Der Hofnarr…

…und ich.

„Ich, der Hofnarr, frage mich, ob ich eigene Gedanken haben darf. Jede Frage führt zu einer anderen Frage, jede Antwort ist eine Frage. Die Selbstverständlichkeit, mit der man fragenden Kindern antwortet, ist eine der fragwürdigsten Handlungen. Auf die wichtigsten Fragen gibt es keine Antworten, die wichtigsten Fragen werden nicht gestellt. Es sind die Nebensächlichkeiten, die das größte Interesse hervorrufen. Ich, der Hofnarr, existiere nur aus unbeantworteten Fragen. Während man die Frage, wer die nächste Wahl gewinnt, monatelang in den Zeitungen und in Gesprächen erörtert und dabei bedenken muss, dass eine Wahl nicht das Geringste verändert, die Veränderungen im Staat nicht eine Folge des Wahlausganges sind, wird die wichtigste Frage, der gegenüber der Frage: Wie wird das Wetter?“ zur Nebensächlichkeit wird, nicht gestellt: „Warum stellt man Fragen?“

Für mich stellt sich die Frage, wann ist eine künstlerische, eine wissenschaftliche Arbeit fertig? Bei philosophischen Überlegungen kommt man zumeist nach mehreren Jahren nicht mehr zum gleichen Ergebnis. Der eine und andere Gedanke kommt dazu und kann das Ergebnis verändern. Es ist wahrscheinlich, dass die Lektüre der letzten Jahre diese Seminararbeit mitbestimmt. Dies meint Hans Jonas, wenn er sagt: „…..so ist es evident, dass dabei das persönliche Erleben, als Einfühlung in den Gegenstand, der selber ja Niederschlag von Erlebnis ist, in das Erkennen von Anfang bis zu Ende, bis in sein Ergebnis unzertrennlich hineingehört und die ganze Auslegung durchdringt“.[1]   „…. Das Persönliche mischt sich ein und damit die Zeit Gebundenheit, (….) Das heißt auch, das eine Sicht niemals das letzte Wort haben kann, wie sie ja auch in der Regel nicht das Erste war.“ [2]


[1]  Seite 8, Hans Jonas, Leben, Wissenschaft, Verantwortung, Ausgewählte Texte; Wissenschaft als persönliches Erlebnis, Verlag Reclam 2004 [2] Seite 9, Hans Jonas, Leben, Wissenschaft, Verantwortung, Ausgewählte Texte; Wissenschaft als persönliches Erlebnis, Verlag Reclam 2004

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