6.Mai 1976 abends…

… acht Uhr und neunundfünfzig Minuten.

Das Erdbeben vom 6. Mai 1976, dessen Epizentrum in Friaul lag, war auch in Arnoldstein zu spüren. Ich erlebte die Erdstöße nicht als Rütteln, wie man gemein hin annimmt, sondern wie einen starken Seegang. In der Wohnküche saß ich beim Esstisch auf einem Stuhl und plötzlich wurde der Stuhl von einer Welle erfasst und in die Höhe gehoben. Für einen Moment glaubte ich, ich würde mit dem Kopf am Plafond anstoßen, dann senkte sich der Stuhl wieder. Erst danach, es war abends, acht Uhr und neunundfünfzig Minuten, vernahm ich ein Bersten und Knirschen und einzelne Dachziegel fielen vom Nachbarhaus auf die Straße. In Friaul starben bei dem Erdbeben fast tausende Menschen.

Bei meinem Spaziergang entlang des Kraftwerkskanal in der Schütt, dem Absturzgebiet des Dobratsch, geformt durch ein schweres Erdbeben am 25. Jänner 1348, stoße ich etwas später auf die Bärenbrücke. Diese überquert die Südautobahn und wurde durch die Anregung eines Straßenarbeiters errichtet, um den Braunbären das gefahrlose Überqueren der Autobahn zu ermöglichen. Durch den Bau der Autobahn wurde ein Stück ihres Reviers abgetrennt. Auf der Brücke befinden sich jetzt allerlei Spuren von Wildtieren, welche auf die andere Straßenseite wechseln. Die meisten Urlaubsreisenden können den Zweck der Brücke nicht entziffern, der Hinweis besteht aus einem stilisierten Bären in Beton. Die wenigsten wissen, dass es an der Südgrenze von Kärnten umherstreunende Bären gibt. Eine eigenständige Population ist nicht bekannt. Die meisten sind abenteuerlustige Bären, welche über die Karawanken von Slowenien nach Kärnten wechseln. Sie wandern von Neugierde und Hunger geplagt bis in das obere Gailtal, plündern Bienenstöcke und reißen Lämmer.

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