… auf die schiefe Bahn.
Als ehemaliger Ministrant kann ich mich an diese Glockenweihe erinnern. Wohl, weil bei der Einweihung im letzten Moment ein Malheur verhindert wurde. Rund um die Kirche befindet sich der Friedhof und von dort aus wurde aus Brettern eine Rutsche zum Fenster des Kirchturms gebaut. Die Glocken wurden nach der Segnung mit einer Seilwinde in den Kirchturm hochgezogen. Bei diesem Manöver ist eine Glocke auf die „schiefe Bahn“ gekommen und drohte von der Rutsche auf die Kirchenbesucher herabzustürzen. Nur dem schnellen Eingreifen von ein paar beherzten Kirchenräten konnte dies verhindert werden. Pfarrer Wilfer unterstütze mich in den Ferien mit Nachhilfestunden, in Latein und Mathematik. Im Pfarrhaus wohnten auch die Pfarrhaushälterin und der Messner Stowasser, sowie einige Katzen. Der Messner war mein Firmpate, von ihm bekam ich zur Firmung eine Uhr. Mit seiner Wünschelrute erwirtschaftete er einen Beitrag zum Pfarrhaushalt. Täglich erhielt er zahlreiche Briefe und empfing Besucher von Menschen welche gesundheitlich angeschlagen waren. Den Briefen lag ein benütztes Taschentuch bei und mit seiner Wünschelrute fuhr er die Liste seiner handschriftlich verfassten Notizen entlang. An jenen Krankheitsbildern, bei der die Wünschelrute zu schwingen begann, litten die Hilfesuchenden.
Nach der Diagnose verschrieb er den Patienten eine oder mehrere Teemischungen. Die Bezahlung erfolgte nach eigenem Gutdünken. In den 60er Jahren gaben ihm die Hilfesuchenden für die Diagnose zumeist eine zwanzig Schilling Note. In einer Fotoausstellung im Ferndorfer Gemeindesaal zum Thema Ortsentwicklung, den Festen im Jahreskreislauf waren viele private Fotos aus den 50er, 60er und 70er Jahren dabei. Darunter ein Foto von der „Pfarrfamilie von St. Paul“. Auf dem Parkplatz zur Pasterze am Großglockner blickten Pfarrer Wilfer, der Messner Stowasser und die Pfarrhaushälterin mit einer Katze an der Leine, in die Kamera.