich sehr ähnlich, das Plauscherl am Kirchplatz wurde durch das Pfarr-Café ersetzt. Kein profanes Bier mehr in der nahegelegenen Gastwirtschaft, sondern es wurden Kaffee und selbstgebackener Kuchen serviert. Beim Pfarr- Café konnte man an den Stadtgeistlichen Fragen zum Sonntagsevangelium oder seiner Predigt stellen. Der pensionierte Pfarrer betreute seine Schäfchen, ältere Bürgerswitwen, welche sich über jede Ansprache freuten. Männer sind beim Pfarr-Café eine Minderheit, damit zeigt sich hier dasselbe Sittenbild wie bei anderen Vereinsangeboten. Ein beliebtes Gesprächsthema sind die kommenden oder vergangenen Pilgerreisen, reisen boomt auch in kirchlichen Kreisen. Die Fußwahlfahrten sprechen einen kleinen Kreis von Gläubigen an, zu der bekanntesten und traditionellsten Wahlfahrt in Kärnten zählt der Vierbergelauf. Wie lassen sich die Rituale der Messfeier beibehalten und die kirchliche Gemeinschaft in das 21. Jahrhundert retten?
LV-Religionen und Religiosität, Paris Lodron Universität.