… desselben kosmischen Stoffes.
Wenn die moderne Naturwissenschaft den Menschen nur als eine physikalische und mechanische Maschine sieht, so ist dies für Hans Jonas ein absurdes Menschen- und Weltbild. Für ihn ist beim Menschen nicht alles mechanisch erklärbar. Der Mensch ist mehr als ein physikalisches und mechanisches Sein. Beides würde, alles was den Menschen auch ausmacht, Bewusstsein, Gefühl, Freiheit, Trauer, Freude u. v. a. abschaffen. Hans Jonas folgert, dass auch außerhalb der menschlichen Natur Phänomene wie Bewusstsein und Freiheit enthalten bzw. möglich sind. Im Menschen schlägt die Natur die Augen auf. „Vielleicht ist in einem richtig verstandenen Sinne der Mensch doch das Maß aller Dinge -nicht durch die Gesetzgebung seiner Vernunft- aber durch das Paradigma seiner psychophysischen Totalität, die das Maximum uns bekannter, konkreter ontologischer Vollständigkeit darstellt, von dem aus die Klassen des Seins durch fortschreitende ontologische Abzüge bis zum Minimum der bloßen Elementar-Materie reduktiv bestimmt werden.“[1]Die Materie trägt für Hans Jonas die Möglichkeit in sich, dass Bewusstsein und Freiheit entsteht. Das Geistige ist auch in der Materie enthalten, auch die Natur hat Zwecke. Er nimmt an, dass der Gewinn für das Verstehen des Organischen, im Verstehen für das Menschliche liegt.
In seinem Essay, Das Herz der Materie, entwirft der Paläontologe und katholische Theologe Pierre Teilhard de Chardin[2] seine Weltsicht. „Um sich ganz und gar wohl zu fühlen, um vollkommen glücklich zu sein, muss man wissen, dass irgendetwas Wesentliches existiert, von dem der ganze Rest nur Zubehör oder Schmuck ist.“ [3] „Aufgrund meiner Erziehung und meiner Religion hatte ich bis dahin stets folgsam, ohne übrigens weiter darüber nachzudenken, eine grundlegende Andersartigkeit zwischen Materie und Geist angenommen. Leib und Seele, Unbewusstes und Bewusstes, zwei Substanzen von verschiedener Natur, zwei Arten des Seins, auf unbegreifliche Weise im Lebendigen verbunden…“[4] „Man stelle sich deshalb mein inneres Erlebnis der Befreiung vor, als ich bei meinen ersten zögernden Schritten in einem evolutiven Universum feststellte, dass der Dualismus, in dem man mich bislang festgehalten hatte, sich wie ein Nebel in der aufgehenden Sonne auflöste : Materie und Geist, gar nicht zwei Dinge, sondern zwei Zustände, zwei Gesichter ein und desselben kosmischen Stoffes, je nachdem man ihn betrachtet.[5]
[1] Seite 45, Hans Jonas , Das Prinzip Leben, 2. Auflage 2011, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main [2] Pierre Teilhard de Chardin, geb. 1881 in Sarcenat, gest. 1955 in New York [3] Seite 29, Pierre Teilhard de Chardin, Das Herz der Materie, Patmos Verlag, 2. Auflage 2002 [4] Ebenda, Seite 42 [5] Ebenda, Seite 43