…der Taten.
„Statt sie, die Endlichkeit, zu verleugnen, beanspruchen wir unsere Vergänglichkeit: …ja wir bestehen darauf, dem Nichts uns gegenüberzustellen und die Kraft zu haben, mit ihm zu leben. So wirft sich der Existentialismus, dieser extreme Spross der modernen Stimmung oder Verstimmung, ohne die Sicherung eines geheimen Rettungsseiles in das Wasser der Sterblichkeit.“ [1] Der Nihilismus und der Existentialismus sind neue philosophische Strömungen in der Gesellschaft. Ob das Bedürfnis des medial vernetzten Menschen, von sich permanent Alltagsfotos, Selfies, in das Internet hochzuladen, eine Gegenströmung zum Existentialismus darstellt, ist des Nachdenkens wert. Auf Instagram, ein kostenloser Online-Dienst zum Teilen von Fotos und Videos, werden laut einer Statistik aus dem Jahr 2016, in jeder Minute mehr als 1,1 Millionen Fotos und Videos gepostet und damit täglich ca. 26,4 Millionen Beiträge hochgeladen.[2] Neben Instagram gibt es noch weitere soziale Netzwerke, wo Fotos und Videos hochgeladen werden können. Ist das Präsent sein im World Web, wenn auch vom großen Teil der Benutzer unbewusst, ein Versuch etwas von sich in einem Paralleluniversum zu speichern? Um später einmal als Vierzigjähriger, sich selbst im Internet als Vierzehnjährigen zu begegnen?
Einen anderen Weg zeichnet Hans Jonas in Prinzip Leben und führt versuchsweise den Begriff Unsterblichkeit der Taten ein: „Mit anderen Worten, ich spreche von der Möglichkeit, dass Taten sich selbst eintragen in ein ewiges Register der Zeitlichkeit; sich in alle Zukunft einem transzendenten Reiche einfügt und es prägt nach Gesetzen der Wirkung, die anders sind als die der Welt“.[3] „Nicht die Handelnden, die stets vergehen, sondern ihre Handlungen gehen ein in die werdende Gottheit und formen unauslöschlich ihr nimmer entschiedenes Bild“.[4] Eine persönliche, leibliche Unsterblichkeit klammert Hans Jonas aus, er sieht die Möglichkeit, dass der Mensch in seinen Taten weiterlebt.
[1] Ebenda, Seite 381 [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Instagram#cite_note-36 [3] Seite 386, Hans Jonas, Das Prinzip Leben, 2. Auflage 2011, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main [4] Ebenda, Seite 389