…in der Religion?
Den geschichtlichen Zeitraum für die Frage: „Gibt es einen Fortschritt in der Religion oder einen wissenschaftlichen Fortschritt welches religiöse Denken für obsolet erscheinen lässt“ werde ich für diese Übung ab der Neuzeit belassen. Der Duden erklärt die Bedeutung von Fortschritt9 so: „Unter Fortschritt versteht man eine positive Weiterentwicklung, im idealen Fall eine höhere Stufe der Entwicklung.“
Zu den positiven Weiterentwicklungen bei den christlichen Religionen zähle ich die Bereitschaft, dass sie sich mehr den Menschen zuwenden, den Nöten der Menschen mehr Raum geben. Geht man von den Berichten in den Evangelien aus, dann ist das Eintreten von Jesus für die Hilfsbedürftigen, seien es Aussätzige, Ehebrecher, Hilfslose und Kranke ein Eckpfeiler seines Wirkens. Die Ordensgründungen im Mittelalter gehen mit der Krankenpflege einher. In Österreich gibt es einige namhafte Ordenskrankenhäuser, wie jene der Barmherzigen Brüder, der Elisabethinen, der Kreuzschwestern u. a. Den Fortschritt bei dem Ordensspittal sehe ich darin, dass sie die Modernisierung in der Medizintechnik mitgemacht haben und trotzdem die christliche Zuwendung zum Menschen nicht vernachlässigen. Auf der Patientenmappe des „Kardinal Schwarzenberg Klinikum“ steht: „Geht nie mit den Kranken nachlässig um, sondern versorgt sie mit warmherziger Liebe“ 10. Bei meinem Aufenthalt in der Kardinal Schwarzenberg Klinik in Schwarzach im Pongau erlebte ich den sorgsamen Umgang des Krankenhauspersonal mit den Patienten. Bereits in der Ambulanz sitzt niemand in einer „Endlosschleife“, es wird versucht zu vermitteln, wann jeder drankommt. Beim Warten auf die Operation gab es viele tröstende Worte. Im Klinikalltag stellte sich jeder Mitarbeiter mit seinem Namen vor und erklärte was und warum er dies macht. Im Krankenzimmer: „Guten Morgen Herr Supersberger, ich bin Elvira, Krankenschwester im 2. Ausbildungsjahr. Darf ich ihnen den Blutdruckmessen oder soll ich später noch einmal vorbeikommen“?11 Die ärztlichen Visiten endeten mit der Frage: „Gibt es bei jemanden noch eine Unklarheit, gerne beantworten wir ihre Frage12“?
Als Vorbild für das soziale Engagement wirkte in Deutschland der katholische Priester Adolph Kolping, welcher sich im neunzehnten Jahrhundert für die Nöte der Handwerksgesellen eingesetzt hat. Er engagierte sich für den Kölner Gesellenverein als Auffangbecken für reisende Handwerksburschen und legte damit den Grundstein für das Kolpingwerk. Während meiner Ausbildungszeit in Spittal/Drau musste ich die Mittagsstunde, es waren zwei, auf eine gewisse Art und Weise verbringen. Im Frühjahr, Sommer und Herbst war dies an schönen Tagen kein Problem. Diese Zeit ließ sich gut im Park von Schloss Porcia mit Gleichaltrigen verbringen. Dort konnte ich genüsslich die Speckbrote von zu Hause, welche in der Volkszeitung eingewickelt waren und dazu einen Apfel, verzehren. Ungemütlich war es im Park an kühlen Regentagen oder über die Winterszeit. Die Verkäuferin vom Delikatessengeschäft machte mich auf das Kolpingheim aufmerksam und auf die Möglichkeit dort im geheizten Speisesaal die Mittagszeit zu verbringen. Dort bekam man für einen Schilling einen Sprudel und für drei Schilling eine warme Suppe. Gab es, bevor die Essensausgabe geschlossen wurde, noch einen Rest vom Mittagsmenü, schenkte uns der Präsens ein Hauptgericht. Für mich war in den 60er Jahren das Kolpingheim in Spittal/Drau in der Übergangszeit und im Winter eine Wärmestube.
LV-Religionen und Religiosität, Paris Lodron Universität.