…Hoffnungsbaum
Dem Gefühl nach habe ich vor ein paar Tagen die letzten Weihnachtsdekorartikel in Kartons verpackt und im Kellerabteil verstaut. Die gläsernen Engel, welche für eineinhalb Monaten die Wohnung geschmückt haben in Zeitungspapier eingewickelt, um sie vor einen Bruch zu schützen. Die dekorativen Kerzen mit Wellpappe umhüllt, um sie vor Macken zu bewahren. Für die Christbaumkugeln, welche den lebenden Christbaum auf der Loggia schmücken, haben wir zur Aufbewahrung leere Eierkartons. Die etwa eineinhalbmetergroße Fichte ist vor über einem Jahrzehnt von einer Woche zur anderen aus einem Blumentrog auf der Loggia gewachsen. Als zartes Bäumchen, besser Pflänzchen, hat sie den ersten Winter überstanden und ist von Jahr zu Jahr größer geworden. Sommer für Sommer trägt der Wind verschiedene Samen von Bäumen und Sträucher aus dem naheliegenden Wald auf die Loggia. Im Frühjahr sprießen alle möglichen Pflänzchen aus der Erde vom Blumentrog, manche verdorren mit Ende des Sommers, andere werden von mir entfernt. Als Experiment habe ich einer kleinen Pflanze eine Chance gegeben zu wachsen. Aus dem Bäumchen wurde eine Fichte mit einem schönen Wuchs, dieser Baum dient uns seit ein paar Jahren als Christbaum.
Von der Wohnung aus haben wir, durch die Glastüren, die Möglichkeit den mit Christbaumkugeln und einer Lichterkette geschmückten Baum zu bewundern. In der Adventzeit begrüßt mich der Christbaum morgens mit seiner Lichterpracht und verabschiedet mich abends in eine gute Nacht. In der Fantasie steht er mitten im Wald und bereitet allen was dort kriecht und läuft eine Freude. Eine kindliche Vorstellung in den Wochen um die Weihnachtszeit. Es ist eine Frage von Jahren wann wir uns von der Fichte trennen müssen um zu verhindern, dass die Wurzeln Schäden an den Betontrögen anrichten. Jedes Jahr verlängern wir diese Entscheidung um ein Jahr. Wir lassen ihn in der Hoffnung wachsen, dass wir in einem Jahr wieder Weihnachten feiern werden.
Ach, da kann man sich doch gar nicht trennen.
Würde mir auch echt schwer fallen ..🎄